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Informatiker-Gehälter Für den Fachkräftemangel zu billig

Von Elektronik begeistert: Ein Computerspezialist bei der Campus Party 2012 Zur Großansicht
DPA

Von Elektronik begeistert: Ein Computerspezialist bei der Campus Party 2012

Gute IT-Leute sind kaum zu bekommen, klagen die Unternehmen. Gleich zwei Studien sorgen für Zweifel an dieser Behauptung: Demnach sind die Gehälter in der Branche zuletzt um zwei bis drei Prozent gestiegen. Müssten seltene Fachleute nicht viel besser bezahlt werden?

Eine neue Studie der IG Metall weckt erneut Zweifel am Fachkräftemangel - diesmal allerdings in einem Bereich, den auch Skeptiker als Mangelwirtschaft eingeschätzt hatten: die IT-Branche. "Unternehmen und Verbände beklagen, dass Computer und Software-Experten fehlen, und dann steigen die Gehälter 2012 durchschnittlich nur um zwei Prozent gegenüber dem Vorjahr," sagt Juan-Carlos Rio Antas: "Das passt nicht zusammen." Rio Antas ist im Vorstand der IG Metall für die Branche zuständig.

Gäbe es tatsächlich einen Mangel an IT-Arbeitern, hätten die Gehälter explodieren müssen, erklärt er. Sind sie 2012 aber nicht. Und ebenso wenig in den Jahren davor.

Für ihre Studie hat die Gewerkschaft im vierten Quartal des vergangenen Jahres rund 32.000 Beschäftigte der Computerindustrie nach ihrem Gehalt gefragt. Die Ergebnisse wurden zum Start der Computermesse Cebit in Hannover vorgestellt.

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Dabei stellt sich die Lage differenziert dar. "Es ist durchaus erstaunlich, wie kontinuierlich die IT-Branche beim Umsatz und den Beschäftigten wächst", so Gewerkschaftsmann Rio Antas. Andererseits bauten die Großen der Branche Personal ab: "Wir stellen eine Beschäftigungsverschiebung in Richtung Mittelstand fest."

Während die Entgelte in Betrieben ohne Tarifbindung um 1,4 Prozent gestiegen sind, sicherten Tarifverträge eine doppelt so hohe Gehaltssteigerung. Nach Angaben von Rio Antas fallen etwa die Hälfte der Angestellten in der Informations- und Telekommunikationstechnologie unter einen Tarifvertrag, insgesamt etwa 430.000 Beschäftigte.

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Die Studie listet das Einkommen 16 unterschiedlicher Jobfamilien der IT-Branche auf. Mitarbeiter in Callcentern sowie kaufmännische Angestellte in Vertrieb und Verwaltung hatten zum Beispiel höhere Einkommenszuwächse als Berater, Software-Entwickler oder Projektmanager. Allerdings geht es dabei oft um Steigerungen, die auf niedrigem Niveau beginnen: Callcenter-Agenten hatten 2012 mit rund 15.400 Euro die niedrigsten Einstiegsgehälter, IT-Trainer mit fast 50.000 Euro die höchsten.

Wer an den eigenen Aufstieg in der Branche denkt, sollte am ehesten im Vertrieb anfangen. Dort sind die Einstiegsgehälter mit 43.400 Euro zwar nur durchschnittlich. Vertriebsleiter aber führen das Ranking mit 111.750 Euro an.

Fast identische Einkommenszuwächse wie die IG-Metall-Studie verzeichnet auch eine andere große Untersuchung, was der Kritik am Schlagwort vom Fachkräftemangel besonderes Gewicht verleiht. Die "Vergütungsstudie IT-Funktionen" von der Beratungsfirma Personalmarkt und der Zeitschrift "Computerwoche" beziffert den Gehaltsanstieg der Branche auf 2,2 Prozent.

Leicht über der Einkommenssteigerung von Festangestellten liegt die von IT-Freiberuflern: 2011 bekamen sie 72 Euro pro Stunde, 2012 sind es 74 Euro gewesen, ein Plus von 2,8 Prozent. Selbständige IT-Projektleiter forderten 2012 einen durchschnittlichen Stundensatz von 82 Euro. "Das sind acht Euro mehr als der Durchschnitt und 22 Euro mehr als Administratoren fordern, die das Schlusslicht dieser Tabelle bilden", sagt Stefan Symanek, Marketingleiter von Gulp in München. Das Unternehmen vermittelt Freiberufler in IT-Projekte und veröffentlicht regelmäßig eine Studie zu den Stundenlöhnen.

