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Diskriminierung Übergewichtige Bewerberin scheitert mit Klage

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Corbis

Zu dick für den Job? Diskriminierung ist schwer nachzuweisen

Eine Frau bekam einen Job als Geschäftsführerin nicht, angeblich weil sie zu dick ist. Sie fühlt sich diskriminiert und forderte eine Entschädigung von 30.000 Euro. Jetzt wies das Arbeitsgericht Darmstadt ihre Klage ab.

Kann man für einen Job zu dick sein? Vor allem, wenn man Kleidergröße 42 trägt? Und darf der Arbeitgeber die Körperfülle thematisieren? Diese Fragen beschäftigte am Donnerstag das Arbeitsgericht Darmstadt.

Dort trafen sich eine angeblich als zu dick abgelehnte Bewerberin und ihr potenzieller Arbeitgeber. Die Frau berief sich auf das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und klagte auf 30.000 Euro Entschädigung - nach ihrer Auffassung bekam sie einen Führungsposten nicht, weil man sie für zu dick hielt.

Jetzt ist sie vor dem Arbeitsgericht Darmstadt gescheitert, das keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz sah. Eine gütliche Einigung hatte die 42-jährige Klägerin zuvor abgelehnt. Nun will sie vor das Landesarbeitsgericht in Frankfurt ziehen.

Zum Prozesstermin erschien die Frau zusammen mit ihrem Rechtsanwalt Klaus Michael Alenfelder, der auf AGG-Klagen spezialisiert ist. Anders als etwa Geschlecht, ethnische Herkunft, Religion, Alter oder Behinderung führt das Gesetz das Aussehen nicht als verbotenen Diskriminierungsgrund auf. Nach Alenfelders Ansicht verstößt eine Ablehnung mit Hinweis auf die Körperfülle dennoch gegen das AGG. "Es geht hier klar um Abschreckung, um den Schutz der Menschenrechte", sagte er.

"Ich habe richtig geheult"

Nach eigener Aussage wiegt die Frau 83 Kilo bei einer Größe von 1,70 Metern und trägt Kleidergröße 42. Sie hatte sich 2012 bei dem Verein "Borreliose und FSME Bund Deutschland" um die Stelle als Geschäftsführerin beworben.

Das erste Gespräch verlief nach Aussagen der Klägerin positiv. Wie sie dem SPIEGEL erzählte, habe sich dann aber die damalige Stellvertreterin der Organisation bei ihr gemeldet und in einer E-Mail gefragt, "was dazu geführt hat, dass Sie kein Normalgewicht haben". Und weiter: "Im jetzigen Zustand wären Sie natürlich kein vorzeigbares Beispiel und würden unsere Empfehlungen für Ernährung und Sport konterkarieren. Vielleicht haben Sie ja auch einen plausiblen Grund, der in den Griff zu bekommen ist."

Zu einer Aussprache kam es nicht: Die Bewerberin fühlte sich durch diese Aussagen verletzt - und klagte. "Ich habe richtig geheult", sagte sie über die Ablehnung. "Als ob mir jemand mit der Axt in den Nacken schlägt."

Kein Einzelfall, meint Gisela Enders. Die Vorsitzende des Vereins Dicke e.V. begrüßte das Verfahren in Darmstadt. Vor allem übergewichtige Menschen werden nach ihrer Ansicht bei der Jobsuche benachteiligt. "Die soziale Stigmatisierung bei der Arbeitssuche ist gegeben, aber sie ist schwer nachzuweisen", sagt Enders. "Meistens werden Menschen ja allein schon wegen ihres Fotos aussortiert."

Die Richterin indes wertete die Ablehnung nicht als "entschädigungspflichtigen Eingriff" und hielt auch nicht für bewiesen, dass die Klägerin in erster Linie wegen ihres vermeintlichen Übergewichtes erfolglos auf Jobsuche war. Zudem erinnerte sie die Klägerin daran, dass es sich bei der verklagten Organisation um einen gemeinnützigen Verein handele und nicht um ein börsennotiertes Unternehmen.

"Wie kann eine Richterin nur so daneben liegen?", fragte die Klägerin schockiert. Ihr Anwalt Alenfelder will nicht aufgeben: "Wenn wir in diesem Fall nicht gewinnen, wird kein einziges Verfahren mehr durchkommen."

dpa/end/jol

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insgesamt 225 Beiträge
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1. Egal ob AGG oder nicht - was ist denn das für eine Antwort?
axel_roland 12.06.2014
Denken darf ein Arbeitgeber ja was er will - und wenn er einen Bewerber wegen seines Aussehens nicht haben will ist das vielleicht nicht nett aber immer noch seine Sache. Aber SO eine Absage zu schicken ist ja total daneben...
2.
BlakesWort 12.06.2014
Irgendwie ist es ziemlich zwiespältig zu beurteilen. Den Personaler würde ich sofort vor die Tür setzen. Ablehnung aufgrund solcher Gründe sind diskriminierend. Selbst wenn niemand einen 200-Kilogramm-Menschen als Fitness-Modell einstellen würde, sagen darf man sowas nicht. Andererseits hat so etwas auch mit Grundsatzentscheidungen zu tun. Am Ende klagen sich sonst Moppel auf Stellen (zum Beispiel in den Polizeidienst), für den sie aufgrund von Übergewicht nicht geeignet sind.
3. Dick sein
ahloui 12.06.2014
ist ja leider schon fast zur Normalität geworden. Auch wenn man krank davon wird, eine Krankheit ist es deshalb noch lange nicht. Vielleicht sollte die Dame mal bei sich selbst anfangen, anstatt nun auf "Entschädigung" zu klagen.
4. @ axel_roland
ährlischer 12.06.2014
Aber wenigstens ehrlich. Wenn man sich für eine Firma bewirbt wo man nach aussen hin diese Firma repräsentiert und ist dann eine 83 Kilo Wuchtbrumme. Aber anscheinend hat die Klägerin das nicht kapiert und glaubt,gesundheitliche Argumente, die allgemein gegen Übergewicht sprechen ( wie zB Herz-/ und Kreislaufprobleme, Knochen etc ) mit Klagen wegen angeblicher Diskriminierung verdrängen zu können statt mal den Ernährungsplan umzustellen und Sport zu machen um den Körper wieder in den Bereich eines Normalzustandes zu versetzen.......... Nee danke.
5.
ThoR1234 12.06.2014
Erst dachte ich "Was will die überhaupt?", aber die zitierte E-Mail spricht Bände.
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