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Dildo-Designerin Obst, Gemüse, Sexspielzeug

Dildo-Früchte: Wie aus Silikon eine geschmeidige Aubergine wird Fotos
pixelkonsum

Das meiste Sexspielzeug fand Anja Koschemann gruselig oder lächerlich, also bastelte sie selbst welches. Am Gemüsestand fand sie die hübschesten Vorlagen. Die vergnüglichen Früchte baut sie aus Silikon nach und verkauft sie in alle Welt: Bananen, Gurken, Auberginen - aber keinen Spargel.

Angefangen hat alles mit einem Reinfall. "Mein Freund und ich haben nach Sexspielzeug gesucht", sagt Anja Koschemann, 38. "Aber was im Internet und in entsprechenden Läden angeboten wurde, fand ich entweder gruselig oder zum Lachen." Schließlich machte sie sich selbst ans Werk. "Wir haben gebastelt und probiert und irgendwann hatte ich meine erste Banane - aus Silikon, ohne Lufteinschlüsse und mit glatter Oberfläche."

Ein spaßiges Früchtchen - ihre Freundinnen sind begeistert. Die gelernte Chemielaborantin kündigt 2007 ihren Job und verbringt fortan den größten Teil des Tages im Hobbyraum, um für Nachschub zu sorgen. Sie macht aus der Idee ein Geschäft: Dildos im Fruchtdesign, zu bestellen im Internet. SelfDelve nennt die Existenzgründerin ihre Firma. Ein Kunstwort, das so viel heißt wie: sich selbst erforschen, oder auch: sich in eine Sache vertiefen.

Das Silikon kauft sie anfangs in Zehn-Liter-Eimern beim Künstlerbedarf - mittlerweile ordert sie beim Hersteller direkt. Die Form, in der die Frucht gegossen wird, baut sie selbst. "Das ist das eigentlich Schwierige", sagt Koschemann. Sie stöbert im Supermarkt nach einer passenden Vorlage, besorgt sich einschlägige Literatur, sucht Rat bei professionellen Formenbauern. Die geben ihr den entscheidenden Tipp: Die Gussformen stellt sie schließlich aus Zwei-Komponenten-Kunststoff her, in dem die Originalfrüchte ihren Abdruck hinterlassen haben. "Am Anfang habe ich viel Ausschuss produziert", sagt sie. Erst nach ein paar Monaten Übung hat sie den Dreh raus.

Jedes Stück ein Unikat

Koschemann kratzt ihre Ersparnisse zusammen und mietet sich am Rande der Dresdner Heide im sogenannten Hellerhof ein. Die ehemalige Eselstation, die in der DDR als Reitstützpunkt von der Freien Deutschen Jugend (FDJ) genutzt wurde, ist nach dem Mauerfall zu einem Künstlerquartier geworden. Musiker, Bildhauer, Handwerker arbeiten hier.

Nach und nach kommen zu Koschemanns Klassiker, der Banane, weitere Früchte dazu. Zwei Sorten Gurken, eine Möhre, ein Maiskolben, eine Aubergine. "Gemüse hat man schon in der Antike nicht nur zum Essen geerntet", sagt Koschemann. Das ist die Idee. Glatt oder mit Noppen, kurz oder lang, dick oder dünn. Drei unterschiedliche Härtegrade. Geruchlos, hautverträglich und mit je nach Temperatur wechselnden Farben. Preise: ab 65 Euro.

Koschemann misst einen Becher Silikon ab, gibt mit der Spritze eine Dosis grüner Farbe in die milchige Flüssigkeit und kippt die durchgerührte Masse anschließend in eine der bereitliegenden Formen. Ein paar Stunden, je nach Menge und Temperatur, muss die Mischung jetzt binden. "Hier ist noch fast alles Handarbeit", sagt sie, öffnet eine der anderen Gurken-Chargen und entfernt mit der Schere ein paar Plastekrümel. Dann sprüht sie mit der Airbrush-Pistole noch etwas Gelb aufs Gemüse. "Jedes Stück ist ein Unikat", sagt sie.

Die Aubergine war ein Kundenwunsch

"SelfDelve" heißt auch, dass Koschemann ihre Früchte selbst verkauft. Dabei gab es inzwischen Offerten großer Versandhäuser. Bislang habe sie aber immer abgelehnt, sagt sie. "Die individuellen Wünsche machen viel vom Reiz des Jobs aus." Die Aubergine zum Beispiel war ursprünglich die Idee einer Kundin. 20 Zentimeter lang, sechs Zentimeter im Durchmesser, hatte die sich vorgestellt.

