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Gehaltsumwandlung Chef, ich will zwei Diensträder!

Dienstfahrrad: Mit freundlicher Unterstützung vom Fiskus Fotos
ebm-papst

Ein Rennrad und dazu ein E-Bike, gesponsort vom Finanzamt? Kein Problem, seit das Dienstwagenprivileg auch für Fahrräder gilt. Dem Konto tut das so gut wie der Gesundheit, deshalb satteln viele Mitarbeiter um.

Fünf Kilometer fährt Boris Roggenbach, 42, jeden Morgen von zu Hause bis ins Büro. Früher setzte er sich auf sein eigenes Rad, seit einem Jahr auf ein 4000 Euro teures E-Bike. "Das ist praktisch", sagt der Ingenieur aus Landshut. "Ich bin flott unterwegs und komme trotzdem nicht so verschwitzt an."

Roggenbach hatte schon eine Weile mit einem E-Mountainbike geliebäugelt, der Kaufpreis von 4000 Euro schreckte ihn aber ab. Doch seit Ende 2012 gilt das Dienstwagenprivileg auch für Fahrräder. Und als sein Arbeitgeber E-Bikes als Diensträder anbot, schlug er zu. "Ich fahre das ganze Jahr durch", sagt Roggenbach - außer wenn im Winter die Straßen feucht sind. "Das Salzwasser schadet dem Rad."

Im Juni 2013 startete der Motoren- und Ventilatorenhersteller ebm-papst das Projekt Dienstrad. Allein am Standort Landshut haben seitdem 124 von 1100 Mitarbeitern ein hochwertiges Fahrrad über ihren Arbeitgeber geleast, teilt das Unternehmen mit. Am Firmenstandort St. Georgen im Schwarzwald gibt es 70 Verträge, in Mulfingen bei Heilbronn hat die Dienstrad-Einführung gerade begonnen. Das Projekt nütze Mitarbeitern und Unternehmen gleichermaßen, weil Bewegung die Gesundheit fördere, sagt der Landshuter Personalleiter Kai Gebhardt.

Es funktioniert genau wie die Gehaltsumwandlung beim Dienstwagen: Die Leasingrate wird vorm Versteuern vom Gehalt abgezogen, so sparen Arbeitnehmer Steuern. Das von der Firma geleaste Rad dürfen sie privat nutzen - ob zum Wochenendausflug oder für den Arbeitsweg. Damit unterscheiden sich Diensträder kaum von den meisten Dienstwagen.

"Wenn einer angefangen hat, wollen immer mehr ein Rad"

Versteuert werden muss der sogenannte geldwerte Vorteil. Das klingt kompliziert, lohnt sich aber für den Arbeitnehmer: Unterm Strich zahlt er für das Rad 30 bis 40 Prozent weniger, als wenn er es selbst im Laden gekauft hätte. Ein per Gehaltsumwandlung zur Verfügung gestelltes Bike kostet das Unternehmen keinen Cent, sieht man vom Verwaltungsaufwand vor allem in der Personalabteilung ab.

Die Leasing-Organisation lohnt sich für die Firma nur, wenn ein Dienstrad mindestens 1000 Euro kostet. Bei ebm-papst dürfen Mitarbeiter Fahrradtyp und -händler frei wählen. Im eher flachen Landshut entscheiden sich drei Viertel für ein hochwertiges Rad ohne Elektroantrieb; im bergigen St. Georgen liegt der E-Bike-Anteil bei 75 Prozent.

Wie viele Arbeitnehmer bundesweit derzeit ein Dienstrad nutzen, weiß niemand genau. Beim Bundesfinanzministerium heißt es, dazu gebe es keine Statistik. Daten kennen am ehesten die auf Fahrradleasing spezialisierten Anbieter, etwa Leasing eBike aus Bremen oder LeaseRad aus Freiburg. Doch die wollen die Zahl laufender Verträge nicht publik machen.

"Wir hatten Anfang 2013 viele Anfragen und konnten diese teils gar nicht bearbeiten", sagt LeaseRad-Sprecher Stephan Eichenseher. Trotzdem sei das Geschäft schleppend angelaufen, vor allem wegen der in Großunternehmen oft langen Entscheidungswege. Inzwischen sei die Entwicklung aber positiv: "Wenn in einer Firma erst einmal einer damit angefangen hat, wollen immer mehr ein Rad."

