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Gefeuerte Gleichstellungsbeauftragte "Für diesen Job braucht man eine Gebärmutter"

Sozialpädagogin Ebeling: "Männer dürfen diesen Job meist nicht machen" Zur Großansicht
Harald Ebeling

Sozialpädagogin Ebeling: "Männer dürfen diesen Job meist nicht machen"

Monika Ebeling ist streitbar. Ihren Job als Gleichstellungsbeauftragte in Goslar verlor die Sozialpädagogin, weil sie sich zu sehr für Männer einsetzte. Im Interview kritisiert sie einen Feminismus, den sie als verzopft, ideologisch, männerfeindlich beschreibt.

Im niedersächsischen Städtchen Goslar leitet Monika Ebeling einen Kindergarten und wurde 2008 zusätzlich Gleichstellungsbeauftragte. Im Mai dieses Jahres hat sie die Halbtagsstelle wieder verloren - mit erheblichem Getöse: Goslars Stadtrat berief Ebeling mit deutlicher Mehrheit ab. Gehen musste sie, weil sie sich in ihrer Arbeit nach Auffassung der Kritiker zu einseitig Männer-Belangen widmete, etwa geschiedenen Vätern, die ihre Kinder nicht sehen dürfen.

Schon länger hatte es Auseinandersetzungen zwischen Ebeling, 51, und Ratsmitgliedern gegeben. Sie gipfelten im "Tüten-Streit": Im Zuge einer Kinderschutzwoche sollte eine Botschaft auf Brötchentüten gedruckt werden. Der Vorschlag "Gewalt gegen Frauen und Kinder kommt nicht in die Tüte" schien der Gleichstellungsbeauftragten unausgewogen; der Slogan richte sich zu einseitig gegen Männer und Väter, wie auch ein Handbuch zu einer Ausstellung über häusliche Gewalt. Männer aber seien nicht immer nur Täter; es gebe auch männliche Opfer durch gewalttätige Übergriffe von Frauen.

KarriereSPIEGEL: Frau Ebeling, knapp drei Jahre lang waren Sie Gleichstellungbeauftragte einer Kommune. Wie wird man das?

Ebeling: Bei mir war es so, dass die Stelle schon zwei, drei Jahre vakant war und jemand gesucht wurde, der das in Teilzeit machen möchte. Dann bin ich angesprochen worden. Einheitliche Gehälter gibt es für Gleichstellungsbeauftragte nicht, auch keine einheitlichen Stellenanforderungen. Von der Verwaltungskraft bis zur promovierten Akademikerin kann da alles vertreten sein. Für diesen Job braucht man eine Gebärmutter, doch das allein sollte für die Tätigkeit eigentlich nicht ausreichen.

KarriereSPIEGEL: ...eine Gebärmutter?

Ebeling: Ja, es gibt nur ganz wenige - vielleicht zwei, drei - männliche Gleichstellungsbeauftragte in Deutschland. In Nordhorn in Niedersachsen hat sich mal ein Mann eingeklagt, ist dann aber beim Arbeitsgericht Erfurt gescheitert. Männer dürfen diesen Job meist nicht machen, eine solche Ungleichheit im Berufleben gibt es sonst nirgendwo.

KarriereSPIEGEL: Gibt es denn Klarheit über die Aufgaben?

Ebeling: Welche Schwerpunkte Gleichstellungsbeauftragte wählen, bleibt ihnen selbst überlassen. Ich habe mich für beide Geschlechter eingesetzt. Traditionell wird dieser Job so gesehen, dass es um die Gleichstellung der Frau im Hinblick auf die Besserstellung des Mannes geht: Man vermutet noch immer eine Geschlechterhierarchie wie vor 30 Jahren, macht also das männliche Prinzip zum Maßstab aller Dinge und will daran die Anliegen der Frauen ausrichten.

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KarriereSPIEGEL: Was ist daran falsch? Im Berufsleben verdienen Frauen im Schnitt weniger und erreichen weit seltener Führungspositionen, kurzum: Sie haben nicht die gleichen Chancen wie Männer.

Ebeling: Da argumentieren Sie zu kurz. Überwiegend haben wir Tarifverträge, und das Märchen von den 25 Prozent weniger Lohn hat das Statistische Bundesamt aufgelöst - weniger Wochenarbeitszeit, weniger Geld.

KarriereSPIEGEL: Wenn Sie das so sehen, finden Sie Frauenbeauftragte für den Bereich Beruf überflüssig?

Ebeling: Genau.

KarriereSPIEGEL: Sie haben also einen Job gemacht, den Sie eigentlich für sinnlos halten?

Ebeling: Damals habe ich das noch nicht so gesehen. Aber wenn Sie sich mal unter Gleichstellungsbeauftragten umhören, dann ist eigentlich Konsens: "Die rechtliche Gleichstellung von Mann und Frau ist erreicht. Rechtlich ist alles in Ordnung, wir sind auf einem Level." Nur, sagen dann die Frauen weiter, es gibt immer noch ganz, ganz viel zu tun.

