Von Margarete Hucht
Der Bankkaufmann Roland Jenner ist ein engagierter Vater - und es lief unglücklich für ihn. Nach der Geburt seiner Tochter Emily im Februar 2009 beantragte der Bereichsleiter für das Vertriebsmanagement bei der Volksbank Lüneburger Heide ab Sommer eine Elternzeit von zwei Jahren. Die ersten Monate war er noch in Teilzeit beschäftigt, ab Jahresende wollte er sich ganz der Familie widmen.
Als er Anfang Januar 2010 noch mal in die Bank kam, um ein paar Dinge in seinem Büro zu ordnen, rief der Chef ihn ins Büro. Dann fiel Jenner aus allen Wolken. Er sei gefragt worden: "Können Sie sich vorstellen, Ihren Vertrag ganz aufzuheben?"
Zwar wurde als Grund für die Vertragsauflösung auch eine bevorstehende Fusion genannt. Es war unklar, ob es Jenners Bereich danach noch geben würde. Aber ein solcher Vorschlag zu diesem Zeitpunkt, ohne Vorwarnung - damit hatte der Banker nicht gerechnet. "Ich habe gern bei der Volksbank gearbeitet und war mit meinem Job sehr zufrieden", sagt Jenner.
Einen "kausalen Zusammenhang zwischen Elternzeit und Aufhebungsvertrag" sieht der Vorstand der Volksbank, Heiko Ernst, auf Nachfrage nicht. "Im Gegenteil, wir hätten Herrn Jenner gebraucht!", sagt er heute. Jenner wollte bleiben, lehnte den vorgeschlagenen Aufhebungsvertrag zunächst ab. Schließlich ließ er sich aber doch darauf ein, das Arbeitsverhältnis mit einer Abfindung zu beenden.
Mit dem Chef reden? Och nö, lieber nicht
Vielleicht sind es Fälle wie dieser, die deutsche Männer davon abhalten, für die Familie im Beruf zu pausieren. Drei von vier, die bald Vater werden, schrecken davor zurück, Elterngeld wenigstens für die beiden - exklusiv für sie reservierten - "Partnermonate" in Anspruch zu nehmen.
Offenbar wollen viele Männer mit familiären Anliegen im Betrieb keine Wellen schlagen und halten sich zurück. Bei einer Forsa-Umfrage unter 1000 Männern im Alter zwischen 20 und 55 Jahren offenbarten 45 Prozent der Befragten ihre Furcht vorm Karriereknick, wenn sie die Partnermonate beantragten: Sie rechneten mit "sehr oder eher negativen" Konsequenzen. Und laut einer Untersuchung der Hans-Böckler-Stiftung erwarteten sogar 80 Prozent jener Männer, die dann doch eine kürzere oder längere Elternzeit nahmen, zunächst negative Reaktionen im Unternehmen.
Ralf Specht, der bei der Hamburger Initiative Väter e.V. Arbeitnehmer zum Elterngeld berät, kennt Papas Angst vorm Elterngeld. "Etwa zwei Drittel der Männer, die Vater werden und über eine Elternzeit nachdenken, fürchten berufliche Nachteile und vermeiden das Gespräch mit dem Vorgesetzten", schätzt er.
Doch woher kommen diese Sorgen? Das Gesetz steht schließlich eindeutig auf der Seite der Väter. Mehr noch, der Staat belohnt jene, die sich ausschließlich um ihr Baby kümmern, und überweist ihnen 65 bis 67 Prozent vom letzten Netto.
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