Von Klaus Werle
Eine Menge Arbeit kommt auf die Frauen zu. Mehr führen, eine zweite Finanzkrise verhindern und jetzt noch den deutschen Markt für Geschäftsreisen auf Vorderfrau bringen.
Dem geht es schlecht. 2009 war er mit einem Volumen von 41 Milliarden Euro auf einem Tiefpunkt; frühestens 2015 wird er das Vorkrisenniveau von 47 Milliarden erreichen, prophezeien die Berater von A. T. Kearney. Doch es gibt Hoffnung: Weibliche Business Traveller verursachen hierzulande nicht mal jeden fünften Umsatz-Euro - aber bis 2020 soll ihr Anteil auf rund 38 Prozent wachsen. Die Frauen müssen es wuppen.
Das Ergebnis ist die Studie "How Women Travel" - und so manche Antwort hat das Potential für eine rosa Revolte, insbesondere im Flugverkehr. Mit der Mischung aus Meilenjagd, fettigen Snacks, Hollywood-Filmen und Hochprozentigem gleichen Business-Trips im Flieger bislang ja eher einem Vatertagsausflug über den Wolken. Damit könnte bald Schluss sein.
Das Männer-WG-Feeling schreckt viele Frauen ab
Denn Frauen bevorzugen gesünderes Essen, mehr Steckdosen plus Internet für ihre Notebooks sowie eine bessere Sitzplatzwahl - dafür würden sie sogar zahlen. Sie wollen arbeiten im Flieger und nicht nur so tun als ob. Wenn sie entspannen, dann mit Niveau. Unterstützung beim Gepäcktransport fänden sie gut, besseren Kinderservice, mehr Ablageplatz für Taschen und Mäntel oder Zugang zum Wellness- und Sportbereich statt zur Lounge.
Überhaupt, die Lounge. Schlechte Luft, ungesundes Essen und überall lautstarke Dauertelefonierer - das Männer-WG-Feeling schreckt viele Frauen ab; fast jede zweite nutzt die Lounges trotz Berechtigung selten oder nie. Auch die Bonusprogramme wurden nicht von Frauenverstehern entworfen. Die Damen, schreibt A. T. Kearney nüchtern, scheinen "weniger statusbedacht und stärker am konkreten Nutzen interessiert". Größere, ruhigere Lounges oder eine Regelung, die den erreichten Meilenstatus über eine Elternzeit rettet, könnten die Attraktivität steigern.
Ruhe, Komfort, Sauberkeit, Arbeiten, Sport und Entspannung - was Frauen wollen, klingt sehr vernünftig. Es würde Geschäftsreisen besser machen, auch für die Herren der Schöpfung. Das Problem ist: Mit am meisten wünschen sich Frauen, im Flieger nicht neben fremden Männern sitzen zu müssen: Zu breit, zu schnarchig, riechen irgendwann nicht mehr gut.
Die naheliegende Lösung: getrennte Flugzeuge. Im einen sitzen Frauen, naschen Salat und fettfreien Joghurt, bevor sie Mails oder ein Workout machen. Im anderen döst eine Horde Männer. Die Steaks sind verputzt, Schweiß und Alkoholdünste wabern. Es erinnert an die letzte Busbank auf Klassenfahrten.
Nicht schwer zu erraten, wer am Zielort den besseren Job macht.
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