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Ernährungsberatung Suppen-Nanny für Manager

Wenn der Erfolgshunger kommt: Anna Fiedler hilft Führungskräften, gesund zu essen Zur Großansicht
Thorsten Franzisi

Wenn der Erfolgshunger kommt: Anna Fiedler hilft Führungskräften, gesund zu essen

Immer diese Konferenzkekse, und Lasagne als Mitternachtsimbiss ist auch nicht gesund - Anna Fiedler hilft Führungskräften bei gesunder Ernährung. Sie macht die Vorkosterin am Flughafen, schickt Motivations-SMS und greift notfalls auch in den Kantinenspeiseplan ein.

Die Karriere von Anna Fiedler dreht sich schon lange ums Essen. Und sie begann mit einem typischen Fehler: "Ich habe viel gearbeitet, nicht darauf geachtet, was ich wann esse", sagt sie. Damals war Fiedler noch IT-Beraterin. Heute weiß sie es besser.

Das Thema Ernährung interessierte Fiedler schon, seit sie früher im Radsport aktiv war. Sie begann nebenher Fachbücher zu lesen und Kochkurse zu besuchen. Kurz darauf machte sie eine Weiterbildung zur Ernährungsberaterin. 2010 in ihrer Elternzeit überlegte sie: "Entweder mache ich das richtige Essen zu meinem richtigen Beruf - oder ich gehe zurück in die IT."

Fiedler entschied sich für das Essen und macht ihr Wissen nun zu Kapital. Sie entwickelte ein Coaching-Programm. Ihr Konzept: Anderen Menschen Zeit, Ärger und Enttäuschung auf dem Weg zur Idealfigur ersparen - und sie zur gesunden Ernährung motivieren. Die 34-Jährige hat sich dabei auf Führungskräfte spezialisiert.

Tipps zum Essen - ein Erfolgsrezept

Ihre Kunden sind Menschen, die keine Nerven haben, sich intensiv mit dem Abnehmen auseinanderzusetzen. Oder keine Zeit für regelmäßigen Sport. Alle ihre Kunden haben aber das Geld für eine individuelle Betreuung und sind bereit, die Kontrolle über ihre tägliche Ernährung abzugeben. Fiedler fand damit eine Nische.

Dabei ist Ernährungsberatung nichts Neues, schon lange sind Tipps zum richtigen Essen ein Erfolgsrezept. Wann ist welche Mahlzeit die richtige? Kann ich nach 18 Uhr noch warm essen, ohne dick zu werden? Ob in der Literatur, im Fitnessstudio oder beim Hausarzt, überall gibt es dafür eine Vielzahl von Expertenmeinungen. Die Spezialisierung auf Manager bei der Ernährungsberatung ist in Deutschland aber bisher ziemlich einmalig.

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Currywurst, Yoga, Gottesdienst: Mittagspausen in aller Welt
Und so kümmert sich Fiedler jetzt darum, dass in den Top-Etagen zumindest das richtige Essen auf dem Tisch steht und ihre Kunden beim Business-Lunch oder nach Mitternacht nicht zur Lasagne greifen. Dabei besteht ihre Hauptaufgabe in der Logistik: "Für den Kunden genau das zu finden, was er braucht, und das auch rechtzeitig zu liefern, ist schwierig", sagt Fiedler. Ihre ersten Testkunden verloren trotzdem nach sechs Monaten ordentlich Gewicht. Und so entwickelte sich ein erfolgversprechendes Geschäftsmodell.

"Dein Körper wird sich bedanken"

Zum Service bekommt jeder Kunde in den ersten Monaten Coaching-Briefe. Darin klärt Fiedler über Ernährungswissenschaft auf ("Im Schnellflug zu essen, wirkt sich immer negativ auf Deinen Körper aus"), gibt Tipps für Rezepte ("Weißer Birnen-Nuss-Smoothie") und ermahnt ihre Kunden zur Disziplin ("Bitte nimm diese Aufgabe ernst"). Ziel ist eine komplette Ernährungsumstellung. Das klingt mitunter so wie bei einem Ernährungs-Guru: "Indem Du Dir wenigstens diese paar Minuten Ruhe gönnst und Dich bewusst bei Dir und Deinem Körper bedankst, schenkst Du ihm die Wertschätzung, die er verdient!"

Zudem trifft sich Fiedler in regelmäßigen Abständen mit dem Abnehmwilligen, schaut sich Essgewohnheiten an und geht gemeinsam einkaufen. Anschließend wird ein Drei-Gänge-Menü gekocht. Fiedler steht in solchen Fällen daneben, hilft beim Schnippeln und erklärt die Abläufe in der Küche.

Es gehe vor allem darum, gute Zutaten zu verwenden und regelmäßig Gesundes zu essen, sagt sie. Einen Kunden erinnere sie daran sogar täglich dreimal per SMS, dafür sei er sehr dankbar. Und weil Fiedler auch das Baden mit basischen Salzen empfiehlt, kommt häufig noch eine weitere SMS hinzu: "Wie wär's mit Baden?"

Zwei Wochen gesteht sie einem Kunden eine solche Extrabehandlung zu, dann reicht es auch ihr mit den Kindermädchentätigkeiten, und der Kunde bekommt einen "charmanten Arschtritt", wie sie es nennt.

Ernährungsberatung ohne Mund-zu-Mund-Propaganda

Für die persönliche Betreuung im sechsmonatigen Programm zahlen Fiedlers Kunden monatlich 480 Euro. Die meisten sind männlich, bislang hatte Fiedler erst zwei Frauen: eine Profitänzerin und eine Managerin.

