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Frauenmangel in Führungsetagen "Man braucht keinen Bart, um Rasierer zu verkaufen"

Damen ohne Bart: Frauen fehlt es nicht an Qualifikation für männertypische Berufe Zur Großansicht
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Damen ohne Bart: Frauen fehlt es nicht an Qualifikation für männertypische Berufe

Ein Appell hier, ein Versprechen dort: Die Frauenförderung in Deutschlands 75 größten Unternehmen ist halbherzig und darum erfolglos. Laut einer Umfrage des Juristinnenbundes wissen Firmen oft nicht einmal, wie viele Frauen sie gern im Vorstand hätten.

Der Deutsche Juristinnenbund hat den 75 wichtigsten börsennotierten Unternehmen Deutschlands ein vernichtendes Zeugnis ausgestellt. Trotz aller Appelle, Richtlinien und Selbstverpflichtungen sei der Anteil weiblicher Führungskräfte gerade in Vorständen nach wie vor inakzeptabel niedrig.

Das ist das Fazit einer Umfrage auf den diesjährigen Hauptversammlungen von 75 börsennotierten Unternehmen. Darunter waren alle 30 Konzerne vertreten, die im Leitindex Dax geführt werden, sowie 45 Unternehmen aus dem MDax und TecDax, der kleinere und mittlere Aktiengesellschaften umfasst.

Positiv würdigte Ramona Pisal, die Präsidentin des Juristinnenbundes, dass die meisten Unternehmen gewisse Zielsetzungen für ihre Aufsichtsräte formulierten. So soll der Frauenanteil in den kommenden zwei Wahlperioden im Schnitt auf bis zu 30 Prozent erhöht werden. Anders sieht es der Studie nach bei den Plänen für die Vorstände aus: Der Frauenanteil stagniere bei drei Prozent, der Wille zur Besserung tendiere gegen Null.

Wünschenswert: 40 Prozent in allen Führungsetagen

45 Prozent der Dax-Konzerne und 13 Prozent der im MDax- und TecDax-Firmen gaben lediglich ganz allgemein an, in welcher Größenordnung der Anteil weiblicher Führungskräfte in den nächsten beiden Wahlperioden steigen soll. Aus Sicht von Pisal sind das keine angemessenen Ziele. Der Juristinnenbund fordert seit 2007 eine Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten und Vorständen.

Das Argument vieler Quoten-Kritiker, Frauen fehle oftmals die nötige Qualifikation für männertypische Berufe, lässt Pisal nicht gelten. Bei der Präsentation der Zahlen sagte sie, auch Juristinnen und studierte Wirtschaftswissenschaftlerinnen könnten ein Maschinenbauunternehmen leiten: "Man muss keinen Bart haben, um Rasierklingen zu verkaufen."

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Rare Spezies: Karrierefrauen in Deutschland
Was Karriereprogramme speziell für Frauen betrifft, halten der Studie zufolge 60 Prozent der Dax-Konzerne ein Angebot bereit; bei den MDax- und TecDax-Unternehmen sind es nur 15 Prozent. Die restlichen Firmen hielten derlei Angebote für überflüssig, oft mit einem Verweis auf den Respekt vor gleichen Karrierechancen für Männer und Frauen.

Zur Kinderbetreuung nehmen sich Männer mit Führungsaufgabe laut Umfrage bis zu zwei Monate frei für ihr Baby. Frauen bleiben in der Regel drei Monate bis drei Jahre zu Hause. Angebote, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erleichtern sollen, bietet jedoch die Mehrheit der befragten Firmen.

