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Frauenquote Jetzt wird zurückdiskriminiert

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Corbis

Geschlechterkampf in der Vorstandsetage: Die Spielräume für Männer werden enger

2. Teil: Noch sind Frauen aufs Gedöns-Ressort abonniert

Wird jetzt also zurückdiskriminiert? Aus der Perspektive von mehr als 2000 Jahren Benachteiligung der Frauen wäre dies durchaus zu verschmerzen. Doch geht es ums eigene Fortkommen, dürfte es vielen Managern am Sinn für historische Blickwinkel mangeln. Demotivation und Abwanderung männlicher Leistungsträger wären die Folge. Den Konzernen droht, wenn sie nicht gegensteuern, ein Kampf der Geschlechter.

Dabei sind sich über das Ziel alle einig. Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen, viel mehr. Beispiel Vorstände und Aufsichtsräte börsennotierter Unternehmen: Trotz jahrelanger Debatte ist der Anteil der Frauen dort EU-weit seit Ende 2010 gerade einmal von 12 auf 14 Prozent gestiegen. Dabei, sagt die Betriebswirtin und Genderforscherin Gudrun Sander von der Uni St. Gallen, "zeigen verschiedenste Studien, dass gemischte Teams produktiver und kreativer arbeiten".

Doch über den Weg zum Erfolg wird heftig gestritten: EU-Kommissarin Viviane Reding und Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen wollen eine gesetzliche Quote für Vorstände und Aufsichtsräte. Reding hat angekündigt, im Herbst einen Gesetzentwurf mit der Zielmarke von 40 Prozent in Aufsichtsräten bis 2020 vorzulegen. Von der Leyens Parteifreundin Kristina Schröder dagegen setzt auf die freiwillige "Flexi-Quote" der Unternehmen, ein Gesetz dazu scheiterte bislang an der FDP.

Je visibler die Position, desto höher der Druck

Die Wirtschaft wiederum präsentierte auf dem letzten Gipfel der Dax-Personalchefs mit den beiden Ministerinnen im Sommer äußerst magere Fortschritte - will sich aber trotzdem von der Regierung am liebsten gar nicht hineinreden lassen und bringt deshalb nicht nur publikumswirksam Vorstandsfrauen in Stellung, sondern hat sich im vergangenen Jahr auch selbst Zielvorgaben verpasst, um der Politik den Wind aus den Segeln zu nehmen.

Es gilt: Je prominenter die Position, die es zu besetzen gilt, desto höher der Druck, sie zu verweiblichen. Von "Besetzungshysterie" ist die Rede, Manager nölen über "gefällige Abkürzungen für Frauen". Das Problem, klagen Berater im Schutz der Anonymität: Der Pool an Frauen, die für bestimmte Level, Aufsichtsratsmandate etwa, infrage kommen, ist überschaubar. Bis zu einer Senioritätsstufe von zehn Jahren sei alles gut, weiter oben wird's eng. "Da wird dann eher nach Öffentlichkeitswirkung als nach Sinn oder Werdegang entschieden", sagt ein Headhunter. "Was da abläuft, ist oft irrational und ärgerlich."

Bei mancher Berufung hoben sich Augenbrauen

Bei mancher Berufung in jüngerer Zeit hoben sich Augenbrauen. Über Simone Menne etwa, die als CFO in den Lufthansa-Vorstand einzog, hieß es zunächst, sie habe nicht genug Kapitalmarkterfahrung. Oder Regine Stachelhaus, seit gut zwei Jahren Eon-Personalvorstand: Zu wenig Expertise und Internationalität, lautete erst das Urteil.

Kommen jetzt, wie Kritiker befürchten, schlechter qualifizierte Frauen an die Spitze, weil es zu wenige Topdamen gibt? Unsinn, antwortet selbstbewusst Marion Schick, Seiteneinsteigerin im Telekom-Vorstandsressort Personal und vor Amtsantritt skeptisch betrachtet wegen mangelnder Börsen- und Dax-Erfahrung: "Eine Firma, die niedrigere Qualifikationen akzeptiert, würde an ihrer Basis sägen." Aber natürlich habe sich die Art der Qualifikation geändert, so Schick: "Das wurde auch höchste Zeit! Wir wollen doch unterschiedlichere Profile und mehr Querdenker. Es ist gut, dass wir auch die Personalberater endlich mehr fordern."