  • Peter Ilg (Jahrgang 1960) arbeitet als freier Journalist in Aalen und schreibt vor allem über Berufe und Karrieren.

Gehaltsreport 2013

Der Gehaltsreport ist eine Aktion von manager magazin und XING. Es dauert etwa 20 Minuten, die Fragen zu beantworten.

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Der Befragungszeitraum für den Gehaltsreport 2013 ist abgeschlossen.
Für Fragen ist eine Mail-Hotline eingerichtet: gehaltsreport@manager-magazin.de

Antworten auf häufige Fragen finden Sie auch in den FAQs.

Auf KarriereSPIEGEL, dem gemeinsamen Portal von SPIEGEL ONLINE und manager-magazin.de, finden Sie in den kommenden Wochen zusätzlich zahlreiche Artikel, die sich dem Thema Gehalt aus unterschiedlichen Perspektiven nähern. Darunter Interviews mit Experten, Tipps für Gehaltsverhandlungen oder wissenschaftliche Analysen zur Psychologie des Geldes.

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insgesamt 160 Beiträge
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1. Öffentlich jammern, heimlich Preise drücken - die alte Leier
herrurlaub 05.03.2013
Die Unternehmen jammern öffentlich, gleichzeitig werden die gesuchten Experten entweder beim Einstellungsgespräch klassisch heruntergehandelt ("Das würde die Gehaltsgerechtigkeit im Unternehmen beeinträchtigen!") und die selbständigen Spezialisten durch die "Preferred-Supplier"-Masche im Preis gedrückt - kein noch so guter Entwickler bekommt heutzutage als Einzelkämpfer einen direkten Vertrag mit einem Konzern. Der Endkunde zahlt an die Tochterunternehmen von Randstat und anderen Seelenhändlern üppige Provisionen (oft 25% und mehr) und lässt dort die schmutzige Arbeit machen und hält sich gleichzeitig Scheinselbständigkeitsprobleme vom Hals. Die besten Leute suchen sich dann eben andere Betätigungsfelder, oft als Trainer oder mit eigenen Produkten. Die fehlen dann natürlich bei den Bitkom-Beitragszahlern. Ich kenne genug Kollegen die sich das Projektgeschäft nicht mehr antun. Dort, wo der Mangel überdeutlich ist, im zugangsgeregelten Bereich der SAP-Consultants werden dann auch realistische Sätze von 120 Euro/h und mehr gezahlt, statt die üblichen 50-80 Euro- Das ist das was beim Spezialisten ankommt, die 74 Euro sind - wie man den einschlägigen Datenquellen entnehmen kann recht hochgegriffen, zumal PHPler oft nur 20-30 Euro die Stunde verdienen. Ich weiß, im Vergleich zu Reinigungskräften und Krankenschwestern klingt das alles unheimlich viel. Aber im Vergleich zu den Verdiensten von Managern ist das "all-in", d.h. alle Fahrtkosten (viele Pendeln zwei-dreimal die Woche mit der Bahn über 200+km zur Familie) selbst bezahlen, Sozialabgaben, kein bezahlter Urlaub, keine Bezahlung bei Krankheit, Rente selbst bezahlt, kein Arbeitslosengeld sondern vom Ersparten leben. Den Stress, wenn wieder irgendeine auf dem Golfplatz vom Top-Management gekaufte Komponente Probleme macht gar nicht eingerechnet. Zudem wird regelmäßig die Outsourcing-Keule geschwungen ("Die Inder verdienen nur 400 Euro im Monat!" / "If you pay with peanuts..."). Ein Handwerker für Gas/Wasser/Sch**** nimmt über 80 Euro die Stunde (plus Fahrzeit, selbst wenn er doof ist und was im Betrieb vergessen hat - super!) und die Krankenschwester ist für den Patienten nach Sozialabgaben, Krankenhauskosten und Profit des Betreibers auch nicht wesentlich billiger. Den "Mangel" gibt es nicht, nur schlechte Arbeitsbedingungen (vom "Fenster auf/Fenster zu", über "mehr Leute ja, Speicher nein" bis zu "keine Klimaanlage im Hochsommer...") und viel zu viele IT-Spezialisten, die sich über's Ohr hauen lassen. Öfter mal wechseln sag ich nur - das bringt als einzige Option mehr Gehalt/Honorar.
