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Brandon S. und sein Truck Google-Mitarbeiter lebt auf Firmenparkplatz

Mobiles Zuhause: In diesem Truck auf dem Google-Parkplatz lebt Brandon S. Zur Großansicht
Brandon

Mobiles Zuhause: In diesem Truck auf dem Google-Parkplatz lebt Brandon S.

Brandon S. arbeitet bei Google - und lebt in einem Truck auf dem Firmenparkplatz in Mountain View. Ohne Strom, ohne fließend Wasser. Warum macht er das?

Zur Person
Brandon S. ist 23 Jahre alt und arbeitet als Programmierer im Google-Hauptquartier in Mountain View. Seinen Nachnamen und Bilder von sich möchte er nicht veröffentlichen. Über sein Leben auf dem Firmenparkplatz schreibt er einen Blog.
SPIEGEL ONLINE: Sie arbeiten für Google und leben seit dem 27. Mai in einem Truck auf dem Firmenparkplatz. Können Sie sich denn keine Wohnung leisten?

Brandon S.: Doch, aber darum geht es mir gar nicht. Ich sehe einfach nicht ein, warum ich so viel Geld zahlen soll für eine Wohnung, in der ich mich kaum aufhalte. Ein günstiges Zimmer hier in der Gegend würde mindestens 1000 Dollar im Monat kosten. Und das wäre wirklich günstig. Wenn man das mal hochrechnet, kommt man in vier Jahren auf 48.000 Dollar Miete - und dieses Geld ist einfach weg. Der Truck hat mich 10.000 Dollar gekostet. Diese Summe habe ich jetzt schon wieder raus.

SPIEGEL ONLINE: Den Break-Even haben Sie laut Ihrer Website am Dienstag erreicht. Eigentlich ein guter Grund für eine Party - aber das geht wahrscheinlich schlecht im Truck, oder?

Brandon S.: Und ob das geht! Die Break-Even-Party ist jetzt am Wochenende geplant. Ich will zusammen mit Freunden irgendwo aufs Land fahren, dann schmeißen wir den Projektor an und gucken einen Film oder machen Musik. Ich habe einen großen Freundeskreis und dass ich im Truck lebe, hat bisher noch niemanden gestört. Aber seit den ersten Medienberichten über mich sind viele Leute offenbar scharf darauf, mich als eine Art Troll darzustellen, der 16 Stunden am Tag arbeitet und Angst vor Sonne und Frauen hat.

SPIEGEL ONLINE: Wann machen Sie denn üblicherweise Feierabend?

Brandon S.: Ich arbeite so bis 17 oder 18 Uhr. Dann treffe ich mich mit Freunden oder mache irgendwas anderes. Auf jeden Fall sitze ich nicht im Büro. In meinem Truck bin ich frühestens ab 20.30 Uhr. Dann schreibe ich noch an meinem Blog oder gehe gleich ins Bett. Der Ausgangspunkt dieses Projekts war ja, dass ich in meiner Wohnung nichts genutzt habe außer dem Bett. Mehr Zeit verbringe ich also auch nicht in meinem Truck.

SPIEGEL ONLINE: Und wo duschen Sie?

Brandon S.: Hier auf dem Campus. Ich stehe so gegen 5.30 Uhr auf, dann fahre ich mit dem Fahrrad zum Fitnessstudio, mache Sport und dusche. Ich könnte natürlich auch direkt duschen ohne vorher zu trainieren, aber das wäre irgendwie komisch.

SPIEGEL ONLINE: Was sagen denn Ihre Kollegen zu Ihrer ungewöhnlichen Bleibe?

Brandon S.: Die kriegen das jetzt erst langsam mit, aber die meisten sind dem Projekt gegenüber total positiv eingestellt und unterstützen mich.

Spartanische Unterkunft: Brandons Truck von innen Zur Großansicht
Brandon

Spartanische Unterkunft: Brandons Truck von innen

SPIEGEL ONLINE: Wie machen Sie das mit Ihrer Garderobe?

