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Frauenquote "Wir stellen andere Fragen als Männer"

In den größten deutschen Unternehmen soll ab 2016 jeder dritte Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt sein. Hier sagen Frauen zwischen 18 und 51 Jahren, was sie von der Frauenquote halten.

Adina Marie Herse, 18, Jurastudentin

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"Prinzipiell finde ich die Frauenquote gut. In manchen Branchen wird es aber bestimmt so sein, dass Männer mehr Ahnung haben und eine Frauenquote für den Betrieb nachteilig sein könnte. Wer den Job bekommt, sollte immer noch von der Qualifikation abhängig sein. Meistens ist es ja so, dass in den unteren und mittleren Rängen gleich viele Frauen und Männer sind und sich das erst in den höheren Positionen ändert. Wenn es so aussieht, als würden Frauen benachteiligt, sollte auch schon vorher eine Quote eingeführt werden, nicht erst im Aufsichtsrat. Ich würde später auch gerne in eine Spitzenposition und es auf dem Weg dahin nicht schwerer haben als Männer. Die Quote steigert zwar meine Chancen, aber ich habe immer darauf vertraut, dass ich mich durchsetze, weil ich gut bin."


Laura Döring, 21, Soziologiestudentin

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"Die Frauenquote hat Vor- und Nachteile. Wenn die Frauen sich mehr auf ihre Karriere konzentrieren, gibt es weniger Kinder. Wär natürlich schlecht für Deutschland, wenn kein Nachwuchs kommt, der die Rentenkassen füllt, aber eigentlich ist sie ja eine gute Sache, weil sie mehr Gleichberechtigung bedeutet. Andererseits würde ich mir auch Sorgen machen, dass ich meinen Job nur wegen der Quote bekommen habe. Ich weiß nicht, ob das so ein schönes Gefühl ist. Wenn, dann sollte es aber auch Quoten für Männer geben. In Medizin ist es nämlich häufig so, dass die Studiengänge so mit Frauen überlaufen sind, dass Männer keinen Platz mehr bekommen, weil sie schlechtere Abinoten haben. Das ist auch nicht gerecht."


Marie-Christine Ostermann, 36

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Frauke Schumann

"Ich finde eine Quote diskriminierend für beide Geschlechter. Für die Männer, weil jetzt Frauen bevorzugt werden und für Frauen, weil manchmal der Vorwurf kommen wird: Die hat den Job nicht wegen ihrer Leistung und Qualifikation. Ich bekomme das gelegentlich auch zu hören, da ich mit meinem Vater ein Familienunternehmen leite. Da sagen manche Leute dann: Du bist halt die Tochter. Dass ich in St. Gallen studiert habe mit einem sehr guten Abschluss, bei Aldi Süd Bereichsleiterin war ebenso wie Vorsitzende des Verbandes "Die jungen Unternehmer" , Aufsichtsrätin bin - also meine Leistung und Erfahrung, das spielt auf einmal keine Rolle mehr. Ich bin der Überzeugung, dass es viel mehr bringt, eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen zu schaffen, um ihnen eine Karriere zu ermöglichen - damit sie diese auch wirklich wollen. Eine Quote ist Schaufensterpolitik."

Marie-Christine Ostermann ist Unternehmerin und leitet gemeinsam mit ihrem Vater den Lebensmittelgroßhandel Rullko. Sie ist Aufsichtsrätin bei Fielmann und Landesschatzmeisterin der FDP in NRW.


Andrea Och, 46

"Die Quote ist nur ein Türöffner. Und sie reicht nicht aus, wenn wir nicht ernsthaft gewillt sind, unsere Unternehmens- und unsere Führungskulturen aufrichtig zu hinterfragen und zu verändern. Vorstände sind hierzulande männlich, 50, weiß - das schränkt die Vielfalt der Sichtweisen auf ein Problem zwangsläufig ein.