Nimm zwei

Was viele Arbeitnehmer nicht wissen: Ein Dienstauto ist kein Hindernis für ein Dienstrad, man kann auch beides haben. Sogar zwei Diensträder für einen Arbeitnehmer sind möglich. So hat Kai Gebhardt, Personalchef bei ebm-papst in Landshut, ein Single Speed im Wert von 1400 Euro und ein E-Bike für 3500 Euro geleast.

Großzügige Arbeitgeber können Fahrräder auch auf eigene Rechnung anschaffen und ihren Mitarbeitern zur Privatnutzung überlassen, ohne das Gehalt zu kürzen. Als einzige Kosten müssen Arbeitnehmer dann den geldwerten Vorteil des Rades versteuern: ein Prozent des Fahrradpreises. Bei einem 1000-Euro-Rad wären zehn Euro zusätzlich zu versteuern - das sind je nach Steuersatz nur 1,40 bis 4,50 Euro pro Monat.

Die Berliner Firma Babbel hat gerade ihren 120 Mitarbeitern Diensträder im Wert von 1000 Euro angeboten. Die Online-Sprachschule übernimmt die Anschaffung und auch regelmäßige Inspektionen in einer Fachwerkstatt. "Wir wollen unseren Mitarbeitern ein richtig gutes Fahrrad bieten, das sie jeden Tag gern nutzen", sagt Geschäftsführer Markus Witte. 70 Mitarbeiter nahmen an und bestellten individuell angepasste Räder in ihrer Größe. Nur über Lackierung und Beschriftung entschied Babbel allein, bezahlt aber die Räder ja auch komplett.

Die Beispiele zeigen: Hat das Management einer Firma das Thema Dienstrad entdeckt, ist das Interesse der Mitarbeiter groß. Sie bekommen ein hochwertiges Rad günstiger - und das Unternehmen engagiert sich für umweltschonende Mobilität und eine bessere Gesundheit durch mehr Bewegung.

  • Erik Seemann

    Holger Dambeck (Jahrgang 1969) arbeitet seit 2004 als Wissenschaftsredakteur bei SPIEGEL ONLINE. In seiner Kolumne Pedalritter schreibt er regelmäßig über das Thema Fahrrad.

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Geldwerten Vorteil vermeiden ...
Rattenpudel 13.06.2014
... indem man das Rad ausschließlich dienstlich nutzt. Als Selbständiger habe ich seit Jahren ein Fahrrad, dass zu 100% abgeschrieben wird. Anders als beim Auto hat das Finanzamt kein Fahrtenbuch gefordert. Wie sollte das auch gehen?
2. Überflüssig...
omop 13.06.2014
Viele Angestellte haben bereits privat ein Rad und nutzen dies (falls es sich anbietet) für die tägliche Strecke zur Arbeit. Was soll mir da der Arbeitgeber gutes tun? Einen zweites Rad - noch dazu ein E-Bike - bringt vielen nichts. Und ob ich mich umweltschonend bzw. gesund bewege möchte ich ganz gerne selbst entscheiden, dass muss mir der Arbeitgeber nicht abnehmen oder "anreizen"..
3. Fahrten bei Fahrrad ist genauso wie bei Auto
MoorGraf 13.06.2014
man nimmt ein Heft und schreibt nach jeder Fahrt rein, von wo nach wo und wie lang, das wäre nicht das Problem ausschließlich dienstlich genutzt: das würde ich maximal bei Briefträgern vermuten, ansonsten ist doch gerade der Anreiz ein richtig gutes Fahrrad am Wochenende auch selber ausfahren zu können! Aber klar, wer´s nur dienstlich benötigt, spart nochmal 10 Euro im Monat bei einem 3.000 Euro Fahrrad
4. Nicht für Sie ...
henryb_de 13.06.2014
Zitat von omopViele Angestellte haben bereits privat ein Rad und nutzen dies (falls es sich anbietet) für die tägliche Strecke zur Arbeit. Was soll mir da der Arbeitgeber gutes tun? Einen zweites Rad - noch dazu ein E-Bike - bringt vielen nichts. Und ob ich mich umweltschonend bzw. gesund bewege möchte ich ganz gerne selbst entscheiden, dass muss mir der Arbeitgeber nicht abnehmen oder "anreizen"..
für den Arbeitgeber ist das auch attraktiv. Bei Gehältern bis zu den Grenzen der Sozialbeiträge spart der AG seine Anteil an selbigen ... und mindert damit Ihren Rentenanspruch und ggf. Ihren Anspruch auf Arbeitslosengeld. Oder liege ich da falsch? Aber das ist ja, wie bei den Autos auch, in erster Linie Absatzförderng. Welcher Normalverbraucher würde schon hingehen und sich ein E-Bike für 4000 Euro kaufen? Wenn es aber dann gefühlt ganz wenig kostet und man sogar noch Steuern und Abgaben sparen kann ... na dann schlägt man doch zu!
5. Nachprüfbarkeit
gekkox 13.06.2014
Zitat von MoorGrafman nimmt ein Heft und schreibt nach jeder Fahrt rein, von wo nach wo und wie lang, das wäre nicht das Problem ausschließlich dienstlich genutzt: das würde ich maximal bei Briefträgern vermuten, ansonsten ist doch gerade der Anreiz ein richtig gutes Fahrrad am Wochenende auch selber ausfahren zu können! Aber klar, wer´s nur dienstlich benötigt, spart nochmal 10 Euro im Monat bei einem 3.000 Euro Fahrrad
Und wie willst Du das ohne Tacho nachprüfen? Ich glaube er wollte lediglich auf eine Grauzone hinweisen. Die Überprüfbarkeit, ob ein Rad nur dienstlich oder auch privat genutzt wird, ist recht schwer. Es reicht nicht mal, wenn sich der Finanzbeamte vor Dein Haus auf die Lauer legt - mangels Kennzeichen wird er nicht nachweisen können, dass es sich um das Dienstrad handelt. Er muss dann schon warten bis es irgendwo angekettet ist und er die Seriennummer überprüfen kann.
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Private Nutzung
Wenn der Arbeitgeber Fahrzeuge aus seinem Besitz Arbeitnehmern zur Privatnutzung überlässt, müssen diese den sogenannten geldwerten Vorteil versteuern. Dieser wird nach folgender Formel berechnet: Ein Prozent des Anschaffungswertes plus 0,3 Prozent des Anschaffungswertes je Kilometer Arbeitsweg. Bei einem 30.000 Euro teuren Pkw und 20 Kilometer Arbeitsweg beträgt der geldwerte Vorteil 300 + 180 = 480 Euro. Für Fahrräder entfällt die Entfernungspauschale. Ein 2000 Euro-Rad hat daher einen geldwerten Vorteil von monatlich 20 Euro, egal wie lang der Arbeitsweg ist.
Gehaltsumwandlung
Viele Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern an, Autos über die Firma zu leasen und dabei mit der Gehaltsumwandlung Steuern zu sparen. Die Leasingrate wird dabei von Gehalt abgezogen – das zu versteuernde Einkommen sinkt entsprechend. Der geldwerte Vorteil muss jedoch steuerwirksam zum verringerten Gehalt wieder hinzugerechnet werden. Solange der Arbeitsweg nicht zu lang ist, bleibt der geldwerte Vorteil jedoch deutlich kleiner als die Leasingrate. Vor allem Gutverdiener profitieren von der Steuereinsparung der Gehaltsumwandlung. Sie ist nun auch für Fahrräder möglich.
Fallstricke
Ein Leasingvertrag über die Firma kann teuer werden, wenn der Arbeitnehmer das Unternehmen vor Ablauf des Leasingvertrags verlässt. Ärger droht auch, wenn die vereinbarte Laufleistung des Pkw überschritten wurde oder kleine Schäden am Wagen vom Leasingunternehmen als Wertminderung berechnet werden.

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Rechenbeispiel Firmenrad
Wert des Rades 2000,00 €
Gehalt 4000,00 €
Leasingrate 55,13 €
Versicherung 9,90 €
Neues Gehalt 3934,97 €
Geldwerter Vorteil 20,00 €
Neues Brutto 3954,97 €
Neues Netto 2335,61 €
Netto o. Firmenrad 2379,20 €
Kosten des Rads 43,60 €
Kosten 3 Jahre 1569,24 €
Restwert 200,00 €
Gesamtkosten 1769,24 €
Privater Kauf 2000,00 €
Versich. (3 Jahre) 780,00 €
Summe 2780,00 €

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