• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Spektakuläre Büros Die schönsten Arbeitsplätze der Welt

Spektakuläre Büros: Arbeitest du noch oder wohnst du hier schon? Fotos
Hassell/ Foto: Pirak Anurakyawachon/ Gestalten

Manche Büros muss man nicht mal zum Joggen verlassen. Ob mit Laufstrecke oder Kuschelecke, Halfpipe oder Hantelraum - weltweit motzen Firmen ihre Arbeitsplätze auf. Die schönsten und skurrilsten stellt ein neuer Bildband vor. Aber wozu das alles?

Auf der blauen Tartanbahn rennen die Leute so schnell, dass sie auf den Fotos ganz verschwommen sind. Sie laufen vorbei an einer Aerobic-Klasse, an Tischtennisplatten, an einer Band, die gerade probt. Sieht aus wie ein Freizeitzentrum. Es ist aber das Firmengebäude des Mobilfunkanbieters DTAC in Bangkok.

Der Bürokomplex ist ein Beispiel dafür, wie Arbeit heute neu gedacht wird: Der Arbeitnehmer soll in der Firma alles finden, was er braucht, um sich wohlzufühlen und möglichst gut zu arbeiten. Gut drei Dutzend solcher Bürohäuser aus aller Welt stellt die Architektin Sofia Borges jetzt in einem Buch vor: "Work Scape" zeigt ausführliche Fotostrecken und die Grundrisse diverser Firmenetagen.

In ihrer Unterschiedlichkeit sind die Büros auch ähnlich: Alles ist zerklüftet, nirgends einheitliche Büromuster, mal gibt es größere Stuhl-Tisch-Anballungen, mal kleine Einzelnischen. "Das ist auch eine Seite der Globalisierung", findet Borges und beschreibt diese Arbeitskultur als "mittlerweile standardisiert". Ob die plüschigen Konferenzräume bei Google in London, die knallbunte Teeküche des Sportartikeldesigners Hurley, die umgebaute Fabrikhalle vom Modeimperium Urban Outfitters oder die holzverkleideten Sitznischen bei Jung von Matt in Hamburg: Es sind Wohlfühlorte. Büros sehen anders aus. Arbeit sieht anders aus.

Fotostrecke

26  Bilder
Das verrückteste Büro der Welt: Im Baumhaus ist ein Schreibtisch frei
In diesen Unternehmen soll Arbeit nicht einfach nur ein Nine-to-Five-Job sein, hier soll keiner allein für die Gehaltsüberweisung am Monatsende schuften. "Arbeit ist auch ein Ausdruck der Persönlichkeit", so beschreibt es Borges. "Es sollte das sein, was du wirklich machen willst. Und genau auf diesen Funken sind Arbeitgeber bei ihren Mitarbeitern aus."

Einfach irgendwo eine Rutsche einzubauen, das reiche schon lange nicht mehr. Die architektonischen Tricks, die Mitarbeiter zum kreativen und inspirierten Arbeiten anleiten sollen, sind vielfältiger geworden. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass jeder unter anderen Bedingungen produktiv ist. Manche brauchen absolute Ruhe, andere beflügelt eine Kaffeehaus-Atmosphäre, oder sie bekommen am besten beim Gewichtestemmen den Kopf frei.

Eine schöne Fassade reicht nicht mehr

Die individuellen Büroräume finden sich längst nicht mehr nur in der Kreativwirtschaft, wo es quasi Teil der Jobbeschreibung ist, sich von den Musen küssen zu lassen. Auch ein Ingenieurbüro in Stuttgart oder eine Bank in Melbourne setzen mittlerweile auf kleine Couchecken und ausufernde Tischlandschaften in Neongelb.

Selbst die Ikone der Abschottung, das verhasste Cubicle, erlebt ein Revival. Hinter der Trennwand-Kultur stecke eigentlich eine sinnvolle Idee, meint Borges. So sieht es auch der Architekt Edward Ogosta. Er hat die Einzelboxen für eine Medienagentur in Los Angeles weiterentwickelt: als Rückzugsorte im Raum, im skandinavischen Spanholz-Look. Für Borges "das Cubicle des 21. Jahrhunderts".

Fotostrecke

21  Bilder
Google London: Die wunderbare Welt der Suchmaschinisten
"So kann man Marken auch visuell stärken", sagt sie. Um Kunden oder neue Mitarbeiter anzusprechen, reiche eine schöne Fassade längst nicht mehr. Ein Haus, das etwas auf sich halte, zeige, wie seine Büros aussehen. Design als Währung. "Die Arbeitskultur ist dadurch transparenter geworden", sagt Borges, "und das reguliert zugleich die Arbeitsethik."

Einen Aha-Moment erlebte sie beim Filmgiganten Dreamworks in Hollywood. In der Kantine erzählten die Leute mittags von ihren Yoga-Stunden. "Und wann arbeitet ihr?", fragte Borges. Die Antwort: "Wenn wir inspiriert sind."

