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Am Ende der Karriereleiter Ich bin frustriert, also gründe ich

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Nicht mit mir: Wenn der Job nervt, gründen viele ihre eigene Firma

Ideen, die die Welt verändern - damit wird man Unternehmensgründer. So weit die Folklore. Forscher der Stanford-Universität behaupten: Der wichtigste Antrieb ist meist Frust.

Wer eine zündende Idee hat, der macht sich selbstständig. Wenn's klappt, dann scheffelt er richtig Kohle. Dieser Traum vom selbst gemachten Glück inspiriert viele Unternehmensgründer. Und so ist oft auch das Bild in der Öffentlichkeit: Gründer sind Menschen, die eine Vision mit Geschäftssinn verbinden.

Forscher der Stanford Graduate School of Business und der Chicago Booth School of Business sehen aber noch andere Gründe fürs Gründen. An erster Stelle: Frustration.

So führen vor allem fehlende Aufstiegsmöglichkeiten im Angestelltendasein dazu, dass sich Leute selbstständig machen, sowie mangelnde Angebote von anderen Arbeitgebern. Der typische Gründer hat schon mehrere Jahre in einem Unternehmen gearbeitet, sodass der Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber sehr schwierig wäre. Gerade Arbeitnehmer mit Fachkenntnissen stehen häufig vor diesem Problem. Ist erst einmal das Gefühl da, am Ende der Karriereleiter zu stehen, erscheine die Selbstständigkeit als attraktive Alternative, so die Forscher.

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Traum vom anderen Leben: Ich schmeiße hin
Für die Studie analysierten Jesper Sørensen und Amanda J. Sharkley die staatliche dänische Arbeitsmarktdatenbank mit einer Fallzahl von über einer Million, über einen Zeitraum von 1980 bis 1997. Dabei untersuchten sie unter anderem das Arbeitnehmer-Arbeitgeber-Verhältnis, die Jahreseinkommen sowie Stundenlöhne. Die dänischen Daten seien mit denen der USA durchaus vergleichbar, erklärt Stanford-Professor Sørensen: Zwar seien die Ersatzleistungen für arbeitslose Dänen sehr hoch, aber der Kündigungsschutz nur schwach ausgeprägt. Dänische Arbeitnehmer wechseln ähnlich schnell den Job wie Amerikaner.

Der Tante-Emma-Laden wird nicht der nächste Walmart

Bei der Frage, ob sie im Job bleiben oder sich lieber selbstständig machen, denken viele zunächst nicht ans Geld, heißt es weiter in der Studie. Schließlich machen viele Gründer am Anfang Verluste. Für viele wäre es eigentlich einträglicher, wenn sie weiter ihrer alten Beschäftigung nachgehen.

Der Gedanke, etwas Großes zu erschaffen, sei auch nicht sehr verbreitet. "Wenn sie ihren Tante-Emma-Laden an der Straßenecke eröffnen, dann träumen die wenigsten davon, einmal die nächste Walmart-Kette zu leiten", sagt Sørensen.

Die Forscher kommen zu dem Schluss, dass es den meisten nicht darum geht, eine eigene Firma zu leiten. Frustration über ihre derzeitige Karrieresituation sei ausschlaggebender. Den Unternehmen raten sie, gerade Arbeitnehmern mit Fachkenntnissen attraktive Entwicklungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Verlassen die erst mal die Firma, wird es teuer, neue Leute zu finden.

  • Pauline Schinkels (Jahrgang 1990) studiert in Köln Sozialwissenschaften und absolviert parallel an der Kölner Journalistenschule eine Ausbildung zur Journalistin für Wirtschaft und Politik.

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Yepp!
bcb86 18.09.2014
Kann ich nur bestätigen, nach drei Jahren im Unternehmen unterstehe ich nur noch der Geschäftsführung. Da es keine Perspektiven mehr gibt, mir die Entscheidungen des Chefs gehörig auf den Pinsel gehen und ich nicht ausgelastet bin gibt es kommenden Montag meine erwünsche Kündigung... Und meine Ideen schenke ich dem Laden nicht mehr. Muss Chef halt kleinere Autos fahren zukünftig...
2. Dänemark...
HARK 18.09.2014
ist wohl nur bedingt mit anderen Ländern vergleichbar. Auch der Verwies auf die USA hinkt doch sehr. Allerdings ist das Argument "Frustration" nicht von der Hand zu weisen. Die Selbstständigkeit ist oft die einzige Chance, der nervenzerreibenden Mühle einer "kalten Konzernkarriere" zu entkommen. Ich selbst habe einige Firmen und Institutionen von innen kennen gelernt - und es kann keinen Zweifel geben: Kompetenz und fachliches Können spielen auf dem Weg der Karriereleiter nach oben eine eher untergeordnete Rolle. Wenn man ein paar mal erlebt hat, dass die Dampfplauderer, Egomanen, Blender und Schleimer bei der nächsten Beförderung oder Entlassungswelle grundsätzlich die besseren Karten haben, sagt man sich halt irgendwann: Macht Euren Sch... doch alleine. Ich arbeite nur noch für mich selbst...
3. Stanford
Knoedel2012 18.09.2014
Es ist die Stanford University, nicht StanDford. Einmal googlen...
4. Mag sein, dass viele aus Frust gründen
kaischek 18.09.2014
Bei mir jedoch war es eine Vision, die ich als glücklicher Angestellter nicht hätte umsetzen können. Hat mir seinerzeit zwar keiner geglaubt, war aber die beste Entscheidung meines Lebens!
5. Alternativ
Sugafoot 18.09.2014
Man kann ja auch Job haben und nebenbei noch was arbeiten in der eigenen Firma, ist doch nicht schwierig. Dann gibts Freiheit und geregeltes Einkommen, falls Freiheit nicht zum Essen reicht.
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