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Die aktuelle Stellenanzeige Einsiedler gesucht, Arbeitsort Schlucht

Kapelle in der Verenaschlucht: Die lästige Pendelei fällt für den Einsiedler weg Zur Großansicht
Region Solothurn Tourismus

Kapelle in der Verenaschlucht: Die lästige Pendelei fällt für den Einsiedler weg

Leben wie Robinson Crusoe: Wenn das Ihr Traum vom Arbeitsleben ist, dann ab in die Schweiz. Als Einsiedler in Solothurn führt man eine jahrhundertealte Tradition fort. Statt E-Mails schreiben heißt es fortan: Kerzenwachs abkratzen.

Geben Sie's zu, Sie haben Blut geleckt. Sechs Wochen Fasten ist Ihnen nicht genug, Sie haben über die Osterfeiertage beschlossen, die Selbstkasteiung in Ihren Alltag zu integrieren, Job inklusive. Ganzheitlich und so. Downsizing ist ja schwer im Trend, als Euphemismus für Meine-Arbeitszeit-wurde-gekürzt, und gut für die Gesundheit isses auch.

Wenn Sie zudem Erfahrung haben als Leuchtturmwärter, Senner oder Archivar und Ihr Lieblingsheld Robinson Crusoe ist, umso besser. Wir haben den perfekten Job für Sie: Einsiedler/in.

Und es wird noch besser: Gesucht wird jemand für den Eremitenposten in einer kleinen Gemeinde bei Solothurn in der Nordwestschweiz. Einsatzort ist eine schmale Lichtung in einer Schlucht. Mobilfunkempfang? Vergessen Sie's. Weniger online geht kaum!

Es eilt etwas, da die direkte Vorgängerin im März überraschend das Handtuch geworfen hat, nach gerade mal fünf Jahren - der "Hinterwaldbruder" davor blieb fast 30 Jahre. Die letzte Einsiedlerin war nach der Heiligen Verena die erste Frau auf dem Posten in jener Felsenschlucht und als Bauerntochter und Religionslehrerin körperlich und mental ideal auf diesen Job vorbereitet.

KarriereSPIEGEL hat sich die Anforderungen in der Stellenanzeige mal genauer angeschaut und erklärt, was zur Diogenes-Mentalität dazugehört.

  • Sind Sie eine idealistisch gesinnte, kirchennahe Person, welche Freude hat an Begegnungen mit Menschen?

Wasser predigen und Wein trinken gehört ja zur Ideologie des Herrn. In diesem Fall heißt das: Lust aufs Eremitenleben, aber kein Misanthrop; kein Problem mit Abgeschiedenheit, aber genauso Bock auf Touris. Denn die kommen garantiert, tagein, tagaus, weil die Verenaschlucht und die Einsiedelei mit ihren zwei in den Fels gehauenen Kapellen sehr beliebt sind bei den Schweizern. Hochzeiten, Taufen, Weihnachtsfeiern, hier geht's im ganzen Kirchenjahr ganz schön ab. Da hilft nur die Flucht auf den dazugehörigen Meditationsweg, wenn Ihr Idealismus-Mantra versagt.

  • Das vielfältige Aufgabengebiet eignet sich für eine offene und kommunikative Person, welche gewillt ist, wenn möglich ganzjährig in der Klause zu wohnen.

Gute Nachrichten: Die lästige Pendelei im Berufsverkehr fällt weg. Denn Dienstsitz und Wohnort sind identisch. Und das 25-Quadratmeter-Häuschen mit Bett, Tisch, Bücherregal und Schrank sind noch dazu herrlich pflegeleicht. Das ist Leben in XS oder wie man in Managersprech so schön sagt: Reduce to the Max. Nicht verwechseln: "kommunikativ" heißt hier, Kontakt zu den Besuchern zu halten, und nicht E-Mails pronto zu beantworten. Wie auch, ohne Empfang. Führungserfahrung ist von Vorteil, da der Einsiedler automatisch eine Art Ein-Personen-Tourismuschef der Schlucht wird. Ein Hoch auf flache Hierarchien!

  • Zu den Aufgaben gehört nebst Hauswart- und Sakristanendiensten auch der Kontakt zu den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern.

Ja, die zwei Kapellen wollen immer schön poliert sein und die Gewänder für die Pfarrer zurechtgelegt, wenn mal wieder eine Taufe ansteht. Das Übliche halt. Die Heilige Verena ist nicht ohne Grund die Schutzheilige der Pfarrhaushälterinnen. Perfekt für die Außenwirkung wäre daher, wenn Sie Verena hießen. Oder erwägen, sich umzubenennen: Damit's wie bei der Vorgängerin schön passt zur Verenaschlucht und zum Verenabach.

