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11. Dezember 2012, 14:33 Uhr

Dienstwagen-Privileg

Mein Fahrrad, sponsored by Fiskus

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Je größer ein Dienstwagen, umso mehr Steuern lassen sich damit sparen. Dieses Privileg gilt ab sofort auch für Fahrräder - und lohnt sich besonders für edle Exemplare. Wenn der Arbeitgeber mitspielt, kann man sich nun extragünstig ein E-Bike oder Rennrad zulegen.

Der Dienstwagen ist des Deutschen liebstes Auto. Im besten Fall zahlt die Firma Leasing-Rate, Versicherung, Benzin und die Winterreifen. Und der Arbeitnehmer darf mit dem Dienstauto zur Arbeit, an den Badesee und im Sommer in den Urlaub fahren. Für diese Privatnutzung muss der Angestellte den sogenannten geldwerten Vorteil versteuern. Solange der Arbeitsweg nicht zu lang ist, kostet ein nagelneuer Mittelklassewagen inklusive aller laufenden Kosten dabei höchstens 200, 300 Euro pro Monat. Ein Schnäppchen.

Ab sofort gilt dieses Privileg jedoch auch für Fahrräder. Einen entsprechenden Steuererlass haben die Landesfinanzminister gerade verabschiedet. Arbeitgeber können ihren Angestellten nunmehr ebenso ein schickes E-Bike spendieren, und diese dürfen es dank der Neuregelung dann ganz legal privat nutzen - zum Beispiel für den Weg zur Arbeit oder die Tour am Wochenende.

Ob das Dienstrad tatsächlich dienstlich genutzt wird, etwa für Fahrten zu Kunden, spielt dabei keine Rolle. Den Arbeitnehmer kostet das Ganze kaum mehr als 10 Euro pro Monat - das ist die zusätzlich zu entrichtende Steuer für den geldwerten Vorteil des Rades.

Aber selbst wenn der Arbeitgeber nicht so spendabel ist und seinen Mitarbeitern kein Fahrrad auf eigene Kosten zur Verfügung stellt, können Arbeitnehmer dank der Neuregelung sparen. Wer sich ein neues Fahrrad kaufen will, least das Bike einfach über die Firma. Das kostet den Arbeitgeber keinen Cent extra, denn die Leasingrate wird direkt vom eigenen Gehalt abgezogen. Bei dieser sogenannten Gehaltsumwandlung, die es für Autos schon seit Jahren gibt, profitiert der Arbeitnehmer von einer niedrigeren Steuer.

Auf Fahrradleasing spezialisierte Anbieter wie Leaserad aus Freiburg hoffen nun auf das ganz große Geschäft. Bislang sind Firmenflotten, also ausschließlich dienstlich genutzte Räder, das Hauptgeschäft der 2008 gegründeten Firma. "Wir haben derzeit bundesweit etwa tausend Räder verleast", sagt Geschäftsführer Ulrich Prediger. Meist handle es sich um zehn bis fünfzig E-Bikes pro Unternehmen.

E-Bike günstiger als zum Neupreis

Künftig könnte sich der Schwerpunkt Richtung privat genutzter Räder verschieben. Wie attraktiv ein solches Leasing sein kann, zeigt die folgende Modellrechnung (siehe Tabelle in der Spalte):

Ein Arbeitnehmer (Steuerklasse 1, keine Kinder, keine Kirchensteuer) verdient monatlich 4000 Euro brutto und möchte gern ein E-Bike im Wert von 2000 Euro fahren. Wird das Rad über den Arbeitgeber geleast, zieht dieser die Leasingrate (rund 55 Euro) und die Versicherungsprämie (10 Euro) direkt vom Bruttogehalt ab. Das zu versteuernde Einkommen des Arbeitnehmers sinkt dadurch (Gehaltsumwandlung). Für den Arbeitgeber fallen keine Kosten an, er muss nur die Gehaltsabrechnung ändern.

Versteuern muss der Arbeitnehmer allerdings den geldwerten Vorteil - er beträgt ein Prozent der Anschaffungssumme des Rades. Bei einem 2000-Euro-E-Bike sind das 20 Euro pro Monat. Bei einem Dienstwagen kommt zu dem einen Prozent der Anschaffungssumme noch eine Pauschale hinzu, die von der Länge des Weges zur Arbeit abhängt. Das Fahrrad ist gegenüber dem Auto in diesem Punkt also steuerlich sogar bessergestellt, denn die Länge des Arbeitswegs ist egal.