Sarah Lena Grahn, dapd/mamk

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insgesamt 37 Beiträge
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1. Generationenfrage?
Tastenhengst 16.11.2011
Auf keinen fall darf die managerelite abwarten (https://bluthilde.wordpress.com/2011/03/08/mehr-weibliche-aufsichtsrattinnen/), bis weiblicher nachwuchs kommt, der mit kapitalistischen gedankengut verseucht ist. An studierten germanistinnen hingegen gibt es schon jetzt keinen mangel. Die können doch die unternehmen lenken!
2. Diese Frage...
poster 16.11.2011
Zitat von sysopEin Appell hier, ein Versprechen dort: Die Frauenförderung in Deutschlands 75 größten Unternehmen ist halbherzig und darum erfolglos. Laut einer Umfrage des Juristinnenbundes wissen Firmen oft nicht einmal, wie viele Frauen sie gern im Vorstand hätten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,798238,00.html
Diese Frage ist vor dem Hintergrund eines gleichberechtigten Wettbewerbs auch völlig irrelevant...
3. Selten so gelacht
klauspi 16.11.2011
Zitat von sysopEin Appell hier, ein Versprechen dort: Die Frauenförderung in Deutschlands 75 größten Unternehmen ist halbherzig und darum erfolglos. Laut einer Umfrage des Juristinnenbundes wissen Firmen oft nicht einmal, wie viele Frauen sie gern im Vorstand hätten. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/0,1518,798238,00.html
Mann soll eigentlich nur wissen, wieviel Frauen man gern im Vorstand hat. Qualität spielt also auch offiziell keine Rolle mehr. Meinen Dank an den JuristInnenbund! Hat mir wirklich meinen Feierabend versüsst, ansonsten schaue ich noch mal schnell im Kamasutra nach, welche perverse Stellung mit "Vorstand" gemeint ist, denn "Kopfstand" kenne ich schon.
4. Umgekehrt...
poster 16.11.2011
---Zitat--- "Man braucht keinen Bart, um Rasierer zu verkaufen" ---Zitatende--- Umgekehrt wissen das Schuhverkäufer, Hersteller von Damen-Hygiene- und Kosmetik-Artikeln sowie Konstruktuere von SUVs schon lange... ...also ist diese Erkenntnis wahrhaftig nichts neues.
5. Entspricht das etwa dem Grundgesetz,
Seifen 16.11.2011
wenn eine Frau bei gleicher Eignung einem, Mann vorgezogen wird? Mit Gleichstellung hat das nichts mehr zu tun. Im übrigen müssen sich endlich die Politiker aus den Unternehmen zurück ziehen. Es gibt kaum welche, die ein Unternehmen von innen kennen. In ihrer Arroganz glauben sie, mitreden zu können.
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Männer oder Frauen als Vorgesetzte? Erstaunlichen 57 Prozent der Arbeitnehmer ist das egal. Von den übrigen 43 Prozent würden sich gut drei Viertel für einen Mann entscheiden. Das zeigt zumindest eine Umfrage des Demoskopie-Instituts Allensbach. Für die Studie "Kommunikationsstile und -welten von Männer und Frauen" wurden 1852 Menschen befragt.
Männer und Frauen - die Führungsstile
46 Prozent der Befragten sehen deutliche Unterschiede im Führungsstil. Von ihnen beschreiben 26 Prozent Frauen als einfühlsamer und sensibler, insgesamt also als emotionaler. Kritik kommt auch von den eigenen Geschlechtsgenossinnen: 15 Prozent der befragten Frauen, die sich negativ über Chefínnen äußerten, geben an, dass weibliche Vorgesetzte konkurrenzorientierter auftreten; 12 Prozent beschreiben sie als dominanter und härter als Männer. Von denen wiederum sagen 9 Prozent, dass Frauen an der Spitze glaubten, "sich immer behaupten zu müssen".
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Insgesamt halten sich die Vor- und Nachteile im Chef-Gebaren die Waage. Frauen punkten vor allem beim Gespräch: Sie gelten als verständnisvoll, haben häufiger ein offenes Ohr für Probleme und sind großzügiger mit Lob und Anerkennung. Die Hälfte der Befragten sieht es als besondere Stärke, dass weibliche Vorgesetzte auch über ihr Privatleben sprechen. Männliche Vorgesetzte treten hingegen bevorzugt sachlich und bestimmend auf, dulden seltener Widerspruch. Insgesamt sieht die Studie allerdings nur recht geringe Unterschiede in den Urteilen von Mitarbeitern über männliche und weibliche Bosse.

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