Von Rainer Steppan
Adlige Herkunft, edles Outfit und beste Beziehungen: Malte von Brauchitsch, 39, wirkt wie der Prototyp eines Private Bankers. Doch der Betriebswirt verwaltet keine großen Vermögen. Er durchforstet das Internet nach den Lebensläufen von Managern, führt Interviews mit Führungskräften, holt Referenzen ein. Brauchitsch ist Headhunter.
Nach Stationen bei den Beratungsfirmen Heidrick & Struggles, Kienbaum und Odgers Berndtson hat sich der Consultant vor kurzem in München selbständig gemacht. Mit seiner Firma Green Leaders zielt er auf Ökostromerzeuger und Industrieunternehmen, die Windkraftanlagen, Biogasreaktoren oder Solarzellen produzieren. Potentielle Kunden sind auch Banken und Investmentgesellschaften, die auf den Trend zu erneuerbaren Energien setzen.
Was der Headhunter macht, ist in doppelter Hinsicht typisch: Brauchitsch steht für die enorme Aufbruchstimmung, die die deutschen Headhunter ergriffen hat. Und zugleich steht er für den Trend zur Spezialisierung.
Die Aufbruchstimmung kommt nicht von ungefähr. 2009 war für das Search Business ein Horrorjahr mit katastrophal niedrigen Umsätzen und zahlreichen Firmenpleiten. Doch seitdem stehen die Signale wieder auf Expansion: Rund 1,3 Milliarden Euro Umsatz erzielten die Kopfjäger nach Angaben des Bonner Beraterverbands BDU 2010 - fast ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Und ein Ende des Aufschwungs ist nicht abzusehen. Im Gegenteil.
Firmen reißen sich vor allem um Ingenieure, Konstrukteure, IT-Experten
Das liegt am freundlichen Konjunkturklima, aber auch an der fortschreitenden Globalisierung der Wirtschaft und der für die Unternehmen geradezu prekären demografischen Entwicklung. Selbst forcierte Zuwanderung könnte das Defizit an qualifizierten Fach- und Führungskräften in Deutschland nicht ausgleichen. Man muss kein Hellseher sein, um den Headhuntern eine rosige Zukunft zu prophezeien.

Fast 45.000 Posten haben die deutschen Headhunter 2010 besetzt, davon rund ein Viertel Stellen in Vorständen oder Geschäftsführungen. Die Nachfrage kurbeln vor allem Unternehmen aus den Hightech-Branchen Telekommunikation, IT, Medien, Unterhaltung und Sicherheit an. Auch das verarbeitende Gewerbe, die Versorgungsindustrie und wirtschaftsnahen Dienstleister, etwa Unternehmens- und Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer, melden stark steigenden Personalbedarf. Die Zuwachsraten in diesen Branchen werden laut BDU zwischen 16 und 20 Prozent liegen.
Dabei entwickelt sich das Suchgeschäft zunehmend mehrkanalig. Klassiker sind die Direktansprache per Telefon und die Suche per Print- und Online-Anzeige. Daneben gewinnen soziale Netzwerke im Internet und das Echtzeitweb - Twitter und Co. - an Bedeutung.
Honorar in drei Raten plus Spesen
Pro Auftrag kassiert ein Executive Search Consultant - so nennen sich die Berater gern selbst - mindestens ein Drittel von dem Bruttojahresgehalt, das der gesuchte Manager erhalten soll; eingerechnet wird der Wert von Nebenleistungen wie Dienstwagen und Altersversorgung. Hinzu kommen Spesen, oft pauschal 20 Prozent des Honorars. Billiger wird es nur, wenn ein Auftraggeber mit dem Headhunter einen Rahmenvertrag für eine ganze Reihe von Aufträgen schließt.
Gerade Consultants von bekannten Firmen bemessen das Honorar nach der Schwierigkeit einer Suche. Fällig wird es nicht erst im Nachhinein: Meist kassieren Retained Executive Search Consultants ihr Honorar in drei gleich hohen Raten (Retainer) - Rate eins bei Vertragsschluss, Rate zwei bei der Präsentation der Kandidaten, Rate drei bei Unterzeichnung des Arbeits- oder Dienstvertrags durch den platzierten Manager.
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