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Kreative Müllabfuhr Traumbilder aus der Tonne

Müllmänner als Fotografen: Schwarzweißbilder aus der Tonne Fotos
Roland Wilhelm/ Stadtreinigung Hamburg/ Scholz & Friends

Müllmänner sind Malocher - und manchmal auch Künstler. Die Hamburger Stadtreinigung baute einen Müllcontainer zur Mega-Lochkamera um. Per "Tonnografie" entstanden außergewöhnliche Bilder. Jetzt hat die Kampagne einen Preis beim internationalen Werbefestival in Cannes gewonnen.

Roland Wilhelm, 61, leert Mülltonnen. Seit 36 Jahren. Bei Regen oder Schnee, Hitze oder Frost. Kreativ ist seine Arbeit nicht. Es ist ehrliche Maloche, er räumt weg, was andere loswerden wollen. Wenn Wilhelm mit seinem orangefarbenen Anzug die schweren Tonnen über Hamburger Straßen zerrt, grüßen ihn manche nett, andere machen blöde Sprüche, viele ignorieren ihn.

Muss das so sein? Muss es nicht, fand sein Arbeitgeber, die Hamburger Stadtreinigung. Und gab eine PR-Kampagne bei der Werbeagentur Scholz & Friends in Auftrag. Mit überraschendem Erfolg: Aus dem Müllmann wurde ein kleiner Star.

Zusammen mit zehn Kollegen hat Wilhelm seine Lieblingsplätze in Hamburg fotografiert - mit einer zur Lochkamera umgebauten Mülltonne. Herausgekommen sind spektakuläre Schwarzweißbilder, die Werber erfanden ein Wort dafür: "Tonnografien". Die Fotos verbreiteten sich rasant übers Internet und beeindruckten auch die Juroren des Werbefestivals in Cannes: Sie haben die Kampagne soeben mit dem Silbernen Löwen ausgezeichnet - die Cannes-Löwen sind die begehrtesten Trophäen der internationalen Werbebranche.

Ein Loch ist im Eimer - die Stadt aus der Sicht einer Mülltonne

Seitdem wird Wilhelm auf seiner täglichen Tour von Passanten angesprochen und von Journalisten aus ganz Deutschland interviewt, gefilmt, fotografiert. "Das ist einmalig, damit hat wirklich keiner gerechnet", sagt er. Wilhelm habe bisher nur positive Resonanz bekommen und, was ihm noch wichtiger ist: "Jetzt sehen noch mehr Bürger, was wir machen."

Das Fotografieren mit der Tonne gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn häufig mussten die Müllmänner ahnungslose Passanten davon abhalten, ihren Abfall in die Kamera zu werfen. "Wir waren aber immer schneller", sagt Wilhelm und lacht.

Zwischen fünf und 70 Minuten dauerte die Belichtung eines Fotos in der 1100-Liter-Kameratonne, die genaue Zeit berechneten die Müllmänner mit einem Belichtungsmesser. Das Licht fiel auf der Vorderseite der Tonne durch ein acht Millimeter kleines Loch ein und wurde auf ein 80 Zentimeter mal ein Meter großes Fotopapier im Inneren der Tonne projiziert. Einen Auslöser gab es nicht, die Aufnahme wurde gestartet, indem Wilhelm und seine Kollegen die kleine Klappe über dem Loch hochhoben. Ob die Aufnahme gelungen war, konnten sie erst am Abend im Labor feststellen.

Müllmann Wilhelm ist auch Kamerasammler

Wilhelm hatte sich als Motive die Landungsbrücken und zwei Plätze im Stadtteil St. Georg ausgesucht. Ein bestimmtes Haus wollte er schon lange fotografieren; er hatte dort einmal beim Leeren der Mülltonnen einen Fotografen beobachtet: "Das Haus sieht aus wie eine Filmkulisse, aber nur von einem bestimmten Punkt aus. Geht man ein paar Zentimeter nach rechts oder links, ist der Eindruck weg."

Wilhelm ist selbst Hobby-Fotograf und hat ein Faible für alte Kameras. 170 Fotoapparate umfasst seine Sammlung. Eine Lochkamera ist bisher noch nicht dabei, aber Wilhelm überlegt, eine mit seinen Enkeln zu basteln: "Ich hoffe, ich kann sie dafür begeistern, wenn sie unsere Bilder sehen." Ab Samstag werden die Fotos in voller Größe in einer eigenen Ausstellung in der Axel-Springer-Passage in Hamburg präsentiert, Wilhelm will mit seiner ganzen Familie hin.

Die überdimensionierte Kamera ging beim "Trashcam Project" leider kaputt: Sie wurde in einem speziellen Transporter, abgeklebt mit lichtundurchlässiger Folie, durch die Stadt kutschiert - und knallte bei einer Vollbremsung gegen die Wand. Durch den Riss fällt nun Licht ins Innere, Aufnahmen sind nicht mehr möglich.

Also sprach der Müllschlucker: "Bin für jeden Dreck zu haben"

Eine kaputte Tonne und dafür Tausende neue Fans - die Hamburger Stadtreinigung ist hochzufrieden. "Besser hätte es nicht laufen können", sagt Sprecher Andree Möller. Die genauen Kosten für die Aktion will er nicht verraten, nur so viel: "Das war eine günstige Kampagne."

Die Hamburger Stadtreinigung hat offenbar ein Gespür für krumme Werbeaktionen: Welche andere Stadt kann schon von sich behaupten, dass ihre Mülleimer ein beliebtes Fotomotiv sind? "Bin für jeden Dreck zu haben" oder "Schlag mir den Bauch voll" - seit 2005 zieren diese Sprechblasen-Aufkleber jede Hamburger Tonne.

