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Arbeitsrecht Wie viele Urlaubstage stehen mir zu?

Hinein ins Vergnügen: Hurra, endlich Urlaub Zur Großansicht
Corbis

Hinein ins Vergnügen: Hurra, endlich Urlaub

Überall im Land balgen sich Belegschaften um den Sommerurlaub. Da bleibt Streit nicht aus: Stehen älteren Kollegen mehr Tage zu? Wie wirkt sich Schichtbetrieb aus? Das Urlaubsrecht im Überblick.

Ein fester Job hat so viele Vorteile: Im Idealfall arbeitet man mit netten Kollegen statt einsam, hat es warm und ist weg von der Straße; der Arbeitgeber überweist schön regelmäßig das Gehalt. Und das auch im Urlaub, obwohl der Angestellte gar nicht da ist - oft sogar mit Extra-Urlaubsgeld.

Den Anspruch auf bezahlten Urlaub regelt das Bundesurlaubsgesetz, außer für Vollzeitmitarbeiter zum Beispiel auch für Teilzeitler, Volontäre, befristet oder geringfügig beschäftigte Arbeitnehmer. Wie viele Tage es pro Jahr sind, hängt davon ab, wie viel jemand arbeitet: Wer eine Sechstagewoche hat, dem stehen mindestens 24 Urlaubstage zu. Bei einer Fünftagewoche sind es 20, bei einer Viertagewoche 16 Urlaubstage jährlich.

Das ist aber nur das vorgeschriebene Minimum. Tarif- oder Arbeitsverträge können deutlich längeren Urlaub vorsehen - 30 Tage Jahresurlaub sind in vielen Berufen und Branchen üblich.

Zudem billigt der Gesetzgeber manchen Personengruppen mehr Urlaub zu. So erhalten schwerbehinderte Mitarbeiter mit Fünftagewoche über den regulären Urlaub hinaus pro Jahr weitere fünf Tage frei. Bei Jugendlichen ist der Urlaubsanspruch nach Alter gestaffelt: Wer unter 16 ist, bekommt bei einer Fünftagewoche 25 Urlaubstage. Azubis unter 17 Jahren erhalten 23 Urlaubstage, bei unter 18-Jährigen sind es 21 Urlaubstage (alles bezogen auf eine Fünftagewoche). Den Ausschlag gibt das Alter zu Beginn des Kalenderjahres.

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Top und Flop: So viel Urlaub bekommen Angestellte weltweit
Neue Mitarbeiter erwerben ihren vollen Urlaubsanspruch erst nach sechs Monaten; dabei zählt der Tag der Arbeitsaufnahme, nicht etwa das Datum des Vertragsabschlusses. In der Probezeit hat man pro vollem Monat Anspruch auf ein Zwölftel des Jahresurlaubs. Wer zum Beispiel am 1. Juli eines Jahres in das Arbeitsverhältnis eintritt und nach drei Monaten schon Urlaub nehmen möchte, hat nur einen anteiligen Urlaubsanspruch.

War ein Mitarbeiter das ganze Jahr über krank, hat er dennoch Anspruch auf seinen Urlaub und kann ihn dann in den ersten drei Monaten des Folgejahres nehmen. Ebenfalls wichtig: Der Resturlaub eines Jahres kann auf das Folgejahr übertragen, muss dann in der Regel aber bis zum 31. März genommen werden und droht ansonsten zu verfallen - es sei denn, Arbeitgeber und Arbeitnehmer einigen sich auf eine Übertragung über den März hinaus.

Der Urlaub soll der Erholung dienen, so will es das Gesetz. Deshalb dürfen Arbeitgeber ihren Mitarbeitern keine Tage oder Wochen "abkaufen", also Geld statt Freizeit gewähren. Eine Ausnahme gilt nur, wenn jemand seinen Urlaub nicht nehmen konnte, weil das Arbeitsverhältnis beendet wurde.

Ebenso wenig dürfen Arbeitnehmer im Urlaub einer Erwerbstätigkeit nachgehen, denn auch das würde dem Urlaubszweck widersprechen. Das gilt aber nicht für unbezahlte Hilfe im Familienkreis, etwa Bratwurstverkauf beim Stadtfest-Stand der Tochter, oder für ehrenamtliches Engagement wie die Betreuung einer Auslandsreise jugendlicher Basketballer.

