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Hinschmeißer-Beruf Consultant "Hallo, ich heiße Gerd und ich bin Berater"

Schatten ihrer selbst: Berater, die rauswollen aus dem aufreibenden Geschäft Zur Großansicht
DPA

Schatten ihrer selbst: Berater, die rauswollen aus dem aufreibenden Geschäft

Toll, dass der Job schnell vorbei ist: Höchstens fünf Jahre, dann sagen die meisten Unternehmensberater Adieu. Doch was kommt danach? Eigentlich ist das ein Fall für eine Selbsthilfegruppe. Ein fiktiver Besuch bei den Anonymen Ex-Beratern.

Unternehmensberatungen sind schnelle Brüter: Nur drei bis fünf Jahre bleiben die meisten Consultants dabei. Nicht selten haben sie dann schon ein Arbeitsleben hinter sich und suchen einen Neuanfang. Wie geht es Menschen, die im Beruf auf alles eine Antwort haben - aber diesen Beruf hinschmeißen? KarriereSPIEGEL hat sich ein Treffen der Anonymen Ex-Berater ausgedacht.

Gerd: Hallo, ich heiße Gerd und ich bin Berater.

Alle: Hallo Gerd!

Gerd: Ich habe große Probleme. Erstens gebe ich ungefragt Ratschläge, zweitens ignoriere ich Fakten, die nicht dazu passen, und drittens gliedere ich alles in drei Unterpunkte.

Alle: (murmeln durcheinander) Jaja, das kenne ich. Standard behaviour.

Gerd: Vergangene Woche habe ich zu meiner Freundin Elke gesagt: Wenn ich wieder mehr Zeit habe, dann will ich a) heiraten, b) Kinder mit dir und c) wissen, was du in deiner leisure time so machst. Ich dachte, es wäre gut, mal eine private roadmap zu haben.

Alfred: Und? Was hat sie gesagt?

Gerd: Nichts. Sie war nicht da. Wie's aussieht: schon seit Jahren. Das war der turning point. Ich habe gekündigt.

Alfred: Haben sie dich einfach ziehen lassen?

Gerd: Mein Chef war ein bisschen challenged. Er stöhnte: "Nach all der Zeit!" Ich bin halt schon seit dreieinhalb Jahren an Bord.

Alle: (ehrfürchtig nach Luft schnappend) Was 'ne performance! Krass! Top notch!

Alfred: Gerd, ganz ehrlich: Wir wollen hier im Gespräch versuchen, dich neu aufzugleisen. First of all wollen wir uns alle mal vorstellen. Ich bin Alfred. Ich bin nach einem Herzinfarkt rausgeflogen.

Gerd: Wow, tough für dich. Aber auch verständlich.

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Alfred: Keine Sorge, ich konnte meine Krankenversicherung überzeugen, dass eine Fehldiagnose vorliegt. Sonst würde ich denen jetzt ein irres risk premium zahlen.

Magda: Ich bin Magdalena. Aber meine Freunde nennen mich Magda. Also alle.

Gerd: Du wirkst gar nicht wie eine Unternehmensberaterin?

Magda: Ich bin schon nach wenigen Monaten ausgestiegen. Ich wollte lieber etwas Sinnvolles tun und meine knowledge base in andere Lebensbereiche übertragen.

Gerd: Und?

Magda: Total super! Ich habe mein Vermögen in Form einer Stiftung bei einem SOS Kinderdorf eingebracht. Da habe ich erst mal die Prozesse gestrafft und ein Drittel der Kinder rausgeschmissen.

Alfred: Dass du da endlich deliverst, bekommt dir gut, Magda. Du siehst viel besser aus!

Magda: (mit Augenaufschlag) Dass dir das auffällt!

Alfred: Ehrlich gesagt: Ich habe dein Xing-Foto mit dem letzten Facebook-Eintrag verglichen.

Gerd: Wer sind die drei elder statesmen da hinten, die bisher noch gar nichts gesagt haben?

Alfred: Oh, die werden sich nicht beteiligen. Die sind in die Politik gegangen, seither reden sie nicht darüber, was sie machen. Der links hat der Bundesanstalt für Arbeit ein research verkauft, warum sie so wenige Arbeitslose vermittelt. Das hat 60 Millionen gekostet. Jetzt heißt der Laden Bundesagentur.

Gerd: Fast so genial wie meine Kollegen, die die Lkw-Maut geregelt haben. Die haben tatsächlich behauptet, das System könnte man als key technology auch ins Ausland verkaufen. Damit haben die jeden noch so irren Kostenblock gerechtfertigt. Was ist mit dem Typen, der daneben auf dem Tisch liegt?

