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Familienunternehmen Im Büro mit Mama und Papa

Familienunternehmen: Kollegen fürs Leben Fotos

Kollegen können manchmal ganz schön schwierig sein. Eltern auch. Wenn man sich das Büro mit Mama und Papa teilt, macht das die Arbeit nicht gerade einfacher. Die Mutter erzählt Kindergeschichten, der Vater fürchtet um sein Lebenswerk, der Sohn beruft ein Krisentreffen ein - und tauschen wollen sie trotzdem nicht.

Die Kindergeschichten sind Johanna Rolf peinlich. Aber ihre Mutter kann es nicht lassen, im Gespräch mit den Kunden rutscht ihr immer wieder mal eine Anekdote heraus. "Ich meine sowas doch nicht böse", sagt Petra Rolf und klopft ihrer Tochter auf die Schulter. "Aber sonst klappt es doch ganz gut?" Die 22-Jährige lacht: "Wir harmonieren sogar sehr gut, vielleicht sind wir auch mehr Freundinnen als Mutter und Tochter."

Seit knapp anderthalb Jahren arbeiten die beiden fünf Tage die Woche zusammen in ihrem "Cafee" in Buchholz, einem 40.000 Einwohner-Städtchen, 40 Kilometer von Hamburg entfernt. Aus der verfallenden Wartehalle des Provinzbahnhofs haben sie ein kleines schmuckes Café gemacht und verkaufen dort ab 5 Uhr morgens Kaffee und belegte Bio-Brötchen. Rund 10.000 Berufspendler kommen jeden Morgen an ihrem Laden vorbei. Das Geschäft läuft mittlerweile so gut, dass Mutter und Tochter schon zwei Aushilfen und eine Köchin für den Mittagstisch eingestellt haben.

Die Aufgaben sind klar verteilt: Johanna Rolf kümmert sich um Marketing und Gestaltung, Petra Rolf übernimmt Buchhaltung und Einkauf. Nach der Arbeit teilen sich ihre Wege, sie wohnen 20 Kilometer auseinander. "Am Wochenende sehen wir uns selten", sagt Johanna Rolf. "Jeder hat sein eigenes Leben, ohne Abstand würde das gar nicht funktionieren."

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Familienbande: Mein Vater, der Boss
30 Kilometer weiter sagt Inge Wehling einen ganz ähnlichen Satz: "Zu Weihnachten oder Ostern gibt es natürlich gemeinsame Feiern, aber sonst reicht der berufliche Kontakt von Montag bis Freitag doch völlig aus." Auch sie arbeitet mit ihrer Tochter zusammen; gemeinsam führen sie die Elementar GmbH, ein Großhandelsunternehmen für Lebensmittelzusatzstoffe. Sie importieren Geschmacksverstärker, Konservierungsmittel oder Antioxidantien aus Fernost.

Sonja Wehling hat Jura studiert, danach in der Werbung gearbeitet, erst mit Anfang 30 fing sie im Betrieb der Mutter an. "Ich habe nie darauf hingewirkt, dass meine Tochter einmal in das Unternehmen einsteigt", sagt Inge Wehling.

Erfahrungen außerhalb des Familienbetriebs zu sammeln, sei für die Kinder sehr wichtig, sagt Josef Katzer. Der Präsident der Handwerkskammer Hamburg führt zusammen mit seiner Frau ein mittelständisches Gebäudereinigungsunternehmen mit mehr als 60 Mitarbeitern. Sein Sohn soll nach dem BWL-Studium ins Unternehmen einsteigen und später auch die Leitung übernehmen. Eine Ausbildung als Systemadministrator, zwei Jahre in den USA und jetzt ein Studium sollen ihm die nötige Grundlage liefern.

Angst um das Lebenswerk

"Der Einstieg muss gut geplant werden", sagt Katzer. Dazu gehöre auch eine gewisse Reife der Kinder. Seinem Sohn habe er immer wieder kleinere Projekte übertragen, zum Beispiel die Umstellung der IT- und Telefonsysteme. In die Entscheidungen habe er sich dann auch nicht mehr eingemischt. "Das war nicht immer leicht für mich, aber nur so kann man unternehmerisches Denken lernen."

Ein komisches Gefühl bleibe aber trotzdem. "Ich dachte immer, ich wäre schlauer als andere Unternehmer und könnte einfacher loslassen. So ist es aber nicht. Plötzlich steht mein Ausstiegsdatum fest, und ich muss so etwas wie mein Lebenswerk abgeben."

Inge Wehling kann diese Gefühle nicht nachvollziehen: "Ich habe den Einstieg von Sonja immer als Chance zur Expansion gesehen." Seitdem die Tochter mithilft, habe sie das Produktportfolio deutlich erweitern können, zum Beispiel um Süßungs- und Säuremittel. "Ich glaube, das ist ein Männerproblem", sagt Sonja Wehling. "Die Konkurrenz zwischen Vater und Sohn ist definitiv größer als bei Mutter und Tochter, und das macht das Loslassen viel komplizierter."

Wie Johanna und Petra Rolf haben beide ihre Aufgaben klar geteilt. So ließen sich Konflikte leicht vermeiden, sagen sie. Aber wenn doch mal Probleme auftreten? "Man braucht klare Regeln", sagt Josef Katzer. "Mein Sohn und ich haben zum Beispiel die Option auf einen Bierabend eingeführt, um Meinungsverschiedenheiten in Ruhe zu besprechen." Investionsregelungen, eine Rente für den Geschäftsführer und das für ihn heikle Thema Ausstieg hat Josef Katzer mit seinem Sohn schriftlich geregelt.

Auch Petra Rolf möchte, dass ihre Tochter einmal das Café übernimmt. "Das ist schon mein Traum. Als Mutter will ich schließlich meiner Tochter ein sicheres Nest bieten." Johanna verdreht die Augen: "Guck mal. Jetzt bist du doch wieder in die Mutterrolle gerutscht!"

  • KarriereSPIEGEL-Autor Birk Grüling (Jahrgang 1985) lebt und arbeitet als freier Journalist am Rande von Hamburg. Seine Schwerpunkte sind Reportagen und Interviews rund um Popkultur und Gesellschaft.

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1. Ich gebe keinen Titel mehr an
GyrosPita 16.08.2012
"Ich glaube, das ist ein Männerproblem", sagt Sonja Wehling. " Ja, natürlich, die alte Leier. Frauen sind die besseren Unternehmer, mindestens. Eher noch die besseren Menschen. Es hätte mich wirklich gewundert wenn mal ein Artikel ohne diesen Flachsinn ausgekommen wäre...
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