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Prämien-Streit Krankenkassen und Hebammen einigen sich

Hebammen-Dienste: Säugling beim Hausbesuch einer Geburtshelferin Zur Großansicht
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Hebammen-Dienste: Säugling beim Hausbesuch einer Geburtshelferin

Hebammen in Deutschland bekommen mehr Geld. Ihr Dachverband hat nun ein Angebot der Krankenkassen angenommen. Damit endet ein monatelanger Streit - um spätestens nächstes Jahr wieder loszugehen.

Nach monatelangem Tauziehen haben sich die Hebammen in Deutschland mit den Krankenkassen geeinigt: Die Geburtshelfer werden damit einen finanziellen Ausgleich für ihre gestiegenen Haftpflichtprämien bekommen. Der Deutsche Hebammenverband (DHV) teilte am Dienstag mit, dass er das Angebot der Krankenkassen angenommen habe.

Zuletzt waren die Beitragssätze bei der Haftpflichtversicherung massiv gestiegen, viele freiberuflich tätige Hebammen bangten um ihre Existenz. Die Verhandlungen mit den Kassen über Ausgleichszahlungen waren jedoch im Mai gescheitert. Jetzt teilte der Hebammenverband mit, dass es nach einigen Nachbesserungen keine Alternative zu diesem Angebot der Krankenversicherer gebe.

"Mittlerweile wurde das ursprüngliche Angebot modifiziert, die Vergütung der Beleghebammen im Schichtdienst nach oben korrigiert und die gesamte Vergütung um einen Zuschlag ergänzt", erklärt der Verband die Änderungen, die nun die Einigung ermöglicht haben. Begeistert ist man beim DHV offenkundig nicht. Man habe auf ein Schiedsstellenverfahren verzichtet, weil zu befürchten war, dass während einer weiteren Vermittlungsrunde immer mehr Hebammen den Beruf aufgeben: Ausgleichszahlungen hätten sich dann weiter verzögert.

Demnächst in diesem Theater

Die Zuschläge hatte der Bundestag im Juni beschlossen, mit der Maßgabe, dass Krankenkassen und Hebammenverbände die genaue Höhe aushandeln. Sie sind befristet; ab dem 1. Juli 2015 soll es einen Sicherstellungszuschlag geben. Dieser geht auf einen Vorschlag von Gesundheitsminister Hermann Gröhe zurück.

Die Höhe des Sicherstellungszuschlags ist aber noch völlig offen. Es gilt als sicher, dass bald auch darüber zähe Verhandlungen geführt werden.

"Wir fordern weiterhin eine strukturelle Lösung der Haftpflichtproblematik. Die Zuschläge helfen nur kurzfristig," erklärt DHV-Präsidentin Martina Klenk. Eine langfristige Lösung sei nötig, "um die Versorgung mit Hebammenhilfe zu sichern und Frauen die Wahlfreiheit des Geburtsortes zu ermöglichen."

Sie beklagt, dass nicht alle Hebammen im gleichen Maß vom Kostenausgleich durch die Kassen profitieren: "Einen geringeren Ausgleich erhalten beispielsweise Beleghebammen, die im Schichtdienst arbeiten."

Teure Versicherungen

Die hohen Versicherungsprämien betreffen jene rund 3000 der gut 17.000 freiberuflichen Hebammen, die auch Geburtshilfe leisten. Grund ist, dass die langfristigen Therapie- und anderen Kosten stark gestiegen sind, die bei einer Schädigung des Kindes durch einen Fehler der Hebamme anfallen. Betroffen sind in erster Linie Hebammen mit relativ wenigen Geburten, da ihnen bestehende Ausgleichszahlungen der Kassen nicht reichen.

Zahlten Hebammen 2004 noch 1352 Euro für die Versicherung, werden es ab Juli 5091 Euro sein. Gerichte schraubten im Fall eines Fehlers der Hebammen bei der Geburt die Summen für die Betroffenen immer weiter in die Höhe - auch weil ein behindertes Kind heute wegen des medizinischen Fortschritts oft viel länger lebt als früher.