Tatsächlich demonstriert das Gros der neuen Vorstandsfrauen ja, dass man kein Y-Chromosom braucht, um ganz oben mitspielen zu können: Elke Strathmann etwa, Personalvorstand bei Conti, gilt als Topbesetzung ebenso wie Elke Eller, demnächst im Vorstand von VW Nutzfahrzeuge, oder Milagros Caiña Carreiro-Andree, die bei BMW das Personalressort leitet - nachdem Großaktionärin Susanne Klatten persönlich auf mehr Frauen im Vorstand gedrängt hatte.

Frau Personalvorsand - ein Feigenblatt?

Und doch stieben gerade bei der Personalfunktion die Funken im Geschlechterkampf besonders heftig. Oft noch als "Gedöns"-Ressort im Sinne von Altkanzler Gerhard Schröder belächelt, muss der Posten nicht selten herhalten, wenn erstens dringend eine Frau in den Vorstand muss, man aber zweitens - leider, leider - gerade keinen Platz in einem der "harten" Bereiche frei hat. Diese Denke, schimpft ein hochrangiger Personalchef, "ist weder dazu angetan, das Standing des Personalressorts zu stärken noch die Sache der Frauen zu fördern".

Stattdessen verkomme die Position zum Feigenblattposten - während sich gleichzeitig brisante Monokulturen bilden: Hier die Diversitytechnisch gut aufgestellten Bereiche Personal, Recht, vielleicht noch Marketing - dort die Herrenfestungen Finanzen, Entwicklung und Vertrieb, wo sich die letzten Machos um ihre Motoren und Excel-Tabellen scharen.

Unwahrscheinlich, dass sich daran auf absehbare Zeit etwas ändert. Beispiel Bayer: Der Vertrag des jetzigen Personalvorstands Richard Pott läuft 2013 aus, CEO Marijn Dekkers hat mehrfach erklärt, er wolle mehr Frauen im Vorstand. Als Kandidatin für die Nachfolge wurde immer wieder Sandra Peterson gehandelt, doch die Leiterin des Teilkonzerns Crop Science wechselt Ende November zu Johnson & Johnson.

Dennoch: Für Männer wie Ralf Bente, 47, sind solche Konstellationen ein Problem. Mit MBA, diversen Auslandsstationen, Leitung einer Geschäftseinheit und zuletzt Personalchef eines großen Familienunternehmens wäre der Betriebswirt in weniger rosaroten Zeiten auf nahezu jeder Shortshort-List für Personalvorstandsbesetzungen im Dax zu finden. Eigentlich war dieser Schritt auch fest eingeplant. "Aber mittlerweile würde mir wohl nur noch eine Geschlechtsumwandlung helfen", sagt Bente bitter, der seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung sehen möchte.