Wir stellen beispielsweise häufig ganz andere Fragen als Männer. Das ist notwendiger denn je, um auf die richtigen Antworten zu kommen. Und wir sind viel uneitler darin, die eigene Idee zugunsten einer anderen aufzugeben, wenn sie uns sinnvoller erscheint. Mal ganz abgesehen davon, dass wir es uns als Wissensgesellschaft schlichtweg nicht länger leisten können, auf 50 Prozent unseres Brainpools zu verzichten. Dies ist keine Frage nur für Eliten, sondern geht uns alle an. Natürlich kann niemand garantieren, dass es besser wird, wenn mehr Frauen gemeinsam mit Männern in Top-Positionen gestalten. Aber es muss anderes werden, damit es besser werden kann für uns alle. Das ist einfach gesunder Menschenverstand.

Ich bin der festen Überzeugung, wenn wir Frauen ernsthaft an der wirtschaftlichen Macht beteiligen, werden wir uns in Kürze wundern, warum wir dies nicht viel eher getan haben."

Andrea Och berät und trainiert Führungskräfte. Besonders Frauen macht sie "Lust auf Macht" mit ihrem gleichnamigen Buch.


Joanna Buksak, 20, Jurastudentin

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"Die Frauenquote muss sein, weil es wichtig ist, dass auch Frauen in Spitzenpositionen vertreten sind. Und wir wissen ja alle, dass das bis jetzt nicht der Fall war. Frauen haben heute nicht die gleichen Chancen. Deswegen bin ich auch für eine Frauenquote für Stellen unterhalb von Aufsichtsräten. Ich hab gerade erst mit dem Studium angefangen und weiß noch nicht, ob ich selbst in großen Unternehmen arbeiten will. Aber ich finde es wichtig, dass ich eine Chance hätte, wenn ich mich dafür entscheide. Wenn ich weiß, dass ich immer kämpfen und mehr leisten muss, nur weil ich eine Frau bin, dann ist das abschreckend."


Isabelle Hoyer, 36

"Ich hadere seit Jahren mit meinem Verhältnis zur Quote: Das Argument, niemand wolle gern als "Quotenfrau" nach oben kommen, höre ich sehr oft und ganz ehrlich: Dieses Label will wirklich keine Frau, die in ihre Qualifikation und ihren Aufstieg investiert hat. Freiwillig ändert sich jedoch an dem absurden Verhältnis von Männern und Frauen in Führungspositionen nichts. Status und Macht werden nicht einfach so abgegeben, weil die anderen nett fragen, ob sie auch mal dürfen.

Ich kann mich deshalb mit der Idee einer Quote als Instrument zum Aufbrechen von Strukturen anfreunden. Ich glaube, sie ist notwendig. Am besten gefällt mir allerdings, dass das Thema durch die Debatten und den Beschluss nun lebhaft diskutiert wird. Das bewirkt, dass sich Unternehmen mit dem Thema auseinandersetzen müssen, dass Lösungen her müssen. So wird sich hoffentlich etwas verändern. Wie von einigen allerdings der Untergang der deutschen Volkswirtschaft herbei fantasiert wird - wegen eines Gesetzes, dass unterm Strich nicht mal 300 Positionen in ganz Deutschland betrifft - das ist schier zum Totlachen."

Isabelle Hoyer ist Gründerin und Managing Director von PANDA, einem Netzwerk zur Frauenförderung


Pamela Stenzel (51)

"Ich freue mich über die Entscheidung. Die Quote erzeugt jetzt Druck, nicht nur im immer gleichen Umfeld nach geeigneten Kandidaten zu suchen. In Deutschland muss ein Umdenken stattfinden, vor allem was die Besetzung von Vorständen und Aufsichtsräten angeht: Wir müssen offener werden. Die Firmen im Ausland sind da schon wesentlich weiter. Es müssen nicht immer nur Juristen, Ingenieure oder Wirtschaftsprüfer sein, die ein Unternehmen kontrollieren. In den Bereichen Innovation oder Personal können Menschen mit den unterschiedlichsten Fachrichtungen Verantwortung übernehmen. Erbsenzähler entwickeln keine Strategien für die Zukunft!

