Patrick Schuhmann katapultiert seinen Kollegen in die Luft. Aus sechs Metern Höhe springt er auf die schmale Holzwippe, der Kollege fliegt, der nächste springt, Schuhmann wirbelt durch die Luft, schlägt einen Salto. Der 22-Jährige ist Akrobat. Und zwar nicht irgendeiner, sondern unter mehr als tausend der einzige Deutsche beim Cirque du Soleil, dem kanadischen Zirkusgiganten, der zurzeit in Hamburg gastiert.
Seine Karriere begann in einem Kinderzirkus am S-Bahnhof, mitten in der Plattenbautristesse von Berlin-Marzahn. Patrick Schuhmann galt als Problemjunge. "Der Zirkus hat mich von der Straße geholt", sagt er. Im "Cabuwazi Springling Marzahn" trainieren mehr als 300 Kinder und Jugendliche aus dem Stadtteil, ohne dafür zahlen zu müssen. Schuhmann war ein so guter Turner, dass man dort ein Bewerbungsvideo von ihm drehte und an die renommierteste Zirkusschule der Welt schickte, die National Circus School im kanadischen Montreal.
Als die Zusage kam, war Patrick Schuhmann 16 Jahre alt. Schon die Hauptschule war ihm schwer gefallen - und nun sollte er Unterrichtsfächer wie Anatomie auf Französisch bestehen? Auch die Kosten waren ein Problem: Privatschule und Unterkunft in Kanada beliefen sich auf 12.000 Euro im Jahr. Seine Mutter kratzte alle Ersparnisse zusammen, schob im Krankenhaus Überstunden. Scheitern war für Patrick Schuhmann nun keine Option mehr. Wegen schlechter Leistungen im Fach Anatomie wäre er fast von der Schule geflogen, aber er riss sich zusammen und schaffte 2010 den Abschluss. Dann heuerte er beim Cirque du Soleil an. In der Show "Corteo", italienisch für "Festzug", tritt er zusammen mit 61 Artisten aus über einem Dutzend Nationen auf.
Angst um seine Zukunft hat er aber nicht: "Finanziell bin ich abgesichert." Wie viel die Artisten beim Cirque du Soleil verdienen, dürfen sie nicht erzählen. Es ist aber deutlich mehr, als Profisportler verdienen. Schuhmann träumt vom Immobiliengeschäft in seiner Heimatstadt Berlin. Von dort kommt "Corteo" gerade. Es sei toll gewesen, mal wieder zu Hause zu sein, sagt er: "Aber ich kann nicht mehr lange am selben Ort sein." Und seine Freundin reist sowieso immer mit. Als Teenager lernten sich die beiden in Berlin kennen. Jetzt arbeitet sie beim Zirkus im Service.
Markus Huth/dapd/vet
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