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Syrischer Arzt in Deutschland Doktor Chanan, der neue Praktikant

Der syrische Arzt Mohamad Chanan (rechts) in Emlichheim: "Alle sind nett" Zur Großansicht
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Der syrische Arzt Mohamad Chanan (rechts) in Emlichheim: "Alle sind nett"

Der Ort Emlichheim sucht einen Arzt, Mohamad Chanan einen Job: Eigentlich passt alles perfekt, dem syrischen Mediziner gefällt es in der deutschen Provinz. Doch die Bürokratie grätscht dazwischen.

Der kleine Levin weint. "Er hat starke Ohrenschmerzen", erzählt seine Mutter der Ärztin Jenni Helweg. Daneben steht Mohamad Chanan, ebenfalls Arzt. Die Medizinerin schaut in den Gehörgang des Dreijährigen. "Oh ja, das Ohr ist tüchtig rot", sagt die Hausärztin und dreht sich zu ihrem Kollegen um. "Willst du auch mal schauen?"

Chanan kniet sich vor Levin, prüft das Ohr und nickt seiner Kollegin zu. Er ist Syrer, seit dreißig Jahren Arzt, hat vor allem Kinder behandelt - und darf derzeit nur als Praktikant in einer Hausarztpraxis in Emlichheim an der deutsch-niederländischen Grenze tätig sein. Bis er vollständig in Deutschland als Mediziner anerkannt ist, wird es noch Jahre dauern.

"Das ist ein steiniger Weg", sagt Uwe Köster von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). In den meisten Fällen dauere es vier bis fünf Jahre, bis Ärzte aus dem Ausland in Deutschland ihre Approbation bekommen.

Flüchtlinge aus Syrien haben dabei ein ganz spezielles Problem, schildert der Leiter des Niedersächsischen Zweckverbandes zur Approbationserteilung, Holger Steinwede: Wegen des Bürgerkriegs in Syrien sei die Prüfung, ob Studienzeugnisse und Bescheinigungen echt seien, derzeit kaum möglich. "Da kursieren Stempel, die in den Händen von Leuten sind, die sie nicht haben sollten", sagt er.

Derzeit werde bei Bewerbern, die aus Syrien kommen, und bei denen es plausibel sei, dass sie als Mediziner gearbeitet haben, eine begrenzte Berufserlaubnis erteilt. Sehr oft arbeiten Ärzte mit dieser vorübergehenden Arbeitserlaubnis dann in Krankenhäusern. "Da sind wir auf die Chefärzte angewiesen, die die Leute beobachten müssen", sagt Steinwede. Fehlen also Zeugnisse, lassen diese sich auch durch praktische Arbeit und Berufserfahrung ersetzen. Am Ende stehe eine mündliche und praktische Prüfung.

Anerkennung von Berufsabschlüssen
An wen muss ich mich wenden?
Es gibt keine zentrale Anerkennungsstelle. Für bundesrechtlich geregelte Berufe wie Arzt, Krankenpfleger oder Zahntechniker sind in der Regel die Kammern zuständig. Für landesrechtlich geregelte Berufe wie Lehrer oder Ingenieur haben die 16 Bundesländer eigene Anerkennungsgesetze erlassen. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hilft telefonisch auf Deutsch und Englisch. Die Telefon-Hotline ist von Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr zu erreichen unter +49 30 1815 1111. Weitere Informationen auch unter www.anerkennung-in-deutschland.de und www.netzwerk-iq.de/beratung.html
Wann kann ein Antrag gestellt werden?
Jederzeit. Das Verfahren ist unabhängig vom Aufenthaltsstatus des Antragstellers. Vorgelegt werden sollte der Pass oder Personalausweis, ein tabellarischer Lebenslauf und ein Nachweis des Ausbildungsabschlusses und/oder ein Arbeitszeugnis. Wer keine Zeugnisse hat, kann seine Kompetenz unter anderem durch Arbeitsproben vor den Kammern beweisen.
Wie geht es dann weiter?
Nachdem das Verfahren abgeschlossen ist, kann die zuständige Stelle drei Entscheidungen treffen:

• Der Abschluss wird als gleichwertig anerkannt. Sogenannte reglementierte Berufen wie der Arztberuf können nur ausgeübt werden, wenn die Anerkennung erfolgt ist. Nicht reglementierte Berufe wie den des Industriemechanikers können Flüchtlinge auch ohne Anerkennung ausüben. Die Anerkennung macht ihre Bewerbungen jedoch für Arbeitgeber attraktiver.
• Der Antrag wird abgelehnt.
• Die Kammer stellt Unterschiede zwischen dem Abschuss des Flüchtlings und einer deutschen Ausbildung fest. Der Antragsteller muss dann an einem Anpassungslehrgang teilnehmen oder eine Prüfung bestehen.
Wer trägt die Kosten?
Die Gebühren der Kammern, Übersetzungen und Beglaubigungen belaufen sich in der Regel auf 100 bis 600 Euro. Antragsteller sollten bei der Agentur für Arbeit oder dem Jobcenter klären, ob und unter welchen Voraussetzungen diese Kosten übernommen werden.

