ThemaBeratungRSS

Alle Artikel und Hintergründe


  • Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Erste Hilfe Karriere Hilfe, mein Chef will mein Freund sein

Sei! Mein! Freund! Facebook-Anfragen darf man ablehnen. Aber nicht mit: Bleib! Mir! Weg! Zur Großansicht
DPA

Sei! Mein! Freund! Facebook-Anfragen darf man ablehnen. Aber nicht mit: Bleib! Mir! Weg!

Darf man auf Facebook die Freundschaftsanfrage vom Boss oder von Kollegen ablehnen? Mit der richtigen Ausrede kein Problem, sagt Bewerbungshelfer Gerhard Winkler. Bei der Online-Vernetzung sollte man sich verhalten wie in der Teeküche: menschlich, aber bitte nicht peinlich.

Job und Facebook, das ist eine Kombination, die heftige Reaktionen auslösen kann. Zum Beispiel bei IT-Berater Axel O., als er auf seiner Facebook-Seite die Freundschaftsanfrage eines Kollegen aus dem mittleren Management entdeckt: "Ich fühlte mich, als ob mich mein Boss zum Tanzen auffordert. Trete ich ihm auf die Füße? Hält mein Deo? Worüber reden? Hoffentlich lachen die anderen nicht!" Axel O. klickt auf den Bestätigen-Button. Wohl fühlt er sich dabei nicht.

Sonja D. entscheidet sich gegen die Freundschaft. Sie kann ihren Kollegen S. nicht leiden, er ist der Stinkstiefel der Abteilung. Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten: Seitdem Sonja D. seine Freundschaftsanfrage ignoriert hat, verbreitet der Kollege abteilungsübergreifend, dass sie sich für etwas Besseres hält.

Edith B. arbeitet in einem Medienhaus. Sie tauscht sich auf der Firmen-Facebook-Seite spontan und formlos mit Kollegen und externen Autoren aus. Es wird geduzt. Jetzt fragt sie sich, wie sie reagiert, wenn ein Kontakt anruft oder im Verlag vorbeischaut. Heißt es dann "Guten Tag, Herr Dr. X" oder bleibt man bei "Hi, Joe"?

Lästern ist gefährlich

Natürlich wollen Facebook-Nutzer ihr Image polieren. Sie wollen sich ins Gespräch bringen, den Kontakt halten, sich vermarktungstechnisch geschickt aufstellen und generell nichts verpassen. Firmen nutzen Facebook zum Markenaufbau, zur Kundenbindung und zunehmend zum Personalmarketing. Aber was wollen die Mitarbeiter? In aller Ruhe ablästern.

Auf Facebook kann das gefährlich sein: Eine Junglehrerin hatte die "Privacy"-Einstellungen auf ihrer Seite schon sorgsam optimiert. Das half nichts - ein Pädagogenfreund fand ihre ausgekochten Bemerkungen über den gemeinsamen Dienstherren so köstlich, dass er einen Screenshot an Freunde im Kultusministerium übermittelte. Und das hatte die zu erwartenden Folgen.

Virtuelle Netzwerke bilden das Leben nach. Sie gewinnen sofort ein Eigenleben. Sie wirken auf das Leben zurück. Und sie verändern die Nutzer. Facebook funktioniert wie ein Kneipentisch: Man trifft sich und fragt nach, wo die anderen bleiben. Man legt den Fang des Tages ab, hält ein Schwätzchen, lästert, schäkert, schmiedet Pläne, redet Unsinn.

Erste Hilfe Karriere
Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

Sie haben Fragen zu Karrierethemen, Probleme am Arbeitsplatz, Themenanregungen? Unsere Experten freuen sich über Ihre Nachricht!
Um den eigenen guten Namen in beruflicher Hinsicht aufzubauen und zu verbreiten, gibt es die geschäftsbezogenen sozialen Netzwerke. Es fördert Ihre Karriere, wenn Sie Ihre private Seite privat halten, private Äußerungen nicht öffentlich machen und unbedingt auch im Blick behalten, was eine Google-Anfrage über Sie ausspuckt.

