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Förster Der Wald ist nicht genug

Von Beruf Förster: Loden und Waldi, das war gestern Fotos
DPA

Ein Männlein steht im Walde, redet mit Rehen, umarmt abwechselnd einen Baum und seinen Dackel - ein Berufsbild von vorgestern. Mit Heimatfilmen der fünfziger Jahre kann man moderne Förster jagen. Sie tragen Funktionsjacken statt Loden, sitzen viel im Büro und verstehen sich als Öko-Manager.

Ein gutes Dutzend Mal werden wir noch wach, dann verwöhnt uns das ZDF mit 28 brandneuen Folgen seiner Serie "Forsthaus Falkenau". Gefühlt ist es die 87. Staffel, tatsächlich hat diese Altlast bis dato erst 21 Jahresringe und schöpft ihre restaurative Kraft schamlos aus den Heimatfilmen der fünfziger Jahre.

Was war das für eine sittenstrenge Zauber- und Sauberwelt: Da pirscht Förster Alfons durchs Unterholz und schießt das Wild daher, gar wie es ihm gefällt. Zu seinem Glück fehlt dem Naturburschen nur eine blondulierte Liesel, auf die aber auch der ältliche Dorflehrer scharf ist. Nach allerlei dramatischen Verwicklungen (Eifersucht! Feuersbrunst im Sägewerk! Showdown mit Wilderern, dass dem Morgen graut!) kommt es zum Happy End: Der Alfons ehelicht die Liesel, die füttert seinen Kampfteckel Muck vom Furzenstein, bis ein letztes heiseres Kläffen durch den Wald schallt - Flatulenz im Endstadium, dann endlich ist unter allen Wipfeln Ruh'.

In Deutschlands Altenheimen erinnert man sich gern; Deutschlands Förster dagegen werden sich schön bedanken für das Heimatfilm-Jägerlatein, das so hartnäckig an ihnen klebt. In den Städten leben tatsächlich Menschen, die glauben, dass es ihn noch gibt - diesen in Loden gekleideten Mann, der ständig mit Waldi und Flinte durch den Wald streift. Nur eine Verklärung des Förster-Berufs, sagt Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins: "Wir sehen uns nicht in der Rolle des einsamen grünen Männleins, das im Wald mit Rehen und Bäumen redet."

Wald ist jetzt eine Management-Aufgabe

Vielmehr sieht Wilke den Förster längst in der Rolle des Öko-Managers, der Naturschutz, Forstwirtschaft und Freizeit unter einen Hut bringen muss. Und dafür braucht er Technik, soziale Kompetenz, Manager-Qualitäten. Das Berufsbild des Waldhüters ist ein zentrales Thema bei der Jahrestagung des Deutschen Forstvereins vom 21. bis 25. September (Motto: "Wir sind Wald!").

Die Vereinten Nationen haben 2011 zum "Internationalen Jahr der Wälder" ausgerufen. In Aachen treffen sich rund tausend Vertreter der Forst- und Holzwirtschaft, Waldbesitzer und Experten aus dem In- und Ausland. Es geht zum Beispiel um die Folgen des Klimawandels, um den globalen Holzmarkt und um Entwicklungshilfe. Einer der Seminartitel: "Förster aus dem Silberwald oder Ökosystemmanager?"

Einst gab der Förster den Ton an, der Wald war sogar zeitweise fürs Publikum geschlossen. Heute will jeder den Wald. Und jeder will etwas anderes von ihm: Der Spaziergänger ist für viele gut ausgebaute Wege, der Naturschützer will mehr Natur und weniger Mensch - also auch keine Jäger. Die Jäger wollen trotzdem in den Wald, und die Wasserwirtschaftler haben beim Gewässerschutz ein Wörtchen mitzureden. Dazwischen gibt es noch ein bisschen Forstwirtschaft. Je näher der Wald an den Ballungsgebieten liegt, desto vielseitiger die Ansprüche, desto schwieriger das Geschäft.

Uwe Schölmerich muss ein Meister der Moderation sein. Der Chef des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft passt schon äußerlich nicht ins Klischee. Er trägt moderne Funktionskleidung, und statt mit dem Dackel ist er mit einer Bracke unterwegs, einem etwas hochbeinigeren Jagdhundtyp. 2,4 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet "seines" Waldes. Mit 62.000 Hektar - das entspricht einer Fläche mehr als eineinhalbmal so groß wie Köln - ist das Forstamt eines der größten in Deutschland.

Für den Ernstfall ein Konflikttraining

"Die Leute haben den Wald entdeckt", sagt Schölmerich, "die Wertschätzung für den Wald ist enorm gestiegen." Das ist gut, macht aber außer der eigentlichen Aufgabe, der Pflege des Waldes, jede Menge Arbeit. Vor allem Städter verstehen den Wald nicht mehr, beschweren sich, wenn zur Holzernte auch mal schwere Transporter über die Wege donnern.