Manfred: Florian schläft hier immer. Der ist vorher in der Sitzung nebenan, bei den Alkoholikern.

Florian: Hicks!

Magda: Der in der Mitte heißt Günther und ist immer noch ein bisschen aktiv. Er war mal ein großes Tier in der EU. Korruptionskommissar oder so.

Gerd: Was hat er bei unserem Treffen zu suchen, wenn er noch aktiv ist?

Magda: Er denkt, wenn er bei den Anonymen Ex-Beratern auftaucht, hält ihm niemand mehr seinen Seitenwechsel von der Politik in die Wirtschaft vor.

Alfred: Ehrlich, wie geil ist das denn? Genial!

Gerd: (leicht panisch) Der ist noch im business? Aber ihr anderen seid doch wirklich alle raus, oder? Ich will niemanden aus der Branche mehr sehen.

Alfred: Was genau versprichst du dir davon, hier zu sein?

Gerd: Erstens sehe ich das als kick-off meeting für meinen Neuanfang. Zweitens brauche ich input, was ich mit meinem Leben machen könnte, frische Ideen and so on. Drittens will ich Kontakte knüpfen.

Alfred: Das könnte man prima als Kreisdiagramm darstellen. Hat man erst mal 270 Grad geschafft, erscheint der letzte Schritt allen Zuhörern als völlig logisch. Die wollen schließlich den Kreis fertig malen. Das haben wir immer rational roundabout genannt. Allerdings bist du dann am Ende wieder in der Beratung, ob du willst oder nicht.

Florian: Hicks!

Magda: Gerd, hast du schon eine ungefähre Vorstellung davon, was du machen willst?

Gerd: Irgendwas mit Menschen. Etwas, wo ich meine Stärken ausleben kann. Und als dritten Punkt: Ich will nicht mehr so'n Stress.

Alfred: Du könntest bei mir einsteigen. Ich saniere einen fränkischen Bremsschlauchhersteller, zur Entspannung. Die habe ich zweimal durch eine Übernahme gelotst. Das läuft wie von selbst: Die produzieren freiwillig auf 40 Jahre alten Maschinen, damit nach all den acquisitions überhaupt noch ein Entwicklungsetat übrigbleibt.

Gerd: (leicht erhitzt) Aber wo ist da der Sinn? Dir geht's doch nur um drei Dinge: Macht, cash flow und Bonusmeilen - wenn auch nur zum Airport Nürnberg.

Alfred: Ganz ehrlich: Der Sinn ist, eine ruhige Kugel zu schieben. Eigentlich können die das auch ohne mich. Das entlastet ungemein.

Florian: Hicks!

Gerd: Das ist doch Selbstbetrug! Ich will etwas Nachhaltiges machen. Sustainability, mein Lieber!

Alfred: Was soll das sein?

Gerd: (überlegt kurz) Vielleicht mache ich ein bescheidenes Steakhaus auf, Kobe-Rind aus deutscher Züchtung. Wie wäre der Name "Eating Bull"? Mit den besten veganischen Eiweißdrinks der Stadt!

Alfred: Steakhaus für Veganer? Was für eine abgewichste business proposition! Da haben wir doch was für dich!

Gerd: (strahlend) Think the unthinkable.

Magda: (räuspert sich, klopft mit einem Löffel gegen ihr Glas) Liebe Freunde, zum Schluss unserer heutigen Runde soll sich wieder jeder von euch committen, wie er in der kommenden Woche an sich arbeiten will.

Erster Politikberater: Ich habe diese Woche schon ganz wenig von Vollbeschäftigung gesprochen. Das hat mir gutgetan, da will ich weitermachen.

Günther: Ich will in der kommenden Woche gar nicht mehr so viel beraten. So, wie ich es meinen Kommissionskollegen versprochen hatte. Damals, 2007.

Florian: Hicks!

Magda: Ich will mir ein neues soziales Projekt suchen. Im Kinderdorf habe ich ja aufgeräumt, jetzt muss ich sehen, wohin mit meinem return on investment. Vielleicht stecke ich das Geld in Demenzkranke oder so.

Gerd: Ich schalte jetzt a) einen Gang zurück, versuche b) wieder Kontakt zu Elke aufzunehmen, weil ich wissen will, seit wann sie fort ist, und c) behalte ich die Rindfleischpreise im Auge. Aber low priority, versteht ihr? Nicht mehr als 60 Stunden die Woche!