Ob Sportkurse, Proberäume, Skateboard-Rampen oder Geschäfte in der Firma - "das sind keine Kosten für ein Unternehmen, es ist eine Investition", zitiert das Buch den Kreativdenker Sir Ken Robinson. Und genau da wird es problematisch: Geht es in Wahrheit nur darum, die Mitarbeiter so lange wie möglich im Haus zu halten? Das ist die Kehrseite, wenn die Rede ist von flexiblen Arbeitszeiten, der Auflösung von Beruflichem und Privatem, von Arbeit und Vergnügen. "Ein schmaler Grat", sagt Borges.

Wer im Google-Headquarter in London bis nachts gemütlich herumlungert, tut das zwar in einer schick designten Wohnzimmerlandschaft. Aber es ist eben eine Simulation von einem Zuhause, eine Illusion. Es bleibt Arbeit.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Anne Haeming (Jahrgang 1978) ist freie Journalistin in Berlin.

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 18 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Verständnis von Arbeit
mitleserb 23.09.2013
Leider hat die Autorin ein eher letztjahrhundertliches Verständnis von Arbeit. Wenn ich Arbeit als Broterwerb zum Leben definiere, komme ich zu den gleichen Schlüssen wie sie. Das ist aber Arbeit für viele schon lange nicht mehr. In der Wissensgesellschaft ist Arbeit im besten Fall ein Beruf im Sinne einer Berufung. Für die Kreativen, die Wissensarbeiter in der IT, für Banken und Versicherungen, im ganzen Dienstleistungs/Bürosektor verändert sich die Arbeitswelt und eine Arbeitskraft, die locker mal eben 5-10 kEUR im Monat verdient, ist teuer. Warum diese Menschen durch Giesskannengrau und Cubicles ausbremsen wenn sie in anderen Umgebungen besser sind?
2. Buch
badaboom 23.09.2013
Und wie heisst der Bildband nun?
3.
anomie 23.09.2013
Zitat von mitleserbLeider hat die Autorin ein eher letztjahrhundertliches Verständnis von Arbeit. Wenn ich Arbeit als Broterwerb zum Leben definiere, komme ich zu den gleichen Schlüssen wie sie. Das ist aber Arbeit für viele schon lange nicht mehr. In der Wissensgesellschaft ist Arbeit im besten Fall ein Beruf im Sinne einer Berufung. Für die Kreativen, die Wissensarbeiter in der IT, für Banken und Versicherungen, im ganzen Dienstleistungs/Bürosektor verändert sich die Arbeitswelt und eine Arbeitskraft, die locker mal eben 5-10 kEUR im Monat verdient, ist teuer. Warum diese Menschen durch Giesskannengrau und Cubicles ausbremsen wenn sie in anderen Umgebungen besser sind?
Was wollen Sie denn? Sie sagen doch selbst, dass es eine Minderheit ("Kreative" und "Wissensarbeiter" - was auch immer Sie damit schönreden möchten..) sei, die in Zuckerwatte gepackt werden müssen, damit sie nicht "ausgebremst" werden. Für die meisten in diesen bunten Hippie-Büros bleibt es nichts als Arbeit. Alles andere ist bürgerliche Chef-Propaganda.
4. Ein Büro
eigene_meinung 23.09.2013
ist zum Arbeiten da. Und dafür brauche ich keinen Schnickschnack, sondern einen Stuhl, einen Schreibtisch, Ablageorte für Unterlagen und Fachbücher, angemessene Arbeitsmaterialien (Telefon, PC, ...) und vor allem Ruhe, um mich zu konzentrieren. Leider sehen das die Management-/Marketing-/Psychofuzzis nicht ein, da sie nicht wirklich arbeiten. Deshalb ist der Alltag ein Großraumbüro mit allen Nachteilen und ohne die angeblichen Vorteile.
5. Keine Illusion
spon-facebook-1151107866 23.09.2013
Ich stimme dem Artikel nicht zu. Arbeitsplätze wie Google und mittelgroße Unternehmen bieten zwar ein angenehmes, wenn nicht einzigartiges Arbeitsklima. Sie stärken jedoch auch zusätzlich die Mitarbeiterkultur und soziale Kompetenzen auf einer täglichen Basis. Mitarbeiter bleiben daher auch gerne länger im Büro - und das nicht unbedingt um zu arbeiten sondern auch um dort seinen Feierabend zu starten. Von daher kann von einer Fassade in vielerlei Hinsicht keine Rede sein.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Arbeitswelt der Zukunft - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen



Fotostrecke
Ausgefallene Firmensitze: Bürojobs im Wasserturm und im Bunker
Verwandte Themen

Buchtipp
Fotostrecke
Schreibtische im weltweiten Vergleich: Grünzeug, Kitsch und Autoschlüssel


Fotostrecke
Büros im Test: Bunt und dämmrig macht kreativ

Social Networks