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Erste Hilfe Karriere Das große Nichts im Xing-Profil

Xing: Flexibel, teamfähig, kommunikationsstark und einsatzbereit - sind das nicht alle? Zur Großansicht
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Xing: Flexibel, teamfähig, kommunikationsstark und einsatzbereit - sind das nicht alle?

In Netzwerken wie Xing oder LinkedIn regiert das Prinzip Hoffnung: Ich kann ja mal meine Jobvorlieben aufschreiben, vielleicht gabelt mich ein Personalchef auf. Doch viele Nutzer formulieren so katastrophal nichtssagend, dass Karrieretrainerin Svenja Hofert findet: Hätten sie besser nichts geschrieben!

Entdeckt werden, statt selbst bewerben: Ein Vorteil von Plattformen wie Xing oder Linkedin ist, dass man sich damit auf dem Arbeitsmarkt anbieten kann, ohne gezielt nach einer Stelle zu suchen. So überrascht es nicht, dass immer mehr Arbeitnehmer dort ein Profil als Arbeitssuchende anlegen. Nach dem Prinzip Hoffnung: Vielleicht stolpert ja ein Headhunter oder ein Arbeitgeber darüber.

"Suche neue Herausforderungen" schreiben Hunderttausende Mitglieder in ihr Profil. Manche sehen die "Suche nach der neuen Herausforderung" sogar als Vollzeitjob und geben sie auf ihrer Xing-Seite bei der Frage nach der letzten beruflichen Position an. Da die Wechselbereitschaft in wirtschaftlich guten Zeiten enorm steigt, poppt das Wort in mindestens jedem zweiten Profil auf. Und tatsächlich: Headhunter lieben die Kombination aus "Herausforderungen" und einem Suchwort wie "Java-Entwickler", denn so kommen sie Wechselwilligen leichter auf die Spur.

Bei anderen Floskeln erschließt sich der Sinn für die häufige Verwendung dagegen nicht: "Flexibel" etwa, ein Wort so dehnbar wie ein ausgeleiertes Gummiband, ist eines der am häufigsten verwendeten Adjektive in Internetprofilen. Es kann von "anpassungsfähig" (opportunistisch gar?) über "mobil" bis hin zu "bereit für unterschiedliche Aufgaben" so ziemlich alles bedeuten. Und was alles bedeuten kann, bedeutet eigentlich nichts.

Ein weiteres Nichts an Bedeutungskraft ist "teamfähig". "Teamfähig-lernbereit-arbeitsfähig" schreibt eine Bewerberin in ihr Profil. Die Aussagekraft: gleich Null. Heißt es, dass sie mit anderen zusammen arbeiten kann, dass sie gerne Projektarbeit macht oder dass sie pflegeleicht und nett ist? Alles kann sich hinter diesem Wort verbergen, auch ein überzeugter Einzelkämpfer, der mittags gern mal mit Kollegen essen geht. Ist ja Teamarbeit, quasi.

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Diese Experten schreiben regelmäßig im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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Was die Dame genau meint, für welche Berufsfelder sie sich anbietet, welche Kenntnisse sie hat? Das Internetprofil verrät es nicht, denn unter die Floskeln schreibt sie einen Witz, der keiner mehr ist: "Hier könnte Ihre Firma stehen". Dieser Satz ist durch massenhafte Verwendung etwa so kreativ wie die beliebte Aussage von Studienabbrechern: "Meine Universität? Die Schule des Lebens!" Haha.

Was wieder einmal zeigt: Kreativität hat etwas mit Einzigartigkeit zu tun, und Nachmachen ist nicht kreativ, sondern in geballter Form sogar lächerlich. Dann doch bitte lieber ein weiteres "Nichts", darüber können sich die Kollegen wenigstens nicht lustig machen.

So steht es auch in den Stelleninseraten - aber macht es das besser?

Weitere Nichtse sind neben "flexibel" und "teamfähig" auch "kommunikationsstark" und "einsatzbereit". Einsatzbereitschaft setze ich voraus. Aber was bitte heißt "kommunikationsstark"? Steckt dahinter jemand, der dir ein Ohr abkaut, ein Vielredner? Oder ein glänzender Rhetoriker? Vielleicht einfach jemand, der gut zuhört? Sie sehen: Alles nichts, oder? Ja, werden Sie sagen, aber die Firmen schreiben so etwas doch auch in Ihre Stelleninserate. Und? Macht es das besser? - Genau.

