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15. November 2012, 19:25 Uhr

Kündigung nach Luxus-Einkäufen

Daimler durfte Manager feuern

Es geht um ein Heimkino, ein Fitnessstudio, eine Waschmaschine: Der Daimler-Manager Ernst Lieb gönnte sich in seiner Dienstvilla einen teuren Umbau - und ließ den Autobauer dafür zahlen. Das Unternehmen kündigte ihm fristlos. Zu Recht, befand jetzt ein Gericht.

Das Stuttgarter Arbeitsgericht hat die Klage des langjährigen Daimler-Managers Ernst Lieb gegen seine fristlose Kündigung am Donnerstag zurückgewiesen. Der 57-Jährige hatte sich gegen seinen Rauswurf im Oktober 2011 zur Wehr gesetzt. Daimler hatte ihn entlassen, weil er sich in seiner Dienstvilla auf Firmenkosten unter anderem eine Entertainment-Anlage und ein Fitnessstudio einbauen ließ.

Dabei geht es um Summen von insgesamt über 100.000 US-Dollar (rund 79.000 Euro). Auch um eine Waschmaschine, einen Wäschetrockner und neue Betten streitet der Autobauer mit dem früheren Mitarbeiter.

"Das Gericht hält die fristlose Kündigung für wirksam", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Zuvor hatten beide Seiten einen Vergleich abgelehnt. Nach Auffassung des Gerichts hat Lieb seine "eigenen Interessen über die der Firma gestellt" (Aktenzeichen 23 CA 8783/11).

Lieb wies den Vorwurf zurück, er habe sich durch den Umbau bereichern wollen. Sein Anwalt Stefan Nägele kündigte an, in Berufung zu gehen. Er argumentiert, der Einbau des Heimkinos sei nicht von seinem Mandanten, sondern bereits von dessen Vorgänger veranlasst worden. Zudem sei durch die Änderungen "eine wertsteigernde Maßnahme zugunsten des Hauses geschehen".

"Wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt"

Daimler-Anwalt Ulrich Baeck betonte: "Es geht nicht um die Höhe des Betrages, es geht um die Art und Weise." Extras wie Flachbildfernseher, Fitnessgeräte und neue Betten seien schlicht nicht vereinbart gewesen. "Da kann ich nicht einfach meine Frau losschicken und Betten kaufen." Daimler begrüßte das Urteil: "Wir freuen uns, dass das Gericht unserer Rechtsauffassung gefolgt ist", sagte eine Sprecherin.

Das Gericht schloss sich weitgehend der Argumentation des Unternehmens an. Zwar sei es strittig, ob Lieb die Installation des Heimkinos selbst veranlasst habe, sagte der Vorsitzende Richter. Den Einbau habe er aber "zumindest nicht unterbunden". Das Fitnessstudio beruhe indes auf Liebs Wunsch, ebenso wie etwa für das Haus gekaufte Betten im Wert von mehreren tausend Euro.

Lieb hatte vor seinem Rauswurf 36 Jahre lang für das Unternehmen gearbeitet und war 2006 an die Spitze von Mercedes-Benz in den USA gerückt. Dafür bekam er zuletzt ein Jahresgehalt von knapp 800.000 Euro inklusive Boni. Sein Abgang sorgte für Schlagzeilen, weil er in der Branche als beliebt gilt und zudem Erfolge vorweisen konnte.

"Wir wollen, dass Herr Lieb nicht wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt wird", sagte sein Anwalt, der den Vergleichsvorschlag einer Abfindungszahlung von rund 615.000 abgelehnt hatte. Seinem Mandanten gehe es weniger um die finanzielle Entschädigung. Er wolle auch den Schaden an seiner Reputation "ein bisschen kompensieren".

Der Stuttgarter Autobauer war in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Korruption und Unregelmäßigkeiten seiner Beschäftigten in die Schlagzeilen geraten: Bereits im Jahr 2004 begann die US-Börsenaufsicht SEC, wegen Korruption gegen Daimler zu ermitteln. Über das "Zero Tolerance"-Programm, das der Konzern daraufhin einführte, stolperte auch Lieb. Den Hinweis auf Unregelmäßigkeiten gab in seinem Fall ein Daimler-Mitarbeiter.

ant/jol/dpa/Reuters

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