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70 Jahre Kugelschreiber Happy Birthday, lieber Kuli

Neongelber Schweiz-Import: Der Lieblingskuli der Autorin Zur Großansicht
Anne Haeming

Neongelber Schweiz-Import: Der Lieblingskuli der Autorin

Immer, wenn wir einen brauchen, ist er weg. Als Büro-Utensil werden Kugelschreiber weithin unterschätzt. Dabei können sie so viel mehr als Bleistifte, Faserschreiber oder diese angeberischen Füller - höchste Zeit für eine Liebeserklärung an ein unauffälliges Genie.

Lieber Kuli,

oder zur Feier des Tages mal mit vollen Namen: lieber Kugelschreiber! Alles Gute zum 70. Geburtstag, auf dass immer genug Tinte in Deiner Mine ist - oder was immer man in so einem Fall wünscht. Nicht auszudenken, wenn László Biró Dich nicht zum Patent angemeldet hätte, damals im April 1938. Wenige Monate später musste Dein Erfinder vor den Nationalsozialisten fliehen, und fast wäre Deine Karriere vorbei gewesen, bevor sie überhaupt begonnen hatte. Doch am 10. Juni 1943 erneuerte Biró Dein Patent in Argentinien, und Dein Siegeszug begann.

Ja, zugegeben, einen Brief an Dich zu tippen ist etwas absurd. Und ganz schön fies, denn Computer machen Dir ja irgendwie den Markt kaputt. Ich verstehe, dass das schmerzt. Auch mich - meine einst ansehnliche Handschrift ist mittlerweile zur Sauklaue mutiert, weil ich nicht oft genug mit Dir schreibe. Die Kritzeleien bei öden Konferenzen oder noch öderen Telefongesprächen nicht mitgezählt.

Dabei weißt Du genau, wie das ist: Schließlich bist Du selbst Ergebnis einer evolutionären Schreibgeräte-Verdrängung. Dein Erfinder, der Ungar Biró, war Journalist, und es nervte ihn, dass er ständig den Füller mit Tinte auffüllen musste. Ihm war klar, dass er eine Alternative für Tinte finden musste, damit's richtig flutscht beim Schreiben. Daher das zähflüssige Zeug, für das es sogar speziellen Fleckenlöser braucht, wenn man sich mal wieder die Hemdtasche vollgesaut hat (Deckel verschlampt, Mine nicht reingeklickt, dumm ausgelaufen).

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Kritzelbilder: Ist das Kunst, oder kann das weg?
Auch wenn das jetzt etwas pathetisch klingt, es muss mal gesagt werden: Du baust Brücken! Überwindest Klassenschranken! Versöhnst Arm und Reich! Genug geschmonzt, Fakt ist: Selbst Unternehmensberater lassen ihren teuren Montblanc-Füllfederhalter zu Hause, wenn sie zum Meeting nach Kuala Lumpur fliegen. Denn Füller, diese Muttersöhnchen unter den Schreibgeräten, sind dem Druck im Flieger einfach nicht gewachsen. Kein Wunder, dass die britische Luftwaffe angeblich noch während des Krieges riesige Mengen von Dir orderte. Du funktionierst eben immer. Held, Du.

Für Dich werfen wir sogar unsere Vorurteile über Bord. Wenn Du richtig butterzart schreibst, nicht übers Papier kratzt, keine schmierige Ölspur hinterlässt, dann ist völlig wurscht, wie Du aussiehst. Du bist von innen schön.

13 Kugelschreiber besitzt jeder Deutsche im Schnitt. Ich habe mal schnell Inventur gemacht, Ergebnis: nicht wirklich Topmodel-verdächtig. Ein blauer Kugelschreiber mit Aufdruck "Frank Henkel. Gerade richtig. CDU" aus dem Berliner Landtagswahlkampf vor zwei Jahren, keine Ahnung, wie der in meinen Besitz kommt. Einen mit dem Käse-Logo "Leerdamer", den ich neulich in einer Bäckerei geliehen und versehentlich eingesteckt habe (Danke noch mal!). Ein Werbegeschenk aus einem Heilbad in Tschechien, was draufsteht, verstehe ich nicht. Und einen in Neongelb. Schweizer Fabrikat, gekauft, für 15 Euro. Das ist er auch wert und hat sogar eine eigene kleine Tasche, damit er sich ein wenig besonders fühlen darf. Und um Himmels Willen nicht verloren geht. Wehe, irgendwer gibt ihn mir nicht zurück!

Dass oft so leichtfertig mit Dir umgegangen wird, daran bist Du eigentlich selbst schuld: Du bist überall. Wenn man gerade keinen von Deinen Genossen zur Hand hat - irgendwer hat immer einen Kuli übrig. Meist ein Werbegeschenk. Oder einen, den man im Büro mitgenommen hat. Muss auch nicht das eigene sein. Zur Info: Das ist zwar streng genommen Diebstahl, aber wegen eines Kugelschreibers wird wohl im Ernst keiner gefeuert werden. Im Zweifel in der Schublade vom Chef nachschauen, da liegt sicher noch einer, den er sich mal von einer Kollegin geliehen hat.

Das klingt jetzt alles nach Eia-Popeia, aber: Es gibt auch Krieg unter den Kuli-Schreibern. Entweder man steht auf der richtigen oder der falschen Seite. Entweder man ist Team Blau oder Team Schwarz. Grautöne? Pah. Mir persönlich würde eher die Hand abfallen, bevor ich mit Schwarz schreibe. Da lerne ich lieber alles auswendig!

Zum Beispiel das englische Wort für Kugelschreiber: biro. Ja, richtig gelesen. Die wissen wenigstens, wie man Dir und Deinem Erfinder ordentlich Respekt zollt.

Ich kau jetzt mal auf Dir rum, damit die Kollegen die Finger von Dir lassen,

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Deine Schreiberin

  • KarriereSPIEGEL-Autorin Anne Haeming (Jahrgang 1978) ist freie Journalistin in Berlin.

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insgesamt 11 Beiträge
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1. Ist das der ganze Artikel?
hdudeck 10.06.2013
Irgentwie unfertig. Der Autor hat wohl die Lust verloren oder der Kugelschreiber hat gekleckst
2. Und nicht zu vergessen...:
fonkyfingers 10.06.2013
Ein Kugelschreiber kann Leben retten, denn er eignet sich sehr gut für eine Not-Koniotomie ("Luftröhrenschnitt").
3. Nicht
r-kr 10.06.2013
Und nein, es muss keineswegs ein Montblanc sein. Ist es nicht unendlich peinlich, wenn top gestylte Business-Leute, denen für ihr Outfit nichts zu edel und teuer scheint, in aller Öffentlichkeit einen schäbigen Werbekuli präsentieren? Viel schlimmer jedenfalls als ausgelatschte verdreckte Schuhe zum Armani :-)
4. Kugelschreiben auf Englisch
m.straesser 10.06.2013
Ich habe "ball-point pen" gelernt, kurz "pen". "Biro" gibt's, wird aber nicht verwendet.
5.
dachrinne 10.06.2013
Kein Mensch sagt in den USA oder UK "biro". Mag sein, dass Sie das im Wörterbuch gefunden haben... Es genügt übrigens den Füller beim Startvorgang aufrecht zu transportieren oder alternativ komplett zu füllen. Dann muss man sich auch im Flugzeug keinen Schreibkrampf holen. Denn für mehr als nur drei Wörter ist ein Füller haushoch überlegen.
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