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insgesamt 263 Beiträge
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1.
ralph.behr 13.11.2012
Zitat von sysopCorbisFrauenquoten, wohin man auch blickt - aber was wird aus den Männern? Sie fürchten um ihre Karrieren, wenn tatsächlich so viele Frauen auf Führungsposten gelangen, wie die Unternehmen versprechen. Der Wirtschaft droht ein Kampf der Geschlechter. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/frauenquote-kampf-der-geschlechter-um-spitzenpositionen-a-863612.html
Man sollte mal wieder auf folgendes hinweisen: Es gibt zu wenige Frauen die etwas technisches studieren. Bei einem Frauenanteil von nichtmal 20% in einigen technischen Fächern wird es schwierig eine Frauenanteil von 50% im Beruf zu erreichen (und erst dann macht es auch Sinn 50% Frauen in der Führung der entsprechenden Bereiche zu haben). Aber solche Details kann man sich ja mal ruhig sparen.
2. Tja
Leser161 13.11.2012
Wenn jemand wegen Geschlecht statt Qualifikation einen Job bekommt oder nicht bekommt, ist das a) Diskrimierung b) Schlecht für das unternehmen, dass diskrimiertes statt qualifiziertes Personal besitzt. Von daher, dass wird sich schon von selbst regeln.
3. Es gibt kein Geschlechterkampf
!!!Fovea!!! 13.11.2012
Zitat von sysopCorbisFrauenquoten, wohin man auch blickt - aber was wird aus den Männern? Sie fürchten um ihre Karrieren, wenn tatsächlich so viele Frauen auf Führungsposten gelangen, wie die Unternehmen versprechen. Der Wirtschaft droht ein Kampf der Geschlechter. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/frauenquote-kampf-der-geschlechter-um-spitzenpositionen-a-863612.html
Nein, es droht erst ein Geschlechterkampf wenn Frauen Straßenfegerinnen, Müllfrauen, Mauererinnen u. v. m. werden. Vorerst ist es ein weitere Akt des typischen Feminismusses, sich nur "die Rosinen herauszupicken". Gleichstellung muss überall erfolgen, nicht nur in Spitzenpositionen. Leider habe ich bisher noch nie einen Frauentreat gelesen, der sich auch für minderqualifizierte Frauen in den o. g. Berufen einsetzt. Aber da ist es sicherlich leichter, Mutti zu werden und sich von einem treusorgendem Ehemann unterstützen zu lassen.
4.
!!!Fovea!!! 13.11.2012
Zitat von Leser161Wenn jemand wegen Geschlecht statt Qualifikation einen Job bekommt oder nicht bekommt, ist das a) Diskrimierung b) Schlecht für das unternehmen, dass diskrimiertes statt qualifiziertes Personal besitzt. Von daher, dass wird sich schon von selbst regeln.
Frauen wollen mit Männern gleichziehen?! Gut, was macht Frau, wenn Mann sich einer Geschlechtsumwandlung unterzieht, kriegt er dann dennoch den Posten?
5. woher
eigene_meinung 13.11.2012
Wo sollen denn die vielen qualifizierten Vorstandsfrauen herkommen, wenn in einer Firma 90% der Beschäftigten Männer sind (und zwar nicht, weil diese bevorzugt werden, sondern weil Frauen - aus welchen Gründen auch immer - nur selten ein Ingenieurstudium aufnehmen? Soll der Vorstand eines Technikunternehmens irgendwann nur noch aus BWLerinnnen und Marketingerinnen etc. bestehen?
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Männer und Frauen - die Führungsstile
46 Prozent der Befragten sehen deutliche Unterschiede im Führungsstil. Von ihnen beschreiben 26 Prozent Frauen als einfühlsamer und sensibler, insgesamt also als emotionaler. Kritik kommt auch von den eigenen Geschlechtsgenossinnen: 15 Prozent der befragten Frauen, die sich negativ über Chefínnen äußerten, geben an, dass weibliche Vorgesetzte konkurrenzorientierter auftreten; 12 Prozent beschreiben sie als dominanter und härter als Männer. Von denen wiederum sagen 9 Prozent, dass Frauen an der Spitze glaubten, "sich immer behaupten zu müssen".
Lob und Tadel
Insgesamt halten sich die Vor- und Nachteile im Chef-Gebaren die Waage. Frauen punkten vor allem beim Gespräch: Sie gelten als verständnisvoll, haben häufiger ein offenes Ohr für Probleme und sind großzügiger mit Lob und Anerkennung. Die Hälfte der Befragten sieht es als besondere Stärke, dass weibliche Vorgesetzte auch über ihr Privatleben sprechen. Männliche Vorgesetzte treten hingegen bevorzugt sachlich und bestimmend auf, dulden seltener Widerspruch. Insgesamt sieht die Studie allerdings nur recht geringe Unterschiede in den Urteilen von Mitarbeitern über männliche und weibliche Bosse.

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