Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaGeheime BerufeRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Geheimberuf Ghostwriterin Schreiben und Klappe halten

Ach wie gut, dass niemand weiß: Ghostwriter müssen vieles für sich behalten Zur Großansicht
Corbis

Ach wie gut, dass niemand weiß: Ghostwriter müssen vieles für sich behalten

Leistet sie gute Arbeit, erntet ihr Kunde das Lob: Eine Ghostwriterin berichtet, wie sie Erfolgserlebnisse im Stillen feiert. Sie schreibt die Bücher prominenter Autoren. Von denen erfährt sie vieles, was sie schnell wieder vergessen möchte.

"Das erste Mal war vor neun Jahren. Ein Freund suchte einen Ghostwriter für eine Köchin. Damals habe ich noch ausschließlich als Journalistin gearbeitet, hatte aber bereits Bücher geschrieben. Dadurch kannte ich das ganze Gefüge, das Zusammenarbeiten mit Verlagen, Agenten und Lektoren.

Wir hatten nur drei Monate Zeit und die Autorin war sehr unzuverlässig und kompliziert - es ist eine Eigenheit unserer Branche, dass der Auftraggeber Autor heißt, auch wenn er keine Zeile schreibt. Irgendwann haben wir uns überhaupt nicht mehr verstanden. Das Buch ist trotzdem rechtzeitig fertig geworden. Seitdem habe ich vier Bücher unter fremdem Namen geschrieben.

Mit Schweigegeboten hatte ich bislang nie zu tun. Im vorauseilenden Gehorsam habe ich alles Mögliche befolgt, aber ich habe nie einen Vertrag unterschrieben, in dem steht, was ich sagen darf und was nicht. Wie andere das machen, weiß ich nicht. Ich kenne keine anderen Ghosts. Von meiner Arbeit habe ich nur sehr engen Freunden erzählt.

Fotostrecke

7  Bilder
Geheime Berufe: "Ich darf nicht drüber reden"
Geheimhaltung ist schon deshalb wichtig, weil Ghostwriter viel mit Prominenten zu tun haben. Das Buch verkauft sich über die Bekanntheit der Autoren und die können in der Regel nicht schreiben. Warum sollten sie es auch können, nur weil sie vor der Kamera eine gute Figur machen? Da kommt der Ghost ins Spiel.

Die Herausforderung besteht darin, mit den Prominenten auszukommen, weil man viele Monate sehr eng zusammenarbeitet. Das kann sehr bereichernd, aber auch anstrengend sein. Bei manchen Autoren ist es traurig, wenn die Zusammenarbeit vorbei ist, bei anderen überwiegt die Erleichterung. Ich sehe vieles von ihnen, was ich am liebsten wieder vergessen möchte.

Gewinnaufteilung 50 zu 50

Meine erste Autorin hat immer behauptet, sie habe das Buch alleine geschrieben, deshalb sei es sehr persönlich. Mich hat das nicht besonders interessiert. Es gibt eine Menge Menschen, die an der Herstellung von Büchern beteiligt sind und nicht genannt werden. So geht es oft den Übersetzern und so geht es mir als Ghost. Mir tut das nicht weh, in diesem Fall war ich froh, dass die Kundin sich mit dem Buch identifiziert. Mich würde es treffen, wenn meine Autoren sich von den Texten distanzieren. Autorenkult hat mir nie viel gesagt.

Das Ghosten sehe ich pragmatisch, neben meiner Arbeit als Journalistin ist es ein Job zum Geldverdienen. Der Gewinn wird zwischen Ghost und Autor idealerweise 50 zu 50 aufgeteilt. Ob ich die Bezahlung als angemessen empfinde, hängt zum großen Teil von der Person ab, die ich porträtiere. Wenn die Arbeit angenehm ist und ich den Autor schätze, ist die Bezahlung weniger wichtig.