Weil der Heiligen Verena, die mit der Thebäischen Legion etwa 300 nach Christus aus Ägypten über die Alpen gekommen sein soll, damals der Rummel um sie zu viel wurde und immer noch mehr Jungfrauen-Fans kamen, floh sie übrigens in den Norden. Wer den Job übernimmt, sollte sich mit mehr Contenance wappnen: Denn gegen die Verena-Touristenströme sind die Petersplatzmassen in Rom bei der Papstwahl Pillepalle. Wenn's ganz schlimm wird, verdrücken Sie sich einfach an die Bar im Restaurant "Einsiedelei" am Eingang zur Schlucht. Die suchen übrigens gerade Servicepersonal und einen Hilfskoch, falls Sie noch jemanden mitbringen wollen.

  • Körperliche und psychische Belastbarkeit werden vorausgesetzt.

Ach Quatsch, Sie werden die romantische Dunkelheit lieben, in die Sie im Schatten der Felsen ganzjährig gehüllt sind. Diese vorindustrielle Atmo findet sich heute sonst nur noch im Bergbau. Und für den Notfall gibt's ja Serotonin-Tabletten in jeder Apotheke, im Winter reflektiert der Dauerschnee genug Licht.

Gut, Sie müssen zwar den Schluchtweg ganzjährig immer schön begehbar halten, dafür gehört dazu auch die stimmungsvollste Aufgabe, die man sich vorstellen kann: Kerzen auspusten, Kerzen einsammeln, Kerzenwachs abkratzen. Die pappen dort stets zu Hunderten am Gestein, gepriesen seien die Pilger. Besonders in der Weihnachts- und Osterzeit gehen fürs Kerzenbeseitigen schon mal drei Stunden am Tag drauf. Wir empfehlen: zum Testen erstmal ein paar Tage in die Gemeinde Einsiedeln ziehen. Aber Obacht, die liegt im Kanton Schwyz. Besser mal googeln, solange Sie noch Empfang haben.

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Anne Haeming (Jahrgang 1978) ist freie Journalistin in Berlin.

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insgesamt 13 Beiträge
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    Seite 1    
1. nichts schreiben...
samkuenti 24.04.2014
wenn man sich nicht auskennt. Sehr schlechte Arbeit...ungenügend...Die Schlucht heisst "Verenaschlucht" Die Einsiedele liegt am oberen Ende Der Schlucht und das ganze gehört der Bürgergemeinde der Stadt Solothurn und die kleine Gemeinde ist Rüttenen...Einsiedeln ( Bekanntes Kloster und Wallfahrtsort) ist in der Zentralschweiz ca 130Km südlich von Solothurn
2. ...
winkdon 24.04.2014
Zitat von sysopRegion Solothurn TourismusLeben wie Robinson Crusoe: Wenn das Ihr Traum vom Arbeitsleben ist, dann ab in die Schweiz. Als Einsiedler in Solothurn führt man eine jahrhundertealte Tradition fort. Statt E-Mails schreiben heißt es fortan: Kerzenwachs abkratzen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/eremit-in-solothurn-einsiedler-in-der-schweiz-gesucht-a-965048.html
Informieren sich die Jounralisten beim SPON eigentlich über die Dinge zu denen sie Artikels schreiben oder schreiben die einfach so drauf los? War diese Journalistin jemals in der Einsidelei? Vielleicht wäre es ihr aufgefallen, dass dieser Job mit Robinson Crusoe gar nichts am Hut hat. Die Schlucht ist immer gut besucht. Leute gehen dort Joggen oder spazieren. Liegt daran, dass die Schlucht halt sehr hübsch ist. Es ist ein Naherholungsgebiet. Hätte sich die Journalistin mit der Einsidelei auseinander gesetzt, dann hätte sie gemerkt, dass man von dort zum Dorfkern Rüttenen vielleicht fünf Minuten zu Fuss unterwegs ist. Selbst den Bahnhof Solothurn erreicht man in 20 Minuten zu Fuss.
3. Verena heiße ich nicht....
lachina 24.04.2014
...aber wenn ich jünger wäre, würde ich mich glatt bewerben ;) ich habe mich schonmal auf eine Aushilfsstelle in einem Observatorium in Feuerland beworben, aber leider eine Absage bekommen; was verdient eine Einsiedlerin im Monat?
4. EU Bürger
somewhere 24.04.2014
Gilt die Zuzugsbeschränkung für EU Bürger in diesem Fall nicht ? Denn die Schlucht wäre ja dann fest in "nicht Schweizer Hand" :-).
5.
beamter_aus_leidenschaft 24.04.2014
Zitat von lachina...aber wenn ich jünger wäre, würde ich mich glatt bewerben ;) ich habe mich schonmal auf eine Aushilfsstelle in einem Observatorium in Feuerland beworben, aber leider eine Absage bekommen; was verdient eine Einsiedlerin im Monat?
Der Mindestlohn soll ja 4000 sFr betragen und da die Schweiz eigentlich kein Niedriglohnproblem hat, können sie mindestens mit 3500 sFr rechnen. Dazu wunderschöne Landschaft, perfekte Nahverkehr, höhere Lebensqualität, mehr Brutto aber natürlich höhere Lebenshaltungskosten - aber sie müssen dann schon ihr Deutschtum zuhause lassen, sonst wird das nichts. Des Geldes wegen in die Schweiz zu ziehen, dass kann man niemanden raten.
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