• Drucken
  • Senden
  • Nutzungsrechte
 

Kündigung nach Luxus-Einkäufen Daimler durfte Manager feuern

Ehemaliger Daimler-Manager Ernst Lieb: Streit um luxuriöse Einkäufe Zur Großansicht
DPA

Ehemaliger Daimler-Manager Ernst Lieb: Streit um luxuriöse Einkäufe

Es geht um ein Heimkino, ein Fitnessstudio, eine Waschmaschine: Der Daimler-Manager Ernst Lieb gönnte sich in seiner Dienstvilla einen teuren Umbau - und ließ den Autobauer dafür zahlen. Das Unternehmen kündigte ihm fristlos. Zu Recht, befand jetzt ein Gericht.

Das Stuttgarter Arbeitsgericht hat die Klage des langjährigen Daimler-Managers Ernst Lieb gegen seine fristlose Kündigung am Donnerstag zurückgewiesen. Der 57-Jährige hatte sich gegen seinen Rauswurf im Oktober 2011 zur Wehr gesetzt. Daimler hatte ihn entlassen, weil er sich in seiner Dienstvilla auf Firmenkosten unter anderem eine Entertainment-Anlage und ein Fitnessstudio einbauen ließ.

Dabei geht es um Summen von insgesamt über 100.000 US-Dollar (rund 79.000 Euro). Auch um eine Waschmaschine, einen Wäschetrockner und neue Betten streitet der Autobauer mit dem früheren Mitarbeiter.

"Das Gericht hält die fristlose Kündigung für wirksam", sagte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung. Zuvor hatten beide Seiten einen Vergleich abgelehnt. Nach Auffassung des Gerichts hat Lieb seine "eigenen Interessen über die der Firma gestellt" (Aktenzeichen 23 CA 8783/11).

Lieb wies den Vorwurf zurück, er habe sich durch den Umbau bereichern wollen. Sein Anwalt Stefan Nägele kündigte an, in Berufung zu gehen. Er argumentiert, der Einbau des Heimkinos sei nicht von seinem Mandanten, sondern bereits von dessen Vorgänger veranlasst worden. Zudem sei durch die Änderungen "eine wertsteigernde Maßnahme zugunsten des Hauses geschehen".

"Wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt"

Daimler-Anwalt Ulrich Baeck betonte: "Es geht nicht um die Höhe des Betrages, es geht um die Art und Weise." Extras wie Flachbildfernseher, Fitnessgeräte und neue Betten seien schlicht nicht vereinbart gewesen. "Da kann ich nicht einfach meine Frau losschicken und Betten kaufen." Daimler begrüßte das Urteil: "Wir freuen uns, dass das Gericht unserer Rechtsauffassung gefolgt ist", sagte eine Sprecherin.

Das Gericht schloss sich weitgehend der Argumentation des Unternehmens an. Zwar sei es strittig, ob Lieb die Installation des Heimkinos selbst veranlasst habe, sagte der Vorsitzende Richter. Den Einbau habe er aber "zumindest nicht unterbunden". Das Fitnessstudio beruhe indes auf Liebs Wunsch, ebenso wie etwa für das Haus gekaufte Betten im Wert von mehreren tausend Euro.

Lieb hatte vor seinem Rauswurf 36 Jahre lang für das Unternehmen gearbeitet und war 2006 an die Spitze von Mercedes-Benz in den USA gerückt. Dafür bekam er zuletzt ein Jahresgehalt von knapp 800.000 Euro inklusive Boni. Sein Abgang sorgte für Schlagzeilen, weil er in der Branche als beliebt gilt und zudem Erfolge vorweisen konnte.

"Wir wollen, dass Herr Lieb nicht wie ein räudiger Hund vom Hof gejagt wird", sagte sein Anwalt, der den Vergleichsvorschlag einer Abfindungszahlung von rund 615.000 abgelehnt hatte. Seinem Mandanten gehe es weniger um die finanzielle Entschädigung. Er wolle auch den Schaden an seiner Reputation "ein bisschen kompensieren".