Brandon S.: Ich wasche immer samstags. In meinem Bürogebäude gibt es einen Waschsalon, den habe ich in den ersten Monaten genutzt, aber das war keine gute Idee. Während ich auf die Wäsche gewartet habe, habe ich am Schreibtisch gesessen, und da drehen sich die Gedanken ja doch nur um die Arbeit. Jetzt gehe ich in einen Waschsalon neben dem Fitnessstudio, da kann ich die Zeit sinnvoll nutzen. Ich habe Kleiderstangen und eine Kommode in meinem Truck. Und wenn es mal etwas schicker sein muss, gebe ich die Sachen vorher zum Bügeln in die Reinigung. Bisher hat das gut funktioniert.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie überhaupt Strom im Truck?

Brandon S.: Nein, ich besitze aber auch gar nichts, was Strom bräuchte. Ich habe so einen Akku, den ich alle paar Tage im Büro auflade, an den stecke ich nachts mein Handy. Meinen Laptop lade ich bei der Arbeit auf. Und ansonsten habe ich noch eine batteriebetriebene Taschenlampe. Ich könnte mir eine kleine Solaranlage anschaffen, aber ich weiß einfach nicht wofür.

SPIEGEL ONLINE: Und Sie haben sich in den letzten Monaten nie danach gesehnt, eine Wohnung zu haben?

Brandon S.: Nein. Aber die Entscheidung für das Leben im Truck ist mir auch nicht leicht gefallen. Ich hatte am Anfang viele Bedenken, und in der ersten Nacht war ich super aufgeregt. Das letzte Mal die Tür zu seiner Wohnung zu schließen, ist ein Moment, auf den man sich mental schwer vorbereiten kann.

SPIEGEL ONLINE: Und wie lange wollen Sie das jetzt noch machen?

Brandon S.: Ich habe ja gerade erst angefangen! So, wie ich jetzt lebe, kann ich 90 Prozent meines Gehalts sparen. Mein nächstes Ziel: meinen Studienkredit so schnell wie möglich zurückzuzahlen.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 74 Beiträge
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1.
moi1 23.10.2015
Ist das nicht die Idealvorstellung eines Mobilen Mitarbeiters. Mich wundert wirklich warum noch kein Konzern / Firma eigens Abstellpätze für Mobilhomes eingerichtet haben. Und die Dinger sind zum Teil Luxuriöser als manche Mietbude. Vom Verkauf des Hauses bei Umzug ganz zu schweigen.
2. 2 Jahre im Wohnwagen
womo88 23.10.2015
Ist schon witzig! Da wird von einem Mitarbeiter von Google berichtet, der in einem Truck lebt. Muss man dazu in die USA? Ich glaube nicht. Wir haben 2 Jahre auf einem Campingplatz gelebt, erst im Wohnmobil, dann im Wohnwagen; 2 Menschen und 2 große Hunde auf 25 qm. Alles war gut! Und wir haben eine Menge Menschen kennengelernt, die auch dort lebten, vom Rentner über einen Dipl.-Ing als Bauleiter auf einer Großbaustelle bis hin zu einem Firmeninhaber, der zwar auch ein Haus hatte, aber lieber auf seiner Parzelle lebte. Es gibt so viele in Deutschland. Das ist eine Parallelwelt, die der normale Bürger nicht wahrnimmt, die aber existiert.
3.
ibotob 23.10.2015
Hut ab vor dieser Entscheidung, Ich wundere mich nur, wie man es schafft, ohne Strom einen Film zu schauen. Alle zusammen vor einem kleinen Laptop?
4.
Atheist_Crusader 23.10.2015
Ich persönlich würde nicht mit dem Mangel an Rückzugsmöglichkeiten, einer vernünftigen Küche oder einer Stromversorgung klarkommen. Oder dass ich für jedes Zähneputzen und jeden Klogang vor die Tür müsste. Aber gut - ich bin auch kein 23 mehr, muss nicht ständig unterwegs sein und habe auch keine zigtausend Dollar Schulden aus einem Studium in den USA. Also, solange es ihm Spaß macht...
5.
Wofgang 23.10.2015
Für das Geld hätte er auch ein Wohnmobil mit vernünftiger Ausstattung bekommen. Habe auch schon bei Projekten im Wohnwagen oder Wohnmobil gewohnt. Alles möglich, aber sehr ungewöhnlich in unserer Wohlstandsgesellschaft. Es gibt übrigens auf vielen Campingplätzen Monteurs Tarife die durchaus erschwinglich sind und dann hat man sogar Strom und Dusche/Warmwasser.
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