Magda: Und du Manfred? Wovon willst du dich freimachen?

Manfred: (blickt von seinem iPad auf, hält die Hand vors Handymikrofon) Äh, ganz ehrlich: Ich muss asap los.

  • Matthias Kaufmann (Jahrgang 1974) ist Redakteur von KarriereSPIEGEL und manager magazin online.

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insgesamt 35 Beiträge
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1. .
Jule25 20.05.2012
---Zitat--- Ein fiktiver Besuch bei den Anonymen Ex-Beratern. ---Zitatende--- Häää? Was soll das den nun? Sind wir jetzt in der Märchenstunde? Glaubt den SPON, dass irgendjemand sowas lesen wird nach dieser Einleitung? Berichtet mal lieber über Fakten aus aller Welt statt euch Geschichten auszudenken!
2.
T&T 20.05.2012
Zitat von sysopToll, dass der Job schnell vorbei ist: Höchstens fünf Jahre, dann sagen die meisten Unternehmensberater Adieu. Doch was kommt danach? Eigentlich ist das ein Fall für eine Selbsthilfegruppe. Ein fiktiver Besuch bei den Anonymen Ex-Beratern. Einsteiger und Aussteiger in der Unternehmensberatung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,833376,00.html)
Wie viele Artikel will SPON noch über Berater schreiben? Denke nicht, dass die SPON-Zielgruppe derart consulting-geil ist...Es gibt wesentlich interessantere Berufsgruppen, über die es zu berichten gibt.
3. optimal!
roflem 20.05.2012
schon die ersten Zeilen überzeugen. Weiter so, bitte als Drehbuch oder Roman. Nächstens die fiktive ex-Bankster Selbsthilfe Truppe bitte!
4. Satire?
Spassbremse 20.05.2012
Man sollte ja davon ausgehen, dass das alles nur satirisch überspitzt ist. Leider kenne ich in meinem Bekanntenkreis einen "IT-Berater", der tatsächlich haargenau so drauf ist...
5. well done
cybernic 20.05.2012
Ich finde es sehr gut beobachtet und geschrieben! Chapeau! Herr Kollege
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Worum geht's, wenn die Berater kommen?
Berater streichen nicht nur Stellen, tatsächlich machen 43 Prozent aller Aufträge Beratungen aus, die die Organisation oder bestimmte Prozesse im Unternehmen verbessern sollen. Bei rund einem Viertel der Jobs geht es um Strategieberatung, die Kunden wollen also wissen, wie sie sich aufstellen sollen. 22 Prozent der Aufträge betreffen IT-Beratung. Nur in zehn Prozent der Fälle geht es tatsächlich um Personalmaßnahmen.
Welche Branchen werden beraten?
Grundsätzlich kann jedes Unternehmen Hilfe bei einem Berater suchen, manche Beratungen haben sich auf spezielle Branchen, Unternehmensgrößen oder Vorgehensweisen spezialisiert. Die Nachfrage nach Beratung ist im produzierenden Gewerbe am stärksten, im Automobilbereich und allgemein bei Produzenten von Konsumgütern. Auch Kreditinstitute beschäftigen häufig Berater. Je nach Ziel kann ein Beratungsprojekt zwischen zwei Wochen und mehreren Jahren dauern. Verstärkter Beratungsbedarf wird für das nächste Jahr vor allem in der Energiebranche erwartet, da durch Atomausstieg und Energiewende ganze Geschäftsmodelle verändert werden müssen.
Wie läuft das konkret ab?
Zum Beispiel eine Strategieberatung: Meist gibt es drei Phasen. Bei der Analyse wird zunächst die Situation untersucht und gefragt: Was will das Unternehmen erreichen? Was muss man tun, um einen Wettbewerbsvorteil zu erreichen? Anschließend werden Lösungsoptionen entwickelt, die Vorschläge bewertet, dann dem Vorstand präsentiert, der entscheidet, wie die Berater vorgehen sollen.

Dann wird das abgesegnete Konzept weiterentwickelt, bis man es umsetzen kann. Die Berater bringen den Beschäftigten, die durch die Umstellung betroffen sind, bei, wie sie jetzt vorgehen müssen, wie kommuniziert werden soll, und organisieren Schulungen. Zum Abschluss geben die Berater eine umfassende Dokumentation ab. Immer öfter bleiben Unternehmen jedoch in Kontakt mit den Beratungen, so dass bei neuen Projekten ohne große Kennenlernphase weitergemacht werden kann.

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