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Elternzeit, Arbeitslosengeld, Sozialhilfe Deutschland ist nur Mittelmaß

  Ausflug mit Kindern: Unterschiedlicher Umgang mit Eltern  Zur Großansicht
DPA

Ausflug mit Kindern: Unterschiedlicher Umgang mit Eltern

Urlaub, Elternzeit, Lohnfortzahlung bei Krankheit - welches Land ist besonders arbeitnehmerfreundlich? Eine Studie vergleicht 13 europäische Staaten und die USA. Deutschland ist nur in einem Punkt Spitze.

Spanier und Schweden dürfen am längsten Urlaub machen, arbeitslose Dänen bekommen fast ihr volles Gehalt und in Deutschland währt die Elternzeit besonders lange: Europäische Länder zahlen bei Krankheit und Arbeitslosigkeit unterschiedlich gut und lang und gewähren auch unterschiedlich lange Elternzeiten.

Die Deutschen, die ihre Sozialstandards oft selbst als sehr hoch einschätzen, liegen keineswegs vorne. Zu dem Ergebnis kommt die US-Internetplattform Glassdoor, auf der Mitarbeiter ihre Gehälter vergleichen und Arbeitgeber bewerten können, in einer aktuellen Studie. Für die Übersicht hat Glassdoor Daten der OECD und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ausgewertet, und geprüft, welche Urlaubsansprüche und Mindestbezüge für Arbeitnehmer in 13 westeuropäischen Ländern und den USA gelten.

Sie ziehen den Schluss: Dänische, französische und spanische Arbeitnehmer sind am besten dran. Deutschland dagegen ist Mittelmaß.

Die Ergebnisse im Überblick:

  • Punkten kann Deutschland mit der Elternzeit: Bis zu drei Jahre dürfen sich Eltern freinehmen, ohne um den Job bangen zu müssen. So lange geht das sonst nur in Frankreich. Ein Jahr lang bekommen Eltern etwa 65 Prozent des Gehalts. Bei der Dauer des Mutterschutzes erfüllt Deutschland nur europäische Mindeststandards, dafür bekommen die Frauen in dieser Zeit ihre vollen Bezüge. Irinnen hingegen müssen während des Mutterschutzes mit pauschal 230 Euro pro Woche zurechtkommen.
  • Kranke Arbeitnehmer können sich in Norwegen, Dänemark und Finnland ein ganzes Jahr lang über ihr volles Gehalt freuen. In Deutschland bekommen sie das nur sechs Wochen - dafür übernimmt danach die Krankenkasse und zahlt bis zu eineinhalb Jahre 70 Prozent des Gehalts. In den Niederlanden erhalten Arbeitnehmer bei einem langfristigen krankheitsbedingten Ausfall bis zu zwei Jahre 70 Prozent ihres Gehalts.
  • Schweden, Franzosen und Dänen bekommen vom Gesetzgeber den meisten bezahlten Urlaub. Zählt man die gesetzlichen Feiertage mit, holt Spanien auf und liegt mit Schweden vorn - in der günstigsten Konstellation kommen die beiden Länder auf 36 Urlaubstage. Deutschland landet auch hier im Mittelfeld, Schlusslicht ist die Schweiz mit 20 Urlaubs- und vier Feiertagen.
  • 90 Prozent ihres Gehalts bekommen Arbeitslose in Dänemark, und das bis zu zwei Jahre lang - dafür haben sie einen sehr geringen Kündigungsschutz. Auch in Belgien, den Niederlanden und Frankreich bekommen Arbeitslose in den ersten Jahren mehr von ihrem vorherigen Gehalt als in Deutschland. Allerdings hat die Studie nur das Arbeitslosengeld I betrachtet, weil das Arbeitslosengeld II eher der Sozialhilfe in anderen Staaten entspricht. Wie gut zum Beispiel Langzeitarbeitslose dastehen, lässt sich so nicht vergleichen.
  • Weit abgeschlagen bei praktisch allen untersuchten Faktoren sind allerdings die USA.

