Dieser Gegensatz sticht sofort ins Auge, wenn man die neueste Gehälterumfrage der Personalberatung Dwight Cribb in Hamburg liest. Vor ein paar Jahren noch wäre eine so extreme Spreizung nicht zu erwarten gewesen. Nach der Dotcom-Blase, als die Gehälter einiger Unternehmen durch Übertreibung extrem anstiegen, hatte sich die Situation beruhigt. Die meisten Internetunternehmen waren eher kleinere Start-ups. Diejenigen, die länger am Markt blieben, wuchsen zu mittelständischer Größe heran.
Inzwischen aber haben viele Unternehmen eine gewisse Reife erreicht, stellt Dwight Cribb fest: "Unsere Gehaltsstudie verdeutlicht, dass sich die Internetbranche mittlerweile durch eine enorme Diversifikation auszeichnet. Sie bietet Geschäftsführern vielfältige Gestaltungsspielräume, Aufstiegsmöglichkeiten und vor allem attraktive Gehaltsperspektiven", sagt er.
Medienhäuser zahlen am schlechtesten
Für die Umfrage wurden 202 Spitzenkräfte des deutschen Online-Geschäfts befragt. Im Durchschnitt verdienen sie 216.775 Euro im Jahr, wobei in dieser Zahl Unternehmens- und Bereichschefs berücksichtigt sind. Zwischen 35 und 40 Prozent dieser Gehälter sind erfolgsabhängige Zulagen.
Die besten Einkommen haben dabei Geschäftsführer von Online-Händlern, Portalen und Marktplätzen, während Medienhäuser und Agenturen weniger zahlen. Was die Aufgabenbereiche angeht, stehen Einkaufs- und IT-Experten am besten da, während sich Kreativchefs mit kleinerem Salär begnügen müssen. Über alle Bereiche hinweg verdienen die Chefs in Aktiengesellschaften rund 25 Prozent mehr als die von GmbHs.
Für wen könnte die Internetwirtschaft als Berufsfeld interessant sein? "Die studierten Fächer sind erst mal zweitrangig", sagt Cribb, der im Auftrag von Online-Firmen nach Vorständen, Führungskräften und Spezialisten sucht. Besonders reizvoll am Management eines Online-Unternehmens sei, dass es in diesem Bereich noch viele Geschäftsfelder zu finden und zu erschließen gilt. "Gefragt sind hier klassische Management-Tugenden", sagt Cribb, "verbunden mit Branchen-Know-how."
"Die Herausforderungen sind nicht mehr technischer Natur"
Dagegen sei es ein Trugschluss, dass vertiefte IT-Erkenntnisse zwingend notwendig seien. Natürlich braucht man in dieser Branche versierte Computertechniker und Programmierer, aber: "Die Herausforderungen im Online-Markt sind nicht mehr technischer Natur", so Cribb. Viel wichtiger sei es demnach, richtig einzuschätzen, wofür Menschen im Internet in Zukunft bereitwillig Geld ausgeben werden.
Still und leise hat sich die Branche zu einem wichtigen Faktor der deutschen Wirtschaft entwickelt. Mit insgesamt rund 120 Milliarden Euro Jahresumsatz und 370.000 Angestellten ist sie die fünftgrößte im Land.
Trotzdem fehlt es an geeigneten Führungskräften, Cribb sieht einen "anhaltend großen Mangel". Der komme einerseits durch die demografische Entwicklung zustande. Andererseits sei es für Managementtalente oft immer noch attraktiver, in Firmen der Old Economy zu arbeiten, in Banken oder in Unternehmensberatungen.
"Da ist sicher seitens vieler Online-Firmen die langfristige Entwicklung von Führungspersonal verschlafen worden", sagt er. Das sei aber verständlich in einer so jungen Branche: "Wenn neu gegründete Start-ups über Risikokapital verfügen, das für drei Jahre reicht, dann ist die Perspektive nunmal sehr kurzfristig." Das ändere sich aber inzwischen.
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