"Unser Beruf wird gerade abgeschafft"

dpa/mamk/kgp

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insgesamt 8 Beiträge
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1. Optimierung.
MartinB. 05.08.2014
Wir werden nicht eher ruhen, bis auch das Gebären den Erfordernissen des Kapitalismus unterworfen ist: Maximale Effektivität am Fließband bzw. Schichtdienst.
2.
53er 05.08.2014
Zitat von sysopDPAHebammen in Deutschland bekommen mehr Geld. Ihr Dachverband hat nun ein Angebot der Krankenkassen angenommen. Damit endet ein monatelanger Streit - um spätestens nächstes Jahr wieder loszugehen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/hebammen-einigung-mit-krankenkassen-ueber-haftpflicht-praemie-a-984597.html
Die Frage für die Haftpflichtversicherungen lautete: Wie kann ich den deutschen Beitragszahler in die Sozialversicherungen auch noch anzapfen? Endlich haben sie das Spundloch gefunden.
3. Die wichtigste Frage
MedD 05.08.2014
für die Eltern ist doch: was sind die besten Voraussetzungen um einen Geburts-bedingten Schaden zu vermeiden. Dieses spezielle Risiko bilden die Haftpfilchtversicherer jetzt detailliert ab. Eigentlich sollte es Teil der Aufklärung Dich die Hebamme sein.
4. klingt so...
Dumme Fragen 05.08.2014
Als ob bei Hebammen besonders viel passieren würde - könnte in solchen Artikeln nicht ein wenig Hintergrundinfo stehen? Was zahlen denn die Krankenhäuser bzw. gynäkologischen Abteilungen an Versicherung?
5.
women_1900 06.08.2014
Zitat von sysopDPAHebammen in Deutschland bekommen mehr Geld. Ihr Dachverband hat nun ein Angebot der Krankenkassen angenommen. Damit endet ein monatelanger Streit - um spätestens nächstes Jahr wieder loszugehen. http://www.spiegel.de/karriere/berufsleben/hebammen-einigung-mit-krankenkassen-ueber-haftpflicht-praemie-a-984597.html
und wieder einmal einseitig zu Lasten der Pflichtversicherten. bekommen denn Privatversicherte, Beamtinnen keine Kinder? Die Plünderung der GKV schreitet voran. Gut, daß dank der SPD zukünftig eine Beitragserhöhung einseitig zu Lasten der Versicherten vorgenommen werden kann. Ich kritisiere NICHT den Ausgleich für die Hebammen, die Finanzierung ist mein Kritikpunkt.
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Etwa 21.000 Hebammen arbeiten in Deutschland, nur noch 3500 von ihnen sind freie Beleghebammen. Zuletzt hatten sie um ihren Beruf gefürchtet, weil die Nürnberger Versicherung zu Mitte 2015 aus dem Versicherungskonsortium für die Hebammen ausgestiegen war. Ohne Haftpflichtversicherung dürfen Hebammen aber nicht arbeiten. Auf massiven Druck der Regierung gibt es nun doch eine Lösung, allerdings nur bis 2016 und mit abermaligem Anstieg der Haftpflichtsumme auf mutmaßlich mehr als 6000 Euro pro Jahr. Wie es danach weitergeht, ist ungewiss.

Etwa 15 bis 20 Prozent der Hebammen haben bereits ihre Tätigkeit als Geburtshelfer niedergelegt, nachdem die Haftpflichtsumme vor vier Jahren um 55,6 Prozent auf 3700 Euro angestiegen war. Seit 2012 kostet sie bereits 4242 Euro. Bei der Haftung geht es vor allem um Fehler, die während der Geburt geschehen. Die Zahl der so genannten Schadensfälle wird zwar immer kleiner, die verhandelten Summen aber immer höher. Dabei kann es pro Fall schon einmal um sechs bis sieben Millionen Euro gehen, was für die Versicherer ein großes Risiko darstellt.

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