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Im Berufs-Paradies Arbeitslosigkeit, was ist das?

Jobchancen: Die Landkreise mit der höchsten und niedrigsten Arbeitslosigkeit Fotos
dapd

Glückliches Eichstätt - nur 1,3 Prozent Arbeitslose, aktueller deutscher Bestwert. Beim Schlusslicht Uckermark dagegen liegt die Quote über 15 Prozent. Warum schneidet der oberbayerische Landkreis so blendend ab, und was tut sich im Osten? Zu Besuch in völlig verschiedenen Regionen.

Andreas Steppberger, 35, hat gut lachen. Seit fünf Monaten ist er Oberbürgermeister der Stadt Eichstätt in Oberbayern und kann sich mit Aufgaben befassen, um die ihn viele Stadtoberhäupter beneiden dürften: "Ich will die Einkaufsmöglichkeiten verbessern und ein großes Hotel bauen." Dabei geht es nicht um neue Arbeitsplätze, sondern um eine noch höhere Lebensqualität. Denn die schmucke Kleinstadt im Altmühltal verzeichnet fast Vollbeschäftigung: Seit Jahren weist der Landkreis inklusive der Stadt die niedrigste Arbeitslosenquote in ganz Deutschland auf. Im August betrug sie 1,3 Prozent.

"Wir haben nur Problemchen, keine Probleme", sagt Rechtsanwalt Steppberger und nennt sich "sehr, sehr glücklich". Das Geheimnis der niedrigen Arbeitslosigkeit sei schnell erklärt - "wir sind eine Kirchen-, Behörden- und Schulstadt". Will heißen: Für eine Menge sicherer Arbeitsplätze sorgen die Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt, ein Krankenhaus, diverse Einrichtungen der Diözese, Zweigstellen des Finanzamtes München, die Schulen, Bauämter, eine Fachakademie für Sozialpädagogik sowie eine Altenpflegeschule.

"Wer hier ausgebildet wird oder studiert hat, will auch häufig hier bleiben", erzählt Steppberger. Der gebürtige Münchner zog selbst erst vor einem Jahr von Regensburg in den Landkreis. "Mich hat das italienische Flair der Stadt gereizt", schwärmt er.

"In jeder Himmelsrichtung gibt es Arbeitsplätze"

Die Stadt mit ihren etwa 14.000 Einwohnern liegt landschaftlich schön und bietet viele attraktive Arbeitgeber im Umkreis. So hat der Autobauer Audi seinen Firmensitz im knapp 30 Kilometer entfernten Ingolstadt. Der Lampenhersteller Osram unterhält seit 50 Jahren ein Eichstätter Werk mit rund 700 Mitarbeitern. Hinzu kommen etliche kleine und mittelständische Betriebe: 6909 Unternehmen haben sich laut Industrie- und Handelskammer im Landkreis angemeldet.

Eine Arbeitsagentur gibt es auch hier, zuständig für Stadt und Landkreis Eichstätt. Rudolf Petersen ist dort stellvertretender Teamleiter und sagt: "Wir können eigentlich in jede Himmelsrichtung schauen, überall gibt es Arbeitsplätze." Wer in Eichstätt, das geografisch fast in der Mitte Bayerns liegt, keinen geeigneten Job finde, könne über die nahe Autobahn A9 oder mit der Bahn problemlos pendeln - München und Nürnberg sind jeweils nur gut 100 Kilometer entfernt.

Von der guten Anbindung profitiert auch die Kessel AG in Lenting, spezialisiert auf Entwässerungssysteme. Der Betrieb beschäftigt rund 400 Mitarbeiter, vom Hilfsarbeiter in der Montage bis zum IT-Fachmann. "Etwa 20 Prozent unserer Belegschaft kommen aus dem Landkreis Eichstätt, der überwiegende Rest aus einem Umkreis von bis zu 50 Kilometern", so Vorstand Alexander Kessel. Einzelne Mitarbeiter pendelten aber auch aus München, Nürnberg oder dem Kreis Ansbach.

Schwierigkeiten bei der Personalsuche hat die Kessel AG noch nicht - auch, weil sie seit Jahren konsequent ausbildet. In den Ingenieurberufen werde es allerdings schwieriger, Mitarbeiter zu finden, sagt Kessel. Hier zeige sich die Kehrseite der niedrigen Arbeitslosigkeit. Deshalb hat die Firma mit zehn anderen Mittelständlern den "Initiativkreis Verantwortungspartner für die Region" gegründet. Eines der Ziele: Schulabbrecher sollen in Sommercamps ihren Abschluss nachholen und eine Ausbildung beginnen können.