KarriereSPIEGEL: Und Sie denken, dass die Gleichberechtigung in Deutschland abgeschlossen ist?

Ebeling: So würde ich das nicht sagen. Ich habe aber ein bisschen Angst, dass Frauen - wenn sie tatsächlich alle in Vollzeit arbeiten - im Wirtschaftsleben genauso ausgebeutet werden wie Männer. Und dann sehen auch die Frauen ihre Kinder kaum noch und sind allein für die Arbeit da.

KarriereSPIEGEL: Wären Sie lieber Männerbeauftragte gewesen?

Ebeling: Nein, es geht mir schon um beide Geschlechter. Jedoch gibt es auf beiden Seiten berechtigte Gleichstellungsinteressen. Väter etwa sind nach Scheidung und Trennung nicht gleichgestellt, wenn sie Umgang mit ihren Kindern haben wollen. Unverheiratete Männer stehen noch schlechter da, von rechtlicher Gleichstellung von Vater und Mutter kann da nicht die Rede sein. Auch die Bildungsmisere der Jungen ist ein Thema, das in den Bereich der Gleichstellung gehört.

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Wir müssen mal reden. Über Männer und Frauen. Im Beruf treffen sie sich täglich. Weltliteratur, Lebens- und Büroerfahrung zeigen: Das kann Probleme geben. Erste Hilfe leistet, sauber nach Geschlecht getrennt, das Kommunikationsquiz -: was Frauen sagen, wie Männer es deuten und umgekehrt. mehr
KarriereSPIEGEL: Sie stellen auch Frauenhäuser in Frage. Warum?

Ebeling: In Goslar musste man sehen, dass das Frauenhaus nicht wirtschaftlich lief und konzeptionell hätte weiterentwickelt werden können. Ein gutes Vorbild sind zum Beispiel die Oranje-Häuser in den Niederlanden. Sie sind etwas anders als unsere Frauenhäuser, kapseln sich nicht so ab. Dort wird mit der ganzen Familie gearbeitet, also auch mit den Männern, das sollte obligatorisch sein. Ich hätte außerdem nichts dagegen, wenn zumindest größere Gemeinden eine Gewaltschutzwohnung für Männer einrichten würden, wenn diese Opfer häuslicher Gewalt werden. Dann könnte man sich ein neutrales Bild machen, ob so etwas nachgefragt wird.

KarriereSPIEGEL: Die Arbeit deutscher Gleichstellungsbeauftragter beurteilen Sie als unzeitgemäß. Was hat Sie gestört?

Ebeling: Ich bin ja vom Alter nicht weit weg von denjenigen Frauen, die jetzt mit ihrem Gleichstellungsjob Silberhochzeit feiern, und jüngere Kolleginnen gibt es nur wenige. Diese Netzwerke empfinde ich als sehr ideologisch. Das ist alles sehr feministisch und frauenpolitisch ausgerichtet, geht oft ganz schnell in eine Männer verachtende Sicht hinein. Es gibt auch einen klaren Unterschied zwischen den Gleichstellungsbeauftragten in den neuen und den alten Bundesländern. Mir kommen die ostdeutschen Frauenbeauftragten ein bisschen flotter und dynamischer vor.

KarriereSPIEGEL: Was wäre Ihnen persönlich im Arbeitsleben wichtig?

Ebeling: Ich denke, beide müssten die Wahl haben, Mann und Frau, ob sie arbeiten oder sich um die Kinder kümmern wollen.

KarriereSPIEGEL: Können sie doch!

Ebeling: Das sehe ich nicht so. Unser Wirtschaftssystem hält für beide Geschlechter die gleichen Probleme bereit. Wir sollen alle verfügbar sein, und die Kinder gehen in die staatliche Betreuung.

KarriereSPIEGEL: Was schlagen Sie vor?

Ebeling: Es wäre sicher gut, wenn die Führungskräfte in den Unternehmen sensibler für die Probleme von Männern und Frauen werden. Hoffnung macht mir, dass es unter den Führungskräften - gerade bei den Untervierzigjährigen - schon rund 30 Prozent Frauen gibt. Und das ohne Quote. Wir müssen der Entwicklung Raum lassen. Es wird sich noch viel ändern.

