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Gehaltsatlas So viel verdienen die Deutschen

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Tiefroter Nordosten: Der Gehaltsatlas zeigt das Verdienstgefälle in Deutschland

Frauen verdienen weniger als Männer, im Westen gibt es mehr Geld als im Osten - das sind traurige Fakten. Eine Untersuchung zeigt, wie hoch das Gehaltsgefälle tatsächlich ist und in welchem Bundesland am meisten gezahlt wird.

Hannah Klein* fährt jeden Tag anderthalb Stunden zur Arbeit. Meistens sind Busse und Bahnen überfüllt, im Zug muss sie oft im Gang stehen. Klein wohnt in der Nähe von Schwerin und pendelt täglich zum Flugzeugbauer Airbus nach Hamburg, wo sie im Vertrieb arbeitet. Viel lieber würde sie in der Nähe ihres Wohnorts arbeiten, dort findet sie aber keinen Job. "Zumindest keinen, der annähernd so gut bezahlt wird", sagt die 33-Jährige.

Klein ist eine von Hunderten Pendlern, die jeden Morgen von Mecklenburg-Vorpommern aus nach Hamburg zur Arbeit fahren. Weil es dort Jobs gibt - und weil die Arbeit in der Hansestadt viel besser bezahlt wird. Wie hoch der Unterschied zwischen den Bundesländern genau ist, hat die Vergütungsdatenbank Gehalt.de in einer Untersuchung ermittelt, die sie am Montag veröffentlichen wird. Dafür wurden die Daten von rund 449.000 Arbeitnehmern ausgewertet, vom Altenpfleger bis zum Zahnarzt.

Für alle Bundesländer wurde dabei ein durchschnittliches Gehaltsniveau errechnet. Gemessen am bundesweiten Schnitt beträgt das Gehaltsniveau in Hamburg rund 106 Prozent. In Mecklenburg-Vorpommern liegt es 33 Prozentpunkte darunter: Für die gleiche Arbeit bekommen die Angestellten dort nur 73 Prozent des durchschnittlichen Gehalts in Deutschland. Damit ist Mecklenburg-Vorpommern das Schlusslicht in der Untersuchung.

Während etwa Controller laut der Untersuchung in Baden-Württemberg rund 59.000 Euro brutto im Jahr verdienen, bekommen sie für die gleiche Arbeit in Mecklenburg-Vorpommern gut 40.000 Euro.



Wer mehr verdienen will, sollte sich Richtung Südwesten orientieren. In Baden-Württemberg ist das Gehaltsniveau mit rund 109 Prozent am höchsten, gefolgt von Hessen mit 107 Prozent. Auf Rang drei folgt Hamburg mit 106 Prozent.

Die übrigen Bundesländer im Norden rangieren überwiegend im Mittelfeld: Schleswig-Holsteiner und Niedersachsen verdienen jeweils rund 93 Prozent des Bundesdurchschnitts.

Unter den östlichen Bundesländern schneidet Thüringen mit einem Gehaltsniveau von 79 Prozent am besten ab - damit verdienen die Thüringer aber immer noch knapp 30 Prozentpunkte weniger als Angestellte im topplatzierten Bundesland Baden-Württemberg. In den vergangenen Jahren habe es eine leichte Annäherung zwischen Ost- und West-Gehältern gegeben, sagt Studienautor Artur Jagiello. "Dieser Prozess scheint derzeit unterbrochen zu sein."

Das Gehaltsgefälle spiegelt sich auch in den Landeshauptstädten wider: Mit einem Gehaltsniveau von 120 Prozent schneidet München am besten ab, gefolgt von Stuttgart (119 Prozent) und Düsseldorf (114 Prozent). Schlusslicht Schwerin liegt mit einem Gehaltsniveau von 74 Prozent wenige Prozentpunkte hinter Magdeburg (77 Prozent) und Erfurt (80 Prozent).

Mit Hamburg hat Airbus-Mitarbeiterin Hannah Klein eine Stadt gewählt, in der Frauen vergleichsweise gut verdienen. In der Hansestadt bekommen weibliche Angestellte 89 Prozent des Bundesdurchschnitts. Mehr gibt es für Frauen nur in Hessen (93 Prozent). Baden-Württemberg liegt mit 87 Prozent auf Rang drei. Das bedeutet aber auch, dass Frauen nirgends so viel verdienen wie der Durchschnittsdeutsche.

Ein weiteres Ergebnis: Wo Männer viel verdienen, erhalten auch Frauen ein höheres Gehalt. Allerdings klafft das Gehalt von Männern und Frauen in Bundesländern mit hohem Verdienst am stärksten auseinander. Allen voran in Baden-Württemberg: Dort liegt das Gehaltsniveau weiblicher Angestellter rund 37 Prozentpunkte unter dem von männlichen. In Mecklenburg-Vorpommern, wo bundesweit am wenigsten Gehalt gezahlt wird, ist die Gehaltslücke mit 17 Prozent dagegen am kleinsten.

Dass der Gehaltsunterschied zu männlichen Kollegen in ihrem Heimatbundesland vergleichsweise klein ist, nützt Hannah Klein wenig. "Ich fahre hundert Kilometer nach Westen und habe am Monatsende mehrere Hundert Euro mehr auf dem Konto. Das ist doch absurd."

*Name geändert

  • Anja Tiedge (Jahrgang 1980) arbeitet als freie Journalistin in Hamburg.

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