Ob da die lieben Kollegen offen auf Ihrer Privatseite anklopfen oder sich unter einem Nickname einschleichen: Sobald sie drin sind, ist die Privatheit draußen. Richten Sie eine öffentliche Facebook-Seite ein oder verweisen Sie freundlich auf Ihr Profil bei Xing, LinkedIn oder einem sonstigen Businessportal. Bedauern Sie: Ihre Privatseite können Sie keinem Erwachsenen zumuten. Die haben Sie nur eingerichtet, um mit der zehnjährigen Nichte in Idaho in Kontakt zu bleiben.

Falls Sie sich aber dafür entscheiden, sich mit Kollegen zu vernetzen: Schließen Sie keinen aus. Einbindung schafft Loyalität. Der interne Konkurrent von heute kann zum besten Unterstützer mutieren, sobald einer von Ihnen den Arbeitsplatz wechselt. Die Anfrage eines Vorgesetzten resultiert vielleicht auch aus der Angst, die Kontrolle über die Mannschaft zu verlieren. Andererseits: Wenn Sie sich nachhaltige professionelle Kontakte wünschen, dann finden Sie wenige, die so viel bringen wie die Verknüpfung mit dem eigenen Boss.

Puscheln für den Chef

Justieren Sie die Einstellungen auf Facebook immer auch so, dass bestimmte Leute von bestimmten Informationen ausgeschlossen blieben. Und texten Sie über andere nur, was Sie ihnen auch ins Gesicht sagen können.

Manche Firmen fördern, manche dulden auch nur, dass Facebook ihre Arbeitsplätze verbindet. Dann fungiert Facebook als Teeküche mit integrierten Ad-hoc-Meetings, Krisensitzungen und integriertem Flurfunk. Säubern Sie in diesem Fall Profil und Pinnwand von allem, was allzu menschlich, privat und peinlich ist. Machen Sie stattdessen sichtbar, wie Sie sich außerhalb des Jobs engagieren, Verantwortung übernehmen, Ihr Potential entwickeln und stetig Gutes tun. (Ständig gut sein ist anstrengend. Schon haben Sie eine gute Begründung, warum Sie morgens so müde aussehen.)

Interessieren Sie sich aktiv und aufrichtig für die Interessen der Vorgesetzten und Kollegen. Gehen Sie der Frage nach, wie die anderen Job und Leben ausbalancieren, und demonstrieren Sie selbst, wie gut Sie Ihre Arbeit und Ihr Privatleben auf die Reihe kriegen.

Firmen suchen Fans auf Facebook. Vergessen Sie darum nicht, auf der Firmenseite durch einen stetigen Fluss an aufbauenden und wertvollen Beiträgen zu glänzen. Werden Sie Cheerleader! Und hoffen Sie zugleich, dass kein kritischer Freund aus alten Zeiten Sie beim Puschelschwenken entdeckt.

