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Fußballerinnen Die Karriere nach der Karriere

Psychologinnen und Polizistinnen: So geht's weiter für die Kicker-Damen Fotos
dapd

Was machen eigentlich die Europameisterinnen, die der DFB 1989 mit geblümtem Porzellangeschirr verwöhnte? Die meisten Spieler arbeiten nach ihrer Profi-Zeit weiter im Sport. Die meisten Spielerinnen müssen sich einen Beruf fürs Leben danach erst suchen - der hat selten mit Fußball zu tun.

Die sportlichen Vorbilder, das Lieblingsessen und die heißeste Prominente, die sie gern kennenlernen würden, dazu Fragen nach dem besten Schulfach, dem Lieblingskinderbuch und dem schönsten Hörspiel: Das gehört zum Standardrepertoire der Fragebögen, die Fußballspieler regelmäßig ausfüllen. Diese Kurzprofile sind beliebt, man findet sie in Fan- und Stadionmagazinen oder auf den Homepages von Fußballvereinen.

Dazu gehört auch die Frage nach der beruflichen Zukunft - eine Karriere im Profisport endet oft mit Anfang, Mitte 30. Doch auf diese spannende Frage wissen die Spieler als Antwort meist nur eine Variation des fantasielosen Satzes: "Ich möchte dem Fußball erhalten bleiben."

Der Wunsch lässt sich erfüllen: In den Ligen eins bis vier, also überall dort, wo die Trainer Vollzeitstellen haben, arbeitet kaum ein Coach, der nicht früher selbst höherklassig gegen den Ball getreten hätte. Oft gilt das auch für die Managerpositionen. Und dann wären da noch Hunderte ehemaliger Profis, die im Scouting oder in einer der zahlreichen Berateragenturen unterkommen und sich um die Karriereplanung der aktiven Cracks kümmern.

Besser zweigleisig planen

Soweit die Lage im Herrenfußball. Ganz anders ist sieht es bei den Damen aus, wie die Berliner Kulturwissenschaftlerin Tatjana Eggeling weiß: "Selbst die besten Bundesligaspielerinnen können oft vom Fußball allein nicht leben, geschweige denn sich etwas für die Zeit danach zurücklegen." Doch immerhin bessere sich bei den reicheren Clubs die Lage allmählich. "Wenn, wie beim FFC Frankfurt, eine Großbank einsteigt, werden auch Jobs geschaffen. Dann arbeitet vielleicht eine Physiotherapeutin eben hauptberuflich und nicht ehrenamtlich wie sonst so oft."

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Frauenfußball: Deutschlands Kickerinnen und ihr Plan B
Bei Birgit Bauer, Managerin des Bundesligisten SC Freiburg, hat sich auch in den vergangenen Wochen keine Bank gemeldet. Ihr Team besteht fast ausschließlich aus Studentinnen und Schülerinnen. "Bei uns schließt es sich nicht aus, dass man gut Fußball spielt und trotzdem etwas in der Birne hat", sagt sie und lacht.

Wie fast überall in der Liga planen die meisten Spielerinnen auch in Freiburg zweigleisig. Ziel ist es, erfolgreich zu kicken, so lange es geht. Parallel dazu lassen sie sich gut ausbilden für die Zeit danach, in der sie zumeist in einem völlig anderen Bereich arbeiten.

Ein paar Jahre ganz auf den Fußball konzentrieren

So wie Petra Landers, die 1989 bei der ersten EM-Teilnahme einer deutschen Frauenauswahl den Titel holte und vom DFB zum Dank das mittlerweile legendäre Kaffee- und Tafelservice "Mariposa" geschenkt bekam, womit sich der Verband zum Gespött machte. Landers führt heute in Bochum eine Druckerei. Silke Rottenberg, Welttorhüterin des Jahres 20003 und 126-fache Nationalspielerin, wirkte nach dem Karriereende bei der Sporthochschule der Bundeswehr im westfälischen Warendorf, wo sie erst am 18. Juni 2011 ausschied. Sandra Smisek beendete ihre Länderspielkarriere nach 133 Einsätzen und schiebt heute als Kommissarin bei der Frankfurter Polizei Dienst.

