Von Barbara Hans
Die Knie weit auseinander, Hüfte nach vorn schieben, Bauch rausstrecken, Hände hinter dem Kopf verschränken. Ein bisschen wie der Cowboy, der gerade vom Pferd gestiegen ist und sich jetzt in den Sessel lümmelt. So müsste es gehen. Zumindest wenn man sich Männer am Konferenztisch anschaut. Wenn Karriere etwas mit Körpersprache zu tun hat, dann müsste die Macho-Pose Frauen an die Spitze katapultieren. Eigentlich.
Die Frau, die weiß, wie Deutschlands Führungskräfte ticken und was Frauen machen müssen, um im Beruf weiterzukommen, sitzt in ihrem Büro, Hände auf der Tischplatte, Rücken durchgedrückt. Sie lacht und schüttelt den Kopf.
"Nein, so wird das nichts", sagt Sabine Asgodom mit ihrer rauen, sonoren Stimme. "Sie müssen nicht den Macho machen, sondern souverän wirken. Wenn Sie als Frau so sitzen, wirkt es unangemessen." Und stattdessen? "Aufrechte Haltung, Brust raus, Füße fest auf den Boden." Sagt es, macht es. Und um Himmels Willen nie den Kopf schief legen, nie "das Hündchen" mimen.
Sie motiviert, indem sie provoziert
Frauen sind nett, höflich, fleißig, manchmal niedlich - und in den allermeisten Fällen weniger erfolgreich als ihre männlichen Kollegen. Gewiss, nicht alle wollen es bis ganz an die Spitze schaffen, nicht für jeden ist ein Top-Job das Lebensziel. Viele Frauen aber, egal ob sie Abteilungs-, Filial- oder Schulleiterin werden oder schlicht ihren Job in wirtschaftlich schwierigen Zeiten behalten wollen, empfinden den beruflichen Alltag als ungerecht. Die männlichen Kollegen machen schneller die größere Karriere, ihre Ideen finden Anklang, sie sitzen in turbulenten Zeiten fester im Sattel.
Da ist er wieder, der Büro-Cowboy. Und irgendwo zwischen Hündchen und Cowboy muss die Wahrheit liegen.
Asgodom analysiert, seziert, was in deutschen Unternehmen schiefläuft. Sie hält Vorträge, bietet Seminare zum Thema "Durchsetzungsstrategien für Frauen" an, coacht Männer und Frauen in Einzelsitzungen und schreibt Sachbücher zum Thema, zuletzt "Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot" und "Generation Erfolg - so entwickeln Sie Persönlichkeit".
24 sind es bislang, viele davon Bestseller. Sabine Asgodom lebt gut von der Orientierungslosigkeit im Job, die viele Deutsche quält. Sie stillt den Hunger nach Ratschlägen, sie motiviert, indem sie manchmal auch provoziert - und vor allem den Frauen, der Mehrheit ihrer Kunden, einen Spiegel vorhält.
"Herr Lehrer, ich hab' was gesehen!"
Wenn das Fläzen am Konferenztisch tabu ist, wie steht es mit Wortmeldungen? Sich einbringen, wenn man einen Fehler entdeckt hat, auch in großer Runde? "Das ist das Allerschlimmste", sagt Asgodom. "Frauen sind Rechthaberinnen. Da kommt die Streberin aus der Schule durch: 'Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich hab' was gesehen.'"
Also aufrecht sitzen, gut arbeiten und die Klappe halten?
"Frauen müssen hör- und sichtbar sein", sagt Asgodom. Es ist eine ihrer Weisheiten, sie hat viele davon auf Lager. Allein im vergangenen Jahr hat sie rund hundert Vorträge gehalten, das schult.
Wer immer still und fleißig am Schreibtisch sitzt und darauf hofft, entdeckt zu werden, kann lange warten. "Frauen glauben, Männer könnten intuitiv erraten, was sie sich wünschen: Der Chef soll spüren, dass sie Karriere machen wollen." Nur passieren wird nichts. Denn der Chef ist Chef - und eben kein Gedankenleser. "Everybody's darling is everybody's Depp", resümiert Coach Asgodom.
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