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insgesamt 61 Beiträge
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1. USA weit abgeschlagen
Sibylle1969 19.02.2016
Kein Wunder: die gesetzlichen Sozialstandards sind in den USA so niedrig wie in keinem anderen Industrieland. Zwar haben viele Unternehmen großzügigere Regelungen als das, was gesetzlich vorgesehen ist, aber die gesetzlichen Standards sind niedrig bis nicht vorhanden: Es gibt keinen bezahlten Mutterschutz oder eine Elternzeit ("Parental leave" ist Privatvergnügen, weshalb die meisten Frauen auch wenige Monate nach der Geburt wieder zurückkommen). Lohnfortzahlung im Krankheitsfall gibt es nicht, wer krank ist, kriegt für die Zeit keinen Lohn. Einen gesetzlichen Mindesturlaubsanspruch gibt es auch nicht, auch wenn 10-15 Tage üblich sind. Wird man arbeitslos, dann bekommt man genau 6 Monate Arbeitslosengeld, danach gar nichts mehr. Wer nach 6 Monaten keinen neuen Job gefunden hat, kann daher ganz schnell in die Armut abrutschen. Während der Finanzkrise ist das vielen so ergangen: auf einmal waren zahlreiche Mittelschichtsfamilien (!) obdachlos und lebten im Auto. Wer in den USA höhere Sozialstandards fordert, wird gleich als "Sozialist" gebrandmarkt, das ist in den USA ein Schimpfwort. Der demokratische Präsidentschaftskandidat Bernie Sanders wird als "Sozialist" bezeichnet, dabei könnten die Positionen, die er vertritt, hierzulande im Wahlprogramm der CDU stehen.
2.
suaheli4711 19.02.2016
mir fehlt da eine komplette Übersicht aller Leistungen und vorallem die summe der Leistungen. Dann wird denke ich durchaus deutlich auf welchem Niveau man sich befindet. Es ist ja schön wenn Dänemark 2 Jahre Lohn und Gehalt weiterzahlt....aber wie ist es dort in den anderen Bereichen? Und wenn Deutschland überall eben ein (vielleicht gesundes) Mittelmaß bedient kann das durchaus in der Summe besser sein als einmal Spitzenreiter und sonst ganz weite hinten. Das Gesamtbild macht es eben
3. Das ist ein schlechter vergleich........
ephlang 19.02.2016
......um naechsten artikel berichten Sie bitte auch ueber die Hoehe der direkten und indirekten Abgaben,die im genannten Laendern bezahlt werden muessen. Erst dann koennen solche Vergleiche geschlossen werden.
4. Wie ist es im Ausland?
ford_mustang 19.02.2016
Wurde in den anderen Staaten, von der Arbeitgeberseite, auch immer der Zusammenbruch der Wirtschaft, bei der Einführung der besseren Bedingungen, vorhergesagt, oder ist das ein deutsches Phänomen? Hier ist das schon zum Reflex geworden. Bei Tarifverhandlungen ist entweder gerade die wirtschaftliche Lage schlecht für Lohnerhöhungen, oder der Aufwärtstrend darf nicht gefährdet werden, durch Lohnerhöhungen. Mindestlohn gibt es in anderen Ländern auch mehr, nur hier wird gejammert und von der Regierung ein Schlupfloch nach dem anderen installiert.
5. USA weit abgeschlagen
Astorek86 19.02.2016
Ergänzend zu #1 ist es nicht ganz uninteressant zu erwähnen, dass sich das in der grundlegenden Stimmung auswirkt: Reist man das erste Mal in die USA, wird man von der Freundlich- und Lebendigkeit der Menschen fast erschlagen - aber gräbt man etwas tiefer, fallen einem tiefe Abgründe und Ängste über die weitere Existenz, Altersvorsorge etc. auf, die dort allerdings so weit wie möglich heruntergespielt werden, um sich nicht damit beschäftigen zu müssen. Es hat seinen (grundlegend traurigen) Grund, weshalb der USA immer vorgeworfen wird, im Bereich der Kunst und Kultur zu oberflächlich zu sein...
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