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Edelsteinkünstler aus dem Hunsrück Der Eiermann der Reichen

Edelsteinkünstler aus dem Hunsrück: Der Eiermann der Reichen Fotos
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Die britische Königin hat eines, der spanische Kronprinz und der Sultan von Oman auch: ein Ei aus Rheinland-Pfalz. Manfred Wilds fertigt sie aus Edelsteinen. Bei den Königshäusern ist er zudem als Lieferant für Schmuck, Uhren oder Schatullen beliebt.

Die Kundschaft von Manfred Wilds könnte exklusiver nicht sein: Die britische Königin Elizabeth II. gehört dazu, der Sultan von Oman, der König von Brunei. Für sie fertigt der Edelsteinkünstler aus Rheinland-Pfalz Fingerhut-Blumen aus brasilianischem Amethystquarz, Gänseblümchen aus russischem Kascholong oder mit Smaragden verzierte Eier aus Bergkristall.

Seine Schmuckeier sind bei den Schönen und Reichen besonders beliebt, sie machen für Wild mittlerweile ein Viertel der Arbeit aus. Mehr als 200 Eier mit allerlei Schnickschnack hat er seit 1976 entworfen. Manche sind bis zu 70 Zentimeter groß und mit Blüten aus Rubinen verziert, andere lassen sich öffnen und haben Tierfiguren aus Diamanten in ihrem Innern. Vorbild sind die berühmten Juwelen-Eier des russischen Hofjuweliers Carl Fabergé aus dem 19. Jahrhundert. Sie zählen zu den höchst bezahlten Antiquitäten der Welt, bei Versteigerungen sind sie kaum unter zehn Millionen Euro zu bekommen.

Die Vorfahren von Manfred Wild haben schon im Jahr 1630 ihr Geld mit der Bearbeitung von Edelsteinen verdient. Idar-Oberstein ist dafür berühmt: In dem Städtchen im Hunsrück arbeiten auch heute noch etwa 2500 Menschen in 450 Betrieben mit Edelsteinen. Wild selbst hat dort als 16-Jähriger eine Ausbildung zum Edelsteinkaufmann gemacht. Schleifen, Gravieren und Goldschmieden habe er sich "autodidaktisch beigebracht", sagt er.

In der Regel liefert der 69-Jährige seine Werke an namhafte Juweliere in London, die sie dann weiterverkaufen. "Oft weiß ich nicht, wohin meine Stücke gehen und erfahre das erst hinterher", erklärt er. So landete etwa eines seiner Werke, ein Schimpanse auf einer Uhr, bei US-Popstar Michael Jackson.

Wild bekommt aber auch Auftragsarbeiten von Juwelieren, so zum Beispiel zum jüngsten Geburtstag von Queen Elizabeth II. Ein Arrangement der Lieblingsblumen der Königin war gewünscht. 100 Blumen, die Stängel aus purem Gold, die Blüten aus Rosa- und Amethystquarz. Ein halbes Jahr arbeiteten Wild und seine Kollegen daran.

Big Ben als Eiersockel

Ein anderer Auftrag: ein Schiffschronometer für den thailändischen König Bhumibol Adulyadej zum Thronjubiläum. Dutzende Kilo Bergkristall und 14 Kilo Gold habe er dafür verarbeitet, sagt Wild. An die britische Königin ging zudem zum 80. Geburtstag ein Rubingefäß mit einer Uhr und sich drehenden Pferden: "Wir haben alles in den Farben ihres Reitstalls gehalten: Dunkelrot, Schwarz, Gold."

Ein paar tausend Objekte seien es schon, die er bislang in seiner Werkstatt entworfen habe, sagt Wild: Dosen, Schiffe, Blumensträuße, Autos und sogar spielbare Instrumente wie eine Bergkristall-Flöte. "Manchmal muss man auch ein paar verrückte Ideen haben." Gerade feilt er an einem "London-Ei": mit einer St.-Paul's-Cathedral-Kuppel und dem Uhrturm Big Ben als Sockel.

Birgit Reichert/dpa/vet

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insgesamt 3 Beiträge
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1. Und wer zahlt dafür?
der-denker 21.07.2013
Spanische und britische Bürger löhnen für diesen grotesken Kitsch ihrer offensichtlich verblödeten Blaublüter.
2. Ist immer amuesant die Sachen mit den Faberge
blob123y 21.07.2013
zu hoehren denn alles was in den letzten 25 Jahren bezueglich dessen versteigert wurde sind Faelschungen die in New York and Russland hergestellt werden, ja, nach wie vor werden und zwar von russischen Emigranten die das so gut machen das keiner es bemerkt.
3.
Tobi Lino 22.07.2013
da kann man mal sehen,was fabergé für eine filigran-arbeit hinlegte,und was er für ein gefühl für formen,edelmetalle und edelsteine hatte. so etwas kommt oft erst richtig in erinnerung,wenn man dann solch einen misslungenen kitsch wie von diesem juwelier im artikel sieht. ganz schlimm. die eier wirken wie eine mischung aus bastel-set,nagellack und Ü-ei-figuren. nichts passt zusammen,alles sieht billig aus.
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