Ein gutes Dutzend Mal werden wir noch wach, dann verwöhnt uns das ZDF mit 28 brandneuen Folgen seiner Serie "Forsthaus Falkenau". Gefühlt ist es die 87. Staffel, tatsächlich hat diese Altlast bis dato erst 21 Jahresringe und schöpft ihre restaurative Kraft schamlos aus den Heimatfilmen der fünfziger Jahre.
Was war das für eine sittenstrenge Zauber- und Sauberwelt: Da pirscht Förster Alfons durchs Unterholz und schießt das Wild daher, gar wie es ihm gefällt. Zu seinem Glück fehlt dem Naturburschen nur eine blondulierte Liesel, auf die aber auch der ältliche Dorflehrer scharf ist. Nach allerlei dramatischen Verwicklungen (Eifersucht! Feuersbrunst im Sägewerk! Showdown mit Wilderern, dass dem Morgen graut!) kommt es zum Happy End: Der Alfons ehelicht die Liesel, die füttert seinen Kampfteckel Muck vom Furzenstein, bis ein letztes heiseres Kläffen durch den Wald schallt - Flatulenz im Endstadium, dann endlich ist unter allen Wipfeln Ruh'.
In Deutschlands Altenheimen erinnert man sich gern; Deutschlands Förster dagegen werden sich schön bedanken für das Heimatfilm-Jägerlatein, das so hartnäckig an ihnen klebt. In den Städten leben tatsächlich Menschen, die glauben, dass es ihn noch gibt - diesen in Loden gekleideten Mann, der ständig mit Waldi und Flinte durch den Wald streift. Nur eine Verklärung des Förster-Berufs, sagt Carsten Wilke, Präsident des Deutschen Forstvereins: "Wir sehen uns nicht in der Rolle des einsamen grünen Männleins, das im Wald mit Rehen und Bäumen redet."
Wald ist jetzt eine Management-Aufgabe
Vielmehr sieht Wilke den Förster längst in der Rolle des Öko-Managers, der Naturschutz, Forstwirtschaft und Freizeit unter einen Hut bringen muss. Und dafür braucht er Technik, soziale Kompetenz, Manager-Qualitäten. Das Berufsbild des Waldhüters ist ein zentrales Thema bei der Jahrestagung des Deutschen Forstvereins vom 21. bis 25. September (Motto: "Wir sind Wald!").
Die Vereinten Nationen haben 2011 zum "Internationalen Jahr der Wälder" ausgerufen. In Aachen treffen sich rund tausend Vertreter der Forst- und Holzwirtschaft, Waldbesitzer und Experten aus dem In- und Ausland. Es geht zum Beispiel um die Folgen des Klimawandels, um den globalen Holzmarkt und um Entwicklungshilfe. Einer der Seminartitel: "Förster aus dem Silberwald oder Ökosystemmanager?"
Einst gab der Förster den Ton an, der Wald war sogar zeitweise fürs Publikum geschlossen. Heute will jeder den Wald. Und jeder will etwas anderes von ihm: Der Spaziergänger ist für viele gut ausgebaute Wege, der Naturschützer will mehr Natur und weniger Mensch - also auch keine Jäger. Die Jäger wollen trotzdem in den Wald, und die Wasserwirtschaftler haben beim Gewässerschutz ein Wörtchen mitzureden. Dazwischen gibt es noch ein bisschen Forstwirtschaft. Je näher der Wald an den Ballungsgebieten liegt, desto vielseitiger die Ansprüche, desto schwieriger das Geschäft.
Uwe Schölmerich muss ein Meister der Moderation sein. Der Chef des Regionalforstamts Rhein-Sieg-Erft passt schon äußerlich nicht ins Klischee. Er trägt moderne Funktionskleidung, und statt mit dem Dackel ist er mit einer Bracke unterwegs, einem etwas hochbeinigeren Jagdhundtyp. 2,4 Millionen Menschen leben im Einzugsgebiet "seines" Waldes. Mit 62.000 Hektar - das entspricht einer Fläche mehr als eineinhalbmal so groß wie Köln - ist das Forstamt eines der größten in Deutschland.
Für den Ernstfall ein Konflikttraining
"Die Leute haben den Wald entdeckt", sagt Schölmerich, "die Wertschätzung für den Wald ist enorm gestiegen." Das ist gut, macht aber außer der eigentlichen Aufgabe, der Pflege des Waldes, jede Menge Arbeit. Vor allem Städter verstehen den Wald nicht mehr, beschweren sich, wenn zur Holzernte auch mal schwere Transporter über die Wege donnern.
"Die Öffentlichkeitsarbeit ist unsere Hauptaufgabe. Wir müssen den Wald erklären", sagt Schölmerich. Ihm sei das Lust, keine Last.
So einen wie Schölmerich hätten sich die Waldbesucher einst wohl gewünscht - etwa im Spessart. "Im Spessart gibt es aus der Mitte der sechziger Jahre eine lange Liste mit Förstermorden", erzählt Professor Volker Zahner von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf in Bayern. Die Förster griffen gegen Wilderer und Holzdiebe mit harter Hand durch, das Volk begehrte auf. "Es gab richtige Aufstände. Forsthäuser wurden angesteckt", sagt Zahner, der angehende Förster ausbildet.
Das sollte heute auch anders gehen, auch wenn es weniger um Wilderei als um Holzklau geht. Bei ihrer Ausbildung bekommen angehende Förster einen Methodenkasten mit. An der Fakultät für Wald- und Forstwirtschaft lernen sie Moderations- und Verhandlungstechniken. Und für den Ernstfall gibt's auch ein Konflikttraining.
Von Elke Silberer, dpa/Jochen Leffers
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL | RSS |
| alles aus der Rubrik Berufsleben | RSS |
| alles zum Thema Naturwissenschaften | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH