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Erste Hilfe Karriere Akademiker, fürchtet euch nicht!

Warum so hasenfüßig? "Diese Bedrohung betrifft mich, könnte mich betreffen, zumindest könnte ich jemanden kennen, den diese Bedrohung betrifft" Zur Großansicht
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Warum so hasenfüßig? "Diese Bedrohung betrifft mich, könnte mich betreffen, zumindest könnte ich jemanden kennen, den diese Bedrohung betrifft"

Vollbeschäftigung - und die Hosen voll: Warum haben eigentlich so viele Akademiker Angst vor Arbeitslosigkeit? Karriereberaterin Uta Glaubitz sieht die Schuld vor allem bei denen, die von den Sorgen anderer Menschen leben: Medien, Experten, Lobbyisten. Ihr Rat: bloß nicht kirre machen lassen.

Angstmachen ist zu einer eigenen Branche geworden. Dort arbeiten Medienschaffende, etwa Journalisten, Talkshowmoderatorinnen und Ratgeberautoren. Aber auch NGO-Aktivistinnen, Gutachter und jede Menge Experten, die sonst nichts zu tun hätten. Eine Talkshow über saubere Flüsse und gesunde Wälder guckt kein Mensch. Folglich könnte kein Experte eingeladen oder in irgendeine Kommission berufen werden. Viele Sachbuchautoren wären ohne die Angst vor Klimakatastrophe und/oder Atomkraft arbeitslos.

Auch Berufs- und Karrierejournalisten leben von der Angstbranche. Ein Magazin mit dem Titel "Leute, es ist alles in Ordnung" würde keine Auflage erzielen. Zu Themen der Berufswelt muss es also mindestens heißen: "Juristen ohne Chance", "Im Sturzflug abwärts", "Dr. Arbeitslos" oder "Generation Praktikum" - alles Titel, die die rasant wachsende Arbeitslosigkeit von Akademikern nahelegen.

Das Problem ist nur: Das Problem gibt es nicht. Seit fünfzig Jahren liegt die Akademikerarbeitslosigkeit in Deutschland unter fünf Prozent, im Moment bei völlig talkshowuntauglichen drei Prozent. Und da sind die Romanisten, Ethnologen und Kunstgeschichtler bereits inbegriffen.

Schwächen der Statistik gleichen sich vermutlich aus

Nun meinen manche, die Statistik sei manipuliert, weil die Bundesagentur für Arbeit Akademiker in Qualifizierungsmaßnahmen nicht mitzähle. Das mag so sein. Doch zählt die Statistik auch die nicht mit, die zwar arbeitslos gemeldet sind, in Wirklichkeit aber schwarzarbeiten. Vermutlich gleichen sich beide Seiten in etwa aus. Übrig bleibt der Skandal, dass es überhaupt Qualifizierungsmaßnahmen gibt für die Privilegierten des Arbeitsmarkts, die auch eine arbeitende Krankenschwester über ihre Beiträge finanzieren muss.

Erste Hilfe Karriere
Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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Soll also der Magazinmacher statt seiner Story über Akademikerarbeitslosigkeit lieber schreiben über unqualifizierte Wanderarbeiter aus dem Kaukasus, die möglicherweise wirklich schlechte Karrierechancen haben? Nein, sagt der amerikanische Soziologe David L. Altheide in seinem Buch "Creating Fear". Um richtig Angst zu verbreiten, braucht die Bedrohung einen Plot.

Der Plot muss beinhalten: "Diese Bedrohung betrifft mich, könnte mich betreffen, oder zumindest könnte ich jemanden kennen, der durch diese Bedrohung betroffen ist." Unqualifizierte Wanderarbeiter aus dem Kaukasus aber lesen sowieso keine deutschen politischen Magazine und schauen im Zweifelsfall nicht mal "Anne Will".

Aber deren Zielgruppe ist höher qualifiziert, deswegen muss der Bedrohungsplot unbedingt um die höher Qualifizierten gestrickt werden. Auch, wenn es keinerlei Zahlen gibt, die das Bedrohungsszenario stützen. Außer einer Umfrage unter Studenten und Studentinnen, ob sie Angst haben, irgendwann arbeitslos zu werden. Denn auf diese Frage antworten alle mit Ja.

"A way of looking at life"

So wird durch die Berichterstattung über Angstäußerungen also Angst verbreitet, was wiederum zu der Annahme führt, die Angst sei auch berechtigt, da sie ja so verbreitet ist. So entsteht durch das professionelle Angstmachen eine komplett verzerrte Wahrnehmung der eigenen Situation auf dem Arbeitsmarkt. Völlig ungestraft darf jeder - auch der Höchstqualifizierte - Angst vor dem Absturz in die Arbeitslosigkeit haben.

Als ich vor einigen Jahren Jurastudenten der Universität Göttingen fragte, wie hoch sie die Arbeitslosigkeit unter fertigen Juristen einschätzten, antwortete einer: "Na, so fünfzig Prozent." Und das bei mehr oder weniger Vollbeschäftigung von Akademikern. Angst, so Altheide, beginnt mit Dingen, vor denen wir Angst haben. Aber über die Zeit und mit ausreichender Wiederholung wird daraus eine Haltung - "a way of looking at life".

