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Familie und Karriere Warum Väter die Elternzeit fürchten

Beruf und Familie: Viele Männer befürchten "Edeka" - Ende der Karriere Zur Großansicht
Corbis

Beruf und Familie: Viele Männer befürchten "Edeka" - Ende der Karriere

Erst nahm der Bankkaufmann Elternzeit, dann wurde er aus dem Job gedrängt. Führt das Elterngeld aufs Abstellgleis? Drei Viertel der Väter verzichten auf die Familienpause, weil sie um ihre Karrierechancen bangen. Dabei würde schon etwas Courage helfen.

Der Bankkaufmann Roland Jenner ist ein engagierter Vater - und es lief unglücklich für ihn. Nach der Geburt seiner Tochter Emily im Februar 2009 beantragte der Bereichsleiter für das Vertriebsmanagement bei der Volksbank Lüneburger Heide ab Sommer eine Elternzeit von zwei Jahren. Die ersten Monate war er noch in Teilzeit beschäftigt, ab Jahresende wollte er sich ganz der Familie widmen.

Als er Anfang Januar 2010 noch mal in die Bank kam, um ein paar Dinge in seinem Büro zu ordnen, rief der Chef ihn ins Büro. Dann fiel Jenner aus allen Wolken. Er sei gefragt worden: "Können Sie sich vorstellen, Ihren Vertrag ganz aufzuheben?"

Zwar wurde als Grund für die Vertragsauflösung auch eine bevorstehende Fusion genannt. Es war unklar, ob es Jenners Bereich danach noch geben würde. Aber ein solcher Vorschlag zu diesem Zeitpunkt, ohne Vorwarnung - damit hatte der Banker nicht gerechnet. "Ich habe gern bei der Volksbank gearbeitet und war mit meinem Job sehr zufrieden", sagt Jenner.

Einen "kausalen Zusammenhang zwischen Elternzeit und Aufhebungsvertrag" sieht der Vorstand der Volksbank, Heiko Ernst, auf Nachfrage nicht. "Im Gegenteil, wir hätten Herrn Jenner gebraucht!", sagt er heute. Jenner wollte bleiben, lehnte den vorgeschlagenen Aufhebungsvertrag zunächst ab. Schließlich ließ er sich aber doch darauf ein, das Arbeitsverhältnis mit einer Abfindung zu beenden.

Mit dem Chef reden? Och nö, lieber nicht

Vielleicht sind es Fälle wie dieser, die deutsche Männer davon abhalten, für die Familie im Beruf zu pausieren. Drei von vier, die bald Vater werden, schrecken davor zurück, Elterngeld wenigstens für die beiden - exklusiv für sie reservierten - "Partnermonate" in Anspruch zu nehmen.

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Zwar nehmen heute mehr Männer als vor Einführung des Elterngeldes im Jahr 2007 eine Babypause - doch oft nur sehr kurz und mit großen Bauchschmerzen. 3,4 Monate betrug die durchschnittliche "Bezugszeit" für Väter bei der letzten Erhebung; Frauen blieben im Schnitt 11,7 Monate beim Kind. Und das, obwohl sie "nur" 648 Euro Elterngeld bekamen, während ihre Partner 1045 Euro kassierten.

Offenbar wollen viele Männer mit familiären Anliegen im Betrieb keine Wellen schlagen und halten sich zurück. Bei einer Forsa-Umfrage unter 1000 Männern im Alter zwischen 20 und 55 Jahren offenbarten 45 Prozent der Befragten ihre Furcht vorm Karriereknick, wenn sie die Partnermonate beantragten: Sie rechneten mit "sehr oder eher negativen" Konsequenzen. Und laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung erwarteten sogar 80 Prozent jener Männer, die dann doch eine kürzere oder längere Elternzeit nahmen, zunächst negative Reaktionen im Unternehmen.

Ralf Specht, der bei der Hamburger Initiative Väter e.V. Arbeitnehmer zum Elterngeld berät, kennt Papas Angst vorm Elterngeld. "Etwa zwei Drittel der Männer, die Vater werden und über eine Elternzeit nachdenken, fürchten berufliche Nachteile und vermeiden das Gespräch mit dem Vorgesetzten", schätzt er.

Doch woher kommen diese Sorgen? Das Gesetz steht schließlich eindeutig auf der Seite der Väter. Mehr noch, der Staat belohnt jene, die sich ausschließlich um ihr Baby kümmern, und überweist ihnen 65 bis 67 Prozent vom letzten Netto.