Der Stuttgarter Autobauer war in den vergangenen Jahren wiederholt wegen Korruption und Unregelmäßigkeiten seiner Beschäftigten in die Schlagzeilen geraten: Bereits im Jahr 2004 begann die US-Börsenaufsicht SEC, wegen Korruption gegen Daimler zu ermitteln. Über das "Zero Tolerance"-Programm, das der Konzern daraufhin einführte, stolperte auch Lieb. Den Hinweis auf Unregelmäßigkeiten gab in seinem Fall ein Daimler-Mitarbeiter.

ant/jol/dpa/Reuters

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 17 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Unersättlich
pmei 16.11.2012
Wirtschaftskrise und globable Armut zum Trotz, wird es diese Art von Menschen immer geben: die sich auf Kosten anderer oder der Allgemeinheit bereichern. Nicht dieses Subjekt sollte eine Entschädigung bekommen, sondern er sollte Menschen eine Entschädigung zahlen, die sich nichts leisten können. Eine Zumutung!
2. Raffkes
duan 16.11.2012
Widerlich dieser Duenkel. Als ob das sowieso schon sehr hohe Gehalt dieser Herren nicht genug ist. Raffkes in den Vorstandsetagen der grossen AG's... Es ist ekelhaft verantwortungslos gegenueber normalen Menschen die auch ihren Job machen.
3. ich denke mal, das hat Daimler noch nicht gewonnen - wenn das in den USA
labudaw 16.11.2012
Zitat von sysopDPAEs geht um ein Heimkino, ein Fitnessstudio, eine Waschmaschine: Der Daimler-Manager Ernst Lieb gönnte sich in seiner Dienstvilla einen teuren Umbau - und ließ den Autobauer dafür zahlen. Das Unternehmen kündigte ihm fristlos. Zu Recht, befand jetzt ein Gericht. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/gekuendigter-daimler-manager-kuendigung-von-ernst-lieb-ist-wirksam-a-867531.html
war, ist das nicht unüblich. Bei unseren amrikanischen Managern, die nach Deutschland kamen, mußten Hotelzimmer mit mindestens 2 Fenstern geordert werden, dazu HiFi-Anlagen in die Hotelzimmer. Natürlich nur für längere Aufenthalte. Außerdem konnten die jegliche Spesen (Essen, Trinken etc.) abrechnen -was sie auch fleissig getan haben - wir wurden jeden Abend von einem anderen Ami eingeladen.
4. Sonderbar ...
westerwäller 16.11.2012
Zitat von sysopDPAEs geht um ein Heimkino, ein Fitnessstudio, eine Waschmaschine: Der Daimler-Manager Ernst Lieb gönnte sich in seiner Dienstvilla einen teuren Umbau - und ließ den Autobauer dafür zahlen. Das Unternehmen kündigte ihm fristlos. Zu Recht, befand jetzt ein Gericht. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/gekuendigter-daimler-manager-kuendigung-von-ernst-lieb-ist-wirksam-a-867531.html
... der Herr hat also von Daimleer eine Dienstvilla samt Inventar zur Verfügung gestellt bekommen. Wenn es keinen Immobilienverwalter gibt, der das in Schuss hält, muss er es halt selbst tun und Waschmaschine, Trockner, Bett usw. selbst kaufen. Auf Firmenkosten natürlich, weil die Gegenstände ja der Firma gehören. Er wird wohl kaum daran gedacht haben, diese Gegenstände später mal in die Heimat zu expedieren. Ob bei einem - ihm zugewiesenen -höheren Lebensstil auch Fitnessgeräte dazugehören, darüber kann man streiten. Dem Foto nach wäre es ihm angeraten, im Sinne der Erhaltung seiner Arbeitskraft, tatsächlich mal etwas zu tun. Dass auch ein Bett nach einiger Zeit mal abgängig ist, weiß ich aus eigener Erfahrung. Natürlich wird jetzt wieder über "Selbstbedienungsmentalität" der Manager gelästert werden. Für mich sieht es aber so aus, als habe man in den Krümeln gesucht, um einen Mitarbeiter loszuwerden... Wäschetrockner! Lächerlich!!
5. Manager mit Dienstwohnung
freeman22 16.11.2012
Es scheint so, dass Daimler tatsächlich einen Grund suchte ihren Mann irgendwie loszuwerden...vermutlich wird nun ein Leihmanager eingestellt, der seine Unterkunft gefälligst selbst zu zahlen habe und ohne Mätzchen jederzeit austauschbar ist. Dies wäre dann wirklich eine echte Weiterentwicklung des Leiharbeitsmarktes und brächte gefühlte Gerechtigkeit bei den ausgeliehenen Kollegen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik KarriereSPIEGEL
RSS
alles aus der Rubrik Berufsleben
RSS
alles zum Thema Arbeitsrecht - KarriereSPIEGEL
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH