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Frauen im Beruf "Die Breite unserer Schleimspur bestimmen wir selbst"

Karriere ja, aber nicht zu jedem Preis: "Das sagt kein Mann", so Coach Asgodom Zur Großansicht
Corbis

Karriere ja, aber nicht zu jedem Preis: "Das sagt kein Mann", so Coach Asgodom

Sabine Asgodom gilt als Deutschlands Selbstvermarktungsexpertin. Tausende Frauen hat sie schon gecoacht, Hunderte Firmen analysiert: Wieso machen Frauen so selten Karriere? Weshalb sind sie daran selbst schuld, und warum leben sie im "Eigentlich-Land"? Ein Beratungstermin.

Die Knie weit auseinander, Hüfte nach vorn schieben, Bauch rausstrecken, Hände hinter dem Kopf verschränken. Ein bisschen wie der Cowboy, der gerade vom Pferd gestiegen ist und sich jetzt in den Sessel lümmelt. So müsste es gehen. Zumindest wenn man sich Männer am Konferenztisch anschaut. Wenn Karriere etwas mit Körpersprache zu tun hat, dann müsste die Macho-Pose Frauen an die Spitze katapultieren. Eigentlich.

Die Frau, die weiß, wie Deutschlands Führungskräfte ticken und was Frauen machen müssen, um im Beruf weiterzukommen, sitzt in ihrem Büro, Hände auf der Tischplatte, Rücken durchgedrückt. Sie lacht und schüttelt den Kopf.

"Nein, so wird das nichts", sagt Sabine Asgodom mit ihrer rauen, sonoren Stimme. "Sie müssen nicht den Macho machen, sondern souverän wirken. Wenn Sie als Frau so sitzen, wirkt es unangemessen." Und stattdessen? "Aufrechte Haltung, Brust raus, Füße fest auf den Boden." Sagt es, macht es. Und um Himmels Willen nie den Kopf schief legen, nie "das Hündchen" mimen.

Sie motiviert, indem sie provoziert

Frauen sind nett, höflich, fleißig, manchmal niedlich - und in den allermeisten Fällen weniger erfolgreich als ihre männlichen Kollegen. Gewiss, nicht alle wollen es bis ganz an die Spitze schaffen, nicht für jeden ist ein Top-Job das Lebensziel. Viele Frauen aber, egal ob sie Abteilungs-, Filial- oder Schulleiterin werden oder schlicht ihren Job in wirtschaftlich schwierigen Zeiten behalten wollen, empfinden den beruflichen Alltag als ungerecht. Die männlichen Kollegen machen schneller die größere Karriere, ihre Ideen finden Anklang, sie sitzen in turbulenten Zeiten fester im Sattel.

Da ist er wieder, der Büro-Cowboy. Und irgendwo zwischen Hündchen und Cowboy muss die Wahrheit liegen.

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26  Bilder
Weiberwirtschaft: Männliche Macht, weiblicher Mumm
Tausende Frauen hat Sabine Asgodom in den vergangenen 15 Jahren beraten, Schulungen in Dutzenden Unternehmen durchgeführt. Sie arbeitet in einem unauffälligen Büro im edlen Münchner Stadtteil Bogenhausen. Ihr Arbeitsplatz ist alles andere als ein Wellness-Tempel: ovaler Holztisch, blaue Kunststoffstühle, rote bezogene Sitzecke, darüber ein Bild mit Sternenhimmel, in der Ecke ein Flipchart. An der Wand steht in grünen Buchstaben: "Lebe wild und unersättlich." Kein Zimmerbrunnen, keine Räucherstäbchen. "Ich bin für pragmatische Lösungen", sagt Asgodom. Die "Financial Times" zählt sie zu den 101 wichtigsten Frauen der deutschen Wirtschaft.

Asgodom analysiert, seziert, was in deutschen Unternehmen schiefläuft. Sie hält Vorträge, bietet Seminare zum Thema "Durchsetzungsstrategien für Frauen" an, coacht Männer und Frauen in Einzelsitzungen und schreibt Sachbücher zum Thema, zuletzt "Das Leben ist zu kurz für Knäckebrot" und "Generation Erfolg - so entwickeln Sie Persönlichkeit".

24 sind es bislang, viele davon Bestseller. Sabine Asgodom lebt gut von der Orientierungslosigkeit im Job, die viele Deutsche quält. Sie stillt den Hunger nach Ratschlägen, sie motiviert, indem sie manchmal auch provoziert - und vor allem den Frauen, der Mehrheit ihrer Kunden, einen Spiegel vorhält.

"Herr Lehrer, ich hab' was gesehen!"

Wenn das Fläzen am Konferenztisch tabu ist, wie steht es mit Wortmeldungen? Sich einbringen, wenn man einen Fehler entdeckt hat, auch in großer Runde? "Das ist das Allerschlimmste", sagt Asgodom. "Frauen sind Rechthaberinnen. Da kommt die Streberin aus der Schule durch: 'Herr Lehrer, Herr Lehrer, ich hab' was gesehen.'"

Also aufrecht sitzen, gut arbeiten und die Klappe halten?

"Frauen müssen hör- und sichtbar sein", sagt Asgodom. Es ist eine ihrer Weisheiten, sie hat viele davon auf Lager. Allein im vergangenen Jahr hat sie rund hundert Vorträge gehalten, das schult.

Wer immer still und fleißig am Schreibtisch sitzt und darauf hofft, entdeckt zu werden, kann lange warten. "Frauen glauben, Männer könnten intuitiv erraten, was sie sich wünschen: Der Chef soll spüren, dass sie Karriere machen wollen." Nur passieren wird nichts. Denn der Chef ist Chef - und eben kein Gedankenleser. "Everybody's darling is everybody's Depp", resümiert Coach Asgodom.

