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Erfolgsgeschichten von Top-Frauen "Das Leben ist zu kurz für den falschen Job"

Heidi Stopper war Führungskraft bei Airbus, bis Ende September Personalvorstand bei ProSiebenSat.1 und ist jetzt selbstständige Coachin Zur Großansicht

Heidi Stopper war Führungskraft bei Airbus, bis Ende September Personalvorstand bei ProSiebenSat.1 und ist jetzt selbstständige Coachin

Wer nicht an drei von fünf Tagen mit Leidenschaft zur Arbeit geht, hat den falschen Job, findet Heidi Stopper. Die Managerin spricht aus eigener Erfahrung - und gibt ganz subjektive Tipps für eine erfolgreiche Karriere.

Zwölf Top-Managerinnen, ein Dutzend Geschichten: Hier zeichnen erfolgreiche Frauen ihren Weg nach oben nach - und berichten, worauf es ankommt. Heute erzählt Heidi Stopper von ihrer Zeit bei EADS und Pro Sieben Sat 1.

"Tun, was einem liegt, öfter mal von Senden auf Empfangen umstellen und sich selbst als Mensch nicht verlieren - so sehe ich, Heidi Stopper, 45 und bis vor wenigen Wochen Personalvorstand bei der ProSiebenSat.1 Media AG, die essenziellen Beigaben für eine gute Karriere.

Vorbilder gab es nicht. Es war die klassische Rollenverteilung, in der ich aufgewachsen bin, damals in Ravensburg. Vater selbstständig, Mutter kümmert sich um das Büro. Und doch war es meine Mutter, die mich zu freiem Denken und großer Eigenständigkeit angehalten hat.

Vielleicht ist meine Karriere deshalb auch nicht linear verlaufen. Ich habe mich immer gefragt: Was liegt mir? Welche Arbeitsbedingungen brauche ich? Heute weiß ich: Ich brauche viel Freiraum, großen Gestaltungsspielraum, sympathische Menschen um mich herum, eine vielfältige, fordernde Aufgabe und - so sage ich immer - 'viel PS'.

Aus Situationen, die nicht zu mir passten, bin ich deshalb immer wieder ausgebrochen. Angefangen hat es im Referendariat beim Arbeitsgericht nach dem Jura-Examen. Pro Woche drei Tage Aktenstudium, ein Sitzungstag, das ganze mit dem Ziel, die streitenden Parteien zu einem Vergleich zu überreden - das hatte mit Gerechtigkeit oft nichts zu tun. Ich fühlte mich, als wäre ich beim Monopoly-Spielen auf dem falschen Feld gelandet: Gehe nicht über Los, rücke sofort ins Gefängnis ein.

Nicht immer nur senden - auch mal auf Empfangen umstellen

Als ich stattdessen bei Dornier in Friedrichshafen in der Personalabteilung anfangen konnte, war das ein Befreiungsschlag. Da Dornier zum Dasa-Konzern (heute EADS) gehörte, hatte ich dort die Gelegenheit, mich in verschiedenen Jobs weiterzuentwickeln, so war ich etwa mehrere Jahre bei der Raumfahrttochter Astrium. In meinen letzten vier Jahren bei EADS habe ich mit Mann und Sohn in Toulouse gelebt.

Bei EADS habe ich viel darüber gelernt, wie man verschiedenste Stakeholder intelligent managt, wie man Entscheidern, die meist nicht so nah am Thema sind, einen komplizierten Sachverhalt anschaulich erklärt, wie man Interesse weckt, dabei die eigenen Punkte platziert und dennoch antizipiert, wie das Gegenüber reagieren könnte.

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Zuhören, ohne zu erwidern. Nicht immer senden, sondern öfter mal auf Empfangen stellen. Das ist essenziell für eine gute Karriere. Und daran muss man hart arbeiten.

Sich in die Position des anderen versetzen - das hilft auch bei Rückschlägen. Einmal bezog ich für eine neue Position ein Büro, und mein Vorgänger hatte nicht nur alle Büromöbel mitgenommen, sondern auch alle Steckdosen und Computerbuchsen abgeklemmt. Es war klar: Ich war nicht willkommen.

Zurück nach Deutschland

Aber wenn man Abstand zu einer solchen Situation gewinnt, wenn man begreift, wie der andere sich fühlt, dann ist das nicht nur gut für die eigene Gesundheit, sondern lässt auch beiden Seiten ihre Würde. Genau das ist für mich in der Personalarbeit entscheidend. Denn natürlich gehört es dazu, auch einmal unangenehme Botschaften zu überbringen.

Tatsächlich ist das Thema Human Resources (HR) in meinen Augen eines der herausforderndsten Felder im Unternehmen. Ich persönlich finde Personalarbeit wunderbar. Man muss nicht nur alle Bereiche des Unternehmensgeschäfts verstehen, einschließlich der Finanzen - gleichzeitig nimmt die menschliche Seite einen unglaublichen Stellenwert ein. Die Interaktion, die Psychologie, die Chemie. Ich lasse mich gerne von Menschen einnehmen - ihrer Wärme, ihrer Intelligenz, ihrem Humor. Daraus ziehe ich Energie.

