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07. September 2011, 10:10 Uhr

Gehaltsreport

Was Ingenieure verdienen

Ingenieure sind Gutverdiener? Kommt drauf an. Die meisten liegen über dem Durchschnitt anderer Akademiker, aber: Die Spanne zwischen Unternehmensberatern mit technischem Abschluss und Ingenieuren im Handwerk ist enorm. Und in den vergangenen Jahren sind die Gehälter auch schon mal gefallen.

Die deutsche Industrie hat die Krisenjahre hinter sich gebracht und sich in den vergangenen eineinhalb Jahren gut entwickelt. Dieser Trend spiegelt sich in den Gehältern für Ingenieure wieder, wie eine Analyse von 16.000 Datensätzen der Vergütungsberatung Personalmarkt zeigt.

Von 2009 auf 2010 sind die Gehälter kräftig gesunken. Besonders stark traf es da Führungskräfte, weil ihnen Boni gestrichen wurden. Sie mussten Einbußen von bis zu 5 Prozent hinnehmen. Im Durchschnitt summierte sich das Minus auf 1 Prozent.

Inzwischen sind die Salairs aber wieder auf Wachstumskurs. Im Vergleich mit 2010 bekommen Ingenieure 3 Prozent mehr Gehalt. Dieser Trend könnte sich 2012 fortsetzen, denn die Nachfrage nach Ingenieuren auf dem deutschen Arbeitsmarkt ist überdurchschnittlich groß.

Tatsächlich können sich viele Akademiker in technischen Fachgebieten teils den Luxus leisten, das Beste aus einer Vielzahl von Stellenangeboten auszuwählen, denn der Arbeitsmarkt erwartet sie sehnsüchtig. Weil Angebot und Nachfrage auch das Gehalt regeln, liegen die Gehälter von Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Fächer im oberen Bereich aller Hochschulabgänger. Auch im weiteren Verlauf des Berufslebens verdienen Ingenieure überdurchschnittlich gut.

Die wichtigsten Faktoren

Am besten bezahlt wird der Master-Abschluss. Während für das Einstiegsgehalt noch die akademischen Leistungen wichtig sind, hat später die persönliche Leistung eines Mitarbeiters weitaus größere Bedeutung. Die Zahl der Ingenieure, die neben einem Festgehalt einen Teil ihres Gehalts in Form von Prämien oder Erfolgsbeteiligungen erhalten, steigt.

Eine Promotion gilt nach wie vor als Nachweis für eine hohe Leistungsbereitschaft. Und so schlägt der begehrte Titel sich auch in einem höheren Gehalt nieder. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass die Zeit der Promotion - und dies gilt insbesondere für die Vollzeitpromotion - natürlich mit erheblichen Gehaltseinbußen verbunden ist, die danach erst einmal wieder erwirtschaftet werden müssen.

Mit zunehmender Berufserfahrung steigen die Gehälter. Dann kommt es allerdings auch stärker auf die Tätigkeit an. Vertriebsingenieure, Ingenieure in der Projektabwicklung und Wirtschaftsingenieure liegen vorn. Deutlich abgeschlagen auf dem hinteren Rang finden sich die Bauingenieure.

Auch die Branche hat großen Einfluss auf die Höhe des Gehalts. Bei Ingenieurdienstleistern beziehungsweise in Ingenieurbüros verdienen Ingenieure meist deutlich weniger als in der Industrie oder wenn sie direkt bei den Auftraggebern angestellt sind.

Ein Ingenieur in leitender Funktion und mit Personalverantwortung verdient im Schnitt jährlich 102.700 Euro. Eine Fachkraft erhält durchschnittlich 57.600 Euro im Jahr. Die Spanne der Durchschnittsgehälter auf dieser Hierarchieebene fällt aber mit 47.400 bis 70.600 recht groß aus.

Auch die Unternehmensgröße wirkt sich auf die Höhe des Gehalts aus. Größere Unternehmen zahlen in der Regel höhere Gehälter. Allein schon deshalb, weil sie häufiger tarifgebunden sind.

Nicht zuletzt spielt auch das Geschlecht nach wie vor eine Rolle. Dabei lässt sich beobachten, dass die Gehaltsunterschiede zwischen Männer und Frauen beim Berufseinstieg weniger stark ausgeprägt sind als im weiteren Verlauf des Berufslebens.

Heike Friedrichsen, Personalmarkt

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