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Erfolg im Job Was ist wichtiger - Können oder Glück?

Erfolg im Beruf: Beweis fürs Können oder doch nur Glück? Fotos
Corbis

Sind die Überflieger im Geschäftsleben wirklich so viel besser - oder einfach Glückspilze? Die SPIEGEL-Dokumentation macht den Test und prüft die Geschäftsergebnisse der "Manager des Jahres".

Gewinnt der neue Fußballtrainer zum Auftakt zwei Spiele hintereinander, fehlt es in den Medien selten an Erklärungen für das vermeintliche Erfolgsgeheimnis und auch nicht an schmeichelnden Vergleichen mit den Großen der Zunft. Doch meist gilt nur die Formel:

Erfolg = Talent + Gl ü ck

Gro ß er Erfolg = ein wenig mehr Talent + viel Gl ü ck

Verliert die schon immer launische Mannschaft dann die nächsten Spiele, wird der neue Trainer sogleich vom Glücksgriff zum Fehlgriff umgewertet, ganz nach dem Motto von Jürgen "Kobra" Wegmann: "Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu." Statistiker sprechen weniger prosaisch von einer "Regression zur Mitte".

Selten hat jemand so intelligent und unterhaltsam über Intuition und Statistik geschrieben wie der Psychologe und Ökonomie-Nobelpreisträger Daniel Kahneman. In unserem Bestreben, simples Glück oder Pech zu rationalisieren und selbst in rein zufällig bedingten Ereignissen Sinn und Methode erkennen zu wollen, unterliegen wir seiner Meinung nach oft genug einer "Kompetenzillusion".

Bei diesem Wort fallen einem sofort unsere Politiker und deren Einflüsterer ein, doch Kahneman hat die Spitzenverdiener in der Wirtschaft, vor allem auf den Wertpapiermärkten im Visier. Denn in der Welt der Börsen steht an erster Stelle nicht die Frage, wo und wie lange der Händler meines Vertrauens studiert hat oder ob seine Hosenträger von der richtigen Farbe sind, sondern die, ob die Kursentwicklung von Aktien überhaupt rational vorhersagbar ist?

Die richtige Antwort lautet: Nein, die Zukunft ist nicht vorhersehbar, jedenfalls nicht ohne zu schummeln. (Für diese Erkenntnis bekam der Ökonom Eugene Fama 2013 den Nobelpreis.)

Zwei Fußballsiege hintereinander mit einer bestenfalls mittelmäßigen Mannschaft, dreimal richtig den Kurs einer Aktie vorhergesagt oder auch viermal hintereinander mit Spucke eine Sechs gewürfelt - das ist pures Glück, reiner Zufall. Statistisch gesehen sind solche Trefferquoten bei kleinen Stichproben nur Ausreißer.

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Stilvoll straucheln: Und immer wieder aufstehen
Kahneman erzählt dazu folgende Anekdote aus seiner Zeit als Berater der israelischen Luftwaffe: Ein Ausbildungsoffizier war fest davon überzeugt, dass strafen besser ist als loben. Wenn er Kadetten für Flugmanöver gelobt hatte, absolvierten diese nämlich die zweite Runde stets schlechter als die erste. Kadetten, die er angeschrien hatte, weil sie das erste Manöver vermasselt hatten, waren beim zweiten Versuch dagegen besser.

Erst schlecht, dann gut, erst gut, dann schlecht

Was der Offizier beobachtet hatte, war aber nur die erwähnte Regression zur Mitte. Der Offizier hatte seine Schüler nur bei einer weit überdurchschnittlichen Leistung gelobt. Also hatte der Kadett bei seiner Übung vermutlich Glück gehabt und seine Performance würde sich das nächste Mal - bei höchstwahrscheinlich weniger Glück - verschlechtern und vice versa.

Kahneman markierte mit Kreide auf dem Boden einen Kreis, ließ die Offiziere mit dem Rücken zum Ziel der Reihe nach antreten und forderte sie auf, direkt hintereinander zwei Münzen über die Schulter in Richtung Kreis zu werfen, ohne sich dabei umzusehen. Danach ordnete er in einer Tabelle die jeweils ersten Würfe und dann die jeweils zweiten Würfe nach ihrer Treffgenauigkeit.

Das Ergebnis: Diejenigen, die beim ersten Mal relativ gut abgeschnitten hatten, verschlechterten sich beim zweiten Wurf, während diejenigen, die beim ersten Wurf relativ schlechte Ergebnisse erzielt hatten, im zweiten Wurf besser trafen.