2. es gibt in der IT Branche keinen Mangel
77b1hts 05.03.2013
Es gab auch nie einen. Das Problem ist das die Wünsche der Firmen für einen passenden Kandidaten ein klein wenig zu hoch sind. Berufsbedingt seh ich viele der Stellenanzeigen der IT Firmen und die Anforderungsprofile sind komplett überzogen. 6-7 Programmier Sprachen, studiert, 25, Bereitschaft ohne Murren mehr als 40 Stunden zu arbeiten, Kenntnisse in allen Betriebssystemen, Datenbanken (auch DB's die meist nur sehr selten sind bzw die man eh so nicht lernen kann da diese astronomisch teuer sind), Computersysteme die der Otto Normal Studierende vom Hörensagen ggf kennt usw usw usw .. Das wäre das gleiche als wenn man nach einem Lehrer für eine Schule sucht der alle Fächer lehren und alles aus dem Eff Eff auswendig kann und das dann bitte nur für einen Hungerlohn.
3. optional
großwolke 05.03.2013
Meine Einzelerfahrung ist sicher nicht repräsentativ, allerdings sehe ich zumindest, dass bei uns in der Bude die IT-ler (ähnlich übrigens wie die Elektro-Fachleute, falls noch irgendwer nach guten Vorschlägen für eine Karriere ohne Notwendigkeit zu studieren sucht), verglichen mit den Abteilungen, die das Geld reinholen, ein deutlich entspannteres Leben haben. Weniger Überstunden, deutlich geregeltere Arbeitsabläufe, keine Schwierigkeiten, den Jahresurlaub zu planen. Klar, wenn man nur auf die Zahlen schaut, stehen die nicht besser da als der Rest, allerdings bekommen sie viel mehr Streicheleinheiten, damit sie sich nicht anderweitig umsehen. Gute Leute können sicher ausbildungsunabhängig jederzeit woanders hingehen, wenns ihnen nicht gefällt, aber ich sehe schon auch, dass es in einigen Bereichen mehr Fluktuation gibt. Ist vielleicht im IT-Bereich noch kein richtiger Arbeitnehmermarkt, aber zumindest schonmal eine komfortablere Situation als bei anderen Qualifikationen.
4. Geiz ist Geil!
mm2112 05.03.2013
....gilt leider auch bei den IT-Firmen - und deren Kunden. Es wird nur auf den Preis geschaut, nicht auf die Qualität. Das das auf Dauer nicht gut gehen kann ist klar. Wenn also jemand einen 'Senior Project Manager' sucht, der auf Board-Level (Vorstandsebene) operieren kann, und dafür ein Salär auslobt, für das man keinen brauchbaren Programmierer bekommt, stimmt etwas nicht. Möglicherweise liegt das Problem aber auch bei den sogenannten 'Personalvermittlern', ohne die ein Freiberufler praktisch nicht mehr an Unternehmen herankommt (Stichwort: Lieferantenkonsolidierung). Bar jeden Wisens was sie da tun oder vermitteln, sitzen sie auf der Leitung und halten die Hand auf. Und vermitteln im Zweifel eher jemanden, bei dem die Marge höher ist, als jemanden, der besser auf die gefragte Position oder das Unternehmen passt. Evtl sollten die Firmen mal anfangen, über ihre Personalpolitik nachzudenken.
5. Es ist kaum zu glauben...
phaeno 05.03.2013
... aber eine Gehaltserhöhung von knappen 2 % ist in nichtärztlichen Gesundheitsberufen wie der Krankenpflege ganz normal. Auch der Personalmangel ist dort eklatant gewachsen. So wirklich bemitleiden kann man die IT-Leute also nicht. Aber vielleicht sollte man sie wirklich besser bezahlen, dann lässt sich, wenn sie selbst mal im Pflegebett liegen, der Ausfall an Stunden wenigsten bis auf die zweite Nachkommastelle berechnen.
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