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Privatsphäre im Büro Was geht den Chef mein Liebesleben an?

Mails, Rauchen, Kleidung: Wie viel Privatleben ist im Büro erlaubt? Fotos
DPA

Hunde unterm Schreibtisch, Affären unter Kollegen - Privates kann im Job zu Konflikten führen. Manche Firmen schreiben ihren Mitarbeitern ziemlich viel vor, sogar die Farbe der Unterwäsche. Die interessantesten Urteile im Überblick.

Mit dem Mitgefühl war es nach drei Jahren vorbei. Da half nichts, dass der Hund nur drei Beine hatte und eine unschöne Jugend in einem russischen Tierheim. Die Kollegen wollten nicht mehr, dass er täglich mit in die Werbeagentur kam. Gerade wegen seiner Geschichte sei er verhaltensgestört, ständig knurre er alle an.

Der Agenturinhaber verbot der Hundehalterin eines Tages, den Dreibeiner mitzubringen. Die Sache landete vor Gericht - und das bestätigte das Hundeverbot: Private Zugeständnisse an die Mitarbeiter stünden unter dem Vorbehalt, dass der Betriebsfrieden nicht gefährdet werde. In der Düsseldorfer Werbeagentur hatten sich die Kollegen kaum mehr ins Büro getraut.

Hätte der Hund stillgehalten, wäre das Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf (Aktenzeichen 9 Sa 1207/13) womöglich anders ausgefallen. Wird darüber verhandelt, wie viel Privatsphäre im Büro erlaubt ist, prallen zwei Interessen aufeinander: das des Unternehmens am reibungslosen Arbeitsablauf und einem professionellen Auftreten der Angestellten. Und das der Mitarbeiter auf freie Entfaltung ihrer Persönlichkeit. Oft gibt es Konflikte.

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Hund vor Gericht: Kein Tier fürs Büro
Zum Beispiel bei der Frage, wie die Mitarbeiter sich kleiden, wann sie Rauchpausen einlegen, ob sie im Büro ihr Handy aufladen dürfen - und was passiert, wenn sie eine Affäre unter Kollegen anfangen. "Wo im Einzelfall die Grenzen verlaufen, unterliegt in der Beurteilung auch immer einem gesellschaftlichen Wandel und nicht zuletzt der persönlichen Auffassung eines Richters", sagt Michael Beuger von der Kölner Kanzlei Wilde Beuger Solmecke.

Bunte Unterwäsche verboten

Dass man sich über die Grenze zwischen privat und dienstlich streiten kann, zeigte auch die Sache mit der Unterwäsche. Eine Sicherheitsfirma auf dem Flughafen Köln-Bonn wollte ihre Mitarbeiter zu einem gepflegten Äußeren verpflichten - und schrieb vor, dass sie nur beigefarbene Unterwäsche tragen dürften. Intimer geht es kaum, die Empörung war groß. Aber die Firma bekam Recht: Sie darf fleischfarbene Wäsche verordnen. Bunte Muster, so das Landesarbeitsgericht Köln, könnten störend unter der Dienstkleidung hervorschimmern (Aktenzeichen 3 TaBV 15/10).

Eine Kleiderordnung kann der Arbeitgeber über sein sogenanntes Direktionsrecht erlassen. Je mehr das die Privatsphäre der Mitarbeiter betrifft, so eine Faustformel, desto zurückhaltender muss der Arbeitgeber sein.

Gibt er mehr als ein Leitbild vor, braucht er einen triftigen Grund, warum er sich einmischt, etwa bei Kundenkontakt. Ansonsten ist Kleidung Privatsache. Der Arbeitgeber darf einen Mitarbeiter auch nicht wegen "urlaubsmäßiger Aufmachung" abmahnen; der Vorwurf muss viel konkreter sein (Arbeitsgericht Frankfurt/Main, 9 Ca 1687/01).

Ebenfalls Privatsache ist das Rauchen - für die Raucher ein Nachteil. Juristisch sind Qualmpausen nichts anderes als kurze Auszeiten zum Shoppen oder Joggen. Einen Rechtsanspruch darauf gibt es nicht. Rauchen während der bezahlten Arbeitszeit kann der Arbeitgeber verbieten und verlangen, dass dafür ausgestempelt und die Zeit nachgearbeitet wird. Gilt so ein Verbot, wird es zum Arbeitszeitbetrug, wenn jemand qualmt, statt Aufträge zu erledigen.