Wenn wir diesen weiten Blick endlich lernen, stellt sich die Frage nicht mehr, woher denn die Frauen für die Aufsichtsräte kommen sollen. Denn die Blöße, Stühle leer zu lassen, nur weil ein Unternehmen angeblich keine geeigneten Frauen findet - die wird sich keiner geben!"

Pamela Stenzel ist Juristin in Berlin mit deutsch-französischem Hintergrund. Sie ist selbst Mitglied eines Aufsichtsrats und berät international besetzte Aufsichtsräte und moderiert deren Sitzungen.


Jenny Voth, 31, Promotionsstudentin Psychologie

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"Die Frauenquote kann helfen, dass sich Frauen in Aufsichtsräten etablieren und motiviert werden in Führungspositionen aufzusteigen. Aber auch schon auf dem Weg dahin, sollten sie gefördert werden, wie es etwa bei uns an der Uni passiert. Dort steht in Stellenausschreibungen für Promotionsstudenten oft, dass Frauen bevorzugt werden. Bei den Promotionsstudenten sind Männer und Frauen deswegen noch gleich auf, Professoren sind aber meistens immer noch Männer. Auch mit Frauenquote haben die Frauen sich ihren Job selbst verdient. Die Leistungen müssen ja bei allen Bewerbern gleich sein, erst dann wird die Frau bevorzugt. Ich selbst will auch in eine Führungsposition an der Uni. Viele Frauen hören ja auf, die Karriereleiter aufzusteigen, wenn sie Kinder kriegen. Ich möchte aber so viel Karriere machen wie möglich, auch mit Kindern. Gäbe es auch eine Quote bei Professorenstellen würde mich das noch mehr ermutigen."

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 65 Beiträge
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1.
balmy_matrix 26.11.2014
Ich will ja jetzt wirklich nicht nerven, aber hat das ein Grund, dass ihr nur Frauen befragt habt? Befragt ihr auch Greenpeace-Aktivisten über ein verabschiedete Gesetz zur Abschaltung aller Kernkraftwerke? Das soll wirklich nicht despektierlich sein, aber der Nachrichtenwert ist hier Null. Stimmungsmache?
2. Juhu
beyman 26.11.2014
Der 127. Artikel zum Thema Frauenquote. Und schön, dass da auch nur das Geschlecht kommt, das davon profitiert.
3. Keiner der Damen
StFreitag 26.11.2014
fällt es auf, daß diese Quote einen Eingriff in Privatbesitz darstellt, nämlich den der Aktionäre.
4.
unumvir 26.11.2014
Die meisten der Beiträge zeigen, wie wenig die jungen Frauen von den Realitäten des Geschäftslebens verstehen. Woher sollten sie auch. Die Realität hingegen lehrt, dass Frauen überall dort, wo sie tatsächlich an die Schalthebel der Macht gelangen, weder nennenswert anders agieren als Männer in vergleichbarer Position, noch nennenswert erfolgreicher.
5. Das kann nur der Anfang sein ...
karlbe 26.11.2014
Es fehlt die Männerquote bei Krankenschwestern, bei Grundschullherern, bei Erziehern, es fehlt eine Rentnerquote bei der Müllabfuhr, eine Ausländerquote bei öffentlichen Angestellten und eine Schülerquote in allen Bereichen der öffentlichen Verwaltung. Meiner Meinung nach sollte überhaupt niemand mehr nach Können oder Leistungsvermögen eingesetzt werden, sondern nur noch nach einer vom Gestzgeber festgesetzten Quote. Ich bin außerdem der Meinung, das der Gesetzgeber allmähöich anfangen sollte, das Wetter im SInne der Staatsbürger zu regeln. Wir werden nämlich erst alle glücklich sein, wenn der Staat jedes Detail so geregelt hat, dass sich keiner mehr gedanken über sein Leistungsvermögen oder seine Wünsche machen muss. Der Staat hat schließlich immer Recht.
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