Job und Facebook, das ist eine Kombination, die heftige Reaktionen auslösen kann. Zum Beispiel bei IT-Berater Axel O., als er auf seiner Facebook-Seite die Freundschaftsanfrage eines Kollegen aus dem mittleren Management entdeckt: "Ich fühlte mich, als ob mich mein Boss zum Tanzen auffordert. Trete ich ihm auf die Füße? Hält mein Deo? Worüber reden? Hoffentlich lachen die anderen nicht!" Axel O. klickt auf den Bestätigen-Button. Wohl fühlt er sich dabei nicht.
Sonja D. entscheidet sich gegen die Freundschaft. Sie kann ihren Kollegen S. nicht leiden, er ist der Stinkstiefel der Abteilung. Die Reaktion lässt nicht lange auf sich warten: Seitdem Sonja D. seine Freundschaftsanfrage ignoriert hat, verbreitet der Kollege abteilungsübergreifend, dass sie sich für etwas Besseres hält.
Edith B. arbeitet in einem Medienhaus. Sie tauscht sich auf der Firmen-Facebook-Seite spontan und formlos mit Kollegen und externen Autoren aus. Es wird geduzt. Jetzt fragt sie sich, wie sie reagiert, wenn ein Kontakt anruft oder im Verlag vorbeischaut. Heißt es dann "Guten Tag, Herr Dr. X" oder bleibt man bei "Hi, Joe"?
Lästern ist gefährlich
Natürlich wollen Facebook-Nutzer ihr Image polieren. Sie wollen sich ins Gespräch bringen, den Kontakt halten, sich vermarktungstechnisch geschickt aufstellen und generell nichts verpassen. Firmen nutzen Facebook zum Markenaufbau, zur Kundenbindung und zunehmend zum Personalmarketing. Aber was wollen die Mitarbeiter? In aller Ruhe ablästern.
Auf Facebook kann das gefährlich sein: Eine Junglehrerin hatte die "Privacy"-Einstellungen auf ihrer Seite schon sorgsam optimiert. Das half nichts - ein Pädagogenfreund fand ihre ausgekochten Bemerkungen über den gemeinsamen Dienstherren so köstlich, dass er einen Screenshot an Freunde im Kultusministerium übermittelte. Und das hatte die zu erwartenden Folgen.
Virtuelle Netzwerke bilden das Leben nach. Sie gewinnen sofort ein Eigenleben. Sie wirken auf das Leben zurück. Und sie verändern die Nutzer. Facebook funktioniert wie ein Kneipentisch: Man trifft sich und fragt nach, wo die anderen bleiben. Man legt den Fang des Tages ab, hält ein Schwätzchen, lästert, schäkert, schmiedet Pläne, redet Unsinn.
Ob da die lieben Kollegen offen auf Ihrer Privatseite anklopfen oder sich unter einem Nickname einschleichen: Sobald sie drin sind, ist die Privatheit draußen. Richten Sie eine öffentliche Facebook-Seite ein oder verweisen Sie freundlich auf Ihr Profil bei Xing, LinkedIn oder einem sonstigen Businessportal. Bedauern Sie: Ihre Privatseite können Sie keinem Erwachsenen zumuten. Die haben Sie nur eingerichtet, um mit der zehnjährigen Nichte in Idaho in Kontakt zu bleiben.
Falls Sie sich aber dafür entscheiden, sich mit Kollegen zu vernetzen: Schließen Sie keinen aus. Einbindung schafft Loyalität. Der interne Konkurrent von heute kann zum besten Unterstützer mutieren, sobald einer von Ihnen den Arbeitsplatz wechselt. Die Anfrage eines Vorgesetzten resultiert vielleicht auch aus der Angst, die Kontrolle über die Mannschaft zu verlieren. Andererseits: Wenn Sie sich nachhaltige professionelle Kontakte wünschen, dann finden Sie wenige, die so viel bringen wie die Verknüpfung mit dem eigenen Boss.
Puscheln für den Chef
Justieren Sie die Einstellungen auf Facebook immer auch so, dass bestimmte Leute von bestimmten Informationen ausgeschlossen blieben. Und texten Sie über andere nur, was Sie ihnen auch ins Gesicht sagen können.
Manche Firmen fördern, manche dulden auch nur, dass Facebook ihre Arbeitsplätze verbindet. Dann fungiert Facebook als Teeküche mit integrierten Ad-hoc-Meetings, Krisensitzungen und integriertem Flurfunk. Säubern Sie in diesem Fall Profil und Pinnwand von allem, was allzu menschlich, privat und peinlich ist. Machen Sie stattdessen sichtbar, wie Sie sich außerhalb des Jobs engagieren, Verantwortung übernehmen, Ihr Potential entwickeln und stetig Gutes tun. (Ständig gut sein ist anstrengend. Schon haben Sie eine gute Begründung, warum Sie morgens so müde aussehen.)
Interessieren Sie sich aktiv und aufrichtig für die Interessen der Vorgesetzten und Kollegen. Gehen Sie der Frage nach, wie die anderen Job und Leben ausbalancieren, und demonstrieren Sie selbst, wie gut Sie Ihre Arbeit und Ihr Privatleben auf die Reihe kriegen.
Firmen suchen Fans auf Facebook. Vergessen Sie darum nicht, auf der Firmenseite durch einen stetigen Fluss an aufbauenden und wertvollen Beiträgen zu glänzen. Werden Sie Cheerleader! Und hoffen Sie zugleich, dass kein kritischer Freund aus alten Zeiten Sie beim Puschelschwenken entdeckt.
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