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. n.a.
lotoseater 22.11.2011
Bei allem Wirbel um Datenschutz - den Informationshunger von facebook und Co. füttere ich nur vorsichtig - kann man doch nur sagen: Wer sein eigenes Fehlverhalten öffentlich protokolliert, hat es vollkommen verdient, wenn er für diese Dummheit eine reingewürgt bekommt. Jeder lästert hin und wieder mal, das ist ein ganz normales Ventil um mal Dampf abzulassen. Aber sowas schreibt man doch nicht öffentlich. Oder was das Leben noch einfacher macht: Man verkneift sich böse Kommentare grundsätzlich und denkt sich seinen Teil. Das hilft mir schon seit Jahren, keine Feindschaften aufzubauen.
2. ui
sverris 22.11.2011
Zitat von sysopDarf man auf Facebook die Freundschaftsanfrage vom Boss oder von Kollegen ablehnen? Mit der richtigen Ausrede kein Problem, sagt Bewerbungshelfer Gerhard Winkler. Bei der Online-Vernetzung sollte man sich verhalten wie in der Teeküche: menschlich, aber bitte nicht peinlich. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,799030,00.html
Wenn sich bei uns einer bewirbt und mit seiner Vernetzung ankommt, wirkt das eher als Ablehnungfaktor. Wir brauchen Leute, die sich auf ihre Arbeit konzentrieren, und nicht solche, die andauernd auf Fb etc. herumtreiben...
3. Das war aber nicht die Frage...
nurmeinsenf 22.11.2011
Zitat von sverrisWenn sich bei uns einer bewirbt und mit seiner Vernetzung ankommt, wirkt das eher als Ablehnungfaktor. Wir brauchen Leute, die sich auf ihre Arbeit konzentrieren, und nicht solche, die andauernd auf Fb etc. herumtreiben...
...sondern wie man reagiert, wenn unternehmensintern Freundschaftswünsche an einen herangetragen werden. Anscheinend haben Sie ein Bedürfnis, sich als wichtig darzustellen, aber aktuell möchte sich gar niemand bei Ihnen bewerben, den Sie ablehnen könnten. :-D
4. Social Media Erfahrung als Ablehnungsfaktor?!
homeuser 22.11.2011
Zitat von sverrisWenn sich bei uns einer bewirbt und mit seiner Vernetzung ankommt, wirkt das eher als Ablehnungfaktor. Wir brauchen Leute, die sich auf ihre Arbeit konzentrieren, und nicht solche, die andauernd auf Fb etc. herumtreiben...
1. Aus der Tatsache dass jemand gut vernetzt ist (was in vielen Branchen heute eine Selbstverständlichkeit darstellt) abzuleiten dsas er sich "nicht auf die Arbeit konzentriert und nur auf FB" rumtreibt ist schon arg weit hergeholt. 2. Was im Business zählt ist das Ergebnis, und nicht ob der MA beim erreichen eines guten Ergebnisses in einer guten Zeit mal 5 Min. auf FB verbracht hat. 3. Ihre komplette Ansicht ist mittelalterlich und überholt. Wenn Sie in meiner jetzigen Firma (oder den vorigen) im Personalmanagement oder Marketing anfangen und behaupten bei einer Personalentscheidung Erfahrung der Mitarbeiter mit Social Media als negativ zu bewerten dann werden Sie lautgröhlend (zu Recht) ausgelacht. Nur mal so zum Nachdenken, Ihre Äußerungen wären von daher in den meisten modernen Firmen (die in der Social Media z.T. auch massiv Recruiting betreiben) auch ein ganz klarer "Ablehnungsfaktor"... Mein Tipp: Suchen Sie mal in den einschlägigen Portalen (Monster.de, Stepstone.de etc.) nach Jobangeboten aus dem Bereich IT und Marketing - bei bestimmt jedem 2. Job wird Erfahrung mit "Social Media" als Pluspunkt und z.T. gar Voraussetzung angesehen.
5. Lösung für das Problem
Martin2 22.11.2011
Es gibt die Möglichkeit eine Firmeninterne Gruppe bei Facebook aufzubauen, dann kann man zwanglos miteinander kommunizieren ohne jedem Kollegen oder Chef die direkte Freundschaft zu gestatten. Wir machen das so. Das beschriebene Problem der direkten Freundschaftsanfrage vom Chef hatte ich auch - und habe mich fürs ignorieren entschieden. Ich vermute, dass mein Chef darüber enttäuscht war, aber ich halte das einfach für professioneller. Facebook ist eine Privatsache, es gibt genug andere Möglichkeiten Berufsprofile anzulegen, wie XING oder LinkedIn. Ich würde übrigens jedem der Karriere machen will empfehlen, beim Facebook-Profil nicht den richtigen Namen zu verwenden um nicht gefunden zu werden von interessierten potentiellen zukünftigen Arbeitgebern z.B. Den zukünftigen Arbeitgeber geht einfach mein Privatleben vorerst nichts an!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Beratung
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Zum Autor
Gerhard Winkler arbeitet als Trainer und Bewerbungshelfer in Berlin. Er bloggt regelmäßig auf www.jova-nova.com.
Die schlimmsten Chef-Sprüche (5)

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil


Fotostrecke
Neu im Job: Fünf Fallgruben für Berufsstarter
Verwandte Themen

Arbeitsrechts-Quiz
Gute Sprache, schlechte Sprache

Zitate starten: Klicken Sie auf den Pfeil



Fotostrecke
Bewerber-Ansprache: Das Ranking der Karriereseiten
Social Networks