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Berufsbild Milchtechnologe Alles andere ist Käse

Vorher/nachher: Links pasteurisiert, rechts noch körperwarm Zur Großansicht
DPA

Vorher/nachher: Links pasteurisiert, rechts noch körperwarm

Vom Euter in den Tetrapak: Damit aus Rohmilch auch was wird, braucht man Milchtechnologen. Sie passen in den Großmolkereien auf, dass Joghurt, Käse, Butter und Milch hygienisch produziert werden. Gute Milchmänner probieren am Ende alles selbst.

Manche finden, Milch sei das einzige Nahrungsmittel, das zwingend industriell verarbeitet werden muss. Warme Kuhmilch direkt aus dem Euter ist eben nicht jedermanns Sache.

Milch, Joghurt, Butter und Käse hat man zwar im Kühlschrank, aber wie sie da genau hinkommen, weiß man nur ungefähr. Die Fachkräfte, die dafür sorgen, dass aus der Rohmilch ein pasteurisierter Liter im Tetrapak wird, sind die Milchtechnologen. Sie passen auf, dass in Molkereien, Käsereien oder Milchwerken die Hygienestandards und alle anderen lebensmittelrechtlichen Vorschriften eingehalten werden. Nur Kühe sehen sie nie.

Etwa 1700 Milchtechnologen gibt es in Deutschland, sagt Torsten Sach vom Milchindustrie-Verband in Berlin. Der Frauenanteil liegt je nach Region zwischen 15 und 20 Prozent. Damit keine Verwirrung aufkommt: Bis 2010 hieß der Beruf noch "Molkereifachmann".

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Cowgirl Luise: Arbeit an der Superkuh
Wenn die Milchsammelwagen von ihren Touren über die Bauernhöfe zurück in die Molkerei kommen, beginnt die Arbeit der Fachleute. Schon Azubis lernen, wie sie Rohmilch auf Geruch, Farbe und Temperatur untersuchen und Proben zur weiteren Analyse entnehmen. Sie arbeiten in hochtechnisierten Betrieben, richten Produktionsanlagen ein, steuern und kontrollieren sie.

In einer Zentrifuge wird die Milch zunächst gefiltert und entrahmt. Dann erst können andere Produkte wie Käse oder Butter hergestellt werden. Die Milchtechnologen achten darauf, dass alles richtig abgefüllt und verpackt wird, hinterher säubern und desinfizieren sie die Maschinen. Und sie müssen dabei sehr genau sein: Jeder Fehler kann aus einer ganzen Joghurtproduktion Abfall machen.

Der Hang zu Sorgfalt und Sauberkeit fängt schon bei der Berufskleidung an: Milchtechnologen kleiden sich im Job komplett in Weiß, die Haare stecken unter einer Haube, Schmuck muss vor Schichtbeginn abgenommen werden.

Während der Ausbildung müssen die Spezialisten keine Kühe melken oder im Stall arbeiten. Aber sie lernen immerhin, wie die Kuh Milch produziert. Die praktischen Fähigkeiten erwerben Azubis im Produktionsbetrieb, außer Chemie, Physik und Mikrobiologie sind ihre wichtigsten Fächer an der Berufsschule "Milcherzeugung" und "Molkereitechnik".

Kühe haben auch kein Wochenende

Außerdem müssen Azubis technisch begabt sein, sagt Manfred Wiest, Personalchef bei Omira, einer Großmolkerei in Ravensburg. Zwar ist formell kein Schulabschluss vorgeschrieben, bei Omira brauchen Lehrlinge jedoch mindestens den Hauptschulabschluss. In den Naturwissenschaften sollte der Notendurchschnitt "befriedigend" sein. Wer in irgendeinem Fach ein "Mangelhaft" hat, hat erst gar keine Chance.

Die Ausbildung dauert in der Regel drei Jahre, lässt sich aber verkürzen, etwa wenn die Azubis Abitur haben. Nach der Ausbildung können die Fachkräfte eine Fortbildung zum Molkereimeister oder -techniker machen oder an einer Hochschule Lebensmitteltechnologie mit dem Fokus Milchwirtschaft studieren.

Auch Umsatteln ist kein Problem: Da Milchtechnologen sich mit Hygienestandards in der Lebensmittelproduktion auskennen, können sie später auch in anderen Zweigen der Ernährungswirtschaft anheuern.

Natürlich ist es ein Nischenberuf. Aber die Berufschancen sind für Milchmänner und -frauen gut: "Es gibt keine arbeitslosen Milchtechnologen", sagt Verbandsmann Sach. In der Branche wird nach Tarif bezahlt, laut Bundesagentur für Arbeit verdienen die Azubis im ersten Lehrjahr zwischen 499 bis 728 Euro, 553 bis 816 Euro im zweiten und 629 bis 934 im dritten. Nach der Ausbildung gibt es zwischen 2577 und 3010 Euro. Die Zuschläge noch nicht mitgerechnet - denn wer in einer Molkerei arbeitet, muss sich darauf einstellen, auch an Wochenenden und nachts zu arbeiten. Die Produktionsanlagen können nicht abgeschaltet werden. Und die Kühe machen schließlich auch kein Wochenende.