Chef-Sprüche zum Urlaubsantrag

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Leicht kommt es über Urlaubszeitpunkt und -dauer zum Zwist. Arbeitgeber sind grundsätzlich gehalten, die Wünsche ihrer Mitarbeiter zu berücksichtigen. Im Alltag geht es oft um den Urlaub von Partnern und die Schulferien von Kindern. Wenn viele Kollegen im Sommer gleichzeitig verreisen wollen, muss der Betrieb für eine faire Lösung sorgen und ebenso bei dringenden betrieblichen Erfordernissen die Interessen sorgfältig abwägen.

Außerdem kann ein Unternehmen den Urlaub nicht einfach nach Belieben stückeln, also mal hier einen, dort vier und noch einmal drei Tage gewähren. Was viele nicht wissen: Arbeitnehmer haben Anspruch auf zusammenhängenden Urlaub, mindestens zwölf Werktage am Stück.

  • Wichtige Urteile und ihre Folgen

Ein Mitarbeiter arbeitete im Drei-Schicht-System: von 6 bis 14 Uhr, 14 bis 22 Uhr und 22 bis 6 Uhr. Alle zwei Wochen wechselte er in eine andere Schicht. Am Jahresende verlangte er vom Arbeitgeber drei weitere Urlaubstage, weil die Nachtschichten stets bis zum Folgetag dauerten und somit zwei Arbeitstage betrafen. Deshalb hatte er keine Fünftagewoche, sondern eine 5,44-Tage-Woche. Dafür stünden ihm insgesamt drei Urlaubstage zusätzlich zu, so der Mitarbeiter. Das Landesarbeitsgericht München bestätigte, dass eine Schicht, die über zwei Kalendertage reicht, auch zwei Arbeitstage umfasst - der Mitarbeiter erhielt den Extra-Urlaub (Urteil vom 15. Januar 2014, Aktenzeichen 11 Sa 659/13).

Dürfen Arbeitgeber älteren Mitarbeitern mehr Urlaub als jüngeren geben? Im Prinzip nein - eine starre Altersstaffelung, wie sie im Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst stand, benachteiligt junge Angestellte und verstößt somit gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, wie das Bundesarbeitsgericht 2012 entschied. Zwei Jahre später billigte das gleiche Gericht Arbeitgebern indes einen Ermessensspielraum zu und erklärte die Regelung des Schuhherstellers Birkenstock für rechtmäßig, der Mitarbeitern über 58 Jahren aus Sorge um ihre körperliche Leistungsfähigkeit zwei Tage Mehrurlaub spendiert - keine Diskriminierung jüngerer Mitarbeiter, so das BAG (Urteil vom 21. Oktober 2014, Aktenzeichen 9 AZR 956/12).

Sich im Streit mit dem Vorgesetzten einfach selbst zu beurlauben, ist keine gute Idee. Das zeigte der Fall eines Angestellten, dessen Chef den Resturlaub wegen des hohen Krankenstandes ablehnte. Kurzerhand nahm der Mann Urlaub auf eigene Faust - und wurde fristlos gekündigt. Das hielt das Arbeitsgericht Krefeld zwar für grundsätzlich zulässig, in diesem Einzelfall aber doch für überzogen. Auf Vorschlag der Richter kam es zum Vergleich, eine Abmahnung ersetzte die Kündigung (Aktenzeichen 1 Ca 960/11).

Ebenfalls eigenmächtig in Urlaub ging ein Angestellter einer Restaurantkette, jedoch wegen eines familiären Notfalls: Nachdem gerade erst sein Vater an Krebs gestorben war, wollte er während der Chemotherapie an der Seite seiner ebenfalls krebskranken Mutter sein. Unbezahlten Sonderurlaub lehnte der Arbeitgeber aber ab. Der Mitarbeiter, zugleich Betriebsratsvorsitzender, flog trotzdem zu seiner Mutter und wurde sofort entlassen. Zu Unrecht, wie das Landesarbeitsgericht Köln entschied: Er habe in einer persönlichen Ausnahmesituation gehandelt, und das rechtfertige keine fristlose Kündigung (Beschluss vom 6. Dezember 2010, Aktenzeichen 2 TaBV 23/10).

