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Google-Werkstätten "Mit welchem Tempo sägen Sie Aluminium?"

Google-Werkstätten: "Alles Gute kommt aus einer Garage" Fotos
AP

Spielgelegenheiten gehören zur Kultur von Softwarefirmen dazu. Bei Google beschränkt sich das aber nicht auf Billard und Kickertische. Ein großer Werkstattkomplex lädt zum Tüfteln mit Plasmaschneidern und Oszilloskopen ein. Wer dort mitmischen will, muss eine harte Prüfung bestehen.

Der Test für den Zugang zu den Google-Werkstätten ist so streng, dass bei Ihab Awad nicht einmal ein College-Abschluss in Maschinenbau reichte. Der Software-Ingenieur belegte extra noch einen Kurs in Holzbearbeitung, um die Freigabe zubekommen. Dann endlich bastelte er drauf los, alles auf Firmenkosten. Seine erstes Projekt: Eine Bar in der Form einer Rakete, um sich nach Feierabend ein Bier zu zapfen.

Das klingt verspielt? Das ist es auch. Im Silicon Valley, der kalifornischen Hochburg der IT-Industrie, werben aufstrebende Softwarefirmen und Internetläden sich gegenseitig das Personal ab. Gute Programmierer sind rar, der Bedarf riesig. Facebook, Cisco und Google überbieten sich mit Spielangeboten und einer eigenen Infrastruktur auf dem Firmencampus: Wellness, Friseur und Gourmet-Essen - alles kostenlos. Und doch finden junge Programmiertalente es oft attraktiver, in einem der unzähligen Start-ups etwas neues aufzubauen.

Erst Ende April reagierte Microsoft im fern gelegenen Redmond mit Gehaltserhöhungen, nachdem zuvor Google die Löhne pauschal um 10 Prozent, für Führungskräfte gar um 30 Prozent angehoben hatte.

Weil selbst das nicht reicht, wirbt Google derzeit wieder mit seinen Qualitäten als Arbeitgeber. Das Unternehmen bat kürzlich Journalisten zur Besichtigung einer Einrichtung, die selbst viele Beschäftigte nicht kennen: die Hightech-Werkstätten. In diesem Paradies für Tüftler und Bastler können Beschäftigte ihrer Arbeit vor dem Bildschirm entfliehen und mit sündhaft teuren Geräten nach Herzenslust schweißen, bohren oder sägen. So wie Ihab Awad mit seiner traumhaften Zapfanlage.

"Alles Gute beginnt in einer Garage"

Die Google-Werkstätten sind die Idee von Larry Page, der Google zusammen mit Sergey Brin in einer gemieteten Garage gründete. Page genehmigte 2007 die Eröffnung der Werkstätten, um wieder an die Wurzeln des Unternehmens zu erinnern. Manchmal werden hier Dinge entwickelt, die geschäftlich interessant sein könnten. Sonst aber wird nur zum Spaß gebastelt: an festlichen Dekorationen für das Büro etwa oder an großen Träumen, wie einem pedalgetriebenen Flugzeug mit 30 Metern Spannweite.

"Es gibt hier so ein Gefühl bei Google, dass alles Gute in einer Garage beginnt," sagt Greg Butterfield, der die Workshops leitet. "Larry wollte hier die gleiche Umgebung schaffen, die er und Sergey hatten, als sie Google starteten - eine Art Spielwiese oder Sandkasten, um Ideen nachzugehen."

Riesige Dreiräder für Streetview-Fotos

Zu diesen Zufluchtsorten, die zunächst unter dem Namen "Pi"-Shop liefen, haben nur einige wenige von den 26.300 Google-Beschäftigten Zugang. Wer hinein will, muss nicht nur Qualifikationen vorweisen, wie das Holzbearbeitungs-Zertifikat von Bierfreund Awad. Gefürchtet ist auch der Aufnahmetest. Eine der Testfragen lautet: "Wenn Sie eine Bandsäge benutzen, welche Geschwindigkeit benutzen Sie, um Aluminium zu zersägen?" Bislang haben rund 300 Beschäftigte bestanden und dürfen in den Werkstätten arbeiten.

Es gibt vier getrennte Arbeitsbereiche - für Metall, Holz, Schweißarbeiten und Elektronik, die in einer abgelegenen Ecke des 400.000 Quadratmeter großen Google-Geländes in Mountain View in Kalifornien liegen. Neben Oszilloskopen, Plasmaschneidegeräten und Gehrungssägen findet man dort auch Dinge, die eher in ein Kinderspielzimmer gehören. So kommen zum Beispiel Lego-Steine zum Einsatz.

Eines der Projekte, die in diesen Arbeitsräumen entstanden sind: riesige Dreiräder, die bis zu 120 Kilogramm an Hightech-Fotoausrüstung tragen können. Sie werden eingesetzt, um Bilder für den Kartendienst Google Streetview in Gebieten aufzunehmen, in die Autos nicht kommen.

Der Übergang vom Bastelspaß zum wirtschaftlichen Ernst ist also fließend. In den Werkstätten haben Techniker auch an ersten Prototypen der Smartphones gearbeitet, die mit dem Google-Betriebssystem Android laufen, oder Teile für den Einsatz in fahrerlosen Autos entwickelt. Bei weiteren Projekten endet dann Googles Offenheit: Über Produkte in der Entwicklungsphase will Workshop-Leiter Butterfield nicht sprechen.

Michael Liedtke, dapd/mamk

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insgesamt 4 Beiträge
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1. Interessantes Bild das hier gezeichnet wird
vander1 06.05.2011
Hier (http://www.andrewnormanwilson.com/portfolios/70411-workers-leaving-the-googleplex) mal ein Bericht über die Google Welt aus der Perspektive eines Google Mitarbeiters.
2. Re
Dumme Fragen 07.05.2011
Zitat von vander1Hier (http://www.andrewnormanwilson.com/portfolios/70411-workers-leaving-the-googleplex) mal ein Bericht über die Google Welt aus der Perspektive eines Google Mitarbeiters.
Ich werde meine Standardsuchmaschine austauschen und bestimmt kein Handy mit Android benutzen. Aber die Beschreibung einer solchen Klassengesellschaft finde ich schon ziemlich erschreckend. Fehlt nur noch "Parkbank darf nur von Mitarbeitern mit blauem oder rotem Badge benutzt werden".
3. Unfug,
vander1 08.05.2011
Zitat von Dumme FragenIch werde meine Standardsuchmaschine austauschen und bestimmt kein Handy mit Android benutzen. Aber die Beschreibung einer solchen Klassengesellschaft finde ich schon ziemlich erschreckend. Fehlt nur noch "Parkbank darf nur von Mitarbeitern mit blauem oder rotem Badge benutzt werden".
wieso wollen sie so etwas tun? In allen Konzernen findet man derartige Strukturen. Mir ging es nur darum das oft publizierte "Google ist anders/besser" Bild zu hinterfragen.
4. re
Dumme Fragen 09.05.2011
Zitat von vander1wieso wollen sie so etwas tun? In allen Konzernen findet man derartige Strukturen. Mir ging es nur darum das oft publizierte "Google ist anders/besser" Bild zu hinterfragen.
weil es doch ein wenig zuviel des guten ist...
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