So wie der Mitarbeiter einer kleinen Firma, der an einem Tag drei Stunden und 46 Minuten im Raucherkabuff stand. Vor der fristlosen Kündigung rettete ihn nur, dass er schon seit 38 Jahren im Betrieb und in weit fortgeschrittenem Alter war (LAG Rheinland-Pfalz, 10 Sa 562/09).

Beziehungen unter Kollegen: Finger weg, Boss

Besonders schwer sind Privatleben und Dienst zu trennen, wenn Mitarbeiter den ganzen Tag online sind. Eine Versuchung, auch schnell Privatmails zu schreiben. Streng genommen ist aber jede private Tätigkeit während der Arbeitszeit eine Arbeitsverweigerung.

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Ama et labora: Liebe am Arbeitsplatz
Privates Surfen ist nur erlaubt, wenn der Arbeitgeber es ausdrücklich gestattet hat. Auch dann dürfen Mitarbeiter nicht ihre Pflichten verletzen. Davon geht das Bundesarbeitsgericht etwa aus, wenn jemand an einem Acht-Stunden-Tag mehr als eine Stunde privat im Internet surft (BAG, Az.: 2 AZR 581/04).

Natürlich darf der Arbeitgeber nur die Internetnutzung auf dem betrieblichen Computer verbieten. Auf privaten Smartphones können Mitarbeiter ins Netz - solange das nicht zu Lasten ihrer Arbeitsleistung geht. Wer surft, statt zu arbeiten, muss mit Konsequenzen rechnen. Ein sofortiger Rausschmiss indes gilt als unverhältnismäßig, zuvor muss der Mitarbeiter zumindest abgemahnt worden sein (Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, 6 Sa 682/09).

Immerhin: Das Liebesleben der Angestellten geht den Arbeitgeber nichts an - auch nicht, wenn Beziehungen im Unternehmen beginnen. So wollte der US-Einzelhandelsriese Wal-Mart in seinen deutschen Filialen Mitarbeitern per Ethikkodex verbieten, mit Kollegen auszugehen.

Das Landesarbeitsgericht Düsseldorf entschied: ein Verstoß gegen das Grundgesetz, privat ist privat (10 TaBV 46/05). Eine Affäre wird allenfalls zur dienstlichen Angelegenheit, wenn es zu Spannungen in der Belegschaft kommt. Nur dann darf der Arbeitgeber eingreifen - und störendes Verhalten untersagen. Nicht aber die Beziehung.

  • Elke Spanner (Jahrgang 1967) hat Jura studiert. Statt sich durch juristische Akten zu quälen, schreibt sie aber lieber als Journalistin über Recht, Arbeitswelt und Karriere.