"Die Öffentlichkeitsarbeit ist unsere Hauptaufgabe. Wir müssen den Wald erklären", sagt Schölmerich. Ihm sei das Lust, keine Last.

So einen wie Schölmerich hätten sich die Waldbesucher einst wohl gewünscht - etwa im Spessart. "Im Spessart gibt es aus der Mitte der sechziger Jahre eine lange Liste mit Förstermorden", erzählt Professor Volker Zahner von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Bayern. Die Förster griffen gegen Wilderer und Holzdiebe mit harter Hand durch, das Volk begehrte auf. "Es gab richtige Aufstände. Forsthäuser wurden angesteckt", sagt Zahner, der angehende Förster ausbildet.

Das sollte heute auch anders gehen, auch wenn es weniger um Wilderei als um Holzklau geht. Bei ihrer Ausbildung bekommen angehende Förster einen Methodenkasten mit. An der Fakultät für Wald- und Forstwirtschaft lernen sie Moderations- und Verhandlungstechniken. Und für den Ernstfall gibt's auch ein Konflikttraining.

Von Elke Silberer, dpa/Jochen Leffers

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1. titel
barlog 25.09.2011
Zitat von sysopEin Männlein steht im Walde, redet mit Rehen, umarmt abwechselnd einen Baum und seinen Dackel - ein Berufsbild von vorgestern. Mit Heimatfilmen der fünfziger Jahre kann man moderne Förster jagen. Sie tragen Funktionsjacken statt Loden, sitzen viel im Büro und verstehen sich als Öko-Manager. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,787929,00.html
Netter Artikel, aus dem man nicht viel mehr entnehmen kann, als daß die Serie "Forsthaus Falkenau" genau richtig für die Zielgruppe gemacht ist, die Förstersleut' grade ihre Jahrestagung beenden und nicht mehr dem Klischee entsprechen, wenn sie modernere Jacken und höhere Hunde als früher mit sich führen (wer hat dem Verfasser bloß eingeredet, daß Förster über Jahrhunderte die vielen anderen Jagdhundrassen ignorierten ?). Mich würde als Laie vielmehr interessieren, wie die Abschussrechte für besonders prächtig gewachsenes Getier vom Förster geregelt werden oder endet hier bereits seine Aufgabe ?
2. Förster sind eine wildromantische Fiktion
albert schulz 26.09.2011
Mit Förstern hat der Artikel herzlich wenig zu tun. Ihre Anzahl wird seit langem brutal reduziert, es sind reine Verwaltungsbeamte, beim Staat recht gut, bei Waldbesitzern miserabel bezahlt, weil es ein Neigungsberuf ist, viel zu viele Interessenten für viel zu wenige Stellen. Ihre Mitarbeiter bekommen allerdings noch weit weniger Salär. In den Wald kommt der Förster nur noch in seiner Freizeit, oder wenn er einer Leiharbeiterkolonne angibt, wo was zu fällen ist, falls das nicht schon elektronisch übermittelt wurde. Hege und Pflege und Jagd regelt im Normafall der Jagdpächter vollverantwortlich. Der Förster ist formal dessen Aufseher, aber er kümmert sich selten, weil er mit Formalia aller Art vollauf beschäftigt ist. Ziemlich öde. Und jagen darf er nicht, es sei denn es gäbe ein „öffentliches Interesse“, also das Ausmerzen kranker Tiere. Überläßt er aber auch dem Jagdpächter. Genauso wie die Wilderer, die er meist kennt. Aktiv darf weder er noch der Jäger werden, also ihn erschießen oder nur nach dem Ausweis fragen, sondern nur die Polizei. Und sicher hat seit mehr als hundert Jahren kein Wilderer mehr einen Förster erschossen. Schließlich wohnen sie Haus an Haus und leihen sich gegenseitig das Werkzeug aus, sicher auch die Flinten. Zur Eigenversorgung was zu schießen war im Übrigen lange gang und gäbe und wurde selten bestraft, heute sind die Jungs schlicht zu faul dazu. Wenn heutigentags bergeweise Bäume auf Waldpfaden deponiert werden oder ganze Gebiete zu Ruhegebieten für das Wild erklärt werden, ist dafür meist der Pächter verantwortlich, der ein schönes Schußfeld liebt, und auch nicht mehr im Morgengrauen auf dem Anstand sitzt, sondern dem Wild Salzklumpen als Köder hinlegt, damit er es bequem mit seiner Superoptik abknallen kann, ohne auf seinen Schnaps verzichten zu müssen.
3. Nicht alles aber
ugt 26.09.2011