Aber es gab auch schwere Rückschläge, gerade im privaten Bereich. Nach einem Todesfall in der Familie habe ich mir die Frage gestellt, was ich eigentlich will im Leben. Da fiel die Entscheidung, nach Deutschland zurückzugehen und eine neue Aufgabe wahrzunehmen: bei ProSiebenSat.1, zuerst als Executive Vice President für HR, dann als Personalvorstand.

Meine Familie hat alles mitgetragen, die Umzüge, die Schulwechsel, den Verlust von privaten und geschäftlichen Kontakten. Gleichzeitig hat sie auch davon profitiert, denn wir alle haben aus unserer Zeit im Ausland sehr viel mitgenommen. Nicht zuletzt die Erkenntnis, dass die wirklichen Freunde bleiben, egal wie viele Kilometer zwischen uns liegen.

Natürlich musste ich manchmal viel organisieren, wenn der Kindergarten zu früh geschlossen hat oder das Fußballturnier mittags stattfand. Aber das gehört eben dazu. Ich bin ein Familienmensch und habe mein Leben neben dem Job nie aufgegeben. Ich buche einmal im Jahr einen Mutter-Sohn-Urlaub, bin oft bei meinem Bruder und meiner Mutter, spiele Klavier und mache Yoga. Als dieser ganze Mensch komme ich jeden Tag in die Firma.

Meine Empfehlung ist deshalb auch, sich morgens selbst die Frage zu stellen, ob man gerne dafür aufsteht. Denn wer nicht an drei von fünf Tagen mit Leidenschaft zur Arbeit geht, sollte etwas anderes machen. Das Leben ist zu kurz."

Protokolliert von Gisela Maria Freisinger

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Witzischkeit keine keine Grenzen
george.dashwood 13.11.2014
Wenn man am arroganten und engstirnigen Personalerzerberus vorbeikommt, dann bekommt man vielleicht auch einen Job in dem man wenigstens an einem Tag pro Woche gerne hingeht. Wem das versagt bleibt, der malocht halt für die Kohle und versucht Hartz4 zu entkommen. Somit sind die subjektiven und wohl VitaminB befeuerten Tipps nichts als Zynismus gesendet von der Insel der Glückseligen.
2.
campdavid 13.11.2014
Ein Beitrag zum Thema Karriere als Frau mit sinnvollen Ratschlägen und ganz ohne Seitenhieb auf die Männerwelt? Geht doch!
3. Frage der Prioritäten
freiheitimherzen 13.11.2014
Denn wer nicht an drei von fünf Tagen mit Leidenschaft zur Arbeit geht - dem sind vielleicht andere Dinge wichtiger. Das Leben ist zu kurz - um nur zu arbeiten.
4. Habe es geschafft
donatellab 13.11.2014
In der Tat: Das Leben ist zu kurz für einen miesen Job. Nachdem ein Psycho die Leitung uebernommen hatte, war es sehr unangenehm im Job. Also nichts wie weg da. Heute gehe ich meistens mit Freude ins Büro. Mit mir hat ein Großteil der Kollegen die alte Abteilung verlassen. Der neue Chef ist unerträglich.
5. Frau Stopper vertritt eine kleine Minderheitenmeinung
MtSchiara 13.11.2014
"Wer nicht an drei von fünf Tagen mit Leidenschaft zur Arbeit geht, hat den falschen Job, findet Heidi Stopper." Wenn man den "falschen Job" so definiert, dann kann man diese Meinung vertreten. Will Frau Stopper allerdings damit zum Ausdruck bringen, daß es für die allermeisten Menschen einen Job gebe, den sie mindestens drei Tage pro Woche mit Begeisterung machen können, dann vertritt Frau Stopper damit eine kleine Minderheitenmeinung unter ihren Managerkollegen und Entscheidungsträgern. Denn würde es für die meisten Menschen einen "richtigen Job" geben, der auch sinnvoll für die Allgemeinheit ist, wozu bräuchten wir dann noch die Bindung von Geld an Arbeit? Man würde viel Verwaltungsaufwand sparen, wenn man den Menschen ein bedingungsloses Grundeinkommen geben würde, wenn sie auch ohne den Zwang zum Geldverdienen aus Begeisterung zur Arbeit gehen würden. Leider glaubt kaum ein Manager oder politischer Verantwortungsträger daran, daß die große Mehrheit der Menschen auch ohne den Zwang zum Geldverdienen hinreichend arbeiten würde. Denn die große Mehrheit der Entscheider ist dafür, daß die Erwerbsarbeit der wichtigste Schlüssel zum Zugang zu Geld ist und bleibt.
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