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insgesamt 18 Beiträge
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    Seite 1    
1. Ironie an:
heineborel 25.09.2012
Zitat von sysopdapdGlückliches Eichstätt - nur 1,3 Prozent Arbeitslose, aktueller deutscher Bestwert. Beim Schlusslicht Uckermark dagegen liegt die Quote über 15 Prozent. Warum schneidet der oberbayerische Landkreis so blendend ab, und was tut sich im Osten? Zu Besuch in völlig verschiedenen Regionen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/eichstaett-und-uckermark-geringste-und-hoechste-arbeitslosenquote-a-857851.html
Ganz einfach: Da die Statistik ja sowieso gefälscht ist und nicht im Geringsten aussagefähig, ist die einizge Erklärung, dass die Bayern besser fälschen als die Ossis. (Ironie aus)
2. Unternehmensansiedlungen
bwl28 25.09.2012
Diese sind nachweislich mehr in Bayern als in der Uckermark. Audi und Osram, die hiesigen Arbeitgeber die sich leider wohl niemals in der Uckermark ansiedeln werden aufgrund der Infrastruktur und dem Image "Osten" und viele weitere Faktoren. Landwirtschaft, die immer weniger menschliche Arbeitskraft braucht weil die Trecker und Maschinen größer und effektiver werden. Da die Uckermark von der Landwirtschaft lebt, ist dies eine Teufelsspirale.
3. BGE jetzt!
VerHartzter 25.09.2012
Klar das die gerne Hartzer einstellen. Dafür gibts Lohnkostenzuschuß vom Amt. Sind die 6 bzw 12 Monate rum und der Zuschuß wird nicht mehr gezahlt, werden die wieder rausgekickt. Am liebsten nach 364 Tagen, damit die weiter in ALGII bleiben, weil kein Jahr Erwerbstätigkeit vorliegt. Damit kann man die wieder günstig in den nächsten Sklavenjob schicken.
4.
Oberleerer 25.09.2012
Uckermark hat billige Arbeitskräfte und billige Immobilien. Damit können sie derzeit pokern. Deshalb ist ein Callcenter attraktiv. Mitunter gibt es auch gewaltige Subventionen, was dazu führt, dass Pfanni in München schließt und in den Norden zog und nebenbei 17.000€ für jeden abgeschafften Job kassiert. Billige Arbeitskräfte gibt es aber auch nebenan in Polen. Eine billige Arbeitskraft muß aber auch billig an den Arbeitsplatz gelangen und nicht per Auto. Da ist dann das nahe Berlin schon wieder attraktiver. Bleibt die Frage, wenn so wenig Menschen auf so viel Landwirtschaft sitzen, warum können die nicht davon leben? Das ganze Land will deutsche Bio-Produkte. Es liegt wieder nur an den Eigentumsverhältnissen. Wie Marx schon beschrieben hat, Privateigentum an Produktionsmitteln ist ein großes Übel. Im Moment sind die Ländereien in Händen von Hedgefonds, Immobilienfonds und reichen Einzelpersonen oder Erben. Die Preise für Ackerland haben sich vervierfacht und mehr. Die Großgrundbesitzer kassieren Agrarsubventionen und EE-Umlagen für die Windkraft. Die dortige angestammte Bevölkerung schaut in die Röhre. Die Einführung eines BGE würde womöglich ein wenig Grundrauschen in Handwerk und Handel bringen. Mit einer Mischung aus Biolebensmittel, EE-Energie und Tourismus könnte da was werden, aber bisher fließen alle Einnahmen ab, ins jeweilige Bundesland, wo die Eigentümer der Anlagen wohnen.
5.
Sleeper_in_Metropolis 25.09.2012
---Zitat--- Bei der Standortsuche habe die hohe Arbeitslosigkeit in der Region durchaus eine Rolle gespielt ---Zitatende--- Klar. Callcenter gehören ja zu den größten Dumpinglöhne-Zahlern der Republik. Logisch, das man dann neue Callcenter dort eröffnet, wo die Leute so am Boden sind, das sie auch für den letzten Hungerlohn wg. dem Job Schlange stehen.
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