Quod erat demonstrandum.

Wir haben uns exklusiv für KarriereSPIEGEL eine andere Prüfung ausgedacht:

Das manager magazin kürt jeweils im Dezember den "Manager des Jahres". Wir leugnen nicht, dass in diesen Fällen Kompetenz mehr als Illusion ist und dass bei den Geehrten echte Leistungen für Erfolg stehen. Doch hinter einem außergewöhnlichen Erfolg, der zu einem "Manager des Jahres" berechtigt, vermuten wir zudem eine Extraportion Glück.

Die zu testende Hypothese lautet:

(a) Die Aktienkurse der von den "Managern des Jahres" geführten Unternehmen entwickelten sich in den zwölf Monaten vor der Ehrung besser als der Durchschnittskurs der Dax-30-Unternehmen, während wir

(b) für die zwölf Monate nach der Ehrung mit einem relativ schlechteren Abschneiden der betreffenden Firmen rechnen.

Untersucht haben wir die Börsenperformance der "Manager des Jahres"-Unternehmen der Jahre 2002 bis 2012. Hans-Jörg Bullinger von der Fraunhofer Gesellschaft, "Manager des Jahres 2009" blieb außen vor, weil er kein börsennotiertes Wirtschaftsunternehmen leitet; Ulf Schneider, der "Manager des Jahres 2013", weil er noch nicht genügend Zeit danach hatte, um sich zu bewähren.

Wir erhalten folgende Tabelle:

Börsen-Performance der "Manager des Jahres"-Unternehmen
Jahr "Manager des Jahres" Unternehmen Kurs-
entwicklung*
12 Monate
vor Ehrung
Kurs-
entwicklung*
12 Monate
nach Ehrung
2012 Martin Winterkorn VW +7,5 -8
2011 Norbert Reithofer BMW +2,8 +0,9
2010 Herbert Hainer adidas +9,4 +17,6
2008 Werner Müller RAG +18,9 -23,1
2007 Werner Wenning Bayer +15 +23,8
2006 Wolfgang Reitzle Linde +6 -4,2
2005 Jürgen Hambrecht BASF -2,2 -8,8
2004 Manfred Wennemer Continental +43 +24
2003 Klaus Zumwinkel Post +31 -10,2
2002 Jürgen Strube BASF +37,5 -6,3
*im Vergleich zum Dax in Prozent

Neun von zehn der von "Managern des Jahres" geleiteten Unternehmen erzielten in den zwölf Monaten vor ihrer Prämierung eine bessere Performance am Aktienmarkt als der Index Dax 30. Damit ist Teil (a) unserer Hypothese bestätigt.

Sechs von zehn der Unternehmen aber mussten sich in den zwölf Monaten nach Prämierung mit einer Underperformance im Vergleich zum DAX begnügen; acht von zehn schnitten dabei im Jahr 'danach' relativ schlechter ab als im Jahr zuvor. Nur zweien, Herbert Hainer von Adidas und Werner Wenning von Bayer, war das Glück vergönnt, ihr Vorjahresplus noch zu toppen. Damit hat sich auch Teil (b) unserer Hypothese bewährt.

Fazit: Wird ein Studienkollege und nicht Sie eines Tages zum "Manager des Jahres" gekürt, so ist das wahrscheinlich bloß Glück, und Sie stoßen die Aktien seines Unternehmens besser gleich ab: Mit guten Nachrichten, so weiß der Volksmund, soll man verkaufen.

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insgesamt 32 Beiträge
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1. optional
boer640 16.04.2014
wenn ich mich hier so umschaue, Glück.
2. Alles Glücksache
kenterziege 16.04.2014
Mir sagte vor über 30 Jahren mein gerade mal zwei Jahre älterer damaliger Chef: " Es ist reiner Zufall, wer wessen Chef ist bzw. wird!" Der Spruch war so wahr und gut, dass er zu recht mein Chef war!
3. können
schnuppa@schnuppa.de 16.04.2014
Aber nicht im Sinne von Wissen sondern Jasager, blender und trickser
4. jetzt kommen Sie wieder aus ihren Löchern
cabeza_cuadrada 16.04.2014
die die nichts können zeigen auf die die etwas können - "Ihr hattet ja nur Glück!!!"
5. Was ist wichtiger - Können oder Glück?
Tom Joad 16.04.2014
Gutes Aussehen.
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