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Erste Hilfe Karriere "Ich stecke 30-Jährige in die Tasche"

Alt, aber zu Recht gut bezahlt: Entschuldigen Sie sich in der Bewerbung nicht für Ihr Alter Zur Großansicht
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Alt, aber zu Recht gut bezahlt: Entschuldigen Sie sich in der Bewerbung nicht für Ihr Alter

Das ist amtlich: Wer älter ist als 58, wird in Deutschland flott aus dem Heer der Werktätigen aussortiert. Das muss nicht sein, findet Berufsberaterin Uta Glaubitz. Allen, die im Alter noch arbeiten, gibt sie Tipps zur Stellensuche und rät: Halten Sie sich von Arbeitslosentreffs fern!

Kürzlich las ich, dass die Hälfte der älteren Arbeitslosen gar nicht mehr in der Statistik auftaucht. Sie wird schlicht herausgerechnet. Der Trick: Wenn ein über 58-Jähriger sich arbeitslos meldet und innerhalb eines Jahres kein Stellenangebot von der Arbeitsagentur bekommt, dann gilt er als unvermittelbar. Er wird dann nicht mehr als arbeitslos gezählt.

Das bedeutet: Ältere Arbeitnehmer gelten vor allem dann als nicht vermittelbar, wenn alle Beteiligten ein Jahr lang still halten. Passiert zwölf Monate nichts, hat das Jobcenter Ruhe und der Arbeitslose auch. Er wird dann nicht mehr - wie es in Arbeitslosendeutsch heißt - "schikaniert".

Das wirft die Frage auf: Wieso eigentlich suggeriert ausgerechnet ein Amt, das Agentur für Arbeit heißt, Leuten ab 58 Jahren, sie seien nicht vermittelbar? Statt klarzustellen, dass eine Arbeitslosigkeit bei aktuell mickrigen 6,6 Prozent Arbeitslosigkeit eine absolute Ausnahme sein muss und nicht langfristig hinnehmbar ist. Zumindest nicht, wenn die Gemeinschaft den Lebensunterhalt des Arbeitslosen finanziert.

Erste Hilfe Karriere
Diese Experten schreiben wöchentlich wechselnd im KarriereSPIEGEL über Bewerbungen, Karriere und die Wechselfälle des Berufslebens: Gerhard Winkler, Svenja Hofert, Martin Wehrle, Uta Glaubitz (von links oben nach rechts unten)

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Es hilft, sich weitere Fakten anzuschauen: In deutschen Unternehmen arbeiten 7,2 Millionen Arbeitnehmer, die über 50 sind. Sie stellen somit gut ein Viertel der Belegschaften. Auch unter den prominenten und erfolgreichen Hochleistern sind viele über 58, darunter Bayern-Trainer Jupp Heynckes, 66, Finanzminister Wolfgang Schäuble, 69, Verlegerin Alice Schwarzer, 68, und Sänger Udo Lindenberg, 65.

Einige Bundesländer haben momentan eine Arbeitslosigkeit, die kaum mehr messbar ist: Baden-Württemberg 3,9 Prozent und Bayern 3,4 Prozent. Würde die Agentur nicht angeblich unvermittelbare Opfer produzieren, müssten einige Arbeitslose schlicht dorthin gehen, wo es Arbeit gibt. Apropos: Laut Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung liegt die Zahl der offenen Stellen in Deutschland momentan bei knapp einer Million.

Durch meine Kolumnen bekomme ich viele Mails von Arbeitslosen, auch von älteren. Schaut man hinter die Kulissen, liegen die Fälle fast immer anders als gedacht. Manche sind arbeitslos, weil sie krank sind oder den kranken Ehemann pflegen. Andere sind arbeitslos, weil sie sich nichts zutrauen oder unter Depressionen leiden. Wieder andere weigern sich schlicht, vernünftige Bewerbungsunterlagen zusammenzustellen, zum Frisör zu gehen und ein ansprechendes Bewerbungsfoto machen zu lassen.

Wenn die Gemahlin die Bewerbungen schreibt

Ich habe mit älteren arbeitslosen Ingenieuren zu tun gehabt, denen die Ehefrauen die Bewerbungen schreiben und die kategorisch ausschließen, ihren Anrufbeantworter ordentlich zu besprechen. Ich habe mit älteren arbeitslosen Zahnarzthelferinnen zu tun gehabt, die Angst haben, zum Zahnarzt zu gehen und sich die Zähne ordentlich machen zu lassen. Und ich habe mit promovierten Geisteswissenschaftlern zu tun gehabt, die täglich Stunden im Internet verbringen. Allerdings suchen sie da nicht nach einer Stelle, sondern nach einem Schuldigen. Sie treiben sich in Chatforen herum, die "die Unternehmen" oder "die Wirtschaft" oder "die Politik" für die eigene Arbeitslosigkeit verantwortlich machen.

So gibt es in der Welt der älteren Arbeitslosen alles: vom schweren menschlichen Schicksal, das Hilfe verdient, bis zum hochnäsigen Langzeitarbeitslosen, der seine Ansprüche so hoch hängt, dass sie auf natürlichem Weg nicht zu befriedigen sind.