[QUOTE=albert schulz;8795226]...InDer Förster ist formal dessen Aufseher, aber er kümmert sich selten, weil er mit Formalia aller Art vollauf beschäftigt ist. Ziemlich öde. ...auch die Flinten. Zur Eigenversorgung was zu schießen war im Übrigen lange gang und gäbe und wurde selten bestraft, heute sind die Jungs schlicht zu faul dazu... Wenn heutigentags bergeweise Bäume auf Waldpfaden deponiert werden oder ganze Gebiete zu Ruhegebieten für das Wild erklärt ...QUOTE] ist so aber manche Dinge schon. Mein Großvater und einige Okel waren Förster. Der Großvater war in einem Privatforst angestellt die Onkel im Staatsforst. Alle mussten noch mit Kulturfrauen, Holzrückern oder Holzhauern ins Revier, selbst einmessen oder Wegeplanen. All das passiert heute von höherer Stelle aus. Der Forstmann von heute hat sich vom Förster zum Kaufmann zum Erholungsgebietsmanager gewandelt. Aber mal ehrlich, ist der Schlosser der 60ger Jahre noch mit dem Schlosser von heute zu vergleichen? Der Autobauer, Strassenbauer, Schiffer oder Architekt?
4. Realitätsfern!
drsindelfaenger 26.09.2011
Zitat von albert schulzMit Förstern hat der Artikel herzlich wenig zu tun. Ihre Anzahl wird seit langem brutal reduziert, es sind reine Verwaltungsbeamte, beim Staat recht gut, bei Waldbesitzern miserabel bezahlt, weil es ein Neigungsberuf ist, viel zu viele Interessenten für viel zu wenige Stellen. Ihre Mitarbeiter bekommen ......
Sie sollten weniger oft Forsthaus Falkenau anschauen - und der ein oder andere Stammtisch-Schnaps weniger wäre ganz offensichtlich der Wahrnehmung der Realität durchaus auch behilflich! Nur so viel: Alle mir bekannten Förster sind gleichzeitig auch Jäger, wenn auch nicht unbedingt im gleichen Wald. Als Förster sind die Herren übrigens Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft und dürfen daher sehr wohl Personen anhalten, nach dem Ausweis fragen oder sogar bei begründetem Verdacht (z.B. Wilderei, Diebstahl,...) festnehmen! Die Verursacher der Holzpolter am Wegesrand sind übrigens auch nicht die Jäger sondern der "Wirtschaftsbetrieb Wald" - der ja in der heutigen Zeit auch Geld einbringen muss. Und das Förster und Wilderer sich kennen und angeblich sogar gegenseitig behilflich wären ist eine äusserst böswillige Unterstellung, wenn nicht sogar schon eine Verleumdung!
5. wildromantisch
albert schulz 26.09.2011
4 ugt „Aber mal ehrlich, ist der Schlosser der 60ger Jahre noch mit dem Schlosser von heute zu vergleichen? Der Autobauer, Strassenbauer, Schiffer oder Architekt?“ Natürlich haben Sie recht. Ich habe als Kind auf dem Dorf noch dem Schmied, Fleischer, Sattler bei der Arbeit zusehen dürfen. Viele Berufe gibt es gar nicht mehr oder sind industrialisiert. Vor allem gibt es nur noch wenig, was nicht arbeitsteilig von Spezialisten erledigt wird. Die mächtigen Einzelkämpfer, die alles konnten und wußten und im Griff hatten, sind wildroantische Legenden, die dem Bedürfnis der Menschen nach Klarheit und Gerechtigkeit entgegen kommen. Nach wie vor will jedes Menschenkind berühmt werden, und auch mächtig und reich. Was die irreale Verklärung angeht, tun sich vermutlich Förster, Old Shatterhand, DSDS oder Käpten Hornblower nicht viel. Da gibt es einen stets glorreichen Sieger und Harmonie allerorten. Vor allem einen Richter, der für Gerechtigkeit sorgt. Der religiöse Ansatz läßt sich nicht ganz leugnen. Und vermutlich war es nie so, der Mensch dürfte sich in seinem Sehnen, seinem Neid, seiner Unrast immer treu geblieben sein. Heute muß er halt zivilisatorisch brav sein und sich einordnen. Träumen tut er wie vor 100.000 Jahren. Lügen auch. Wir müssen (außer im Sport) nicht durch Leistungen glänzen (machtt nur Ärger), sondern devot gehorchen. Das muß der Filmförster natürlich nicht. @drsindelfaenger Daß Förster im Wald Hoheitsrechte haben, hatte ich befürchtet. Ich ging allerdings von Vorfällen mit Wild auf Privatgelände aus. Und das darf der Förster dienstlich nicht betreten, nicht mal, wenn man ihn ausdrücklich darum ersucht. Ds mutwillige Versperren von Wegen und Pfaden mit Resten aus den OrkaHw1erde
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