"Heimliches Lob hebt einen von den Socken"

Ghostwriter müssen hilfsbereit sein und auf Anhieb sympathisch und vertrauenswürdig wirken. Voyeurismus darf auf keinen Fall im Spiel sein, dann erzählt der Autor nichts. Gleichzeitig braucht der Schreiber ein gewisses Maß an journalistischer Neugierde.

Von Lektoren weiß ich, dass die meisten Ghosts Frauen sind. Ich denke, das hat damit zu tun, dass Frauen hilfsbereiter sind. Ganz wichtig ist, dass man Leidenschaft für den anderen mitbringt. Ghosten bedeutet, etwa ein halbes Jahr lang aufmerksam, gespannt, interessiert und freudig zuzuhören und dieselbe Person immer wieder höflich und bestimmt zu fragen: "Wie haben Sie sich dabei gefühlt?".

Mir liegt das, ich bin nicht eitel. Ich breche nicht zusammen, wenn ich für jemanden ein Buch schreibe und darüber nicht sprechen kann. Letztlich leben viele Menschen so. Sie machen im Stillen ein Leben lang einen leisen, unauffälligen Job und sind sehr glücklich und zufrieden. Die wollen den Stress mit dem Rampenlicht nicht.

Neulich fand ich in einem der Bücher einen Dankestext von fast zwei Seiten. Es war die einzige Stelle, die die Autorin selbst geschrieben hatte. Dort werde ich in einer so berührenden Art und Weise erwähnt, dafür hätte ich drei Bücher geschrieben. Da denke ich dann nur: Meine Güte, ist das reizend! Wenn alles klappt und ganz heimlich so ein Lob kommt, das hebt einen wirklich von den Socken."

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Carola Dorner ist freie Journalistin und lebt und arbeitet in Berlin. Sie schreibt vor allem über schräge Typen und deren merkwürdige Berufe.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 45 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schöner, menschlicher Artikel
divStar 30.01.2014
Es tut mir schon Leid um die Leute, die wundervolle Arbeit machen - und dann trotzdem kaum bis gar keinen Ruhm ernten (sondern höchstens die Moneten). Daher: Respekt an diese Ghosts.
2. Omnia
HerbertVonbun 30.01.2014
Dann müsste einem ja jeder, der gegen Arbeit eine Arbeit tut, Leid tun.Aus welchen Gründen jetzt jemand,Ideen, Erlebnisse, Lebensgang eines anderen zu Papier bringt, ist doch alleine Sache des Ghost, oder nicht?
3. Ghost
hman2 30.01.2014
---Zitat--- Ich kenne keine anderen Ghosts ---Zitatende--- ---Zitat--- Die meisten Ghosts sind Frauen, ich denke, das hat damit zu tun, dass Frauen hilfsbereiter sind. ---Zitatende--- Keine anderen Ghosts kennen, aber wissen, dass die meisten Frauen sind... Wie geht das? Da gibt es ja wohl kaum einen Berufsverband mit offiziellen Mitgliederzahlen...
4.
cs01 30.01.2014
Zitat von hman2Keine anderen Ghosts kennen, aber wissen, dass die meisten Frauen sind... Wie geht das? Da gibt es ja wohl kaum einen Berufsverband mit offiziellen Mitgliederzahlen...
Einfach mal alles lesen. Sie gab da eine Auskunft von einem/r Verlagsmitarbeiter/in wieder. Das war kein eigenes Wissen.
5. Lesen hilft!
Slev 30.01.2014
--Zitat hman2-- Keine anderen Ghosts kennen, aber wissen, dass die meisten Frauen sind... Wie geht das? --Zitatende-- Vlt den ganzen SAtz lesen? DAnn wüssten Sie, dass die Autorin keinen anderen Ghostwriter kennt, jedoch von ihren Lekotren weiß, dass -- Zitat Die meisten Ghosts sind Frauen --Zitatende--
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Verwandte Themen

Fotostrecke
Lebenslauf-Ghostwriter: Gut verkauft

Fotostrecke
Sonderbare Jobs: Berufe gibt's, die gibt's gar nicht

Social Networks