  • Das rät Ina Koplin, Fachanwältin für Arbeitsrecht

Der Urlaubsanspruch ist grundsätzlich aufs jeweilige Kalenderjahr beschränkt. Mitarbeiter müssen daher alle ihre Urlaubstage bis zum 31. Dezember nehmen. Sie sollten sich keineswegs auf eine Übertragung aufs neue Jahr verlassen. Denn das ist in der Regel nur möglich, wenn Mitarbeiter aus persönlichen Gründen (wie Krankheit) oder betrieblichen Gründen (wie Urlaubssperre wegen erheblichen Personalmangels) ihren Urlaub nicht nehmen können. Ansonsten verfällt der Anspruch - und der Arbeitnehmer schaut in die Röhre.

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1. Man muss immer im Blick behalten, welche Regelungen man angreift...
ansv 19.01.2016
Beim Urlaubsanspruch für ältere Arbeitnehmer war das sicher ein jüngerer, der mehr wollte. Und was wurde erreicht? Niemand bekommt mehr etwas zusätzlich. Hoffentlich hat der jüngere wenigstens gemerkt, dass ihm das irgendwie gar nichts nutzt. Also außer, dass der nagende Neid jetzt verschwunden sein dürfte.
2. Verhandeln!
nolabel 19.01.2016
Als mein Urlaub noch durch lästige Arbeitsphasen unterbrochen wurde, habe ich statt mehr Geld immer mehr Urlaubstage gefordert, das klappte ganz gut.
3. Verhandeln!
nolabel 19.01.2016
Als mein Urlaub noch durch lästige Arbeitsphasen unterbrochen wurde, habe ich statt mehr Geld immer mehr Urlaubstage gefordert, das klappte ganz gut.
4. schlechter Artikel, falsche Informationen
Robert Redlich 19.01.2016
Das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) ist kompliziert, weil es schlecht formuliert wurde und Urlaub in einer Zeit regelte, als noch die 6-Tagewoche galt und man zeitlebens in der gleichen Firma blieb. Für moderne Arbeitsverträge passt es oft nicht. Der Artikel spricht die ganzen Knackpunkte leider nicht an und enthält überdies sogar Fehler. 1. Eine 1/12-Regelung in der Probezeit gibt es nicht, das hat der Autor Unsinn geschrieben. Ein Mitarbeiter hat in den ersten 6 Monaten kein Recht auf Urlaub. Egal ob und wie lange eine Probezeit vereinbart wurde. Er verliert die Urlaubstage nicht, kann sie aber erst nach der Wartezeit nehmen. Nach den 6 Monaten Wartezeit steht dem Mitarbeiter sogar der volle Jahresurlaub zu, sofern der erste Arbeitstag in der ersten Jahreshälfte lag. Wer z.B. am 1.6. beginnt, kann am 1.12. 30 Urlaubstage nehmen, wenn der Arbeitsvertrag 30 Tage Urlaub pro Jahr vorsieht. Eine anteilige Berechnung pro Monat kennt hier das BUrlG nicht. 2. Anteiligen Urlaub kennt das BUrlG nur für das Kündigungsjahr und bei einem Beginn des Arbeitsverhältnisses in der zweiten Jahreshälfte. Da erhält man 1/12 des Jahresurlaubs pro VOLLEM Kalendermonat. Aber Achtung: Wenn der 1. auf einen Sonntag fällt und der Chef den Vertrag erst ab dem 2. beginnen lässt, erhält man für den ersten Monat gar keinen Urlaub! Nur für volle Monate! 3. Das BUrlG verlangt, dass anteiliger Urlaub bei halben Tagen aufgerundet wird. Aus 2,5 wird also 3. Aber eine Abrundung von 2,4 auf 2 kennt das BUrlG nicht. Hier kann man durchaus auf freie Stunden pochen. 4. Wenn man kündigt und schon mehr Urlaub genommen hatte, als einem anteilig pro Monat zustehen würde, hat man Glück. Der kann einem nicht genommen oder verrechnet werden. 5. Ist man während des Urlaubs krank und gibt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab, gilt der Urlaub als nicht genommen und kann später erneut beantragt werden. 6. Wer Urlaubstage in das nächste Jahr mitnehmen möchte, muss dies vormal beantragen. Tut man dies nicht, ist der Urlaubsanspruch bereits am 1.1. des Folgejahres erloschen. Ausnahme: Durch Krankheit oder Urlaubssperre konnte man ihn nicht nehmen. Dann gilt tatsächlich der 31.3. Auch das war im Artikel falsch beschrieben. 7. Auch Aushilfen, Minijober, Studenten etc. haben den gleichen Urlaubsanspruch! Einem Minijober keinen Urlaub zu geben, ist gesetzeswidrig! Und zum Schluss noch die wichtigste Information: Alle Regeln des BUrlG können durch Tarifverträge geändert werden! Alle, außer dem Mindesurlaubsanspruch von 20 Arbeitstagen (bei 5-Tagewoche). Aber so wenig Urlaub hat ja niemand.