Ein durchschnittlicher Fall könnte so liegen: Ein Arbeitnehmer hat durch lange Betriebszugehörigkeit ein hohes Gehalt erreicht. Das Unternehmen wird verkauft, er bekommt eine Abfindung und ist zunächst nicht bereit, in einem neuen Job weniger zu verdienen. Schnell ist ein Jahr vergangen und er findet sich nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik. Aus einem Jahr werden vielleicht zwei.

Wenn er dann anfängt, sich zu bewerben, so machen die beiden Jahre Arbeitslosigkeit bei Arbeitgebern nicht unbedingt Appetit auf den Kandidaten. Das schlägt aufs Selbstbewusstsein und so wird das Problem immer größer.

Hier einige Anregungen, der Misere zu entkommen. Keine Wunderrezepte, aber probate Mittel für einen Wiedereinstieg in höherem Alter.

Wie auch Ältere nochmal eine Stelle finden

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insgesamt 39 Beiträge
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1. Ignoranten
nervmann 19.10.2011
Zitat von sysopDas ist amtlich: Wer älter ist als 58, wird in Deutschland flott aus dem Heer der Werktätigen aussortiert. Das muss nicht sein, findet Berufsberaterin Uta Glaubitz. Allen, die im Alter noch arbeiten, gibt sie Tipps zur Stellensuche und rät: Halten Sie sich von Arbeitslosentreffs fern! http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,792598,00.html
Das Problem ist nicht der ältere Arbeitnehmer, das Problem sind die jüngeren Chefs. Letztere sind an den Erfahrungen und Fähigkeiten der Älteren wenig interessiert, sondern verfolgen ihre eigenen Einfälle. Was auf gut Deutsch heißt, sie wollen die alten Fehler selber auch noch einmal machen. Lernen von Älteren ist total out.
2. Nichts wie raus aus der Tretmühle
Xircusmaximus 19.10.2011
Zitat von sysopDas ist amtlich: Wer älter ist als 58, wird in Deutschland flott aus dem Heer der Werktätigen aussortiert. Das muss nicht sein, findet Berufsberaterin Uta Glaubitz. Allen, die im Alter noch arbeiten, gibt sie Tipps zur Stellensuche und rät: Halten Sie sich von Arbeitslosentreffs fern! http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,792598,00.html
Je eher desto besser. Ich denke nicht im Traum daran die Krise der Arbeitsgesellschaft mit dem Ruin meiner noch verbliebenen Gesundheit aufzuhalten zu versuchen. Es ist geradezu widerlich wie hier eine Interessengesteuerte Propaganda, die üble Maloche die sich die Wenigsten freiwillig antun, als eine Art von hoher Lebensqualität zu verkaufen. Liebe SPIEGEL-LEUTE schickt die Kladdeens und die Mohns, die Springers und die Guttenbergs und die anderen Sozialschmarotzer an die Werkbank. Die haben Ihr Lebetag noch nie etwas geleistet und residieren dennoch in Villen und Palästen.
3. Das Kernproblem wieder verschwiegen
README.TXT 19.10.2011
Ältere will keiner (als Angestellete) weil sie zu teuer sind. Bei Freiberuflern ist das Alter seltsamerweise kein Problem, im Gegenteil, das wird dann mit Erfahrung gleichgesetzt und "mit Gold aufgewogen". Kein Wort davon von der "Kerriereexpertin" im Artikel. Stattdessen wortfüllender Klamauk und übliches Arbeitslosengebashe (selber schuld, macht nicht dies macht nicht das wie ein dressierter Affe,...), damit der Artikel die Mindestwortlänge erfüllt. Karriereberater, so überflüssig wie ein Furunkel am A*
4. ohne
tanzschule 19.10.2011
gestern von frau sybille beklagt. "Ein guter Job und eine Eigentumswohnung, das ist das höchste Ziel, das es zu erreichen gilt, von mehr wagt keiner zu träumen, vom Saufen, Rauchen, Fressen, Ficken wagt keiner zu träumen, das könnte sich negativ auswirken auf den Lebenslauf." vielleicht holt er das versäumte im alter nach? es ist nie zu spät.
5. Man-o-man,
spiegelkind 19.10.2011
,was für ein dämlicher Schulbuch-Artikel! Diese Weisheiten ziehen mir glatt die Schuhe aus lieber SPON und liebe Frau Glaubnichts. Wer hätte mit so viel Klugheit in einem Artikel gerechnet. Und mit solchen Ratschlägen kann man tatsächlich Geld verdienen...? Völlig an der Realität und am Markt vorbei. So, und nun stecke ich erst einmal wieder mein Feinripp in die Unterhose,haue mich mit einem Bier auf die Couch und schaue dann erst einmal den ganzen Tag auf meinem 50-Zoll Flachbildfernseher Hartz4-Fernsehen.
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Zur Autorin
Uta Glaubitz ist Berufsberaterin und unterstützt andere dabei, herauszufinden, welcher Beruf zu ihnen passt. Ihre Kunden im Vorher-Nachher-Vergleich präsentiert sie auf ihrer Internetseite.
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