Die besten Mülleimersprüche

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"Ich weiß von einer Lehrerin, die jedes Jahr mit ihren Erstklässlern durch die Stadt läuft und sie die Sprüche lesen lässt", sagt Kerstin Schäfer, die als Texterin der Werbeagentur MKK an der Kampagne mitgearbeitet hat. Der Art Director habe damals Augen auf einen Mülleimer geklebt, so war schnell klar: Der Eimer lebt! Und kommentiert das Stadtleben.

"Die Sprüche kamen dann ganz automatisch", sagt Schäfer. "Jeder wollte mitmachen." Die Sprechblasen sind mittlerweile so beliebt, dass man die Aufkleber bei der Stadtreinigung sogar bestellen kann. "Aufkleber kosten ja nicht viel und die Mülleimer stehen sowieso herum", das machte die Kampagne denkbar günstig. Auch sie wurde mit einem Preis ausgezeichnet, vom Verein Deutsche Sprache.

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insgesamt 16 Beiträge
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    Seite 1    
1. Schöne Aktion
Prokrastes 22.06.2012
Allerdings ist die Hamburger Müllabfuhr in Sachen Imagekampagne nicht die einzige. Bereits im Jahr 2000 gab es in Berlin die "bemannte Räumfahrt", "we kehr vor you" und den "Saturday Night Feger" ...
2. Idee geklaut?
balduinb 22.06.2012
Zitat von sysopMüllmänner sind Malocher - und manchmal auch Künstler. Die Hamburger Stadtreinigung baute einen Müllcontainer zur Mega-Lochkamera um. Per "Tonnografie" entstanden außergewöhnliche Bilder. Jetzt hat die Kampagne einen Preis beim internationalen Werbefestival in Cannes gewonnen. Fotos mit riesiger Lochkamera: Hamburg aus Sicht einer Mülltonne - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,840255,00.html)
Neu ist das nun wirklich nicht und wahrscheinlich geklaut. Vor einigen Jahren zeigte ein Fotograf, Jasper Botters, in "VIEW" vom Stern seine "Lochkamera", einen zur Kamera angeblich umgebauten Container. [M] JASPER BOTTERS / Collection Harald Haack (http://www.digital-portfolio.de/Collection_Harald_Haack/img00054.htm) Ich warte nun auf die nächsten fotografischen Ergebnisse der "Geistesblitzer" von der Werbeagentur, wenn sie LKW-Fahrer mit Container-Kameras umherschicken, und sich frech fremder Idee bedienen.
3. Ungwohnt
SirLurchi 22.06.2012
Zitat von sysopMüllmänner sind Malocher - und manchmal auch Künstler. Die Hamburger Stadtreinigung baute einen Müllcontainer zur Mega-Lochkamera um. Per "Tonnografie" entstanden außergewöhnliche Bilder. Jetzt hat die Kampagne einen Preis beim internationalen Werbefestival in Cannes gewonnen. Fotos mit riesiger Lochkamera: Hamburg aus Sicht einer Mülltonne - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,840255,00.html)
Ungewohnte Ansichten einer altvertrauten Stadt - tolle Idee!
4. Die Mülleimer-Sprüche sind keine neue Erfindung.
diskantus 22.06.2012
In Wien gibt es sie seit 2009: • Ganz Wien bleibt clean. • Schaut net weg, hau eine dein' Dreck! • Bin für jeden Dreck zu haben. • Mist für mich, Lob für dich. • Tag- und Nachtaktiv. • Gib meinem Hängen einen Sinn. • Bitte füttern! • Für Sie rund um die Uhr geöffnet. • Ihre Papiere, bitte! • Gebaut nach dem Reinheitsgebot von 2009.
5. klasse!
diskantus 22.06.2012
Die Idee finde ich großartig - die Bilder sind zum Großteil echt kreativ. Und man sieht, was wirkliche SW-Fotografie vollbringen kann, immer noch, trotz Buntiwelt.
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Rund 3000 Werbeagenturen sind im deutschen Handelsregister eingetragen. Über 100 davon - vor allem die großen der Branche - haben sich im Gesamtverband Kommunikationsagenturen (GWA) zusammengeschlossen. Zwei Drittel der GWA-Agenturen haben 2010 neue Mitarbeiter eingestellt. Wichtigster Kunde der Werber war im vergangenen Jahr die Autoindustrie.

Insgesamt gibt es bundesweit mehr als 10.000 Werbeagenturen. Der Großteil beschäftigt nur eine Handvoll Angestellter; bei vielen übertrifft der Umsatz laut GWA nicht einmal die Schwelle von 250.000 Euro im Jahr.

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Marktführer ist die Firma Serviceplan. Das Münchner Unternehmen erreichte im Ranking der größten unabhängigen und inhabergeführten Werbeagenturen, das die Branchenmagazine "Horizont" und "w&v" ermittelten, den ersten Platz. Serviceplan beschäftigte demnach 2010 im Jahresmittel rund 1000 Mitarbeiter, erzielte einen Netto-Honorarumsatz von 145 Millionen Euro und wuchs damit um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf den folgenden Plätzen: Scholz & Friends (1500 Mitarbeiter, Umsatz 122 Millionen Euro); Media Consulta (334 Mitarbeiter; Umsatz 75 Millionen Euro); Jung von Matt (581 Mitarbeiter; Umsatz 64,3 Millionen Euro); Dialogfeld (245 Mitarbeiter; Umsatz 29 Millionen Euro).
Jung & weiblich
58 Prozent des Agenturpersonals sind laut einer GWA-Studie aus dem Jahr 2009 Frauen. Es ist eine sehr junge Branche: Fast die Hälfte der Mitarbeiter (46 Prozent) ist der Umfrage zufolge 30 Jahre oder jünger.

Tobias Lill


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