Chanan wartet noch auf diese vorläufige Berufserlaubnis. Er ist 55 Jahre alt, ein ruhiger, bärtiger Herr mit weißen Haaren und einem freundlichen Gesicht. Seine Praxis hatte er im schwer vom Krieg zerstörten Aleppo. Deutschland nahm ihn und seine Familie aus humanitären Gründen auf.

Seit Anfang Januar lebt er mit seiner 13 Jahre alten Tochter und seiner ebenfalls 55 Jahre alten Frau in Emlichheim, der westlichsten Gemeinde Niedersachsens. Mediziner zu finden, die sich in der Gemeinde mit 14.000 Einwohnern als Ärzte niederlassen wollen, ist schwierig.

"Wir suchen schon seit Jahren", sagt Ärztin Helweg, die mit zwei Kollegen und einem angestellten Mediziner eine Hausarztpraxis betreibt. Ihr Kollege Robert van Wermeskerken sei 65 Jahre alt und gehe bald in den Ruhestand, ihr angestellter Kollege ebenfalls. Jeden Tag betreut das Team 500 Patienten, macht Hausbesuche und muss auch zu Notfalleinsätzen raus.

"Emlichheim ist ein kleines Paradies"

Bürgermeisterin Daniela Kösters ist es zu verdanken, dass Chanan jetzt in Emlichheim ist. In einer Talkshow hörte sie, dass unter den syrischen Flüchtlingen viele Ärzte seien, die Arbeit suchten. Sie nahm Kontakt zu einem der Teilnehmer der Diskussionsrunde auf. Das war Chanans Neffe, der seit 15 Jahren in Deutschland lebt.

Kösters und Chanan schlossen einen Vertrag: Die Gemeinde zahlt die Kosten für die anstehenden Deutschkurse, und Chanan verpflichtete sich im Gegenzug, in Emlichheim als Landarzt zu arbeiten.

"Ich finde, Emlichheim ist ein kleines Paradies", sagt der Großstadtmensch Chanan. "Alle sind nett, die Ärzte, die Patienten, sogar die Natur." Die Deutschkurse absolvierte er im vergangenen Jahr in Hannover.

Als Flüchtling ist er anerkannt, er bezieht Leistungen vom Sozialamt. Seine Tochter geht aufs Gymnasium, seine beiden 20 und 21 Jahre alten Söhne besuchen das Studienkolleg, beziehungsweise studieren Pharmazie in Marburg. Finanziell ist es sehr eng für die Familie. Seine Frau hatte als Architektin und Stadtplanerin in Aleppo gearbeitet. "Einen entsprechenden Job hier auf dem Land zu finden, ist natürlich schwierig", sagt Helweg.

"Meinen Kindern fällt es nicht so schwer wie mir", sagt Mohamad Chanan. Seine Tochter habe in Hannover die beste Deutscharbeit der Klasse geschrieben. Auch seine Söhne lesen schon dicke Bücher auf Deutsch, erzählt er. Ihm macht die neue Sprache noch hörbar Mühe.

Kösters hat im vergangenen Jahr viel Zeit und Kraft investiert, um Chanan durch das deutsche Verwaltungslabyrinth zu lotsen. Ihr ist das Anerkennungsverfahren viel zu langsam, zu bürokratisch. "Es wird vielleicht nicht künstlich verzögert, aber es wird auch nicht aktiv etwas getan, damit es besser läuft", kritisiert die Bürgermeisterin.

Andererseits: Von den deutschen Standards bei der Zulassung ausländischer Ärzte herunterzugehen, könne nicht der Weg sein, sagt KVN-Sprecher Köster: "Ich sehe daher nicht, dass wir durch den massenhaften Zuzug von ausländischen Ärzten sämtliche Lücken in der ambulanten Medizin schließen können." Syrische Mediziner als Landärzte in Deutschland werden daher wohl die Ausnahme bleiben.

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Die interaktive Deutschlandkarte zeigt, wo Hausärzte fehlen. Fahren Sie mit der Maus über die Regionen, um die genauen Werte zum Versorgungsgrad mit Ärzten zu sehen. Weitere Hintergründe zum Ärztemangel finden Sie hier.

Elmar Stephan/dpa/lov

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