Anja Koschemann durchstreifte die Supermärkte, lernte in der Zeit viele Auberginengerichte kennen, aber die real existierenden Exemplare waren alle zu kurz oder zu dick. Erst beim Großhändler fand sich schließlich die passende Handelsklasse. Seitdem ist das Gemüse fester Bestandteil ihres Sortiments. Der Spargel dagegen schaffte es nicht, in den "Garten Eden" aufgenommen zu werden. Die Stange fiel, trotz Köpfchen, im Test durch. Zu langweilig, fanden die Freundinnen.

Ein Großteil der Lieferungen geht mittlerweile - dezent verpackt in einer silbernen Schatulle - ins Ausland. Vor allem in die Schweiz und nach Österreich, sogar aus Brasilien kam schon eine Bestellung. Um Weihnachten und Ostern macht sie das beste Geschäft: "Anders als man vielleicht denkt, sind es vor allem Paare, die bei mir einkaufen."

Künftig sitzt sie nicht mehr allein an der Werkbank, sondern beschäftigt eine Angestellte. Und nicht mal ihre Oma wird mehr rot, wenn die Rede auf die Arbeit ihrer Enkelin kommt.

  • Joachim Becker (Jahrgang 1959) arbeitet als freier Journalist und Yoga-Lehrer in Dresden.

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insgesamt 31 Beiträge
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1.
M. Michaelis 27.07.2012
Zitat von sysopDas meiste Sexspielzeug fand Anja Koschemann gruselig oder lächerlich, also bastelte sie selbst welches.[/url]
Und Gemüseimitate als Seytoys sind nicht lächerlich ? Interessant.
2.
an.wi. 27.07.2012
Zitat von M. MichaelisUnd Gemüseimitate als Seytoys sind nicht lächerlich ? Interessant.
Warum sollten diese lächerlich sein? Immerhin besser als mit "echtem" gemüse zu "spielen" und es so unter Umständen ungenießbar zu machen... Ich finds eine klasse Idee.
3. Wie wunderbar
reznikoff2 27.07.2012
Zitat von sysopDas meiste Sexspielzeug fand Anja Koschemann gruselig oder lächerlich, also bastelte sie selbst welches. Am Gemüsestand fand sie die hübschesten Vorlagen. Die vergnüglichen Früchte baut sie aus Silikon nach und verkauft sie in alle Welt: Bananen, Gurken, Auberginen - aber keinen Spargel. Dildos im Frucht-Design: Sexspielzeug von Gründerin aus Dresden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,846645,00.html)
Die Dame füllt ein großes Vakuum in unserer an wirklich Notwendigem so armen Zeit. Vielen Dank. Nun kann es in Europa wieder aufwärts gehen.
4. Und der deutsche Spiesser
felisconcolor 27.07.2012
Zitat von sysopDas meiste Sexspielzeug fand Anja Koschemann gruselig oder lächerlich, also bastelte sie selbst welches. Am Gemüsestand fand sie die hübschesten Vorlagen. Die vergnüglichen Früchte baut sie aus Silikon nach und verkauft sie in alle Welt: Bananen, Gurken, Auberginen - aber keinen Spargel. Dildos im Frucht-Design: Sexspielzeug von Gründerin aus Dresden - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,846645,00.html)
feiert mal wieder fröhliche Urständ. Wie man an den Posts so sieht. Die Dame verdient ihr Geld damit. Nur weil andere keine Ideen haben oder zu klein kariert sind muss sich diese Frau ja wohl nicht dem Jammertal hingeben. Und wenigstens Made in Germany und nicht wieder aus China. Ach ja und für die ganzen Sofakartoffeln die sich vor eingebildeter Depression nicht aus dem Haus trauen oder sonst keine Lust haben. Die Frau bezahlt Steuern damit andere sitzen bleiben können.
5. Warum ist die Banane krumm?...
Mario_4815162342 27.07.2012
Ein Dildo in Form von Maiskolben ist nicht "gruselig" - im Gegensatz zu den normalen, in Penisform?.. Na ja, jeder nach seiner Facon...
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