privat
Das Interview führte KarriereSPIEGEL-Autorin Margarete Hucht (Jahrgang 1968), freie Journalistin in Berlin.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 175 Beiträge
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1. Goslar
ditor 19.08.2011
Die Ansichten der Frau erscheinen einem sehr vernünftig. Wenn sie ihre Arbeit so gemacht hat wie es das Interview vermuten lässt, dann wirft das ein ziemlich schlechtes, sogar peinliches Bild auf den Goslarer Stadtrat.
2. Diese Frau ist meine Heldin...
resetti gonada 19.08.2011
...weil sie den Mut hat, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und sich nicht von sexistischen RadikalistInnen unterkriegen lässt. Monika Ebeling bestätigt meine Ansicht, dass die selbsternannten BeschützerInnen des vermeintlich unterdrückten Geschlechts hauptsächlich ihre Subventions-Pfründe verteidigen. Zu deren Rechtfertigung bedarf es natürlich einen steten Strom bedürftiger Opfer. Wenn's die nicht gibt, muss frau sie eben erfinden. Ich fordere eine Quotenregelung für den Job des Gleichstellungsbeauftragten.
3. Hm
der_rookie 19.08.2011
Da muss aber mehr vorgefallen sein als im Artikel rüberkommt: Ich sehe es als notwendig an in Deutschland die Zahl der Frauen in vielen Berufsfeldern zu erhöhen. Eine Gleichstellungsbeauftragte die dies überhaupt nicht zu ihren Aufgaben zählt wundert mich. Gleichzeitig hat hier die Frau zurecht auch "Männerthemen" aufgegriffen. Eine Gemeinde die dies verhindern will wundert mich auch. Übrigens: Es gibt noch viel mehr Männerthmen die man im Rahmen von Gleichstellungsinitiativen einmal untersuchen könnte: - Wieso investieren wir in Deutschland massiv in Programme für die Frauengesundheit (z.B. Mamographie), aber nicht in analoges für Männergesundheit - obwohl doch die Lebenserwartung von Frauen und Männern viel höher als die der Männer ist. - Weshalb dürfen Lebensversicherungen die kürzere Lebenserwartung der Männern nicht mehr bei ihren Tarifen berücksichtigen (führte früher zu "Männerrabatten"), KFZ-Versicherungen dürfen aber weiter Frauenrabatte anbieten? -
4. FDP in Goslar
yandalin 19.08.2011
Vor allem wirft es ein schlechtes Licht auf die Goslarer FDP, konkret deren Fraktionschef Christian Rehse, dass Monika Ebeling wegen Interviews wie diesem jetzt auch noch ihren Job als Leiterin des Goslarer Kindergartens verlieren soll: http://www.goslarsche.de/Home/harz/goslar_arid,215132.html Stand die FDP nicht mal für Meinungsfreiheit?
5. gegen die verordnete Einheitsmeinung
yandalin 19.08.2011
Vielleicht sollte man noch zwei Infos nachtragen: Nicht nur von Goslarer Politikern, auch von manchen Medien gibt es merkwürdige Versuche, Leute mit Meinungen wie der von Monika Ebeling erst gar nicht zu Wort kommen zu lassen: http://arnehoffmann.blogspot.com/2011/06/stern-tv-lad-monika-ebeling-aus.html Dabei poitioneren sich inzwischen immer mehr Bürger gegen derartige Tabus. So ist auch Monika Ebeling keine Einzelkämpferin sondern Mitglied der geschlechterpolitischen Initiative AGENS (Motto "Mann – Frau – MITeinander"): http://agensev.de/
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Wer ist hier der Boss?
Wenn man sich einen Chef backen könnte...
Corbis
Männer oder Frauen als Vorgesetzte? Erstaunlichen 57 Prozent der Arbeitnehmer ist das egal. Von den übrigen 43 Prozent würden sich gut drei Viertel für einen Mann entscheiden. Das zeigt zumindest eine Umfrage des Demoskopie-Instituts Allensbach. Für die Studie "Kommunikationsstile und -welten von Männer und Frauen" wurden 1852 Menschen befragt.
Männer und Frauen - die Führungsstile
46 Prozent der Befragten sehen deutliche Unterschiede im Führungsstil. Von ihnen beschreiben 26 Prozent Frauen als einfühlsamer und sensibler, insgesamt also als emotionaler. Kritik kommt auch von den eigenen Geschlechtsgenossinnen: 15 Prozent der befragten Frauen, die sich negativ über Chefínnen äußerten, geben an, dass weibliche Vorgesetzte konkurrenzorientierter auftreten; 12 Prozent beschreiben sie als dominanter und härter als Männer. Von denen wiederum sagen 9 Prozent, dass Frauen an der Spitze glaubten, "sich immer behaupten zu müssen".
Lob und Tadel
Insgesamt halten sich die Vor- und Nachteile im Chef-Gebaren die Waage. Frauen punkten vor allem beim Gespräch: Sie gelten als verständnisvoll, haben häufiger ein offenes Ohr für Probleme und sind großzügiger mit Lob und Anerkennung. Die Hälfte der Befragten sieht es als besondere Stärke, dass weibliche Vorgesetzte auch über ihr Privatleben sprechen. Männliche Vorgesetzte treten hingegen bevorzugt sachlich und bestimmend auf, dulden seltener Widerspruch. Insgesamt sieht die Studie allerdings nur recht geringe Unterschiede in den Urteilen von Mitarbeitern über männliche und weibliche Bosse.
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