Von Dietmar Palan und Klaus Werle
Vanessa Kämpf, 32, ist eine junge Frau, die es gewohnt ist, ihre Ziele zu erreichen. Doch im Sommer 2009 schien es, als habe die Wirtschaftskrise auch ihre Planungen durchkreuzt. Viele Jahre lang war ihre Karriere steil nach oben gegangen: Nach Abitur, Ausbildung zur Luftverkehrskauffrau und Wirtschaftsstudium machte sie ihren Master of Business Administration (MBA) in Australien und bewarb sich anschließend beim Beratungsunternehmen Accenture: "Ich mag das Analytische, wollte aber auch etwas Handfestes machen."
Im April 2005 stieg sie als Analystin ein, mit ihrer zupackenden Art profilierte sie sich schnell, anderthalb Jahre später wurde sie zum Consultant befördert. Die nächste Stufe - "Manager" - war für Herbst 2009 terminiert, als die Krise über die Welt hereinbrach und auch Accenture nicht ausließ. Die Beförderung musste verschoben werden. Ärgerlich.
Im Rückblick allerdings war der Karrierestau durchaus zu verschmerzen. Im September 2010 wurde der Aufstieg zur Managerin nachgeholt, was sich ziemlich glücklich traf. Denn als Consultant hing Kämpfs Bonus nur an ihrer individuellen Leistung - doch ab Managerlevel spielt das Betriebsergebnis erstmals eine gewichtige Rolle, und da wären die Zahlen 2009 ziemlich übersichtlich gewesen. So aber erhält Kämpf jetzt ein Fixum von 85.000 Euro, plus einen Bonus von bis zu einem Drittel des Festgehalts. "Am wichtigsten ist, dass der Job Spaß macht. Aber das Gehalt sollte eben auch meine Leistung wiedergeben", sagt die Managerin zufrieden.
Sind das nun die buchstäblichen Ausnahmen, oder kommt der Aufschwung auch bei den Beschäftigten an? Wie viel mehr netto erreicht die Geldbeutel? Und wer profitiert besonders von der konjunkturellen Aufhellung?
Moll-Balladen der Vergangenheit
manager magazin wollte es genau wissen. In einer anonymen Online-Umfrage in Kooperation mit dem Business-Netzwerk Xing legten mehr als 150.000 Teilnehmer (Vollzeitbeschäftigte, älter als 25 Jahre) ihre Gehälter offen, quer durch alle Branchen, Funktionen und Hierarchiestufen. Mit diesem Datenmaterial bietet der große "Gehaltsreport 2011" ein aussagekräftiges und flächendeckendes Bild aktueller Vergütungsstrukturen in Deutschland.
Als manager magazin vor zwei Jahren den Gehaltsreport erstmals aufsetzte, zog sich der Krisendreiklang aus Entlassungen, Kurzarbeit und Kürzungen durch die Ergebnisse wie das düstere Leitmotiv einer Moll-Ballade. Dennoch blickten die Befragten damals verhalten optimistisch in die Zukunft - zu Recht, wie sich nun herausstellt. Viele Unternehmen zogen tarifmäßige Gehaltserhöhungen vor, Boni und Tantiemen pendeln sich wieder auf Vorkrisenniveau ein. "Vom Frühjahr 2010 an startete die Konjunktur durch, und Mitarbeiter auf allen Ebenen haben davon profitiert", sagt Alexander von Preen, Vergütungsexperte der Managementberatung Kienbaum.
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