Kommen wir zu Floskeln, die ein wenig mehr sind als Nichtse. "Umfangreiche Erfahrungen" dürfte da zahlenmäßig sowohl bei Xing als auch Linkedin und auch in Bewerbungen die Hitparade anführen. Sind es langjährige Erfahrungen? Wie viel ist lang? Drei, fünf, zehn Jahre? Die Aussage "acht Jahre Praxis im Vertrieb von Medizintechnik" mag nicht kreativ sein, ist aber wenigstens konkret und deshalb besser.

Manchmal allerdings kann ein ausgesprochenes Nichts mehr sein als flexibel, einsatzbereit, teamfähig und kommunikationsstark. Ein Xing-Mitglied schrieb unter "ich suche" das Wort "nichts" und unter Arbeitgeber "kein.de". Er fragte meinen Kontakt bei Xing an. Ich lehnte ab, weil ich mich nicht mit "Nichtsen" verxinge. Dann schrieb er mir via Facebook den Grund für den Radikalbeschnitt in seinem Profil: Er sei Java-Entwickler und hatte zu viele Angebote erhalten, wollte seine Ruhe haben. Die Headhunterangebote kamen auch ohne "Herausforderungen" und ganz ohne weitere Floskeln.

Das sagt alles: Wer im Internet nach Fach- und Führungskräften sucht, interessiert sich für fachliche Kompetenzen und bestimmte Erfahrungen sowie Erfolge im bisherigen Berufsleben. Vielleicht springt er auch auf eine kreative Verpackung an. Aber ganz sicher nicht auf Floskeln.

Vergangene Woche in "Erste Hilfe Karriere": Gerhard Winkler - Bitte keine Werbung einwerfen

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Wie im wahren Leben
winfield06 05.05.2011
Das große NICHTS! Im Titel, im Artikel, im Leben, bei XING!
2. Wo ist das Problem ??
tz88ww 05.05.2011
Die Leute verstoffwechseln die Floskeln, die sie in Stellenanzeigen gelesen. Da steht doch auch massenhaft so ein nichtssagender Müll und Wortbrei drin. Einen schönen Tag noch.
3. Kein Problem
sprechweise, 05.05.2011
Zitat von sysopIn Netzwerken wie Xing oder LinkedIn regiert das Prinzip Hoffnung: Ich kann ja mal meine Jobvorlieben aufschreiben, vielleicht gabelt mich ein Personalchef auf. Doch viele Nutzer formulieren so katastrophal nichtssagend, dass Karrieretrainerin Svenja Hofert findet: Hätten sie besser nichts geschrieben! http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,760693,00.html
Personalchefs können im Allgemeinen gar nicht lesen. Und Profile verstehen ist praktisch ausgeschlossen. Oder haben Sie schon mal ein Angebot, geschweige denn ein gutes, bekommen weil sie einen Eintrag in Xing, Internet und Co gemacht haben? Haben Sie schon mal eine Kontaktaufnahme bekommen, weil Sie einen besonders tiefsinnigen/kompetenten Beitrag geschrieben haben?
4. Überflüssig
smoere 05.05.2011
Konkrete Angaben wie z.B. Angaben zur zeitlichen Erfahrung in einer bestimmten Branche lassen sich überlicherweise im Lebenslauf eines Profils finden. Weiche Attribute wie "teamfähig" finden sich dafür eher im Einleitungstext bzw. unter "Suche/ Biete". Aber ein Profil bzw. einen Lebenslauf komplett zu lesen ist wahrscheinlich zu viel verlangt. Gerade für die Damen vom Personal ;) Darüber hinaus referenziert ein solches Attribut wie "teamfähig" nur auf die Gesuche von Stellenausschreibern. Meine Meinung: dieser Artikel ist überflüssig und gibt einem Arbeitsuchenden keine Auskunft zur Verbesserung seiner Chancen.
5. --
roland.439 05.05.2011
Wenn man sich die Stellenausschreibungen der Unternehmen so ansieht, dann muss man ja den Eindruck bekommen, dass die von den "Bewerbern" bei Xing hervorgehobenen Eigenschaften genau dazu passen. Die Menschen schreiben eben das, was die Arbeitgeber (vorgeben) hören (zu) wollen. Der einzig ratsame Satz in dem Artikel ist mMn "kreativ ist nicht mehr kreativ, wenn es alle machen" (oder so ähnlich)
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Zur Autorin
Svenja Hofert plant in ihrem Hamburger Büro für Karriere & Entwicklung mit ihren Kunden den nächsten beruflichen Schritt. Die Outplacement- und Karriereberaterin hat mehr als 25 Bücher geschrieben, darunter das "Karrieremacherbuch" und "Ich hasse Teams", und betreibt ein Karriere-Blog.
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