5. Leute, die sich so genau mit Urlaubsgesetzen auskennen...
klausbaerbel 19.01.2016
Zitat von Robert RedlichDas Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) ist kompliziert, weil es schlecht formuliert wurde und Urlaub in einer Zeit regelte, als noch die 6-Tagewoche galt und man zeitlebens in der gleichen Firma blieb. Für moderne Arbeitsverträge passt es oft nicht. Der Artikel spricht die ganzen Knackpunkte leider nicht an und enthält überdies sogar Fehler. 1. Eine 1/12-Regelung in der Probezeit gibt es nicht, das hat der Autor Unsinn geschrieben. Ein Mitarbeiter hat in den ersten 6 Monaten kein Recht auf Urlaub. Egal ob und wie lange eine Probezeit vereinbart wurde. Er verliert die Urlaubstage nicht, kann sie aber erst nach der Wartezeit nehmen. Nach den 6 Monaten Wartezeit steht dem Mitarbeiter sogar der volle Jahresurlaub zu, sofern der erste Arbeitstag in der ersten Jahreshälfte lag. Wer z.B. am 1.6. beginnt, kann am 1.12. 30 Urlaubstage nehmen, wenn der Arbeitsvertrag 30 Tage Urlaub pro Jahr vorsieht. Eine anteilige Berechnung pro Monat kennt hier das BUrlG nicht. 2. Anteiligen Urlaub kennt das BUrlG nur für das Kündigungsjahr und bei einem Beginn des Arbeitsverhältnisses in der zweiten Jahreshälfte. Da erhält man 1/12 des Jahresurlaubs pro VOLLEM Kalendermonat. Aber Achtung: Wenn der 1. auf einen Sonntag fällt und der Chef den Vertrag erst ab dem 2. beginnen lässt, erhält man für den ersten Monat gar keinen Urlaub! Nur für volle Monate! 3. Das BUrlG verlangt, dass anteiliger Urlaub bei halben Tagen aufgerundet wird. Aus 2,5 wird also 3. Aber eine Abrundung von 2,4 auf 2 kennt das BUrlG nicht. Hier kann man durchaus auf freie Stunden pochen. 4. Wenn man kündigt und schon mehr Urlaub genommen hatte, als einem anteilig pro Monat zustehen würde, hat man Glück. Der kann einem nicht genommen oder verrechnet werden. 5. Ist man während des Urlaubs krank und gibt eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab, gilt der Urlaub als nicht genommen und kann später erneut beantragt werden. 6. Wer Urlaubstage in das nächste Jahr mitnehmen möchte, muss dies vormal beantragen. Tut man dies nicht, ist der Urlaubsanspruch bereits am 1.1. des Folgejahres erloschen. Ausnahme: Durch Krankheit oder Urlaubssperre konnte man ihn nicht nehmen. Dann gilt tatsächlich der 31.3. Auch das war im Artikel falsch beschrieben. 7. Auch Aushilfen, Minijober, Studenten etc. haben den gleichen Urlaubsanspruch! Einem Minijober keinen Urlaub zu geben, ist gesetzeswidrig! Und zum Schluss noch die wichtigste Information: Alle Regeln des BUrlG können durch Tarifverträge geändert werden! Alle, außer dem Mindesurlaubsanspruch von 20 Arbeitstagen (bei 5-Tagewoche). Aber so wenig Urlaub hat ja niemand.
...haben in einem mittelstaendischen Unternehmen (KMU) nichts verloren. All diese Sinnlos-Gesetze sind fuer Konzerne gemacht, mit genug Personalstamm, wo jede Funktion vielfach besetzt ist. Ein Mittelstaendler - und dort sind bis zu 90% der Deutschen beschaeftigt - regelt das stattdessen sinnvoll. Nebelkerze.
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