In dem Rechenbeispiel verdient der Arbeitnehmer dann monatlich knapp 44 Euro weniger netto. Das ist der monatliche Preis des E-Bikes für ihn. Wenn er es nach drei Jahren zum Restwert von 200 Euro (10 Prozent der Anschaffungssumme) übernimmt, hat er insgesamt 1769 Euro dafür bezahlt - weniger als den Neupreis von 2000 Euro. Und das, obwohl die Versicherung bereits inklusive ist.

Weniger Steuern machen Rad günstiger

Würde der Arbeitnehmer das Rad privat kaufen und dafür eine Diebstahlversicherung abschließen (rund 260 Euro pro Jahr), summierten sich die Kosten in drei Jahren auf mehr als 2780 Euro. Die Ersparnis des Leasingmodells liegt nach Berechnungen von Leaserad bei rund 36 Prozent.

Diese enorme Einsparung hängt natürlich mit der günstigen Diebstahlversicherung zusammen, die ein Leasinganbieter als Großkunde von Versicherungen anbieten kann. Sie kostet statt 260 nur 120 Euro jährlich. Hauptsächlich steckt dahinter aber ein Steuersparmodell. Ein Großteil der Fahrradkosten ist steuerfrei - letztlich wird das geleaste E-Bike also von der Allgemeinheit mitfinanziert, weil der Arbeitnehmer insgesamt weniger Steuern zahlt.

Das kann man mit guten Gründen prinzipiell verdammen - bei privat genutzten Firmenwagen ist es seit langem gängige Praxis. Bei Autos ist die Steuerersparnis wegen ihres höheren Preises sogar noch viel größer. Dementsprechend feiern Fahrradlobbyisten wie der ADFC oder der Verkehrsclub Deutschland (VCD) das Ganze als Erfolg, weil Autos nicht mehr von einer "einseitigen Förderung" profitieren.

Leasing lohnt nur bei teuren Rädern

Noch kann niemand sagen, wie viele Arbeitnehmer das neue Steuersparmodell tatsächlich nutzen werden. Zumal Anbieter wie Leaserad nur Bikes ab einem Preis von 1500 Euro finanzieren - sonst lohnt der Verwaltungsaufwand nicht. In diese Preisklasse fallen in erster Linie E-Bikes, aber natürlich auch hochpreisige Drahtesel ohne elektrische Unterstützung. Theoretisch könnte auch ein Highend-Rennrad mit Karbonrahmen zum Firmenrad mutieren - mit Akkubeleuchtung ist es schließlich für den Straßenverkehr zugelassen. Man darf gespannt sein, wie Finanzämter mit solchen Fällen umgehen.

Unternehmen können die Neuregelung natürlich auch nutzen, um ihre Mitarbeiter zum Umstieg aufs Rad zu motivieren. Die Firma EOS aus Krailling bei München, ein Hersteller von Laser-Sinter-Anlagen, ist ein typisches Beispiel. Die meisten Arbeitnehmer fahren mit dem Auto zur Arbeit, der nächste S-Bahnhof ist fünf Kilometer entfernt, die Busanbindung schlecht.

"Mit einem normalen Rad hätten es viele Kollegen zu weit", sagt Nicole Knoch, die EOS in Fragen der Nachhaltigkeit berät. "Mit einem E-Bike ist die Strecke für manchen bequem zu schaffen." Deshalb zahlt EOS allen Mitarbeitern, die auf ihren Pkw-Stellplatz im Parkhaus verzichten und ein Rad leasen, 45 Euro extra. Die neue Regelung zur Besteuerung von Firmenrädern kommt da gerade recht. "15 Kollegen haben bereits Interesse angemeldet", sagt Knoch.

Lieber Faltrad statt E-Bike

Wegen des Zuschusses von 45 Euro müsste der Arbeitnehmer aus dem obigen Rechenbeispiel monatlich nur noch 20 Euro für ein 2000 Euro teures E-Bike bezahlen. Nach drei Jahren hätte er lediglich 921 Euro ausgegeben - und das Rad würde ihm gehören.

Beim ADFC und auch beim VCD hofft man, dass Fälle wie dieser Schule machen. Das Potential ist in der Tat groß. Laut Statistischem Bundesamt sind 45 Prozent aller Arbeitswege kürzer als zehn Kilometer - eine ideale Entfernung für ein E-Bike. Dank elektrischer Trethilfe kommt man kaum ins Schwitzen und kann bequem am Stau vorbeiziehen.

Wer Bahn und Rad kombinieren will, sollte statt eines E-Bikes lieber ein Faltrad wählen. Das kann man kostenlos mit der Bahn mitnehmen und wegen des geringen Gewichts auch gut Treppen hoch- und runtertragen.

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