Für ihre Zielgruppe hat sie einige extravagante Angebote: Beim Flughafen-Coaching findet sie für Vielflieger heraus, an welchem Terminal in welchem Restaurant welche Speisen zu empfehlen sind. Auch in Hotels ruft sie vorher an und fragt, was es am Frühstücksbuffet gibt.

Fiedler schaut sich außerdem das Essen in der Firmenkantine an. Ist der Einfluss ihres Kunden in seiner Firma groß genug, bewirkt sie schon mal eine Änderung des Speiseplans - Salatteller mit Putenbrust statt Currywurst und Pommes. Falls nicht, ist das aber auch nicht schlimm: Fiedler ordert dann einfach das passende Essen und lässt es dem Kunden an den Schreibtisch liefern.

Und sie ist geschäftstüchtig. Eine App, mit der sie ihre Kunden noch einfacher auf ihr Tagesprogramm trimmen kann, wird bald veröffentlicht. Ihre Arbeitsweise möchte Fiedler noch optimieren, denn momentan geht die Hälfte ihrer Zeit für Kundenakquise drauf. Von Mund-zu-Mund-Propaganda profitiert sie wegen ihrer speziellen Zielgruppe kaum: "Manager wollen das gern als eigene Leistung verkaufen."

  • Brian Bailey
    KarriereSPIEGEL-Autorin Fabienne Kinzelmann (Jahrgang 1992) studiert in Dresden Philosophie und Katholische Theologie im interdisziplinären Kontext und arbeitet neben ihrem Studium als freie Journalistin.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Überflüssig...
omop 16.05.2013
jede halbwegs intellektuelle Führungskraft ist sich heute einer ausgewogenen Ernährung bewusst, so dass sich mir der Sinn dieses Jobs nicht erschliesst. Nebenbei in vielen Unternehmen gibt es auf Grund des Kostendrucks schon lange keine Kekse mehr...
2. Es gibt Momente...
Ylex 16.05.2013
Zitat: „Anna Fiedler hilft Führungskräften bei gesunder Ernährung.“ Zitat: „Beim Flughafen-Coaching findet sie für Vielflieger heraus, an welchem Terminal in welchem Restaurant welche Speisen zu empfehlen sind.“ Irgendwann sah ich einmal einen Filmbericht über eine junge Frau, die im New Yorker Central Park Hunde ausführte – für Geld, das war ihr Job, sie ließ durchblicken, dass sie gut verdiente. Dann sah ich noch einen Filmbericht über eine Butlerschule in den Niederlanden, es wurde gezeigt, wie streng die Anforderungen sind, zum Beispiel, dass ein Butler perfekt bügeln können muss. Später sah ich einmal einen Wagenkonvoi, er parkte in der Innenstadt von Buenos Aires auf der Straße, drei Autos, das mittlere eine gewaltige Limousine, die drei Autos versperrten fast die ganze Straße, überall Parkverbot, die Fahrer und die Bodygards spielten Karten auf der Motorhaube eines der beiden Super-Landrover – man sagte mir, das sei jeden Mittwoch Morgen so, wenn die Gattin von Señor Alfonso P. für zwei Stunden beim Friseur weilt. Übrigens gehen manche Schätzungen der Zahl der Straßenkinder in Buenos Aires von bis zu einer Million aus – eine ihrer Hauptnahrungsgrundlagen ist Rinderpansen, der in großen Bottichen unter freiem Himmel gekocht wird, die Umgebung stinkt entsetzlich. Dafür darf man andere Stadtteile von Buenos Aires nur mit einem Passierschein betreten. Und jetzt lese ich, dass eine clevere Dame auf Flughäfen den Edel-Fraß für Manager vorprüft, für 500 Euro im Monat – es gibt Augenblicke, da spürt man unmittelbar, wie die Grenzen des Erträglichen überschritten werden, es gibt Momente, da ist man nur noch angeekelt.
3.
ponyrage 16.05.2013
Zitat von omopjede halbwegs intellektuelle Führungskraft ist sich heute einer ausgewogenen Ernährung bewusst, so dass sich mir der Sinn dieses Jobs nicht erschliesst. Nebenbei in vielen Unternehmen gibt es auf Grund des Kostendrucks schon lange keine Kekse mehr...
Ich denke das Problem ist nicht so sehr abstraktes Wissen, sondern die Transformation in gelebte Realität. Verhaltensänderungen können sehr schwer sein, gerade auch bei den Ernährungsgewohnheiten. Es sind ja auch viele Menschen mit höheren Bildungsabschlüssen übergewichtig, das ist nicht nur ein Problem von Menschen am unteren Ende der Bildungsskala. Und hier mag es helfen, wenn man jemanden hat, der einen ganz besonders intensiv betreut ("caring" ist ein schönes Wort dafür). Alleine machen ist immer schwieriger, wenn auch potentiell billiger (es sei denn man macht teure Fehler).
4. Ist doch harmlos...
frl_klara 16.05.2013
...eine "IT-Beraterin", die im richtigen Leben nicht ganz zufrieden war, verdient sich ihr Geld mit Dienstleistungen, die vermutlich niemanden schaden. Das man darüber einen Artikel machen muss, fällt vermutlich in die Kategorie: "Strecke machen".
5. mal ehrlich
OttoEnn 16.05.2013
von einer dergestalt ihre Kleidung füllenden Person wollte ich mir echt nix über Ernährung abschauen ;) siehe: die Manager-Nanny (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/bild-899573-494191.html)
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