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insgesamt 28 Beiträge
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1. Im Prinzip richtig
BrucyLee 24.06.2011
und dennoch am Problem vorbeigedacht. Erstens muss sich nur ein bestimmter Teil der Akademiker Sorgen um einen adäquaten Arbeitsplatz machen. Zweitens wäre eine Statistik aussagefähiger, die angibt wie viele Akademiker in dem Beruf arbeiten, den Sie durch ihr Studium erlernt haben. Das sind in einigen Studiengängen sehr viele. Drittens sollte ein Gehaltsspiegel herangezogen werden, um zu beurteilen, ob sich die "Investition" in ein Studium überhaupt gelohnt hat. Und gerade da sieht es bei einigen Studiengängen ganz düster aus. In einer Zeit in der die Arbeitgeber fast alles nehmen was kommt für mehr oder weniger arbeitsmarktechnisch sinnlose Studien zu plädieren, halte ich für gefährlich: Einmal ändern sich die Zeiten auch mal wieder und zum anderen ist es schade um jeden potentiellen Leistungsträger.
2. Akademiker, fürchtet......
Nachtheinigte 24.06.2011
Ziemlich blauäugig, man kann auch sagen Optimismuspopulismus, ja für wen sind eigentliche solche Aussagen gedacht, für die Akademiker oder die Politik ?
3. Vollbeschäftigung für Akademiker
lillikarina 24.06.2011
wenn wir wirklich Vollbeschäftigung bei Akademikern hätten, dann könnten Akademiker sich im Falle eines Verlustes ihrer Stelle in kürzester Zeit und mit ein paar Bewerbungen wieder in den Beruf bringen. So war es 1970, als wir drei Prozent Arbeitslosigkeit hatten und angelernte medizinische Pflegerinnen für hohes Gehalt als MTA angeheuert wurden. Dies ist aber heute nicht so. Es müssen zig Bewerbungen geschrieben werden auf Anzeigen, auf die sich dann hunderte bis an die tausend suchende Akademiker melden. Weil die Hoffnungslosigkeit so groß ist, machen deshalb so viele Berufsanfänger ein Praktikum. Es ist eher so, daß die in den Medien dargestellte super Beschäftigungslage eine Mär ist. Um gute Stimmung zu verbreiten, wird mit Zahlen manipuliert und herumgetrixt, bis die Zahlen hoffnungsfroh stimmen. Wer sich heute nicht mit Top Unterlagen bewerben kann (top sind ja immer nur 5 % oder so), für den sieht es in der Regel ganz arg schlimm aus. Der erhält Antworten auf Bewerbungen wie etwa: "Sie gehören nicht zu dem Kreis der Menschen, die wir uns als Mitarbeiter vorstellen können". Wenn man ordentliche Noten und Berufserfahrungen unterhalt der Eliteanforderungen hat, sieht es eben eher düster aus. Und wer dann noch alleinerziehend ist, der kann sich gleich als Dauergast bei der ARGE anmelden.
4. Fürchtet euch
Tungay 24.06.2011
Zitat von sysopVollbeschäftigung - und die Hosen voll: Warum haben eigentlich so viele Akademiker Angst vor Arbeitslosigkeit? Karriereberaterin Uta Glaubitz sieht die Schuld vor allem bei denen, die von den Sorgen anderer Menschen leben: Medien, Experten, Lobbyisten. Ihr Rat: bloß nicht kirre machen lassen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,770167,00.html
Frau von der Leyen sorgt dafür, dass auch eure Arbeit ausländischen Lohndumpern zum Opfer fällt. Nichtmal aus der EU, nein, die wären doch zu teuer. Von weit weg, wo 40.000€ sowas wie ein Lebnsarbeitseinkommen darstellen. Wo man für diese Summe sein Mutter verkauft. Ihr werdet verarscht und schaut nur zu wie an Euren Ästen gesägt wird. Wenn der Boom dann vorbei ist, könnt Ihr mit euren Abgaben wieder die Existenz für die ins Land geholten, dann arbeitslosen Fachkräfte finanzieren.
5. Ein positiver Artikel
herbert nau 24.06.2011
Zitat von sysopVollbeschäftigung - und die Hosen voll: Warum haben eigentlich so viele Akademiker Angst vor Arbeitslosigkeit? Karriereberaterin Uta Glaubitz sieht die Schuld vor allem bei denen, die von den Sorgen anderer Menschen leben: Medien, Experten, Lobbyisten. Ihr Rat: bloß nicht kirre machen lassen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,770167,00.html
Man kann nun differenziert oder individualisiert die Beispiele diskutieren, die der Autorin vermeintlich nicht recht geben. Das Alter mag da eine Rolle spielen oder das Studienfach u.s.w.. Die Herausforderung für Deutschland (sicher auch für Europa) in den nächsten Jahrzehnten wird aber sein, wirtschaftlich mitzuhalten in einer Welt, die sich - bedingt durch das Bevölkerungswachstum und den starken Wunsch nach Teilhabe am wirtschaftlichen Aufschwung analog USA und Europa - immer mehr in Asien, Afrika und Südamerika entwickeln wird. Bildung ist da die Herausforderung Nr. 1 und mit fähigen, innovativen, motivierten - und angstfreien - Akademikern kann Deutschland die Chance steigern, auch in 40 Jahren noch Wirtschaftsmacht zu sein, auch wenn unser Bevölkerungsanteil immer unbedeutender wird.
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Foto: D. Stratenschulte
Uta Glaubitz ist Berufsberaterin und unterstützt andere dabei, herauszufinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Ihre Kunden im Vorher-Nachher-Vergleich präsentiert sie auf ihrer Internetseite.
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