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FuckUp Night in Berlin Bühne frei für Loser

Claudia Burger

Schon mal pleitegegangen? Super! Bei FuckUp Night erzählen Gründer, wie sie unternehmerisch gescheitert sind. Das dient manchen als Therapie - und bietet den Zuschauern amüsante Aha-Momente.

Schlecht gelaunt sehen sie nicht aus, obwohl es hier eigentlich um große Krisen geht. Rund 300 hip aussehende Zuschauer sind zur FuckUp Night in das Rainmaking Loft in Berlin-Mitte gekommen. Wo sonst Start-up-Aktivisten am großen Durchbruch drehen, erzählen heute Geschäftsleute und Selbstständige von ihren Niederlagen.

Eine von ihnen: Martina Leisten. Sie ist mit ihrer Bar Frollein Palisander in die Privatinsolvenz gerutscht. Das war vor über zehn Jahren. Doch an ihrem Scheitern hat sie immer noch zu knabbern.

Die Botschaft der FuckUp Night: Wer verliert, muss auch wieder gewinnen dürfen. Veranstalter Patrick Wagner war früher Manager bei den Musiklabels Kitty-Yo und Louisville Records. Er ist selbst pleitegegangen - und hat so manches am Standort Deutschland auszusetzen.

In mehr als hundert Städten weltweit gibt es mittlerweile FuckUp Night. Die Idee kommt ursprünglich aus Mexiko, daraus haben sich Veranstaltungsreihen entwickelt - das "Franchise"-Konzept scheint einen Nerv zu treffen. Aber warum hören sich Leute in ihrer Freizeit die Geschichten von Verlierern an? Geht es um Schadenfreude?

Nicht nur Kleinunternehmer wie Martina, auch ehemalige Firmengründer aus den "Think Big"-Zeiten der New Economy erzählen ihre Geschichte. Maximilian Vogel zum Beispiel hatte um das Jahr 2000 die Firma Capitalism21 gegründet. Seine Geschäftsidee: Jeder, der an einem neu gegründeten Unternehmen mitarbeitet, bekommt auch Anteile in Form von Aktien. Die Euphorie von einst ist noch zu spüren - gemischt mit etwas Nostalgie.

FuckUp Night sind die extrovertierte Antwort auf die Anonymen Insolvenzer - einem vertraulichen Treffen von Gescheiterten; auch das gibt es mittlerweile in ganz Deutschland. Die Veranstalter wollen eine neue Kultur des Scheiterns etablieren.

Ein weitere Lehre der Berliner "FuckUp-Night": Erfolg definiert sich nicht immer über Geld. Die zweifache Mutter Sarah Seeliger hatte mit ihrem Mann Julius im Jahr 2011 das Kinderkleider-Start-up Kirondo gegründet, damals noch Njunju. Nach Differenzen mit dem Führungsteam verließen beide das eigene Unternehmen. Unfreiwillig.

Beim Happy End des Abends wirken die Zuschauer irgendwie beseelt. Es geht also - gründen, scheitern, weitermachen. Mitnehmen kann jeder: Stromlinienförmige Karrieren sind nur für Loser.

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