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1.
DMenakker 30.12.2011
Zitat von sysopSabine Asgodom gilt als Deutschlands Selbstvermarktungsexpertin. Tausende Frauen hat sie schon gecoacht, Hunderte Firmen analysiert: Wieso machen Frauen so selten Karriere? Weshalb sind sie daran selbst schuld, und warum leben sie im "Eigentlich-Land"? Ein Beratungstermin. Frauen im Beruf: "Die Breite unserer Schleimspur bestimmen wir selbst" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,781209,00.html)
Ein dreiviertel Seiten lang eine durchaus seriöse und begründete Kritik an Frauen und was diese ändern müssten, um wirklich weiterzukommen und als Lösung: Jungs, ändert ihr euch doch, und lasst uns mitspielen. Guter Ansatz, aber letztendlich Thema verfehlt. In der Schule würde es ( ist ja ein Mädel, die heult garantiert bei ner 5 ) mit beidseitig zugedrückten Augen ne 4 + geben.
2. 3. Pro-Frau-Karriere-Artikel diese Woche
jizzyb 30.12.2011
Naja, langsam wird es langweilig immer dieselbe Lamentiererei zu hören und immer wieder dieselben - richtigen - Argumente anzuführen. Aber hier noch einmal: 1. Frauen wollen seltener Karriere machen. 2. Frauen sind seltener bereit, sich durchzusetzen. 3. Frauen brauchen Hilfe in Form einer Quote (Ach nee... schon mal an Artikel 3 Absatz 3 des Grundgesetzes gedacht?). Und vor allem: 4. Das Frauen es nicht schaffen, ist die Schuld der Männer - natürlich.
3. Wo?
sosonaja 30.12.2011
"Frauen sind nett, höflich, fleißig, manchmal niedlich" - verdammt, ich suche das ganze Jahr über nach solchen Frauen, habe aber noch keine einzige gesehen. Bitte verratet mir doch, wo all diese sind, BITTE!!!!!
4. Eine
forumgehts? 30.12.2011
Zitat von sysopSabine Asgodom gilt als Deutschlands Selbstvermarktungsexpertin. Tausende Frauen hat sie schon gecoacht, Hunderte Firmen analysiert: Wieso machen Frauen so selten Karriere? Weshalb sind sie daran selbst schuld, und warum leben sie im "Eigentlich-Land"? Ein Beratungstermin. Frauen im Beruf: "Die Breite unserer Schleimspur bestimmen wir selbst" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,781209,00.html)
intelligente Frau kann Sprecherin des Vorstandes werden. Eine kluge Frau kann die Frau des Vorstandssprechers werden. Die Intelligenz setzt sich ein - manchmal unerreichbares - Ziel, die Klugheit prüft Aufwand/Ertrag und holt das Beste heraus.
5.
gummiband 30.12.2011
Zitat von sysopSabine Asgodom gilt als Deutschlands Selbstvermarktungsexpertin. Tausende Frauen hat sie schon gecoacht, Hunderte Firmen analysiert: Wieso machen Frauen so selten Karriere? Weshalb sind sie daran selbst schuld, und warum leben sie im "Eigentlich-Land"? Ein Beratungstermin. Frauen im Beruf: "Die Breite unserer Schleimspur bestimmen wir selbst" - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - KarriereSPIEGEL (http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,781209,00.html)
Schonmal daran gedacht, dass es auch Männer gibt und gab, die nicht die Spielregeln der Macht-Menschen mit spielen wollen und können? Für diese ändert auch niemand die Regeln. Ich habe auch Zweifel, aber niemand setzt sich für mich ein und schlagt vor, dass man mich 3 mal Fragen solle, ob ich befördert werden will. Ich setzte mich permanent kritisch mit meinem Verhalten und das der anderen auseinander und wäge ab, ob ich dieses oder jenes machen will, um im Beruf weiter zu kommen. Ich trete auch dauernd in irgendwelche Fettnäpfchen. Aber ich lerne. Ich verändere mich, wenn ich das für sinnvoll halte. Ich muss selber sehen wohin ich noch aufsteigen werde. Ich habe keine Lust auf eine 60 Stunden Woche, habe keine Lust auf Dauerstress, habe keine Lust mich trotz großer Widerstände permanent gegenüber anderen "aggressiven" Abteilungsleitern behaupten zu müssen. Wird deswegen für mich der Chef-Posten attraktiver gemacht???? Wir brauche keine netten, höflichen, fleißigen und niedlichen Manager, sondern welche die Entscheidungen treffen können und den Mum und die Fähigkeit haben diese durchzuziehen. Ich fand den Artikel auch gut, bis zu dem Punkt, als gefordert wurde, dass die Regeln geändert müssen, damit Frauen in den Chef-Etagen kommen.
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Zur Person
  • Constanze Wild
    Sabine Asgodom (Jahrgang 1954) ist Management-Trainerin, Buchautorin und Vortragsreisende. Sie arbeitete beim Frauenmagazin "Cosmopolitan", bevor sie sich 1999 selbständig machte. Als Coach beschäftigt sich vor allem mit Selbstvermarktung und Motivation; außerdem kämpft sie gegen den Diätwahn.
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Männer oder Frauen als Vorgesetzte? Erstaunlichen 57 Prozent der Arbeitnehmer ist das egal. Von den übrigen 43 Prozent würden sich gut drei Viertel für einen Mann entscheiden. Das zeigt zumindest eine Umfrage des Demoskopie-Instituts Allensbach. Für die Studie "Kommunikationsstile und -welten von Männer und Frauen" wurden 1852 Menschen befragt.
Männer und Frauen - die Führungsstile
46 Prozent der Befragten sehen deutliche Unterschiede im Führungsstil. Von ihnen beschreiben 26 Prozent Frauen als einfühlsamer und sensibler, insgesamt also als emotionaler. Kritik kommt auch von den eigenen Geschlechtsgenossinnen: 15 Prozent der befragten Frauen, die sich negativ über Chefínnen äußerten, geben an, dass weibliche Vorgesetzte konkurrenzorientierter auftreten; 12 Prozent beschreiben sie als dominanter und härter als Männer. Von denen wiederum sagen 9 Prozent, dass Frauen an der Spitze glaubten, "sich immer behaupten zu müssen".
Lob und Tadel
Insgesamt halten sich die Vor- und Nachteile im Chef-Gebaren die Waage. Frauen punkten vor allem beim Gespräch: Sie gelten als verständnisvoll, haben häufiger ein offenes Ohr für Probleme und sind großzügiger mit Lob und Anerkennung. Die Hälfte der Befragten sieht es als besondere Stärke, dass weibliche Vorgesetzte auch über ihr Privatleben sprechen. Männliche Vorgesetzte treten hingegen bevorzugt sachlich und bestimmend auf, dulden seltener Widerspruch. Insgesamt sieht die Studie allerdings nur recht geringe Unterschiede in den Urteilen von Mitarbeitern über männliche und weibliche Bosse.
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