Für viele Spielerinnen - das unterscheidet sie von der Mehrheit ihrer männlichen Kollegen - ist der Fußball nicht die Achse, um die sich ihre Welt ein Leben lang drehen muss. Birgit Prinz, erfolgreichste Spielerin der letzten Dekade, hat soeben ein Psychologiestudium abgeschlossen und will es nach dem Karriereende als Basis für den nächsten Lebensabschnitt nutzen. Auch andere Stars dürften kaum in eine Sinnkrise stürzen, wenn das letzte Spiel den Abschied von der Liga bedeutet. Celia Okoyino da Mbabi studiert Kulturwissenschaften, Saskia Bartusiak hat ihr Studium der Sportwissenschaften mit der Note 1,6 abgeschlossen. Und Kerstin Garefrekes, eine Controllerin mit Hochschulabschluss, legt besonders großen Wert darauf, dass sie nicht von Berufs wegen Fußballerin ist.

Doch selbst wenn viele Spielerinnen aus der Not eine Tugend machen und sich wohl in der zuweilen autistischen Männer-Liga nicht wohlfühlen würden - für die Branche bleibt die Not eine Not. Nur zu gern würde beispielsweise Birgit Bauer ein paar Ex-Spielerinnen hauptamtlich einbinden. Immerhin: Seit der Frauenfußball einen - wenn auch kleinen - Aufschwung genommen hat, können sich auch in ganz normalen Bundesligakadern immer mehr Frauen ein paar Jahre lang ganz und gar auf die Fußballkarriere konzentrieren.

Frauenfußball ist selten ein Arbeitgeber

Bauer hofft, dass der Trend nach der WM noch ein wenig Fahrt aufnimmt. Denn bislang können erfahrene Spielerinnen ihr Knowhow in aller Regel nicht hauptberuflich weitergeben. Auch Birgit Bauer geht, wie viele ihrer Managerkolleginnen, nebenher einem Brotberuf nach, während ihre Kollegen in der Männer-Bundesliga fünfstellige Monatsgehälter einstreichen.

Hauptamtliche Jugendtrainerinnen? Physiotherapeutinnen? Beraterinnen? So gut wie nicht vorhanden. Als Arbeitgeber scheidet der Frauenfußball weitgehend aus, sieht man einmal vom Deutschen Fußball-Bund ab. Dort kam neben Bundestrainerin Silvia Neid auch Doris Fitschen (Team-Managerin) unter, zudem auch Steffi Jones (WM-Organisationschefin), Renate Lingor (für Schulfußball zuständig), Maren Meinert (Trainerin der U19 und U20) und Ehrenspielführerin Martina Wiegmann (Trainerin U15). Silke Rottenberg wird im Sommer ebenfalls im DFB anfangen.

Wird es im Frauenfußball schon dünn, finden Frauen im Männerfußball erst recht keinen Platz. Bibiana Steinhaus wurde und wird als erste Schiedrichterin im Profifußball bestaunt; der Italienerin Carolina Morace gelang 1999 sogar eine Sensation: Sie trainierte 1999 ein Männerprofiteam - allerdings nur wenige Wochen, bis sie sich mit dem Clubpräsidenten des Drittligisten Viterbese Calcio überwarf. Heute ist Morace Trainerin des deutschen Vorrundengegners Kanada. Selbst bei der WM werden aber nur sechs der 16 Teams von Frauen trainiert.

In der Frauen-Bundesliga sieht es ähnlich aus: Zu Beginn der vergangenen Saison besetzten Männer neun von zwölf Cheftrainer-Posten. Die Dinge entwickeln sich langsam - immerhin ist Fußball inzwischen der Lebensmittelpunkt vieler junger Spielerinnen. Und sie können trotzdem ihre Miete bezahlen. Selbst das wäre mancherorts vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen.

Autor Christoph Ruf lebt mit seiner Familie in Karlsruhe, hat ein großes Herz für diverse kleine Vereine und treibt sich gern auch in unterklassigen Ligen herum.

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insgesamt 2 Beiträge
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1. Mein Mitleid hält sich in Grenzen
meine_ansicht 05.07.2011
Es gibt so viele Sportler in diesem Land bei denen ihr Sport trotz Spitzen- oder sogar Weltniveau nicht viel mehr als ein Taschengeld einbringt. Selbst Fußballerinnen kommen da sicher noch gut weg. Was in diesem Artikel beschrieben wird ist (leider) ein normales Phänomen in Randsportarten, wozu in Deutschland außer (Männer-)Fußball ja (leider, leider) fast alles zählt.
2. .
hfftl 05.07.2011
Die Männer haben rund 80 Jahre gebraucht, um als Fußballer Spitzengehälter zu verdienen. Da haben also die Damen noch 40 Jahre vor sich.
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