Eine echte Fachkraft ist übrigens leicht zu erkennen: Sie probiert die Milch am Ende selbst.

dpa/hae

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insgesamt 7 Beiträge
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    Seite 1    
1. Eines fehlt
Trivalent 31.03.2013
Zitat von sysopDPAVom Euter in den Tetrapack: Damit aus Rohmilch auch was wird, braucht man Milchtechnologen. Sie passen in den Großmolkereien auf, dass Joghurt, Käse, Butter und Milch hygienisch produziert werden. Gute Milchmänner probieren am Ende alles selbst. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/die-milch-macht-s-von-beruf-milchtechnologe-a-891124.html
So sehr ich begrüße, dass der Weg rund um die Milch dargestellt wird, so sehr bedauere ich die Einstellung, dass die frische Kuhmilch, so wie sie aus dem Euter kommt. als Rohware bezeichnet wird. Verarbeitungstechnisch mag das eine Sichtweise sein. Aus biologischer Sicht ist Milch, direkt von der Milchdrüse, in ihrem vollwertigsten Zustand überhaupt. Deshalb würde ich diese "Voll"-Milch, auch gefiltert und gekühlt, als das wertigste Lebensmittel überhaupt bezeichnen und nicht als Rohware. Natürlich sind Pasteurisierung und Homogenisierung, industriell gesehen notwendig und keine wirkliche Abwertung. Aber es ist eben eine Bearbeitung zu Gunsten der Sicherheit und der weiteren Verarbeitung, aber durchaus mit einer in Kauf genommenen Minderung der Vitalstoffe (Vitamine, Enzyme usw.).
2. Es gibt auch noch
webmann 31.03.2013
Rohmilch zu kaufen, wenn auch selten. Verbessert wird die Milch aber durch die Verarbeitungsprozesse nicht. Das Eiweiß wird verändert beim Erhitzen und anderes mehr. Früher hat man die Milch direkt vom Bauern bekommen und die schmeckte besser als die industriell behandelte. Vielleicht googelt man mal nach Pottenger Versuche.
3. Stimmt
Trivalent 31.03.2013
Zitat von webmannRohmilch zu kaufen, wenn auch selten. Verbessert wird die Milch aber durch die Verarbeitungsprozesse nicht. Das Eiweiß wird verändert beim Erhitzen und anderes mehr. Früher hat man die Milch direkt vom Bauern bekommen und die schmeckte besser als die industriell behandelte. Vielleicht googelt man mal nach Pottenger Versuche.
Frische Vollmilch, also ohne Pasteurisierung, gibt es auch heute noch bei einigen Bauern zu kaufen (Eiserne Kuh = Gekühlter Abfüllautomat) Früher war der Milchverkauf ab Hof verbreiteter, klar. Es gab aber auch Vorzugsmilchbetriebe, die das sogar gewerblich betrieben. Leider wurde denen, durch immer härtere Auflagen, die damit verbundenen Kostensteigerungen, zum Verhängnis. Auch heute ist ein Hinweisschild bei den Hof-Verkaufsstellen Pflicht, auf dem steht, dass diese Milch abgekocht werden soll.
4. Ich wundere mich immer...
ali.wie.brecht 31.03.2013
Zitat von webmannRohmilch zu kaufen, wenn auch selten. Verbessert wird die Milch aber durch die Verarbeitungsprozesse nicht. Das Eiweiß wird verändert beim Erhitzen und anderes mehr. Früher hat man die Milch direkt vom Bauern bekommen und die schmeckte besser als die industriell behandelte. Vielleicht googelt man mal nach Pottenger Versuche.
über die Leute, die erzählen, dass sie früher Rohmilch vom Bauern bekommen haben. Ich unsere Nachbarn (Ende '50er/Anfang '60er Jahre) nutzten nur abgekochte Milch. Direkt aus dem Euter hat man nur als Kinderschabernak getrunken. Und abkochen sollte man Rohmilch, da sie ein beliebtes Aufenthaltsgebiet von EHEC, Campylobacter, Salmonellen, Listerien, Brucellosen, Mykobakterien und Staphylococcus aureus ist. Da mir gekochte Milch nie geschmeckt hat, habe ich immer Molkerei-Milch vorgezogen.
5. Interessant
Trivalent 31.03.2013
Zitat von ali.wie.brechtüber die Leute, die erzählen, dass sie früher Rohmilch vom Bauern bekommen haben. Ich unsere Nachbarn (Ende '50er/Anfang '60er Jahre) nutzten nur abgekochte Milch. Direkt aus dem Euter hat man nur als Kinderschabernak getrunken. Und abkochen sollte man Rohmilch, da sie ein beliebtes Aufenthaltsgebiet von EHEC, Campylobacter, Salmonellen, Listerien, Brucellosen, Mykobakterien und Staphylococcus aureus ist. Da mir gekochte Milch nie geschmeckt hat, habe ich immer Molkerei-Milch vorgezogen.
So kenne ich das nicht. Habe selbst über 60 Jahre lang nur Milch, direkt von der Kuh, getrunken, logisch als Landei vom Hof. Von Anderen aus ähnlichen Verhältnissen kenne ich es nicht anders. Ihre Aufzählung von Krankheitserregern mag sich Besorgnis erregend lesen, in der Praxis aber hätten die meisten Europäer noch nicht einmal das Mittelalter erreicht, oder gar überlebt, wenn die Milch so eine biologische Todeswaffe gewesen wäre. Aber in einem haben Sie unbewusst recht, es ist gut, dass wir Zeitgenossen nicht wissen, was unser Immunsystem tagtäglich an krankmachenden Keimen vernichtet. Dagegen ist ihre Aufzählung ein Nasenwasser. Sicher ist Ihnen auch bewusst, dass die vielen Allergien und manche anderen Krankeheiten darauf zurück zu führen sind, dass das Immunsystem des heutigen Hygiene-Menschen zu wenig mit den weniger annehmlichen Seiten von Mutter Natur zu tun hat.
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