Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

ThemaEinkommenRSS

Alle Artikel und Hintergründe


 

Gehaltsanalysen mit dem SOEP "Wie ein großes Wimmelbild"

Verdienen ostdeutsche Männer mehr als westdeutsche Frauen? Antworten auf solche Fragen finden Wissenschaftler in Umfragen. Wie das geht, erklärt Anika Rasner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.

Zur Person
  • Anika Rasner
    Dr. Anika Rasner erforscht am DIW in Berlin, wie sich die Erwerbsbiografie von Arbeitnehmern auf deren Rente auswirkt. Sie selbst begann ihren Berufsweg mit einem Studium der Politikwissenschaft und Soziologie in Konstanz, ging dann für den Master an die Duke University (USA) und zurück nach Deutschland, zur Deutschen Rentenversicherung. Seit 2010 beschäftigt sie sich im DIW mit dem Sozioökonomischen Panel (SOEP).
SPIEGEL ONLINE: In wissenschaftlichen Umfragen verbergen sich häufig sehr viele Einzelschicksale - wie viele sind es denn beim Sozioökonomischen Panel?

Rasner: Mittlerweile werden beim SOEP jedes Jahr mehr als 30.000 Personen in 11.000 Haushalten befragt*. Damit gehört das SOEP zu den größten repräsentativen Längsschnittstudien in Deutschland. Repräsentativ bedeutet, dass wir auf Basis einer Stichprobe Aussagen für die Gesamtbevölkerung in Deutschland, die in Privathaushalten leben, machen können.

SPIEGEL ONLINE: Wie funktioniert dieser Schritt von einer kleinen Stichprobe zur allgemeingültigen Aussage?

Rasner: Die Stichprobe muss möglichst genauso zusammengesetzt sein wie die Gesellschaft. Dann lassen sich die Ergebnisse der Befragung mithilfe von Hochrechnungs- und Gewichtungsfaktoren auf die Gesamtbevölkerung übertragen. So können wir etwas über die gesamte Bundesrepublik sagen, obwohl wir nicht alle Einwohner befragen können. Das wäre einfach zu aufwendig.

SPIEGEL ONLINE: Nehmen manche Befragte auch mehrfach an der SOEP-Umfrage teil?

Rasner: Nicht nur manche! Von Anfang an war das Design der Studie so angelegt, dass wir versuchen, immer dieselben Personen zu befragen. Damit können wir den Wandel und die Stabilität in den Lebensverhältnissen in Deutschland nachzeichnen. Seit Beginn der Studie 1984 sind immer noch 1600 Personen dabei, die jedes Jahr den Fragebogen ausgefüllt haben.

SPIEGEL ONLINE: Wie lange dauert das?

Rasner: Das hängt davon ab, ob man schon einmal beim SOEP mitgemacht hat - denn dann muss man nicht mehr so viele Angaben über den bisherigen Lebenslauf abgeben. Die meisten dürften etwa eine Stunde brauchen.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch eine Entschädigung für die Befragten?

Rasner: Ja, eine kleine Anerkennung, zum Beispiel ein Los der Fernsehlotterie. Wir wollen den Befragten zeigen, dass ihre Teilnahme von unschätzbarem Wert für die Wissenschaft nicht nur in Deutschland sondern auch international ist. Und sie bekommen regelmäßig ein Update über die Studien, die Wissenschaftler im Laufe eines Jahres auf Basis des SOEP erstellen.

SPIEGEL ONLINE: Was ist daran für Sie als Wissenschaftlerin spannend?

Rasner: Für mich ist das SOEP wie ein großes, spannendes Wimmelbild. Es beleuchtet alle Lebensbereiche, die für Menschen in Deutschland relevant sind - ihrer Gesundheit und ihr Einkommen, ihre familiäre Situation und ihre Freizeitaktivitäten. So kann man viel darüber erfahren, wie das Leben in Deutschland tatsächlich aussieht, was die Leute bewegt und wie sich das über die Zeit verändert. Zudem können wir nachvollziehen, welche Auswirkungen individuelle Lebensereignisse wie die Geburt eines Kindes haben, oder auch größere Umbrüche wie die Wiedervereinigung.

SPIEGEL ONLINE: 30.000 Befragte pro Jahr ist eine ganze Menge. Schon mal jemanden aus der Stichprobe des SOEP kennengelernt?

Rasner: Nein, noch nie! Ich warte immer noch auf den Tag, an dem ich jemanden treffe, der beim SOEP mitmacht.

Hier geht's direkt zum Gehaltsvergleich von SPIEGEL ONLINE und SPIEGEL JOB, der auf den SOEP-Daten basiert.

*Die Zahl der befragten Personen hat sich im vergangenen Jahr von etwa 22.000 auf 30.000 Personen erhöht.

che

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Vorsicht Falle: Die zehn schlimmsten Fehler im Gehaltspoker
Verwandte Themen



Social Networks