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1.
delta058 12.05.2014
Zitat von sysopDPAHunde unterm Schreibtisch, Affären unter Kollegen - Privates kann im Job zu Konflikten führen. Richter urteilen stets über Einzelfälle. Manche Firmen-Vorschriften gehen ziemlich weit, bis zur Frage, welche Farbe die Unterwäsche haben darf. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/e-mails-im-buero-arbeitsrecht-wie-viel-privatleben-ist-erlaubt-a-968575.html
Warte es ab, es kommt noch schlimmer dank fortschreitender Amerikanisierung wie der Abschnitt über Walmarkt zeigt. In den USA ist aufgrund hysterischer Feministen und geildgeiler Gerichtsliebhaber das Arbeitsverhältnis zwischen Männer und Frauen extrem vergiftet. Dort dürfen sich nicht mal 1 Mann und eine Frau in einem geschlossenen Raum aufhalten. Der Mann könnte ja ein Witz reißen von dem sich die Frau herabgesetzt fühlt und so dass sie keine Wahl hat als das Unternehmen auf hohen Schadenersatz zu verklagen. Den Abschnitt über Unterwäsche fand ich aber insofern interessant, das durchscheinde Unterwäsche bedeutet, das die Überbekleidung nicht ordentlich bedeckt, vor allem im Lendenbereich. Bei Hemden kann ich die Anordnung ja noch verstehen aber bei Unterwäsche allgemein? Vielelicht ist hier der Artikel aber auch nur mehrdeutig geschrieben und es ging nur um den BH.
2. optional
rambazambah 12.05.2014
Das mit dem Hund im Büro ist halt so 'ne Sache. Nicht falsch verstehen: Ich liebe Hunde! Ich hatte eine Kollegin, die ihren Hund jeden Tag mitnahm ins Büro. Sie (die Hündin, nicht die Kollegin) hat nie gebellt, war fast immer artig. Man musste nur auf sein Vesper aufpassen, weil das vom Hund schonmal vom Tisch oder aus der Tasche geklaut wurde. Was allerdings mehr als eklig war: Der Hund hat gepupst! Das hört sich jetzt vielleicht lustig an, aber wenn man eh in einem Großraumbüro sitzt und im Laufe des Tages die Gerüche immer menschlicher werden, ist so ein Hundepups echt etwas, dass einen sauer aufstoßen lässt. Das irrwitzige war, dass der Chef den Hund eigentlich untersagt hatte. Aber er war höchstens einmal die Woche anwesend und so war der Hund jeden Tag da. Als dann noch eine weitere Kollegin ihren Hund mitbrachte, haben sich die zwei angefangen zu balgen. Man musste aufpassen, wenn man mit dem Bürostuhl den Rückwärtsgang einlegte, dass man den Pekinesen nicht plattmachte, aufs Essen musste man aufpassen, dass der Windhund nicht drüber her fiel und mindestens einmal im Tag besagte Pupswolke durchs Büro waberte. Was das private Surfen angeht: Bei manchen Kolleginnen ging es so weit, dass sie damit auch andere vom Arbeiten abhielten: "Kuck, kuck, das ist das neue Kleid, dass ich mir bestellt habe bla bla bla.." Und ich wundere mich: "Ach so, deswegen muss ich deine Aufgaben immer mitmanche und du wirst nie fertig!" Rechte hin oder her. Können die Leute nicht einfach ihren Job machen und den Privatkram in ihren Pausen oder zu Hause erledigen? Das Problem ist, dass das Verhalten der oben genannten Kolleginnen ... ähm.. ansteckend ist. Hätte der Chef rausbekommen, dass der Hund jeden Tag im Büro ist und wir alle Bescheid gewusst hätten, hätten wir alle mächtig Ärger bekommen. Kommt der Chef dazu, wenn ich mir nur kurz das neue Kleid der Kollegin online anschaue, bekomme ich eine ins Genick. Mitgefangen - mitgehangen. Klar sind manche Anweisungen überzogen aber es werden immer alle Bedingungen im Arbeitsvertrag geklärt. Unterschreibt man diesen, hat man sich damit einverstanden erklärt. Punkt!
3. Zum Thema Kleidung
woooord 12.05.2014
@delta058 Ich denke, dass sich das nur auf den BH bezieht. Aber ist eigentlich selbsterklärend. Ich war mal bei einem konkurrierenden Unternehmen eingeladen und dort trug eine etwas ältere Frau eine weiße Bluse und ein knall roter BH war mehr als deutlich darunter zu erkennen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Dame das morgens im Spiegel nicht bemerkt hat. Das kommt sehr unseriös rüber. Genauso habe ich von Kollegen gehört, dass bei Banken in London die Männer keine kurzärmeligen Hemden tragen dürfen. Das sieht auch unseriös aus. Die UBS hatte mal zur Probe einen ca. 30 Seiten langen Leitfaden zur ordentlichen Bekleidung veröffentlicht. Das finde ich gut, weil es in manchen Branchen einfach dazu gehört, ordentlich gekleidet zu sein.
4. So Ein Blödsinn...
cpt.z 12.05.2014
@delta058: So ein Blödsinn. Ich arbeite seit mehr als sieben Jahren für ein amerikanisches Unternehmen. Und zwar nicht mit Hauptsitz an der Ost- oder Westküste sondern im mittleren Westen - und was sie da behaupten ist schlichtweg falsch. Das einzige, was das Unternehmen versucht zu vermeiden sind Beziehungen zwischen Vorgesetztem/er und direkt untergeordnetem Angestelltem/er. Die Beziehung akzeptiert - aber die Teams werden dann umgestellt. Ansonsten haben wir sowohl Ehepaare, als auch Beziehungen im Unternehmen - im Hauptsitz als auch in den internationalen Niederlassungen. Keine Ahnung, woher sie ihre Informationen haben - aber auch sicherlich nicht aus erster Hand.
5. man kann es auch übertreiben
Graphite 12.05.2014
wird für bestimmte Berufsgruppen bestimmte Arbeitskleidung vorgeschrieben so hat der AG auch für das entsprechende Klima zu sorgen. Sprich bei 30°C in langem Hemd für die angestellten während der Boss im Klimaraum sitzt geht halt nicht! Darüber hinaus sind Bankster/Vertreter/etc. in Schlips und Kragen nicht unbednigt seriöser! ich kaufe eine Leistung und nicht jemand in einem Anzug der so tut als ob. Wenn die Leute das erstmal aktzeptieren würden!
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