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insgesamt 211 Beiträge
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    Seite 1    
1. Elternzeit passt nicht zu Karriere ....
Meinungsmarktbeiträger 18.11.2011
Zitat von sysopErst nahm der Bankkaufmann Elternzeit, dann wurde er aus dem Job gedrängt. Führt das Elterngeld aufs Abstellgleis? Drei Viertel der Väter verzichten auf die Familienpause, weil sie um ihre Karrierechancen bangen. Dabei*würde schon etwas Courage helfen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,796650,00.html
.... na und? Mir hat man bei den "Kurzversionen" der Elternzeit von je 2 in 2 Blocks aufgeteilten Monaten bereits mitgeteilt, dass es einer Karriere nict gut tun würde, diese Zeiten zu nehmen. Allerdings war da beiden Seiten klar, dass ich nie eine Karriere anstrebe, sondern mein persönliches Glück auch in wertvolleren Dingen, wie z.B. meiner Familie finden kann ... ... und Courage hät's da auch nicht gebracht. Unsere Gesellschaft ist eben oft zu 100 % am Berufsleben ausgerichtet - und daran wird sie auch irgendwann zugrunde gehen. Warum kann es nicht ausreichen, den Job einfach nur als das anzusehen, was er ist: Man braucht ihn in unserer Gesellschaft , um sich und ggf. seine Familie zu ernähren und zu "unterhalten"??
2. ..
janne2109 18.11.2011
Elternzeit ist für jede Karriere eine Bremse und man sollte es sich gut überlegen, denn es warten genug andere gut ausgebildete Arbeitskräfte die auf solche freiwerdenden Jobs jumpen und meist auch dann bleiben.
3. Emanzipation für ALLE!
iLady 18.11.2011
Männer fang an euch zu emanzipieren ... euch steht es genauso zu, mitzuerleben wie eure Kinder das krabbeln lernen und sich entwickeln… (bei uns in der Firma werden Männer eher schief angeschaut wenn sie nicht Minimum(!) 3 Monate bei ihrem Baby zuhause bleiben…) auch um ihre Partnerin zu unterstützen…. Wenn mehr Männer diesen Pioniergeist entwickeln würden dann würde es auch beruflich keine Nachteile mehr gebe weil es NORMAL wäre und man deswegen keinen großen Aufstand mehr machen würde….. Solange es nur vereinzelt gemacht wird (und die Männer untereinander sich das auch nicht gönnen) wird es solche Probleme geben… Würden mehr Männern die Elternzeit nehmen, würden sie, auch für Frauen etwas Gutes tun. Weil dann Arbeitgeber nicht mehr automatisch bei der Einstellung davon ausgehen könnte, das FRAU ausfällt sondern er müsste auch bei einem Mann damit rechnen und demensprechend würde er mehr nach Qualifikation auswählen und weniger nach Geschlecht… So oder so ist es also nur positiv wenn Mann sich die Zeit für Kinder und Familie nimmt… (auch für die Kinder ist es Positiv Papa mal kennenzulernen) Es liegt an jedem einzelne wie modern wir unsere Gesellschaft erleben und leben wollen.. und es liegt an jeden einzelne offen für neue Gesellschaftsformen zu sein (das bringt eine Gesellschaft auch weiter) Alleine die Familie ist heute schon so vielfältig und es gibt keine feste "Optik" mehr .. wir müssen lernen Partnerschaftsformen und Familienformen flexible zu sehen und mitzugestalten… Und engstirnige Arbeitgeber die diese flexible Gesellschaft nicht mittragen, müssen lernen, dass sie zu den Verlierern gehören.. weil gute Fachkräfte werden sich dann Unternehmen suchen, die diese flexiblen Lebensformen unterstützen… (dabei ist egal ob es aus Sicht der berufstätigen Frau ist oder des berufstätigen Mannes) Man erwartet von Arbeitnehmern immer mehr Flexibilität.. was Unternehmen gerne übersehen, dass Arbeitnehmer auch immer mehr Flexibilität erwarten … und das es bei der Arbeitssuche ein großer Faktor wird, auf den Arbeitnehmer schauen… Und Männer…. fang endlich an euch zu emanzipieren und hört auf zu jammern das die emanzipierten Frauen euch das Leben so schwer machen.. Das Leben macht ihr euch selber schwer in dem ihr in Weltbildern von vorgestern feststeckt und viele Unternehmen tun das auch noch.. aber es liegt an uns allen das zu ändern und dafür zu sorgen dass es nicht so bleibt! Emanzipation für ALLE!
4. Wir haben keine heile Welt, ....
Schwede2 18.11.2011
Zitat von sysopErst nahm der Bankkaufmann Elternzeit, dann wurde er aus dem Job gedrängt. Führt das Elterngeld aufs Abstellgleis? Drei Viertel der Väter verzichten auf die Familienpause, weil sie um ihre Karrierechancen bangen. Dabei*würde schon etwas Courage helfen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,796650,00.html
...da nutzt auch das Gefasele von Frau Schröder und Frau von der Leyen gar nichts.
5. Recht haben...
Solid 18.11.2011
Recht haben und Recht bekommen sind zweierlei. ---Zitat--- Das Gesetz steht schließlich eindeutig auf der Seite der Väter. ---Zitatende--- Kann schon sein, dass das Gesetz auf Seiten der Väter steht. Nur hilft das wenig, wenn es ernst wird. Denn dann muss man vor Gericht ziehen. Und vor Gericht und auf hoher See sind alle in Gottes Hand. Entscheidungen der Gerichte sind unvorhersehbar. Dazu kommt, dass sich immer eine Kleinigkeit (aufgeladenes Handy) oder eine nette Begründung findet,warum derjenige nun entlassen werden muss. Oder man mobbt die Person ganz einfach aus dem Unternehmen. Als Opfer steht man in unserem Staat nicht nur bei Gewalttaten sehr schnell ganz alleine auf weiter Flur. Also sollte man sich sehr genau überlegen, ob man einem Gesetzgeber und Staat vertrauen will, der einem bei jeder sich bietenden Gelegenheit im Regen stehen lassen wird.
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