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Flüchtlinge Syrer helfen als Bufdis im Altenheim

Keine Arbeit, keine Beschäftigung - die Langeweile macht vielen Flüchtlingen in Deutschland zu schaffen. Drei Syrer wollten das ändern - und wurden zu Bufdis.

Plötzlich standen sie im Büro des Alten- und Pflegeheims in Hof in Oberfranken: Sibah Wardeh, Chemikerin, Saad Saad, Journalist, und Obka Kerdiea, Englischlehrer und Informatiker. Die drei kommen aus Syrien. In ihren eigentlichen Berufen können sie als Flüchtlinge in Deutschland derzeit nicht arbeiten, deshalb boten sie an: Wir können helfen. Nach dem Deutschkurs hätten wir Zeit.

Die Heimleiterin Sabine Dippold fühlte sich erst einmal überrumpelt, nahm das Angebot aber gern an. Sie fand die drei Syrer von Anfang an sympathisch: "Die Chemie hat gepasst." In Syrien, sagt Saad, 31, sei es üblich, dass Jüngere den Älteren helfen. Außerdem wollten die Flüchtlinge etwas von der Hilfe zurückgeben, die sie selbst erfahren haben. "Deutschland tut sehr viel für Flüchtlinge", findet Saad.

Anfangs kümmerten sich die drei Syrer ehrenamtlich um die Menschen in dem Heim. Inzwischen arbeiten sie im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes als Bufdis. Sie helfen bei der Essensausgabe, versorgen die Bewohner oder nehmen sich einfach Zeit, um mit den Menschen zu reden, Spiele zu spielen oder Ausflüge zu unternehmen.

"Für unsere Bewohner ist das etwas ganz Tolles", sagt Dippold. "Sie lassen sich Bilder zeigen und sind sehr interessiert, was die drei über Syrien erzählen." Auch bei den Mitarbeitern des Heims kommt die Hilfe gut an. Die Flüchtlinge wiederum lernen, dass Braten und Klöße am Sonntagmittag in Oberfranken fast unverzichtbar sind. Und dass "Bassd scho" (Passt schon) die höchste Form des fränkischen Lobes ist.

Für Saad war die Sprache am Anfang das größte Hindernis. Er freut sich deshalb, dass die Mitarbeiter und Bewohner im Seniorenheim ihm helfen, schneller Deutsch zu lernen. Dippold hat ehrenamtliche Helfer organisiert, die mit den syrischen Freiwilligen die neue Sprache üben. Sie haben in Deutschland ein Bleiberecht für drei Jahre.

"Bufdi-Programm mit Flüchtlingsbezug"

Wie viele Flüchtlinge in Deutschland Bundesfreiwilligendienst leisten, ist nach Angaben des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben statistisch nicht erfasst. Im Herbst hat das Familienministerium aber ein Sonderprogramm für den "Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug" aufgelegt. Bis zu 10.000 zusätzliche Plätze können so pro Jahr geschaffen werden.

Das Angebot richtet sich zum einen an Deutsche, die bei der Flüchtlingsbetreuung helfen wollen - aber auch an Flüchtlinge selbst, die sich engagieren möchten: "Auch Asylberechtigte und Asylbegehrende, bei denen ein rechtmäßiger und dauerhafter Aufenthalt zu erwarten ist, können in anerkannten Einsatzstellen einen Bundesfreiwilligendienst machen", teilt das Bundesamt mit.

"Alle Freiwilligen, die ihren Dienst im Sonderprogramm leisten, werden pädagogisch besonders begleitet." Flüchtlinge könnten - sofern es notwendig ist - noch einen zusätzlichen Deutschkurs absolvieren. "Wir verspüren ein hohes Interesse an diesem Sonderprogramm", sagt eine Sprecherin. Bundesweit wurden seit dem 1. Dezember 2015 mehr als 1.800 Vereinbarungen in diesem Sonderprogramm geschlossen, darunter knapp 400 mit Flüchtlingen.

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fok/Kathrin Zeilmann, dpa

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